Gastbeitrag: Emanzipation

Emanzipation„Yo, wir wollen auch in Bereiche vordringen, die von Männern dominiert werden, warum sollten wir uns von denen dominieren lassen?“

Und zack! Befreiungsschläge von tendenziell patriarchalisch-arroganten „männlichen Familienernährern“ in einer Welt, die einem suggeriert, nur „bezahlte Arbeit“ wäre auch „Arbeit“, was Frauen daheim so machen mit bisschen Haushalt und Kindern sei eher „für die Dummen, Ungebildeten, Schwachen“, und da vegetieren sie dann zwischen Küche und Wickeltisch hin und her und haben jeden Tag nur zwei Termine: Morgens den Mann wecken und das Frühstück vorbereiten und abends schauen, dass das Abendessen pünktlich auf dem Tisch steht, wenn der Mann vom Mammutjagen im Büro nach Hause kommt.

„Befreiung“ von dem einen Hirnfick, den gerade eingebildete Männer-Generationen forcierten, die Ihrem Ego frönten auf Kosten von Generationen von Ehefrauen, Müttern, die klein und „dumm“ gehalten wurden – um von einem anderen „Hirnfick“ gefangen genommen zu werden: Karriere, auf Augenhöhe mit der Männerwelt.

Endlich kann auch die Frau in Hierarchien aufsteigen und in langweiligen Meetings Zahlen herunterbeten und Marketingstrategien entwerfen, wie man das nutzlose Produkt XY noch besser Kunden aufschwatzen kann.

Ist ja auch viel sinnvoller und „gesellschaftlich anerkannter“, als daheim sich um die Kinder zu kümmern, für sie da zu sein, den Haushalt in Schuss zu halten, nicht wahr?

Das ist ja langweilig – nein, man will „in die weite Welt hinaus, Abenteuer bestehen, sich selbst und den anderen etwas beweisen“, was einem die Gesellschaft, die Medien, die Erziehung/Konditionierung eben als „lohnenswerte Lebensziele fürs Ego“ so vorleben.

Generationen von alleinerziehenden Müttern, die wirtschaftlich unabhängig sind, da sie selbst ihren Lebensunterhalt verdienen, und nebenbei die (Schlüssel-)Kinder großziehen, wurde zum „ganz normalen Familien-Schema“.

Männer, die in der Ehe ihr Ego nicht mehr so „gehen lassen können“ wie das früher möglich war in starren, gesellschaftlich diktierten Rollenverteilungs-Korsetts, und die eher verlassen werden von ihren Frauen, die sich „nicht mehr jede männliche Frechheit bieten lassen“, und dann lieber alleine die Kinder großziehen und nebenbei arbeiten gehen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

* * *

Keine Ahnung, was nun besser oder schlechter ist.
Zumindest scheinen Frauen heute mehr Wahlmöglichkeiten zu haben, als es in früheren Dekaden gesellschaftlich möglich war. Das ist doch schon mal was.

Einerseits freut man sich, dass die Frauen sich von dieser bescheuerten Duckmäuser-Rolle unter patriarchischen Ehemännern befreien konnten, andererseits tragisch, dass man sich nun wieder „benutzen“ lässt, nur eben nicht von arroganten Männern, die davon ausgehen, „die bleibt schon da, wo soll sie denn hin ohne Einkommen, da kann ich mir als Mann ja auch die eine oder andere Unverschämtheit erlauben“, sondern eben von der Renditegenerierungs-Maschinerie.

Wie würde der Arbeitsmarkt aussehen, wenn Frauen mit Kindern die Kinderjahre daheim verbringen würden, und das genauso gesellschaftlich anerkannt wäre, wie „Arbeit“, die auch bezahlt wird, und gar Rentenansprüche generiert?

Oder wenn Männer sich ebenso berufen fühlen würden, gerne als Hausmann daheim zu bleiben und Haushalt und Kinder zu versorgen, oder sich eben abwechseln mit dem „Erziehungsurlaub“?

Stets führen Ego-Arroganzen dazu, dass sich „Befreiungsbewegungen“ entwickeln und man sich vom einen Elend „befreit“, um in einem anderen „Elend“ zu landen, wo man wieder mit Ego-Spielchen konfrontiert wird – nur eben mit „anderen“ Ego-Spielchen, als früher. 

Verfasst von Evan Dennings am 20. 02. 2018, editiert in der Blog-Kategorie: Inspiration – Lyrik – Weisheit – Reflexion

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