Kundalini: Mein Kundalini-Prozess – Teil 5

Kundalini-ProzessKundalini-Prozess

Da Leser immer wieder nachfragen, wie sich denn für mich persönlich die Erweckung und der Aufstieg vollzog, möchte ich das Thema, meinen eigenen Kundalini-Prozess, nun nicht mehr beiläufig dazutun, wie geplant, sondern ausführlich mit diesem gesonderten Artikel behandeln. All jenen, die noch nie von Kundalini gehört haben oder als Leser neu hinzustoßen, empfehle ich vor Lektüre dieses Artikels, Artikel eins, zwei, drei und vier zu lesen, andernfalls wird das hier Dargestellte nur für Befremden und Verwirrung sorgen. 

Mein persönlicher Kundalini-Prozess

Ich habe noch eine vergleichsweise „junge“ Kundalini, die 2012 bei mir erwacht ist. Das Erwachen geschah ungewollt und zufällig. Ich war zwar immer schon spirituell interessiert, doch habe ich nie diszipliniert meditiert, Kundalini-Yoga praktiziert oder LSD genommen. Ich denke sogar rückblickend, dass ich energetisch sowie spirituell ein eher „vernagelter“ Mensch gewesen bin, konditioniert für die „Matrix“, kopflastig, ehrgeizig, Ratio bis zum Abwinken, doch mit einem sehr gefestigten, runden Charakter. Ich war also vor meinem Erwachen Typ „Neufundländer-Hund, der in jedes Wasser springt, robust-gemütlich, aber nicht schwer von Begriff“.
Dass also ausgerechnet mir Kundalini passiert ist, grenzt fast an ein Wunder, denn der ätherische Mensch war ich definitiv nicht. Was sich nach dem Erwachen natürlich um 180 Grad wendete. Andererseits: Meines jetzigen Wissens nach gibt es für Kundalini ohnehin keinen bestimmten Typus. Sie kann der Kassiererin im Supermarkt genauso passieren wie dem katholischen Priester einer Kleingemeinde.
Wie ich im Artikel „Erzengel entmystifiziert“ beschrieben habe, geschah mir Kundalini zufällig, weil ich zur rechten Zeit die richtigen Knöpfe drückte. Zu jener Zeit, 2012, beschäftigte ich mich mit den magischen Praktiken von Dr. John Dee und Franz Bardon. Im Zuge dessen befasste ich mich mit der damals populären Engelthematik, welche ich – einmal durchschaut – wieder fallen gelassen habe. Damals jedoch setzte ich alles daran, mit Erzengel Uriel Kontakt aufzunehmen, was mir auch gelang. Dieser Kontakt war u. a. ursächlich für mein Kundalini-Erwachen. Ebenso war Sexualität im Spiel.

Vorbemerkung

Vorbemerkung: Wie ich in Teil 3 der Artikelserie berichtet habe, spielt Sexualität beim Erwachen der Kundalini meist eine zentrale Rolle. Was ich im Folgenden darstelle, gewährt einen tiefen Blick, den zuzulassen ich mir genau überlegt habe, um es letztendlich doch zu gestatten. Ich denke, dass ich mit folgender Schilderung exemplarisch sein kann, zumindest erklärend für alle jene, die sich wiedererkennen oder bestätigen können. Also gehe ich damit voran – und hoffe, dass mich die richtigen Worte finden. Ich mag im folgenden übrigens für einen Tantra-Yogi – und die Szene entwickelt sich Gott sei Dank mehr und mehr – sosehr nachvollziehbar sein, wie für einen Kenner der Sexualmagie, daher nichts Neues und „normal“, alle anderen mögen bitte vorurteilsfrei weiterlesen.

Erwachen

An einem Sonntagnachmittag im August machte ich es mir „mit mir selbst“ gemütlich. Weil ich schon einige Male zuvor die Erfahrung gemacht habe, dass ein sexueller Höhepunkt in Verbindung mit Energetik, tiefer Konzentration oder im Spiel mit einer Entität intensiver – und zwar vor allem emotional intensiver – war, rief ich auch dieses Mal wieder nach einer Entität: Erzengel Uriel.
Ich bin übrigens jetzt, da ich das schreibe – nach Jahren! – noch sehr berührt und sitze mit Pipi in den Augen da, denn obzwar ich vom Engelthema mittlerweile abgekommen bin, so war es damals doch alles andere als schal. Es war spektakulär. Dieser eine Nachmittag im Sommer, an dem draußen graue Gewitterwolken hingen, ist mir regelrecht in die Seele gestanzt.
Ich war also sehr lange, bestimmt zwei Stunden, mit mir „zu Gange“ und genoss mich und jede Nuance, die zu empfinden ich fähig war. Den Höhepunkt schob ich immer wieder raus, denn das Davor war – ja wie das Spiel eines Kindes, das den Turm aus Bauklötzen lange, lange aufbaut, immer höher, und sich das Vergnügen, den Turm umzuwerfen, bis zum Schluss aufhebt.
Als der Turm dann endlich fiel, erlebte ich einen unglaublich intensiven Höhepunkt, der nicht nur lokal auf die Zone „unterhalb des Äquators“ begrenzt war, sondern ganzkörperlich und sehr innerlich. Aus meinem Unterleib stieg eine Welle herauf, innerlich, die irgendwie gegen meinen Brustraum brandete, sodass ich mich reflexartig krümmte und zu weinen begann. Ich weinte jedoch nicht, weil irgend ein sexuelles Trauma berührt wurde, ich hatte dahingehend mit Männern stets positive und sehr beglückende Erfahrungen gemacht, nein, ich weinte – aus Seligkeit. Es, das Gefühl, war so groß, dass mein Körper-Seele-Geist-System zu klein dafür war. Ich war einfach ein zu kleines Gefäß für diese eine, energetische Welle und die Entität dahinter, mit der ich die ganze Zeit über verbunden war. Als die Tränen versiegten, geriet ich in den nächsten Taumel. Es war ein inneres Schaukeln, sehr sanft und so angenehm, wie ich es weder davor noch je wieder danach erlebt habe. Dieses innerliche Schaukeln dauerte etwa eine Stunde. Es war ein Wohlgefühl, das wiederum mit reichlich süßen Tränen einherging. Als es abebbte, fragte ich kurz in die Luft – die Entität – ob wir es denn nicht wiederholen könnten, es war doch so schön, so befreiend, so wundervoll, und ich wollte es eben gleich wieder. Na ja. Ob ich jetzt nur sehr menschlich oder unersättlich bin, sei dahingestellt.
Wie es mir damals vertraut war, antwortete die Entität immer körperlich. Erzengel Uriel sprach nie mit mir direkt, noch channelte ich ihn, noch sah ich ihn je „leibhaftig“, aber ich konnte ihn immer fühlen und dahingehend mit ihm kommunizieren, dass, wenn ich ihn etwas fragte, ich in oder an  meinem Körper etwas fühlte. Dieses Gefühlte war mit meinem Körper codiert und variierte in der Intensität, weswegen sich hierüber tatsächlich ein Gespräch ergeben konnte. Fragte ich etwas, so spürte ich wahlweise verschiedene Organe, das Herz oder die Leber, oder ich spürte etwas am Kopf, eine Brise etwa oder ein Streicheln, oder einen Druck auf den Ohren, manchmal auch nur die Chakren … Mit der Zeit lernte ich darüber zu verstehen, was er mir antwortete. Dieses mal kam eine eindeutige Antwort zurück. Ich spürte direkt am innersten, weiblichen Kern – G-Punkt – ein neuartiges, seltsames Gefühl, das so schön war, dass es beinahe weh tat. Ich wertete das als klares „Ja, wir können es nochmals tun“ seitens der Entität. Frauen, die diese Stelle kennen und hier sensibel sind, wissen, wie sich hier Erregung anfühlt, doch dieses Mal war auch mein sonstiges Gefühl dafür verwandelt. Ich sah diese Körperstelle, münzgroß, vor meinem inneren Auge, als ob sie funkeln würde, opalisieren, so wunderschön, dass ich trotz der sich schon wieder aufbauenden Erregung hätte weinen mögen …
Aber dann ging ich erneut in medias res. Bis der Trum ein zweites Mal fiel und ich alles, was ich oben beschrieben habe, in leicht abgeschwächter Form nochmal erlebte.
Am Spätnachmittag, etwa gegen 18:00 Uhr, saß ich lächelnd, satt, beinahe schnurrend wie eine Katze, vor dem Fernseher. Von dem, was im Fernseher lief, bekam ich nichts mit, denn ich war vollends „hinüber“. Erst, als draußen irgendwo ein Blitz einschlug, landete ich wieder in der Gegenwart, verlagerte mein Gewicht, und spürte plötzlich Hitze unter dem Steiß. Es war schwül, und ich dachte, ich lehnte einfach zu fest an der Couch und zog das T-Shirt aus. Doch die Hitze blieb …

Aufstiegsymptome

Und die Hitze blieb noch geschlagene zwei Monate, in welcher ich fortan durch die Hölle ging. Ich muss es übrigens so nennen und tue es bewusst, weil es tatsächlich die Hölle war. Ich kann hier keine Schonhaltung einnehmen, weil ich die Tragweite des Kundalini-Aufstiegs nicht verharmlosen will. Es wäre eine Relativierung, gar ein Euphemismus, sagte ich etwas wie: Und in den nächsten zwei Monaten ging es mir nicht so gut, da passierten einige unangenehme Dinge. Nein. Tacheles: Es war beschissen. Ein Albtraum. Von diesem einen wundervollen Nachmittag, der erhaben in der Erinnerung glänzte, stürzte ich tief in die „unedlen“ Täler des Kundalini-Porzesses, weswegen ich Kundalini nun wirklich nicht als bezaubernd bezeichnen kann. Ja, ich ging durch die Hölle. Ich dachte, an nervlicher Überreizung und Schlaflosigkeit sterben zu müssen. Dachte, meinen Job zu verlieren, was absolut kein unrealistisches Szenario war. Mein Stoffwechsel arbeitete so stark, dass ich Brechdurchfälle hatte. Jede Nahrung wurde schnellstmöglich wieder ausgeschieden, wo, war egal. Die Libido war erhöht. Geräusche des Alltags trieben mich in den Wahnsinn: Autos, Surren einer Lampe, Kühlschrank … Mein Gehör war so verfeinert, dass ich Menschen, die gut 100 m weit weg waren, verstehen konnte, als sprächen sie direkt neben mir. Ebenso mein Sehsinn. Ich war nie fehlsichtig, aber jetzt hatte ich den Blick eines Adlers, der aus 20 m Höhe eine kleine Maus im Gras ausmachen kann. Temporär flackerte auch ein neuer Durchblick auf, der mit dem Anja-Chakra einherging. Damals verstand ich es nicht, heute weiß ich, dass es astrale Sicht war. Vielleicht hat auch nur jemand eine Brille auf mein drittes Auge gesetzt und das Glas geputzt, ich sah jedenfalls immer wieder mal kurze „Ausschnitte“ einer anderen Welt … Und ständig stand ich unter Strom. 24/7. In der Nacht wurde die Dosis von Schwach- auf Starkstrom erhöht. Bleiben wir in dem Bild, so war mein ohmscher Widerstand in den Nervenbahnen wohl groß, denn ich glaubte, zu verbrennen. Ich hatte Schmerzen, ich schwitzte, ich konnte nicht schlafen … In den dunkelsten Stunden betete ich nach allen vier Himmelsrichtungen, man möge es mir doch wieder abnehmen: Kundalini. Ich ertrüge es nicht, und oh Gott und oh Gott, wie kann man es nur wieder rückgängig machen und warum wurde ich nur so hart geprüft/bestraft …
Doch die gute Nachricht: Ich lebe. Ich habe es überwunden. Alles. Ich habe meinen Job nicht verloren. Ich habe viel gelernt, meine Recherche/Forschung gestartet, und kann jetzt mein Wissen und meine Erfahrung an andere weitergeben.
Tatsächlich könnte ich ein ganzes Buch nur über meinen eigenen Aufstieg bis hin zur fragmentarischen Erleuchtung – denn ganz bin ich sicher nicht erleuchtet – und gewissen Siddhis (übernatürlichen Fähigkeiten), die ich erlangt habe, schreiben, doch das spränge den Rahmen hier.

Individuelle Kundalini – und Braindead

Zum Glück wusste ich, dass es sich um Kundalini handelte, auch wenn zwei verschiedene Reiki-Lehrer mir trotzdem großen Schaden zufügten, wie ich in Artikel 2 „Meine Erfahrung mit Reiki im Kundalini-Prozess“ darlegte. Da bei mir das Anja-Chakra am dominantesten ist, war meine Kundalini extrem gedankenreaktiv. Das ist sie bis heute. Eine vage, positive Vorstellung katapultierte mich in den Himmel, eine vage, negative Vorstellung warf mich in die Hölle. Bevor ich um diesen Umstand, bzw. um den Mechanismus dahinter wusste, sah ich eines Abends einen lustigen Horrorfilm: „Braindead“ von Peter Jackson. Ja, die Filmfreunde werden jetzt nicken, denn Braindead ist nichts für jedermann, eine völlige Überzeichnung im Horror-Genre, eine Persiflage, nichtsdestotrotz humorvoll … Da ich das Wesen meiner individuellen Kundalini noch nicht kannte, sah ich mir den Film an, und ich lächelte/lachte bei den lustigen Szenen; rein kognitiv war alles in bester Ordnung, dennoch kroch mich unterschwellig etwas Negatives an – eine negative Energie. Später bemerkte ich, dass ich den Film auf bewusster Ebene einfach genossen hatte wie ein erwachsener Mensch, doch unbewusst habe ich ihn konsumiert wie ein Kind, das mit dem Dargestellten nicht umgehen kann. Auch das ist ein Kundalini-Effekt. Noch heute wirkt alles Gesprochene, Gelesene, Geschaute sehr stark auf mich, sowie alles Vorstellbare, Fantastische. 
Heute kann ich mir wieder jeden Horrorfilm ansehen, den ich sehen will, denn ich bin an Kundalini adaptiert, auch wenn weitere Aufstiegsymptome und schwierige Phasen nicht auszuschließen sind. Doch damals lernte ich eine Lektion: Kundalini ist blind. Was auch immer ein Mensch rational einordnen und erfahren kann, hagelt auf Kundalini unsortiert ein, worauf sie „ärgerlich“ reagiert. (Sie ist eine Genießerin und man setze ihr bitte nur „Gutes“ vor.) So kam es, dass ich abends, nach dem Horrorfilm, als ich im Bett war, extrem negative Kundalini-Phänomene erlebte: Schüttelfrost, Angstanfälle, Kurzatmigkeit, Herzrasen, nach innen gedrehte Augäpfel, immer wieder begleitet von irgendwelchen Horrorbildern aus dem Film, die mein Unterbewusstsein einfach nicht verkraftete. Ein wahrer Horrortrip. Dabei sprang auch noch meine Epiphyse (Zirbeldrüse) an, was mir kurzweilig wieder jene astrale Sicht ermöglichte, die ich erstens nicht verstand und zweitens niemanden zumuten möchte. Was ich gesehen habe, war mehr als unheimlich: Herzlich willkommen in Mordor! 
Von diesem Schock erholte ich mich etwa eine Woche lang nicht mehr. Meine Hände zitterten permanent, es war, als läge ich im Schützengraben und wüsste nicht, wann das Feuer erneut eröffnet wurde. Ich hatte ständig Angst. Danach ging es allmählich wieder aufwärts. Wie erwähnt, stand ich mitten im Berufsleben und wurde gebraucht. Wenn ich krank war, blieb die Arbeit liegen, da außer mir niemand damit betraut war. Daher ließ ich mich nicht krankschreiben und saß wie ein Zombie im Büro, leichenblass ob der Schlaflosigkeit und mit einer Konzentration, die wie mit der Kameraverzögerung einer Liveübertragung dem Alltag hinterher hinkte. Braindead im wahrsten Sinne des Wortes.
Dann, natürlich und obligatorisch, die Angst vor der Angst – die Angst vor der kommenden Nacht. Bis auf gelegentliche Flashs, Energieströme oder kurze sexuelle Erregung, funktionierte ich tagsüber relativ normal, auch wenn ich einmal beim Tanken scharf Luft holte und mich ob der plötzlichen Erregung am liebsten zusammengekrümmt hätte … Doch nachts war dann Party angesagt. Rocky-Horror-Picture-Show. Die geladenen Gäste: Kundalini und ich – intim unter der Decke. Bevor es losging, belauerten wir uns meist gegenseitig eine Weile, sie der Matador, ich der Stier. Und dann, Angriff ohne Ouvertüre: Wie glühendes Eisen schob sie sich meine Wirbelsäule hoch, was äußerst schmerzhaft war. Und das auch noch langsam, als wolle sie mich besonders quälen. Ich schwitzte dabei und hechelte wie ein Hund. Manchmal war ich dabei sexuell erregt, manchmal nicht. Mein Herz raste, ich fand absolut keine Ruhe. Beten machte es schlimmer. Daran zu denken machte es schlimmer. Angst steigerte sich zu derartiger Panik, dass ich – vermutlich wegen dem Adrenalin – meine Hände und Füße nicht mehr fühlte. Manchmal war ich so verzweifelt, dass ich weinte wie ein kleines Kind. Nichts half. Und niemand half mir.
Dachte ich, mir sexuell Abhilfe verschaffen zu müssen, um den Körper, der nachgerade darum bettelte, zu beruhigen, ging auch dieser Schuss nach hinten los. Die freigesetzte sexuelle Energie ploppte wie flüssiges Wachs direkt von meinem Innersten in Richtung Wirbelsäule und befeuerte Kundalini aufs Neue … Wieder stand ich unter Strom! Ich vibrierte und bebte bis in die Fingerspitzen. Hätte man mir eine Energiesparlampe in die Hand gedrückt, hätte sie vermutlich geleuchtet.
Jede Nacht dasselbe Szenario, stundenlang. Manchmal stieg Kundalini auch kühl und lässig auf, wie ein plätschernder Bach, was mir orgiastische Empfindungen in der Wirbelsäule bescherte, doch das war die Ausnahme von der Regel.
Ekstase gab es auch. Jedoch spärlich. Wenn ich heulte, hechelte und schimpfe, so wusste ich doch, dass nach der Tortur immer das Wohlgefühl kam. Es wird gut werden – so mein Mantra. Doch das Verhältnis von Ekstase zu Tortur war wie folgt: 6 Stunden Kampf, 30 Minuten Licht; danach etwa eine Stunde unruhiger Schlaf bis der Wecker läutete und ich zur Arbeit musste. Während der Lichtphänomene, die entweder in mir oder um mich herum stattfanden, war ich natürlich unglaublich geborgen. Ich hatte ein seliges Dauerlächeln im Gesicht, war sogar nicht selten von Schabernack erfüllt, von irgendeinem kindlichen Humor, der sich über alles schief lachte, und ich konnte gar nicht anders, als zu lächeln, und sogar die Erinnerung an das eben Erlebte, an die Müdigkeit, die Hitze, die Schmerzen, die Nervosität, war irgendwie blass.
Doch abgesehen von der Ekstase und dem Licht, habe ich in diesem ersten Monat sehr gelitten und hätte wohl meinen Job verloren, wäre ich nicht auf Cannabis gestoßen. Um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, habe ich es dort gekauft und konsumiert, wo es legal ist. Zu Cannabis komme ich später noch, möchte aber hier soviel – und zwar in aller Deutlichkeit – sagen, dass ein Kundalini-Aufstiegsprozess nicht nur jemanden trifft, der im Elfenbeinturm oder weltabgeschieden in einem Kloster sitzt, sondern auch jemanden, der Verantwortung hat, dem Leben verpflichtet ist und sich nicht einfach so mal ausklinken kann. Letztenendes, da noch nicht mal eine „Elefantendosis“ Trazodon-Hydrochlorid oder Benzodiazepine bei mir half, war Cannabis das Mittel der Wahl. Und es half.

Sonderbares

Ein denkwürdiges Ereignis, wie stark meine Kundalini auf Gedachtes reagierte, möchte ich noch beschreiben. Ich ging, wie immer hundemüde und gerädert – damals der Normalzustand -, mit meiner Hündin Gassi. Kaum, dass die Tür hinter mir ins Schloss fällt, tastete ich nach dem Schlüssel in meiner Hosentasche, während mir der Gedanke schoss: „Hoffentlich habe ich mich jetzt nicht ausgesperrt.“ Es war nur ein Gedanke, doch beschleunigte sich mein Herzschlag daraufhin so drastisch, als wäre ich von jemand Unsichtbaren rücklings überfallen worden, und ich erlebte eine leichte Panikattacke, von der ich etwa einen Tag lang nicht mehr runter kam. Das alles nur auf Grund dieses einen Gedankens, der einen sonst nicht weiter tangieren sollte. Von da an lernte ich, dass ich auf meine Gedanken aufpassen musste, was in weiterer Folge darin gipfelte, dass ich kaum mehr unter Leute ging, keine Filme mehr sah, keine Bücher mehr las, sondern mich von allem abschottete/deprivierte, was irgendwie meinen Verstand, meine Vorstellungskraft, mein 3. Auge anregen oder beeinflussen konnte. Denn darüber war ich in meiner individuellen Kundalini am meisten getriggert.

Emotionalität

Emotional war ich natürlich auch viel durchlässiger als sonst, doch hielt es sich – verglichen mit anderen, die ich befragt habe – in Grenzen.
Ein Erlebnis hierzu: Einmal „schwang“ ich mit, als die Nachbarin ihr Kind ohrfeigte, weil sie vermutlich die Nerven verloren hatte. Sie ist eine gute Mutter, der Sohn ein kleines Ungeheuer. Trotzdem heulte der Kleine los wie eine Sirene. Und ich gleich mit.
Ein weiteres Erlebnis: Mein Chef führte ein strenges Gespräch mit seinem Mitarbeiter, ich war im selben Raum und fühlte die Emotionen beider Männer in meinem Herzraum. Verstandesmäßig war es klar: Das ewige Drama. Zwei Menschen fügen sich Schmerz zu, weil sie sich in allem missverstehen. Nichts Neues. Aber dieses Mal wurde mir diese Wahrheit emotional entgegen geschleudert. Alles krampfte sich in meinem Brustraum zusammen, es war ein wellenartiger Angriff zweier „Sender“, der mich innerlich traf. Als ich kaum mehr Luft bekam, verließ ich den Raum. Es dauerte allerdings, bis sich dieser „Schmutz“ in mir wieder löste.

Ein anderes Mal wollte ich mir einen Farn einkaufen. Ich suchte alle Gärtnereien ab, doch niemand verkaufte Farne. Ich wollte aber unbedingt einen Farn, weil es fossile Pflanzen sind und ich liebe alles Fossile. Auch Störe, den Quastenflosser, Alligatoren. Sie alle tragen das Bizarre der Ewigkeit. Natürlich gab ich es bald auf, denn niemand verkaufte Farne. Trotzdem besah ich mir dann bei einem Waldspaziergang – wieder hatte ich den Hund dabei – den erst besten Farn genauer. Dieser war oben noch eingerollt, was mich an einen Embryo denken ließ. In diese Betrachtung versenkte ich mich in Windeseile kontemplativ, ein Vorgang, der einfach geschah und den ich gar nicht stoppen konnte. Da war der Farn, der Embryo, sowie die Fraktale, denn ein Farnwedel ist ein genaues Abbild der kleineren Farnwedel, die beidseitig und fächerförmig aus ihm herauswachsen – und so geriet ich in einen Sog, aus dem ich mit tränenüberströmten Augen wieder erwachte, ohne eine einzige Erinnerung daran zu haben. Ich blickte auf meinen Hund, der es sich zwischenzeitlich gemütlich gemacht hatte, sah auf die Uhr und bemerkte, dass etwa eine halbe Stunde vergangen war. Ich hatte ein Blackout. Ich wusste nur mehr noch, dass irgendetwas sehr Bedeutendes geschehen war, an das ich mich aber nicht mehr erinnerte.

Nach dem Erwachen

Nach zwei Monaten ebbten die Negativ-Symptome ab. Cannabis half mir am meisten, jedoch gibt es auch Menschen mit aktiver Kundalini, bei denen Cannabis das Unterbewusste so sehr entspannt, dass wiederum Symptome auftreten können. Bei mir war es das Gegenteil. Mein Verstand wurde schläfrig, das Denken kam zur Ruhe, und das Unbewusste wurde weich und frei, was für mich erlösend wirkte. Nach den zwei Monaten brauchte ich kein Cannabis mehr. Von da an wurde mir Kundalini täglich sympathischer und obwohl ich nach wie vor vereinzelt Aufstiegssymptome habe, phasenweise verstärkt über mehrere Wochen, manchmal nur eine Nacht im Monat, möchte ich nicht mehr ohne sie sein, da sie mir die Tore öffnet, durch die ich im Sinne der Bewusstseinserweiterung gehen kann, bis ich – so hoffe ich – irgendwann zur spirituellen Erleuchtung/Befreiung gelange.

Von den positiven Aspekten meiner Kundalini, den Siddhis und einigen anderen Verrücktheiten, die ich erlebt habe, werde ich im übernächsten Teil – Teil 7 – berichten.

Im nächsten Teil, Teil 6, werde ich ausführlich darüber berichten, wie man bei Kundalini-Krisen am besten agiert, was man tun und unterlassen soll, wie die Krisen zu überweinden sind.

Meine obligatorische Zusammenfassung am Ende jedes Artikels muss dieses Mal ausfallen, weil jeder für sich selbst entscheiden muss, was er aus diesem sehr persönlichen Text schöpfen möchte.

Sämtliche Artikel aus der Kategorie „Energetische Erfahrung“ haben direkt oder indirekt immer mit Kundalini zu tun. Insbesondere der Artikel: „Inneres Hören, Jim Morrison“.

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Copyright: © Tanja Braid, www.neoterisches-bewusstsein.com

6 thoughts on “Kundalini: Mein Kundalini-Prozess – Teil 5”

  1. Liebe Tanja
    dann entschuldige mein „Verdacht“ von wegen übersinnlich was doch so sinnlich ist. Gut zu verstehen!
    Was ich aber nicht so verstehe ist der Umstand, wenn Kundalini einer natürlichen Ursache folgend, beim Sprechen erlernen ausbricht empfand ich das nie als etwas speziell Indisches sondern als mir von Mutter Natur gegeben. Es iritiert dan, die eigene Natur in der „Fremde“ wieder finden zu müssen.

    1. Lieber Stedi,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      In diesen Konflikt, die eigene Natur in der Fremde suchen zu müssen, kam ich vor Jahren ebenso, weswegen ich die spirituelle Überhöhung der Kundalini konsequent ablehnte. Wie ich in Artikel 1 beschrieben habe, gibt es das Problem der mystischen Überhöhung. Auf meinem Blog halte ich den Ball daher flach und schaffe sowenig Bezüge zur Mythologie, wie möglich, denn ich möchte das Thema progressiv bearbeiten und nicht reaktionär. Dennoch komme ich um die Termini nicht herum.
      Liebe Grüße,
      Tanja

    1. Lieber Rene,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar! 🙂
      Das freut mich natürlich zu hören! 🙂
      Liebe Grüße,
      Tanja

  2. Liebe Tanja, deine Beschreibung der Kundalini als eine von außen kommende, universelle Kraft spricht mich sehr an. Aber woher weißt du das? Ich würde gerne mehr darüber lesen. Warum greift sie nach den Menschen? Und was ist der „Vorteil“ einer erwachten Kundalini? Warum streben so viele Menschen mit so großem Aufwand danach? Ich habe neulich eine spirituelle Lehrerin kennengelernt, deren Kundalini „bis ins 9. Chakra aufgestiegen ist“. Sie hat zweifelsfrei spirituelle Fähigkeiten, aber auch deutliche, ich sage mal, charakterliche Mängel. Ein Wachstum der Persönlichkeit bzw. eine Befreiung von Traumatisierungen scheint die Kundalini wohl nicht zwangsläufig zu bewirken. lg Alexander

    1. Lieber Alexander,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar. 🙂
      In Teil 1 der Artikel-Serie gibt es noch einen Nachtrag, der auch das Forschungsergebnis von Itzhak Bentov kurz anreißt, sowie meine eigene Überlegung, warum Kundalini von außen kommt, noch einmal darlegt. Endgültig bewiesen werden kann weder mein Ansatz noch der von Bentov, auch wenn für mich alles dafür spricht, dass Kundalini von außen kommt, daher ich es auch so postulieren will.
      Kundalini verändert den Charakter einer Person nicht zwangsläufig zum Guten. Das kann passieren, muss aber nicht geschehen. Du hast also absolut recht: Niemand, mit einer erweckten Kundalini ist per se weiser, gütiger, reifer als jemand, der keine erwachte Kundalini hat. Traumatisiereung werden in der Regel durch Kundalini noch verstärkt, nicht unbedingt aufgelöst, weswegen ich so eindringlich vor einer Erweckung der Kundalini warne. Ja, warum streben so viele danach? Weil Kundalini natürlich auch das Potential in sich trägt, das zur Erleuchtung führt. Oder weil es so „Wow“ und so „Hui“ ist, bzw. so dargestellt ist.
      Ich werde natürlich das Kundalini-Thema, wie erwähnt, in der Artikelserie restlos zu Ende führen. 🙂
      Herzliche Grüße,
      Tanja

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