Der Herz-Jesu-Casanova und die wahre Liebe

Der Herz-Jesu-Casanova und die wahre LiebeSchon mal gehört? Wahre Liebe lässt frei, Besitzdenken hat mit Liebe nichts zu tun, wer ein Konzept von der Liebe hat, hat Liebe nicht begriffen, wahre Liebe kontrolliert nicht, nicht das Glücklichwerden ist wichtig, sondern das Bewusstwerden, niemand ist für die Bedürfnisse des anderen zuständig, Sicherheiten und Verträge gibt es nicht, Hoffnungen und Wünsche müssen/sollen aufgegeben werden, wahre Liebe vertraut, wahre Liebe verzeiht, Erwartungen sind hinderlich, Hoffungen sind ebenfalls Konzepte, wahre Liebe findet im Jetzt statt, was morgen ist, darauf gibt es keine Garantie, wer nicht hart an sich selbst arbeitet, kann keine Beziehung eingehen, wer in der Beziehung nicht los lässt, wird losgelassen werden, Beziehung bedeutet (immer) Arbeit, Männer bräuchten dringend Freiheit, wohingehen Frauen für gewöhnlich klammern …

Tja. Freilassen, blind vertrauen, nichts wünschen, nichts hoffen, nichts erwarten, keine Sicherheiten/Verträge und eine Menge Arbeit. Klingt wie ein Jobinserat vom Arbeitsstrich, auf das sich nur ein Verzweifelter einlässt.

Tatsächlich stammt obiges Liebesideal u. a. aus der spirituellen Szene, die manch männlicher Influencer, Coach, Autor, mit einer Vehemenz proklamiert, die für mich an Hysterie grenzt. Ja, ich nenne die Sendungsweise und den Sendungsinhalt bewusst hysterisch, auch wenn der Begriff Hysterie, verstanden als nervöse Aufgeregtheit, traditionell und abwertenderweise Frauen zugeschrieben wird/wurde – doch eben so begriffen, als „nervöse Aufgeregtheit“, erreichen mich derartige Sendungsinhalte und in dieser Weise möchte ich den Begriff verstanden wissen.

Es stimmt natürlich, dass für eine gelungene Beziehung ein gewisses Maß an Reife und innerer Stabilität notwendig ist. Besitzdenken, irrationale Eifersucht, ungesunde Abhängigkeiten usw. – all das kann sich auf eine Beziehung nachteilig auswirken, doch womit hier bewusst/unbewusst gespielt ist, ist der Deutungsrahmen, denn was ist „wahre Liebe“ per Definition, für wen und unter welchen Umständen? Wann und warum ist etwas Besitzdenken, wenn sich zwei Menschen z. B. mit ganzem Herzen gehören wollen? Wie „gefährlich“ sind Erwartungen und wann und unter welchen Umständen spricht man von „klaren Abmachungen“ oder gar „bösen Knebel-Verträgen“? Ist Glücklichsein wirklich kein Anspruch, den Mann/Frau an eine Beziehung haben darf? Und wenn Bedürfnislosigkeit die „Losung“ ist, wie soll ein Bedürfnis nach Liebe abgelegt werden? Und wie ein Bedürfnis nach Sex?

Auf eben diesen Unklarheiten und Wort-Spielplätzen (Allgemeinplätzen) wird teils etwas sehr Unschönes installiert, u. a vom Herz-Jesu-Casanova …

Der Herz-Jesu-Casanova

In der religiös-spirituellen Welt findet sich unter Männern manchmal das sog. „Jerusalem-Syndrom“, das im wesentlichen eine temporäre, psychotische Störung bezeichnet, die in der Regel nicht „all zu schlimm“ ist und vorübergeht. Männer identifizieren sich so stark mit Jesus Christus, dass sie meinen, sie wären Jesus Christus oder wären zumindest von Jesus Christus geleitet. Doch auch aus einer bloßen Affinität zu Jesus und dem Willen zur Nachahmung kann z. B. ein Mann gelebte „bedingungslose Liebe“ allem und jedem gegenüber ableiten. Im Kontakt zu Frauen wird dann nicht mehr unterschieden, was Agape (göttliche Liebe), Eros (Sex) und Philanthropie (Menschenliebe) ist. Der Mann, im Modus der bedingungslosen/freien Liebe, meint, alle Frauen mit seiner Liebe beschenken zu müssen, nimmt aber dementsprechend von allen auch Liebe zurück, und erkennt das u. U. daraus resultierende ethische Fehlverhalten nicht, dass es nicht richtig ist, mehr zu nehmen als zu geben. Ein in diesem Modus handelnder Mann bekommt z. B. von mehreren Frauen Aufmerksamkeit, Liebe, ev. Sexualität, was sicherlich nicht unangenehm für ihn ist, während er weniger gibt und zwangsläufig weniger geben „muss“, da er den Vielen gegenüber gar nicht gerecht werden kann.
Bsp.: Wenn zehn Frauen einem Mann zu einhundert Prozent geben, so hat er eintausend Prozent, wohingegen er den zehn Frauen jeweils nur zehn Prozent zurück geben kann, weil er eben auf mehrere „verstreut“ ist. Wenn dazu noch Eros kommt, was bei Männern häufig ist, wird ein Mann in diesem Modus nicht selbstreflektiert innehalten und sein Verhalten hinterfragen, sondern mit reinstem Gewissen weitermachen. Er kann dies unbewusst tun oder bewusst. Erkennen die Frauen irgendwann, dass die wundervolle, bedingungslose Liebe zu diesem sanften, liebevollen Mann in diesem Fall mit anderen Frauen geteilt werden muss, ist das Drama perfekt, bzw. sind die Verletzungen da. Dem Mann wird Unehrlichkeit, Täuschung und/oder Unreife vorgeworfen, und der enttarnte „Jesus“ kontert u. U. mit eingangs erwähnten „Allgemeinplätzen“: Wahre Liebe lässt frei, es gibt kein Konzept von der Liebewahre Liebe verlangt nichts, nicht das Glücklichwerden ist wichtig, sondern das Bewusstwerden, niemand ist für die Bedürfnisse des anderen zuständig, Sicherheiten und Verträge gibt es nicht, Liebe findet im Jetzt statt, was morgen ist, darauf gibt es keine Gewähr usw. …

Vor Jahren fiel mir dazu der Begriff „Herz-Jesu-Casanova“ ein. Ich persönlich kenne einige Männer dieses Formates und höre/lese schon seit über 25 Jahren, dass eingangs dargestelltes Liebesideal progressiv, weise und richtig sei … Doch das stimmt m. E. nur bedingt oder gar nicht. (Mehr dazu untenstehend.)
Ein Herz-Jesu-Casanova kann ein Heiler sein, ein Lehrer/Guru oder lediglich ein Mann, der einfach spirituell interessiert ist und/oder sich auf dem spirituellen Pfad schon sehr weit wähnt, der im Jesus-Stil Menschenliebe fühlt, die Herzverbindung zu Frauen aufbaut – samt sexuellen Unterton … Er muss nicht zwingend unter dem Jerusalem-Syndrom leiden. Er ist feinsinnig, sensibel, auf den ersten Blick eine wahre Wohltat, aber dennoch deviant in seinem Handeln, Tun und Wollen, insbesondere, wenn er den Yin-Pol lebt … Auch egozentrische oder narzisstisch veranlagte Männer können u. U. Frauen gegenüber auch so auftreten, ohne Jesus-Flair, aber nicht minder eigennützig. Und letztlich können es auch spirituell interessierte Männer sein, die ihren Sexualtrieb in ein geistiges Konstrukt einbetten, auf dass „Trieb“ zu etwas vermeintlich Höherem, Sinnstiftendem wird – Trieb, der dann kein „Eigeninteresse“ mehr ist, sondern als Geschenk an die Frauenwelt umgedeutet wird – der Gipfel der Egomanie …

Doch abseits davon verticken die „edlen Ritter“ der spirituellen Szene, z. B. Heiler, Energetiker, Coaches, die Art und Weise der „wahren/freien Liebe“ z. B. in Seminaren/Büchern, ohne im Kleingedruckten zu verlautbaren, dass es das testosteron-gefärbte Verständnis der „wahren Liebe“ ist, die sich semantisch – ambiguitiv – in einen sicheren Raum begibt, daher nicht angreifbar ist. Die „edlen Ritter“ lehren z. B. ein Modell von freier/wahrer Liebe, in dessen Mittelpunkt sie sich häufig selber stellen, und dieses Modell wird auch der devotesten Frau noch eingetrichtert, liebevoll mit Lanze, Schwert und Schild, bis sie es wirklich begriffen hat. Und in dieser Lehrzeit darf sie ihre Aufmerksamkeit voll und ganz auf den Lehrer, Heiler, Guru richten – sie, zusammen mit vielen anderen Verehrerinnen, die gerade lernen, alle Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen aufzugeben …

Es mögen Ole Nydahl, mitunter Osho, Swami Nithyananda hier als Beispiele dienen, um dem skizzierten Bild und dem Bezug genüge zu tun. (Linkverweise untenstehend.) Ole Nydahl, Osho, Swami Nithyananda stehen natürlich am äußersten Ende der Skala in puncto spirituell pervertierter Egomanie. Natürlich gibt es darunter noch die unzähligen „Gesinnungslumpen“ gleicher Coleur, Blogger, Buchautoren …, die im kleineren Rahmen wirken, aber nicht weniger Schmonzes verbreiten …

Warum ist es denn Schmonzes?

Ladies, wenn ihr kein Konzept  – keine Vorstellung – von der Liebe habt, dann wird euch jemand ein Konzept machen. (Und dieses Konzept wird nicht zu eurem Vorteil sein.)
Wenn ihr keinen Plan habt, was euch gut tut, was euch gefällt, was ihr euch wünscht, dann wird euch jemand einen „Plan“ machen. (Und dieser Plan wird nicht zu eurem Vorteil sein.)
Wenn ihr keine Prioritäten und Ansprüche habt, dann seid ihr leichte Beute.
Wenn ihr eure natürlichen und legitimen Liebesbedürfnisse nicht schützt und artikuliert, seid ihr unsichtbar.
Wenn ihr eure Wahrnehmung und euren gesunden Menschenverstand auf dem Altar eines „Mannes“ opfert, schmeichelt ihr nur seinem Ego.
Wenn ihr auf Sicherheiten verzichtet und blind vertraut, werdet ihr u. U. verletzt.
Wenn ihr auf Glück verzichtet, wenn ihre keine Hoffnungen und Erwartungen habt, warum solltet ihr dann noch in eine Beziehung treten wollen?
Wenn ihr eure Liebe in „Jetzt-Zeitstücke“ zerhackt, ihr auf einen Mann lange wartet, Wochen, gar Monate, bis er euch zum ersten Mal oder wieder die Gunst gewährt, so respektiert er euch nicht, sieht euch nicht und ihr vergeudet eure Energie und eure Lebenszeit. 

Ich denke niemand, weder Frau noch Mann, würde einen Job annehmen, in welchem es viel Arbeit gibt, keinen Vertrag und ein Lohn ungewiss ist, bzw. über Bezahlung ständig verhandelt wird … Doch eben dies wird, gemessen daran, dass Frauen tendenziell monogam und Männer tendenziell polygam sind, den Frauen in der „wahren/freien Liebe“ per männlicher Definition in der spirituellen Szene abverlangt, sodass sie es nicht selten selber glauben und weiter verbreiten. Dies geschieht natürlich nicht generell, nicht pauschal, und nicht immer kommt es bis zum Äußersten –  zu sexuellen Handlungen -, aber in verschiedenen Abstufungen und Varianten ist es beobachtbar. Der Autor Peter Rutter – Linkverweis untenstehend – äußert sich dazu eingehender.

Für mich ist es so, als ob niemand sähe, dass der Kaiser eigentlich keine Kleider trägt, wie es im Märchen „Des Kaiser neue Kleider“ beschrieben ist. Fallweise empfinde ich dies männliche Tun auch als etwas bauernschlau. Da „sendet“ jemand, ein Mann, ein Lehrer, doch er kommt über seinen eigenen Erfahrungshorizont nicht hinaus und versteht bewusst oder unbewusst von Frauen nur so viel, wie es ihm gerade angenehm ist. Dass er selbst von seiner Lehre am meisten profitiert … – selbstredend … In der Essenz dieser konditionellen Lehrmodelle zur „wahren oder freien Liebe“ geht die Prägung m. E. dahin, dass weibliche Bedürfnisse als obsolet betrachtet werden, wohingegen männliche Bedürfnisse zum Ideal erhoben werden.

Wie erkennt „frau“ einen Herz-Jesu-Casanova oder „Raubritter“ in der spirituellen Szene?

  • Das früheste und deutlichste (Warn-)Zeichen, woran ein Herz-Jesu-Casanova erkannt wird, ist, dass er eingangs erwähnte Wortspielplätze benutzt: Liebe braucht keine Verträge, Liebe darf nicht binden, Liebe muss freilassen, Liebe geschieht jetzt und hier, was morgen ist, dafür gibt es keine Garantie … Dies stellt er als höchstes Liebesideal und erstrebenswertes Ziel dar und scheut nicht davor zurück, eine Frau, die dies kritisch sieht oder komplett ablehnt, als unerweckt, spirituell „hinkend“, reaktionär oder seelisch unterentwickelt hinzustellen. Um klarzustellen, was er mit seiner „Philosophie“ jedoch wirklich bezweckt, übersetze ich diese, denn er sagt den Frau/den Frauen in Wahrheit: Ich habe keine Lust, mich um irgendetwas zu bemühen, verantwortlich zu sein oder verbindlich zu sein. Ich habe keine Lust, dich wirklich kennen zu lernen und keine Lust auf dein wahres Ich. Alle Frauen sind eine Frau und ich liebe ALLE. Ich nehme gerne das Schöne, aber wenn es schwierig wird, bin ich weg. Wenn es einen Dissens zwischen uns gibt, bin ich weg. Ich erkläre nichts, ich rechtfertige nichts. Du musst überhaupt damit rechnen, dass du übermorgen schon nicht mehr gefragt bist, weil ich nicht weiß, wie ich übermorgen drauf bin und wer mir übermorgen begegnet. Aber wenn ich in z. B. zwei Wochen wieder zu dir komme, weil ich Lust auf dich habe und von dir angehimmelt werden will, haben wir ein neues JETZT und HIER. Es würde mich wirklich freuen, wenn du immer offen, zugewandt und liebevoll zu mir bist, auch wenn ich dich zwischenzeitlich hängen lasse oder mich anders vergnüge. Bist du nicht mehr liebevoll und gut zu mir, komme ich natürlich nie wieder. Und wenn du nie wieder von mir hörst, möchte ich nur noch in Erfahrung bringen, wie sehr du leidest und um mich weinst, weil es meinem Ego schmeichelt.
  • Er verheimlicht keine Flirts, sondern geht offen damit um, spricht aber (auch) gerne von Monogamie, Treue usw., weil er vielleicht irgendwann in seinem Leben einmal treu war oder es vielleicht auch gerne irgendwann wieder einmal wäre … Betonung liegt auf „irgendwann“…
  • Er sagt ihr in größter Sanftheit, wie sie zu empfinden hat, wenn er mit anderen Frauen flirtet, dass er das darf, dass er es aus Menschenliebe täte und sie die „Göttlichkeit“ dahinter sowie die unschuldige/reine Absicht (noch) nicht verstünde usw., und dass er sehr viel Mitgefühl für ihre Eifersuchts- und Kränkungsgefühle hätte, dass sie aber schon noch lernen werde, diese zu überwinden. Mit bedingungsloser Liebe ginge das ganz leicht …
  • Er erklärt ihr, wie weit er schon im spirituellen Sinne ist, und dass sie mit ihm nicht auf einer Stufe ist, meist ohne sie als Person überhaupt je wahrgenommen zu haben oder zu wissen, wo sie steht. 
  • Gerne gibt er ihr auch den Therapeuten.
  • Er manipuliert auf sehr subtile, feine Weise. Er wird nie laut. Niemals aggressiv.
  • Er ist sehr „wehleidig“, emotional, weich und sanft, kindlich.
  • Er lebt den Yin-Pol, sowie Jesus und Buddha tatsächlich weibliche Züge hatten.
  • Da er den Yin-Pol lebt, will er emotional von der Frau/den Frauen zu jeder Zeit versorgt und in seinen Bedürfnissen wahrgenommen sein.
  • Er meint für jede Frau, die in sein Leben tritt, eine Bereicherung zu sein, ein Entwicklungshelfer, ein Lehrer, und Wegbereiter, auch wenn es nicht so ist oder sie in Wahrheit reifer, ethischer und/oder spirituell weiter ist, als er.
  • Wenn eine Fau skeptisch wird oder aufhört, ihn zu glorifizieren, wird er desinteressiert/kühl oder wendet sich an eine andere Anwärterin, die ihn anhimmelt und verehrt … Selbst leichte Kritik ist immer eine Kränkung.
  • Im Gegensatz zum klassischen Narzisst, dem jegliche Empathie fehlt, besitzt der Herz-Jesu-Casanova sehr viel davon, doch ihm fehlt eine erwachsene Gesinnung. Er ist kindlich. Herzverbindung ist da, er hält sich für reinstes Licht und reinste Liebe, jedoch ist dies in der Ursache – nach Willhelm Reich – eher dem depressiven Charakter aus der oralen Phase zuzuordnen. Dieser Charakter zeichnet sich u. a. durch Abhängigkeit von anderen Menschen und Passivität aus …
  • Wenn sie sich aus dem Kreis seiner Verehrerinnen zurückzieht, was eine höchst gesunde Reaktion ist, kann er gleichgültig oder infantil, gekränkt und maßlos reagieren … Es können fantastische Beschimpfungen kommen, die in keiner Relation zur Realität stehen, oder Kriegserklärungen wie z. B. „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“ 
  • Der „Ausgeschiedenen“ wird alle Schuld zugeschoben: Sie sieht ihn nicht, erkennt seinen Wert nicht, seine „Hoheit“, seinen wahren „Reinheitsgrad“ usw. … Niemals käme er auf die Idee, dass es z. B. sein infantiles, unethisches Verhalten ist, das sie abgestoßen hat. Oder dass sie lediglich erkannt hat, dass mit ihm nie die Beziehung möglich ist, die sie sich wünscht …
  • Wenn er einen Funken Reflexionskraft in sich hat, ist eine Veränderung möglich, wenn auch schwer. Nicht jeder Mann, der so lebt, ist tatsächlich nach klassischer Definition ein Narzisst, nur ist die geballte weibliche Aufmerksamkeit, das Viele, das Schöne für einen Mann sehr angenehm und so besteht für ihn kein Grund, dieses Konstrukt aufzulösen, und gebrochene Herzen werden unter „Kollateralschäden“ verbucht, die die Frauen selbst zu verantworten haben, weil wenn sie  (seine) „freie Liebe“ endlich verstünden, gäbe es keine Dramen  … 
  • Besteht auch diese Einsicht nicht, bzw. gibt es keinen Funken Reflexionskraft, kann es sich tatsächlich um einen „altruistischen“ Narzissten handeln. Das Unterscheidungsmerkmal: Ein wahrer Altruist zieht seine Kraft aus dem positiven Ergebnis seiner Arbeit. Der narzisstische Altruist zieht seine Kraft aus der Anerkennung und Bewunderung seiner Mitmenschen, lässt sich u. a. als Gutmensch bewundern usw. …
  • Dass es für eine Frau ratsam ist, sich von beiden Männertypen fern zu halten, insofern ein ernster Beziehungswunsch vorhanden ist, versteht sich von selbst.

Es ist für einen Mann in diesem Modus tatsächlich schwer, sein eigenes Fehlverhalten zu erkennen. Zum einen beginnt die Konditionierung in der Gesellschaft von Frauen schon im Kleinkindalter, was z. B. die eher devote, stets freundlich lächelnde Frau hervorbringt, zum anderen wissen/kennen Frauen ihre tiefsten Bedürfnisse oft nicht, können diese nicht artikulieren oder aber erahnen diese sehr genau, stoßen in der Gesellschaft jedoch auf Ignoranz. Es ist daher relativ leicht, Frauen ein Konzept überzustülpen, das sie in ihrer wahren Natur nicht (be)trifft, auch wenn sie das Konzept bejahen mögen.
Und wenn Frauen schon länger bestätigend auf das Selbstbild und die Lehre eines Herz-Jesu-Casanova einwirken, wird er sich darin nicht als „unrichtig“ empfinden (können). Natürlich ist „freie Liebe“ nicht per se anti-weiblich oder grundsätzlich schlecht, nicht, solange dabei niemand verletzt wird, doch die Installation dieses Programms in das Wesen der Frauen zum Zwecke leichterer Ressourcen-Verfügbarkeit von weiblicher Emotionalität, Liebe, Wärme und sexueller Bereitschaft, ist im Grunde eine moderne Form von anvisierter, vertragsloser Polygynie und/oder ein General-Raubbau am Weiblichen, die/der nur dem Mann zugute kommt.

Aus dem „System“ ausscheidende Frauen werden, wie erwähnt, von diesem Männertyp nicht selten diskreditiert. Es mag hier durchaus Parallelen zu Sektenaussteigern und Sektenaussteigerinnen geben, denn ein Guru/Sektenführer wird Aussteiger(innen) u. U. sogar verfolgen, zumindest aber vor der Sekte diffamieren, damit die anderen nicht skeptisch werden … Das heißt übertragen auf den Herz-Jesu-Casanova, dass die ausscheidende Frau negativ belegt werden muss, weil durch sie das ganze „Konstrukt“ sowie sein Selbstbild ins Wanken gerät – und natürlich sollen sich die verbleibenden Frauen nicht emanzipieren.

Wer als Frau einen Typ dieses Mannes kennt oder sich als Mann wieder erkennt oder auch abgrenzen möchte, kann (sich) einige simple, klärende Frage stellen: „Hat oder hätte Jesus selbst jemals so gelebt? Hätte Jesus es zugelassen oder gar forciert, dass er von vielen Frauen gleichzeitig bewundert, geliebt und begehrt wird? Hätte er das wichtig gefunden? Hätte er das nötig gehabt? Hätte er es begrüßt? Hätte Jesus je mehr genommen als gegeben? Hätte er Frauen, die sich – warum auch immer – von ihm abwenden, diskreditiert? Hätte er Frauen daran gehindert, sich zu emanzipieren?“
Wer hier mit Nein antwortet, kann als Mann beruhigt aufatmen – er ist gewiss kein „Herz-Jesu-Casanova“. Und wer weiters mit Nein antwortet, sollte, egal ob als Mann in der nehmenden Position oder als Frau in der gebenden Position, nicht mehr so weiter machen (können), wie bisher. 

Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, sei auf das großartige Buch von Peter Rutter hingewiesen: Sex in der verbotenen Zone: Wenn Männer mit Macht das Vertrauen von Frauen missbrauchen

Dieses Buch tut einen tiefen Blick in die Dynamik von Lehrer-Schülerinnen-Beziehungen, von Mann-Frau-Beziehungen in der Spiritualität, und behandelt nicht nur sexuelle Ausbeutung, die häufig von beiden, von Mann und Frau, nicht mehr als „Raub“ erkannt werden, sondern beschreibt auch die viel subtileren Bindungs- und Abhängigkeitsmechanismen in diesen Verhältnissen. Auch wird das Ausbeutungsschema detaillierter beleuchtet, da es umso perfider ist, je mehr ein Mann den Yin-Pol lebt – denn durch die Rollenpervertierung wird die Frau im tiefsten Wesenskern ihrer Seele verletzt, da sie in der Fürsorgerolle einem Mann gegenüber ist. Ihr Seelenanteil, der normalerweise von einem Yang-Mann beschützt, genährt und getragen wird, wird von einem Yin-Mann wie beschrieben ausgeplündert.

„Da Männer sich mit anderen Männern nicht verbunden fühlen und nicht wissen, was ihnen ihre eigenen Phantasien über sie selber verraten, suchen sie die nährende Beziehungsebene und Verbundenheit und Heilung zu Frauen, indem sie ihre Phantasien ausleben. Und beuten damit die Frauen aus. Und entfernen sich mit jeder Ausbeutung mehr von ihrem männlichem Sein. Und mit ihrem unausgesprochenem, aber unbewusst zum Ausdruck gebrachtem Einklagen der weiblichem Fürsorge verletzen sie die weiblichen Wesensanteile der Frau. Weder der beteiligte Mann noch die beteiligte Frau bekommt von so einer Beziehung, was sie ursprünglich wollte, nämlich Heilung der Seele und Wiederherstellung der eigenen, ganz persönlichen Kraft. Peter Rutter erklärt auch die Verletzungen, die so eine Beziehung bei der beteiligten Frau bewirkt. Frauen sind von der Biologie her darauf ausgerichtet, sich führsorglich und zugewandt um die Erfüllung der Bedürfnisse ihrer Nachkommen zu kümmern. Wird dieser Pflegeinstinkt von einem Mann in Anspruch genommen, fühlt sich das für die beteiligte Frau an, als müsse sie das „Kümmern“ um diesen Mann über ihre eigenen Lebenspläne stellen und ihre eigenen Wünsche dem unterordnen. So eine Erfahrung verunsichert eine Frau da, wo sie am verletzlichsten ist, in den weiblichen Teilen ihrer Seele. Sie bekommt den Eindruck, dass ihr Sosein völlig unwichtig ist und ihr „Wollen“ ohne Bedeutung.“ – Amazon-Review (Kommentar)

Mittlerweile ist der Titel vergriffen, kann aber auch über das ZVAB (Zentralverzeichnis antiquarischer Bücher) sehr günstig unter dem Erst-Titel „Verbotene Nähe“ bezogen werden.

Nachtrag: Mann-Frau-Beziehungen können in alle erdenklichen Schieflagen geraten, können auslaugend und destruktiv sein, für Mann und für Frau. Dieser Artikel bezieht sich jedoch auf einen bestimmten Typus Mann, der wenn, dann insbesondere in spirituellen Kreisen auftritt und soll – und kann! – auch nur in diesem Geltungsbereich verstanden sein, nicht zuletzt, eben weil dieser bestimmte Typus Mann präzise vom pathologisch narzisstischem Typ abzugrenzen ist. Um einen Typ zu beschreiben, muss er „skizziert“ werden. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
Auch ist das Konzept der Polyamorie, das hier anklingen mag, vom hier dargestellten Inhalt abzugrenzen, bzw. auch dahingehend zu prüfen, dass auch dieses Konzept in gelebter Praxis diffizil ist. Als Theorie klingt Polyamorie m. E. nach schön, aber wirft man einen genaueren Blick auf auf die Praxis, siehe Bert Brecht, C. G. Jung, Russel, Sartre und De Beauvoir usw., so birgt auch dieses Konzept mehr Fallstricke als Segen, bzw. kam/kommt es ohne Eifersucht und Leid nicht aus …

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Linkverweise/Quellen zu benannten Lehrern

Ole Nydahl: Buddhistische Lehrer können Sex mit Schülerinnen haben …
Skandale in der Yogawelt – Osho und Swami Nithyananda u. a. erwähnt
Zitat aus dem Spiegel-Online-Artikel, der von Osho und die Bhagwan-Sekte berichtet, Titel: Im Bann des Weißbarts: „Offen zu sein war Pflicht. Lust auf Sex mit einer anderen Frau als der Freundin? Na, dann mal los. Besitzansprüche waren peinlich.“ 

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Geboren 1978 – Bloggerin | Beraterin zu spirituellen Themen | Kundalini | Herausgeberin von Neoterisches Bewusstsein – Moderne Spiritualität | Mehr zu mir | Kontakt | FB-Profil Tanja Braid | FB-Seite Neoterisches Bewusstsein | Gruppe Astral SpaceSpenden |

6 thoughts on “Der Herz-Jesu-Casanova und die wahre Liebe”

    1. Danke Ulla!

      Ja, der Artikel hat’s in sich … Ich werde aktuell mit einer Massenflut an Mails überschwemmt. Es melden sich täglich etwa 15 bis 20 Frauen, die mir ihren Dank aussprechen, dass sie jetzt endlich „erkennen“ können oder die sich bestätigt fühlen … Ich denke, da ist ein Fass aufgemacht worden, etwas erkannt und benannt worden, was vorher noch keiner in Worte gegossen hat – außer des im Text verlinkten Buches …

      Der Artikel geht rauf und runter, hin und her – und ich bekomme viele Angebote in anderen Printmedien und auf anderen Blogs und werde auch ständig verlinkt – an dieser Stelle an die Blogkollegen!

      Es erstaunt mich etwas, im Positiven, weil es offenbar doch einen großen Bedarf gibt …

      So long …!

      Lieber Gruß,

      Tanja

  1. Ein sehr guter Beitrag, Tanja!

    Ein wichtiges Thema, gut recherchiert und mit viel tiefgründiger Arbeit behandelt!

    Die hier zugrunde liegenden Themen heissen Verantwortung und Selbstreflexion.

    Es stimmt bis zu einem gewissen Grad (auch aus meiner Sicht als Mann), dass wahre Liebe loslässt und nicht klammert, doch der Typ MENSCH (ganz bewusst so gewählt) der so darauf plädiert, um sich keiner zwischenmenschlichen Verantwortung „unterwerfen“ zu müssen, der hat die andere Seite des guten Umgangsund Miteinanders vergessen.
    Wahre Liebe ist auch nicht das eigentliche Thema, sondern der Umgang damit, die Balance zwischen Vertrauen, gegenseitiger Freiheit und dem Gefühl der Nähe und der von körperlich bis seelisch- geistig reichenden Intimität, die man in der Regel nur mit einem Menschen teilt. Treue auf einer gewissen Ebene steht hier im Vordergrund, auch ich habe von einer früheren Partnerin in einer Beziehung zwar körperliche, aber keine emotionale Treue erfahren.
    Selbstverantwortung ist ebenfalls wichtig, aber der jeweilige Partner oder sagen wir, eine Person, der man sich nahe fühlt, hat, wenn er eine gewisse Nähe zulässt oder eingeht, ebenfalls eine Verantwortung übernommen, achtsam mit dern Gefühlen der anderen umzugehen. Wenn man reif ist, wohlgemerkt, der oben beschriebene Herz- Jesu – Typ ist dies eindeutig nicht.
    Leider wird Jesus wie alle grossen Menschen oft je nach Bedarf als Projektionsfläche der eigenen Zwecke missbraucht.
    ER als Vorbild ist ideal, doch kann Jesus in meiner Vorstellung mir nicht dienen als Rechtfertigung, ich sei so weit entwickelt, wie oben beschrieben, denn jeder, der dies tut, begiebt sich meiner Meinung nach auf einen Pfad, der zu Überheblichkeit und emotionaler Distanz führen kann, also genau das GEgenteil von dem, was es sein sollte. Reife und der achtsame Umgang miteinander in JEDER Situation zu JEDER ist hier das Credo.

    Grüße und alles Gute, Rupert

    1. Lieber Rupert,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Ja, du hast die Essenz des Artikels in eigenen Worten sehr gut herausgearbeitet. Vielen Dank dafür. Wenn es aus dem Artikel ein Fazit gibt, dann ist es dein Kommentar. 🙂

      Liebe Grüße,

      Tanja

  2. Mit diesem Artikel … Woou, hast Du liebe Tanja wieder erneut einen auch für mich sehr nüchternen, klaren und sehr weisen, ja, doch wertvollen und fundierten, äusserst gut recherchierten und nicht nur für die derzeitige Zeitqualität einen absolut genialen Beitrag zusammengefasst! 🙂

    Und hey, Meinungskritikresistent bist Du allemal. Und Du bist sicher nicht nur für mich deswegen ein ehrenwertes und erhabenes, liebevolles und wunderschönes königliches Seelenlicht, das es wiederum geschafft hat, auch diesen Artikel mit Deinen derart weisen und erhellenden Worten, auch suuper krativ, und genau darum einen wirklich lesenswerten Beitrag zu schreiben. 🙂 Ja, absolut so, wie Deine vorangegengenen Artikel. Ich darf Dir zudem ehrlich sagen: „… ich bewundere Deine Beobachtungsgabe, Deine selbstreflektierene und scharfsinnige, senistive, sowie sozialkompetente Intelligenz. Deine erworbene Weisheit genauso, wie Dein grosses und gütiges Herz!“ Herzerwärmend.

    Dieser Text dekt auf. Es ist daher fast schwer, und nicht ganz leicht, hier noch etwas ergänzendes hinzuzufühgen. Du beschreibst eben wirklich anschaulich auch viele Erfahrungen, welche ich selbst als Mann gemacht oder gar durchlitten habe. Viele der Missverständnisse und sogenannten Probleme zwischen den Vorstellungen der Liebe und den damit verbundnenen Weltbildern von Männern und Frauen, sind ja da draussen in der weiten Welt sichtbar, wenn Mann / Frau hinschaut.

    Wenn Mann + Frau sich selbst nicht traut, wem kann Mann / Frau denn vertrauen? Das ist meiner Erfahrung oder Meinung nach, eine Zentrale Frage!!

    Eifersucht ist eine Leidenschaft die eifrig sucht was Leiden schafft.

    Vertauensvoll. Vielen lieben Herzens Dank.

    von

    Herz zu Herz

    ROGER

    1. Lieber Roger,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar.

      Und: Ach herrje … Jetzt fühle ich mich geschmeichelt. 🙂

      Super lieb und auch „sehend“ und ich danke für die Worte, die du gewählt und hier kundgetan hast.

      Merci! 🙂

      Tanja

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