Kundalini: Bewusste Kundalini Erweckung – Teil 2

KundaliniNeben dem unbeabsichtigten, spontanen Erwachen der Kundalini, das vor allem den westlichen Mensch betrifft, gibt es natürlich die bewusst angestrebte Kundalini-Erweckung, die ich in diesem Artikel zunächst beleuchten werde, bevor ich mich in Teil 3 dem zufälligen oder ungewollten Erwachen widme. 
Zur  bewussten Erweckung gibt es in Indien Ashrams. Da es im Westen diesbezüglich keine Einrichtungen gibt, beschreitet der suchende Mensch diesen Weg notgedrungen alleine, oft erst nach eingehendem Studium der tantrischen Schriften. Doch das ist selten. Häufiger ist ein unbeabsichtigtes Erwachen durch jahrelange Meditation oder durch ein bestimmtes Ereignis, das den Menschen zwingt, sich erst danach mit der Literatur zu beschäftigen – wodurch das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Durchsucht man das Internet nach dem Begriff „Kundalini-Yoga“, wird man schnell fündig. Doch Kundalini-Yoga, das bei uns angeboten wird, ist mehr Wellness als ein Werkzeug zur spirituellen Befreiung durch Kundalini. Daher kennen auch Kundalini-Yoga-Lehrer die wahre Tiefe ihres Metiers nicht wirklich. Ich konnte einige Berichte in den letzten Jahren sammeln, die von völlig hilflosen oder überzogenen Reaktionen jener Lehrer zeugten, die den „Drachen“ absichtslos in den Kursteilnehmern erweckten. Ein Geschädigter verlor aufgrund der Krisen seinen Job. Der Yoga-Lehrer wies alle Verantwortung von sich. Man spielt also im Westen im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Feuer. Unwissenheit ist die Tapete, auf die alle starren.

Die bewusst angestrebte Kundalini-Erweckung

Indien – Selbsterweckungstechniken

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kundalini zu erwecken. Indische Yogis bereiten sich oft jahrzehntelang darauf vor. Durch bestimmte Yoga-Praktiken, Askese und religiösen Übungen sollen Geist und Körper soweit gereinigt werden, um ein gefahrloses Erwachen zu ermöglichen. Der Fokus ist hier auf „gefahrlos“ zu richten. Die indischen Yogis wissen um die Gefahren und suchen sich durch disziplinierte Geistesschulung davor zu bewahren. Doch selbst diese intensive Vorbereitung schützt vor einer „tobenden Kundalini“ nicht, wie die Inder sagen. Es gab Yogis, die ebenso negative Erfahrungen machten, diese aber schlussendlich überwanden.

Zu den Erweckungs-Techniken zählen unter anderem Feueratem, Kundalini-Schütteln und -Zittern, Meditationstechniken, Stauung der sexuellen Energie … Am reinsten und klarsten ist die Lehre bei den Nath-Yogis erhalten, die Kundalini-Yoga in der ursprünglichsten Form praktizierten. (Buch-Link untenstehend.) Kundalini-Yoga ist in Indien dezidiert mit der Erweckung der Schlangenkraft verknüpft, so gemeint und so angelegt. Es ist das Endziel. Wer also in Indien Kundalini-Yoga praktiziert, weiß – anders als der westliche Mensch-, warum er diesen Weg geht, was er erreichen will und was es schlussendlich bedeutet.

Indien – Fremderweckung

Ein äußerst gut gehütetes Geheimnis nennt sich „Shaktipat“. Hier handelt es sich um eine Initiation/Einweihung, die der sog. Satguru dem Schüler gewährt. Dabei wird Energie vom Guru auf den Schüler übertragen. Shaktipat bedeutet wörtlich das Herabfallen/Übertragen (pat) von Energie (shakti). Um mich im Nachfolgenden verstehen zu können, ist es notwendig die Guru-Schüler-Beziehung kurz zu erläutern:
Die indische Guru-Schüler-Beziehung entzieht sich dem westlichen Verstehen leider völlig. Guru-Schüler-Beziehungen gehen über mehrere Inkarnationen. Es gibt zutiefst berührende Geschichten darüber, wenn sich Schüler und Guru in einer Inkarnation das erste Mal begegnen, und der Guru darüber spricht, dass er schon sehr lange auf diesen einen Schüler warte … In anderen Fällen, wenn sich ein Schüler an einen Guru bewusst bindet, werden sogar „Verträge“ abgeschlossen, die etwa wie folgt lauten: „Der Schüler verpflichtet sich, vegetarisch zu leben, täglich mehrere Stunden zu meditieren, Geist und Körper zu schulen. Im Gegenzug verpflichtet sich der Guru, den Schüler binnen 4 Inkarnationen (es können auch mehrere oder weniger sein) aus dem Rad der Wiedergeburt zu erlösen und zur höchsten Quelle zu führen.“
Was uns befremdlich erscheint, ist in Indien nur ein konsequent gelebter Befreiungsweg, vor dem ich großen Respekt habe. Meine Leser kennen mich sicher so weit, dass ich vom „Guru-Wesen“ nicht viel halte. Das stimmt, insofern es den Westen betrifft: Osho, James Arthur Ray, der so populäre Nithyananda – auf seinem goldenen Thron – sind hier zu nennen. Ich beschreibe meine Vorbehalte hierzu ausführlich im Artikel „Gesellschaft: 10 konkrete Handlungen gegen das System und für dich selbst“ unter Punkt 7 „Keine Macht den Gurus“. Ein wahrer Satguru jedoch steht nicht in der laut-bunten Öffentlichkeit, sitzt auch nicht auf einem Thron, sondern ist sehr bescheiden und demütig. Er ist unscheinbar und fürchtet sich nicht davor, von seinen Schülern übertroffen zu werden, im Gegenteil. 
So ist Shaktipat ein großes Geschenk. Kundalini wird von einem wahren Meister auf den Schüler übertragen, wenn dieser dafür bereit ist.

Westen – Selbsterweckung

Im Westen wird Kundalini nur von sehr wenigen bewusst selbst erweckt. Wie erwähnt, gibt es dafür kaum einen Rahmen, eine Einrichtung, geeignete Lehrer. Dennoch habe ich schon von Menschen gehört, die diesen Weg alleine – bis zum Ende – gegangen sind, was eine sehr große Leistung ist. Durch jahrelange Übung, geeignete Ernährung, Meditation, Vorbereitung kann also auch bei uns eine Selbsterweckung bewusst induziert werden.

Westen – Fremderweckung

Etwas Ähnliches wie Shaktipat gibt es mittlerweile auch bei uns, nämlich das sog. Kundalini-Reiki. Es handelt sich um ein Energiesystem, in das der Reiki-Schüler durch den Lehrer eingeweiht wird. Auch hier findet eine Energieübertragung statt. Genaueres kann man im Internet erfahren, doch ich rate zu absoluter Vorsicht! Jeder, der eine Kundalini-Reiki-Einweihung anbietet, versendet ein Skript, das lediglich die Anwendung eines Energiesystems erklärt. Doch zum Wesen und Wirken der Kundalini wird nichts gesagt, noch weniger wird auf die Gefahren hingewiesen. Kundalini-Reiki wurde vom Dänen Ole Gabrielsen entwickelt. Gabrielsen hat hier etwas Außergewöhnliches geschaffen, das ich in keinster Weise schmälern will. Doch sowie Einstein indirekt die Atombombe geschaffen hat, tat Gabrielsen m. E. nach das gleiche.
Sollte es nach einer Kundalini-Reiki-Einstimmung zu starken Kundalini-Krisen kommen, ist der Initiant auf sich alleine gestellt, bzw. übernimmt der Reiki-Lehrer, der dann für gewöhnlich nur mit offenem Mund dasteht, keine Verantwortung. Zu allem Übel meint er in der Regel auch noch Reiki geben zu müssen, was jedem im Kundalini-Prozess großen Schaden zufügt. Reiki ist für Kundalini wie der Hase für den Wolf: Beute. Mit anderen Worten: Wenn die Wölfe schon zahlreich im Körper sind, sollte man vor ihrer Nase nicht auch noch Hasen aussetzen.
Darüber hinaus fehlt die tragende indische Guru-Schüler-Beziehung. Eine Einstimmung wird per Geld angeboten. Das ist legitim. Doch es ersetzt keine emotionale Bindung. Für die meisten Reiki-Lehrer, auch wenn sie Reiki schon jahrzehntelang praktizieren, gilt bei Kundalini-Reiki daher der Bibelspruch: „Gott vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Darüberhinaus wissen sie nicht, was sie mit Kundalini-Reiki wirklich weitergeben. Es mag bei 99 von 100 Schülern einfach nur zu einer Energieverstärkung kommen, doch bei einem wird Kundalini wach … Und wenn die Reiki-Lehrer auch noch Reiki als Heilungsmethode für Menschen mit Kundalini-Krisen anbieten, haben sie zweimal achtlos gehandelt: 1. Durch die fehlende Aufklärung bei der Einstimmung und 2. durch den horrenden Heilungsversuch danach.
Im übrigen habe ich nichts gegen Reiki. Die Energie ist, was sie ist. Doch gibt es insbesondere bei Reiki-Lehrern sehr viel Un- und Scheinwissen. Fragt man einen Reiki-Lehrer, warum Initiant A nach der Einstimmung z. B. durch den astralen Raum blicken und Initiant B bei der gleichen Einstimmung gar nichts fühlt oder sieht, spricht der eine Lehrer von Blockaden und der andere von einer misslungenen Einstimmung, die – gegen Geld – gelöscht und wiederholt werden muss …

Meine eigene Erfahrung mit Reiki im Kundalini-Prozess

Auch ich war meinem eigenen Kundalini-Prozess einmal hilflos ausgeliefert. Dass es sich um Kundalini handelte, war mir Gott sei Dank bewusst, weswegen mir eine Behandlung mit Psychopharmaka erspart blieb, doch das schützte mich vor den „anderen Quacksalbern“ nicht. Meine negativen Leitsymptome – es gab auch positive – waren Schlaflosigkeit, übersteigerte Sinneswahrnehmung, Schmerzen und Geräuschempfindlichkeit. Wochenlang. In diesem Zustand wandte ich mich hilfesuchend an eine Reiki-Lehrerin, die nicht müde wurde, mir zu raten, ich solle mich meditierend hinsetzen und Kundalini immer wieder hochsteigen lassen. Das war ein katastrophaler Rat. Bei starken Kundalini-Symptomen ist das letzte, was man tun sollte, auch noch darauf zu meditieren. Ich wechselte den Lehrer, schilderte ihm mein Problem, und er meinte, es müssten nur meine Chakren ausgeglichen werden … Das klang logisch(er). Doch ohne sich auch nur einmal selbst in seinem Tun zu hinterfragen, stieß er mich in die finsterste Hölle. Die Symptomatik steigerte sich dramatisch. Er aber handelte stur nach Reiki-Doktrin: Reiki schadet nicht, einen Überfluss gibt es nicht, jeder nimmt nur soviel auf, wie er braucht … Nach der dritten Behandlung war ich am Rande des Wahnsinns. In einer Nacht erlebte ich einen stundenlangen Nervenzusammenbruch, dem dann durchaus – kundalinitypisch – die Glückseligkeit folgte, doch diesem bisschen Licht und Freude ging eine stundenlange Tortur voraus, in welcher mir die überhitzten Nervenbahnen schier einzuschmelzen drohten. Darauf hätte ich auch verzichten können. Den vierten Termin ließ ich dann sausen und suchte mich selber schlau(er) zu machen, um nie wieder auf irgend jemand anderen angewiesen zu sein. Ich meine, dass mir das gelungen ist.

Im Artikel „Erzengel entmystifizert“ beschreibe ich kurz mein eigenes Kundalini-Erwachen.
Sämtliche Artikel aus der Kategorie „Energetische Erfahrung“ haben direkt oder indirekt immer mit Kundalini zu tun. Insbesondere der Artikel: „Inneres Hören, Jim Morrison“.

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