Kundalini-Erwachen im Westen

Kundalini-Erwachen im WestenEin Kundalini-Erwachen kann turbulent sein. Nicht immer ist es mit starken Krisen verbunden, nicht immer ist es nur negativ. Der Prozess ist in der Regel nie abgeschlossen, wechselt sich jedoch in der Intensität mit stärkeren und schwächeren Phasen ab. In besonderen Fällen können auch Suizid-Gedanken auftreten.

Nachfolgende Berichte veröffentliche ich u. a. für all jene, die denken, sie seien mit ihrer Erfahrung gänzlich alleine, für alle jene, die denken, niemand außer ihnen verstünde, wie es ihnen geht und was sie wirklich erleben …

Nachricht vom 18.01.2019:

Liebe Tanja,
Du hast mir Mut gemacht mit dem, was du über Kundalini schreibst.
Und es ist tatsächlich alles so, wie du sagst. Ich erlebe es seit 6 Jahren jeden Tag. Deshalb musste ich sogar in Behandlung, weil es so heftig ist. Hinzu kommen bei mir spezielle Traumata aus der Kindheit. Das macht es doppelt heftig.  Kundalini holt alles, diese alten Traumata, wieder hervor.
Manchmal spüre ich auch die gewaltige positive Kraft von ihr – aber das ist selten. Kaum wird es ein bisschen besser, kommt der nächste Energie-Schub. So liege ich also da und versuche, es auszuhalten. Und da hat mir dein Blog geholfen, denn jetzt weiß ich: Es kann milder werden. Danke dafür. Ich hoffe, dass das irgendwann geschieht.
Herzlich und alles Gute, Peter

Nachricht vom 27.01.2019:

Hi Tanja,
hab eben Deine Zeilen Kundalini – Aufstieg, Krisen und Symptome gelesen. Kann nur sagen: „So treffend!“ Echt. So wahr. So schonungslos. Hoffe es wird Dir geglaubt. Dein Bericht ist nicht wie andere Schönrednerseiten. Diese Leute wissen nicht, wovon sie philosophieren, sonst würden sie nicht immer alles rosa sehen.

Bin seit ca. 12 Jahren im Prozess und sie quält mich von früh bis spät. Dieses von den „Spiris“, wie ich sie gerne nenne, gesuchte Etwas, von dem sie gehört oder gelesen haben und das sie auch am liebsten sofort hätten. Dieses unnachgiebige Ding in mir … Selig sind die Unwissenden … Ich habe Kundalini nie als schön empfunden. Nie. Auch nicht die spirituellen Erfahrung/Erkenntnisse/Siddhis usw., die mannigfaltig sind. Was hab ich davon? Nix. Ertrage einfach nur und es kommt mir vor, als ob mein Inneres mit Spiritualität immer mehr ausgefüllt wird. Bei mir kam es mitten im Berufsleben zu einer Spontanerweckung. Ohne Vorwarnung. War sicher nie religiös oder spirituell … Denke, es kann jeden treffen, auch die, die es nicht forcieren. Irgendwann ist jede Seele dran.
Wie auch immer, vielen Dank für Deine Beschreibung. Alles Gute, Stephan

Peters und Stephans kurze, einprägsame Berichte stehen stellvertretend für viele Menschen, denen ein Kundalini-Erwachen in unseren Breitengraden einfach so passiert. Auch der Bericht von A., einem Koch, siehe Kundalini Erfahrung – ein Koch erzählt … sowie die Erfahrungs-Berichte in Kundalini ist real oder Authentische Kundalini-Erfahrungen klingen ähnlich. Nicht immer geht eine intensive spirituelle Praxis und/oder Yoga-Praxis einem Kundalini-Erwachen voraus. Nicht immer – und dies möchte ich nochmals heraus heben – ist ein Kundalini-Erwachen mit starken Krisen behaftet und nicht immer braucht jemand Hilfe oder gar ärztliche Betreuung, doch Symptome können auftreten. (Und natürlich gibt es daneben auch positive, beglückende Erfahrungen …)

Kundalini-Erwachen im Westen und Yoga-Lehrer

Ich veröffentliche die Berichte auch deshalb, weil ich das Bewusstsein der Kundalini-Yoga– oder Yoga-Lehrer schärfen möchte. Manchmal erreichen mich Mails von Lehrern, die in der Essenz klingen wie folgt:

a) Mit Kundalini-Yoga wäre das nicht passiert.
b) Die Energie ist steuerbar, bei richtiger Erweckung gibt es keine Krisen.
c) Heureka! Jetzt wirst du nicht mehr wiedergeboren.
d) Sat Nam. Egal, was du beschreibst, Kundalini ist immer positiv und du solltest aus karmischen Gründen deine Seite löschen.
e) Sowas kommt in meiner Schule nicht vor!
f) Wenn es nicht durch Yoga-Praxis erweckt wurde, ist es auch keine Kundalini.
g) Selber schuld!

D. h. die Yoga-Lehrer kennen ev. die Literatur nicht oder gehen generell davon aus, dass a) Kundalini ausschließlich durch Yoga-Praxis erweckt und b) durch Kundalini-Yoga-Praxis die Energie so gelenkt und kanalisiert werden kann, dass keine Beschwerden auftreten. Punkt a) ist definitiv unrichtig. Es treten viele Spontanerweckungen so auf, wie z. B. Stephan es beschrieben hat. Dies ist auch in der Literatur beschrieben und bekannt, und dies bezeugen auch die vielen Zuschriften, die ich bekomme und u. a. hier auf dem Blog veröffentlicht habe. Zu Punkt b) sage ich Jein. Kundalini-Yoga mag in Einzelfällen helfen, ich schließe diese Yoga-Praxis nicht gänzlich aus und praktiziere selber intensiv seit 2017 – siehe Artikel. Steuerbar ist die Energie jedoch für mich dennoch nicht. Punkte c) bis g) zeugen m. E. von Ignoranz, Fehl- oder Unwissen.

An einer ausgeprägten Symptomatik litten übrigens auch Gopi Krishna und Jiddu Krishnamurti. Auch von Swami Muktananda und Irina Tweedie sind Krisen bekannt. Alle waren auf ihre Weise spirituell geschult.

Wann ist Kundalini Kundalini?

Die Deutungshoheit, wann Kundalini eben Kundalini ist und wann nicht, können m. E. nach Yoga-Lehrer nicht (mehr) für sich alleine in Anspruch nehmen, insbesondere nicht vor dem Hintergrund der bekannten Literatur und der Erfahrungsberichte, und insbesondere nicht, wenn sie das Phänomen nicht selbst erlebt haben, bzw. etwaige Einzelsensationen wie Aurasichtigkeit und/oder das Fühlen eines leichten, angenehmen Energiestroms während der Praxis als Indiz nehmen …

Unterscheidung von energetischer Erfahrung und Kundalini

Kundalini-Energie ist z. B. auch im Alltag, beim Einkaufen, Autofahren, Arbeiten usw., permanent ansprech- und fühlbar und hält in dieser Qualität über längere Phasen (Wochen, Monate, Jahre) hindurch an, d. h. sie ist dauerhaft, konstant und tut das Ihre ohne äußeres Zutun, ohne, dass sich der Erweckte auf die Energie konzentrieren oder kontemplativ versammeln muss. Sie fließt von alleine, egal ob der Betreffende es will oder nicht, kann jedoch in der Intensität schwanken, wenngleich für gewöhnlich abends, nachts oder in bestimmten Lebensphasen verstärkte Aktivität auftritt. Sie ist aber kein energetisches, mit paranormalen Qualitäten verknüpftes Einzelerlebnis, das für wenige Minuten ausschließlich in der Mediation oder bei Yoga-Stunden auftritt. Zur Verdeutlichung: Ein Peak ist eine energetische oder transzendentale begrenzte Erfahrung mit oder ohne Erleuchtung. Kundalini aber ist in der energetischen Qualität unbegrenzt, dauerhaft und wirkt – teils auf unangenehme Weise – in den Alltag und sogar in Partnerschaften/Beziehungen hinein. Zu behaupten, die Energie – egal welche – sei steuerbar, trifft so gesehen zu, wenn sie nur gelegentlich und unter gewissen Parametern/Voraussetzungen auftritt, wie z. B. in der Meditation oder während der Yoga-Stunde. Probleme verursacht Kundalini jedoch eben nicht zu gewissen Zeiten und in vorgegeben Intervallen, sondern, wie erwähnt, außerhalb: im Alltag, nachts und vor allem, wenn das Tagesbwusstsein beiseite tritt, das heißt im Schlaf.
Zudem ist es dem Wiener Institut für angewandte Biokybernetik und Feedbackforschung gelungen, die Energie mittels Messinstrumenten nachzuweisen, siehe u. a. die Forschung um Karl Heinz Eder, Gerhard E. Eggetsberger, sowie andererseits die Forschungsergebnisse von Dr. Hiroshi Motoyama. Darüberhinaus gibt es ganz klare Anhaltspunkte

Die Unterscheidung, die von Yoga-Lehrern i. d. R. nicht getroffen wird, ist, dass z. B. Kundalini-Yoga – mitunter auch Tantra – per se auf ein Erwachen der Energie ausgerichtet ist, wohingegen es Menschen gibt, deren Kundalini (spontan) und ohne äußeres Zutun oder bewusste Intention erwacht ist. Mit letzteren bin ich für gewöhnlich in Kontakt, und die Frage, die zu stellen ist, bzw. die Aussage, die zu treffen ist, lautet nicht „Mit Kundalini-Yoga wäre das nicht passiert“ oder „Selber schuld“ sondern „Wie wirkt die Kundalini-Yoga-Praxis auf einen Erwachten?“ D. h.: Wie lautet oder was ist die Antwort aus Yoga-Sicht für einen Erwachten mit ausgeprägter Symptomatik? (An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, dass starke Krisen/Beschwerden im Aufstiegsprozess nicht auftreten müssen, aber auftreten können.)

Wie wirkt Yoga-Praxis auf einen Erwachten?

Da ich selbst im Jahr 2012 ein Spontan-Erwachen hatte und seit 2017 intensiv praktiziere, kann ich soweit aus eigener Erfahrung sprechen, dass Kundalini-Yoga – bei mir! – die Symptome nicht verstärkt, aber auch nicht abschwächt. Es ist eher so, dass ich durch die Praxis noch mehr Energie zur Verfügung habe, ich daher in manchen Nächten mit ca. 3 bis 5 Stunden Schlaf auskomme. Ansonsten ist das körperliche und seelische Wohlbefinden gesteigert, insbesondere liebe ich die Meditationen von Yogi Bhajan. Es fühlt sich für mich energetisch sehr angenehm an, dieses Meditationen mit den Mudras durchzuführen, auch gibt es mittlerweile von mir favorisierte Yoga-Übungs-Sequenzen, die sich für mich – jetzt spreche ich lapidar –  „energetisch himmlisch anfühlen“ … Ich freue mich häufig auf die Übungen, es ist mir eher Highlight des Tages als eine Pflicht … (Linkverweise zu den Übungen in Buchform untenstehend.) Doch ist über diese Praxis für mich Kundalini nicht steuerbar (geworden), weder währenddessen noch im Alltag oder nachts. Große Herausforderungen bereitet sie mir zwar schon länger nicht mehr, ich bin in einer eher ruhigeren Phase, aber auch in dieser Phase kann ich nicht sagen, dass ich über die Yoga-Praxis die Energie steuern/lenken könnte. Sie tut nach wie vor, „was sie will“: Gelegentliches Herzrasen, intensive Emotionen, flüchtige paranormale Erlebnisse, starke Sinneseindrücke usw. … – alles nach wie vor da, nur eben auf eine erträgliche, lebbare Weise, wie auch vor Beginn der Praxis.

Es kann dennoch jeder, der ein spontanes Kundalini-Erwachen hatte, die Kundalini-Yoga-Praxis vorsichtig antasten und sodann für sich selbst entscheiden, ob es sich für ihn gut oder schlecht anfühlt. Achtung: Achtzugeben ist vor allem bei starken Krisen auf Pranayama-Übungen (Atemübungen.) Wie Holotropes Atmen kann auch Pranayama die Symptome verstärken.
Doch gilt auch bei den Yoga-Körperübungen, dass bei einer Verstärkung der Symptome die Praxis besser eingestellt wird und/oder zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt wird.

Relativieren möchte ich jedoch die „General-Aussagen“ westlicher Yoga-Lehrer wie oben genannt. Es herrscht m. E. tatsächlich sehr viel Unwissen, bzw. mag so mancher nicht akzeptieren (können), dass Kundalini auch spontan, ohne spirituelle oder ohne langjährige Yoga-Praxis erwachen kann – und daher wenig bis kaum in das traditionelle Modell passt. So ist m. E. nach nicht ein Spontan-Erwachter „schuld“, der da nicht ins „System passt“ oder der karmisch leider nicht privilegiert genug war, sich in diesem Leben Kundalini-Yoga zu widmen, bevor die Energie bei ihm erwachte, noch bin ich eine Zumutung, weil ich diese Seite betreibe, sondern scheint u. a. verletzter Stolz oder Abwehr nach dem Motto „Es darf nicht sein, was nicht sein kann“ eine Rolle zu spielen. Dies finde ich umso bedenklicher, da Erwachte mit starker Symptomatik und/oder Erwachte mit tendenzieller Suizid-Gefährdung von eben den Menschen, von Kundalini-Yoga-Lehrern, die für sich in Anspruch nehmen, mit dem Phänomen tatsächlich oder zumindest theoretisch betraut zu sein, kaum adäquate Hilfe erwarten können, insbesondere nicht, wenn Aussagen getroffen werden, wie oben benannt. Dies mag nicht pauschal zutreffen, spiegelt aber meine Erfahrung.

Anzumerken ist, dass jede etablierte Yoga-Praxis ein wundervoller Weg ist, gesund, heil und glücklich zu werden. Sei es Hatha-Yoga, Bhakti-Yoga, Jnana-Yoga oder Kundalini-Yoga. Letztlich kommt es m. E. nicht darauf an, die Energie zu erwecken, sondern das Bewusstsein dahingehend zu erweitern, dass es mehr gibt, als Maya, die materielle Welt. Wer das in seinem Leben nicht nur theoretisch erfasst, sondern auch erfährt, hat m. E. schon viel gewonnen. Dazu tragen die Yoga-Systeme viel bei – und dazu braucht es nicht notwendigerweise eine Erweckung.

Buchempfehlungen:

Gemeinhin wird empfohlen, sich einen Yoga-Lehrer zu suchen. Ich habe zwar auf eigene Faust zu üben begonnen, weil in meiner unmittelbaren Nähe keine Schule ist und ich körperlich schon immer sehr aktiv gewesen bin, aber das ist ev. nicht für jeden empfehlenswert.
Wer neugierig, körperlich gesund, eher autodidaktisch ist und sich leicht in andere Themen- oder Wissensgebiete einfinden kann, vielleicht es sogar als eher hinderlich empfindet, einen „Lehrer“ zwischen ihm und dem Wissen, das er lieber selber erkunden und erproben will, zu haben, kann auch selbstständig zu üben beginnen und Yogi Bhajan per se als „imaginären“ Lehrer betrachten. Grundsätzlich sind die Übungen in den Büchern sehr gut erklärt und auf körperliche Einschränkungen sowie Übungsdauer und Intensität wird hingewiesen. Sie eignen sich (auch) zum Selbststudium. Wer den persönlichen Kontakt bevorzugt und sich anleiten/korrigieren lassen möchte, der „braucht“ natürlich einen Lehrer. Hier darf jeder selber das Netz bemühen.

  

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Erfahrungsberichte, Interviews, Wissenswertes, Aktuelles zum Thema Kundalini sowie Literaturempfehlungen findest du hier.

Hilfe und Beratung zu Kundalinikrisen und dem Kundalinisyndrome – klick hier.

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