Jiddu Krishnamurti über Kundalini u. Yoga – Teil 2

Yoga Kundalini KrishnamurtiJiddu Krishnamurti spricht über Kundalini und Yoga -Teil 2

Jiddu Krishnamurti, 1895 bis 1986, war ein indischer Theosoph und Philosoph. Er befasste sich überwiegend mit der Erlangung absoluter geistiger Freiheit durch Meditation, erörterte aber ebenso spirituelle und philosophisch Fragen. Für mich – wie gewiss für unzählige Menschen in dieser Welt – ist er einer der weisesten Männer des 20. Jahrhunderts gewesen, dessen Lehren bis heute nichts an ihrer Gültigkeit verloren haben.

Nachfolgenes Youtube-Video habe ich übersetzt. Jiddu Krishnamurti spricht in diesem humorvollen Vortrag, aufgezeichnet am 28.08.1979 in Backwood Park, England, über Kundalini und Yoga. Ich habe es nach bestem „Hören“ und Gewissen übersetzt, nicht allzu frei, es sei denn, es war aus Verständnisgründen unumgänglich. Sollte trotzdem ein Übersetzungsfehler geschehen, darf mich der aufmerksame Leser gerne per Mail darauf hinweisen

Jiddu Krishnamurti über Yoga und Kundalini

Jiddu Krishnamurti über Kundalini u. Yoga – Übersetzung 

Frage an Krishnamurti: „Die Yoga-Praxis, wie sie in Europa und Amerika gelebt wird, trägt zum spirituellen Erwachen bei. Stimmt es, dass Yoga eine tiefe Energie erwecken kann, die sog. Kundalini?“

Jiddu Krisnamurti antwortet: Das sog. Yoga (die Übungen) im Westen und in Teilen des Ostens, in Indien, wurde im 17. u. 18. Jahrhundert erfunden. Dies nicht nur deshalb, um zu einem guten Körper zu kommen, zu einem gesunden Körper, durch Kraft, Disziplin und Kontrolle, sondern um eine sogenannte höhere Energie zu erwecken. Ich spreche vom 17. u. 18 Jahrhundert. Das wahre Yoga, das Raja-Yoga genannt wird, „königlicher Yoga“, zielt auf ein hoch moralisches Leben ab. Nicht auf Moral gemäß der Umstände, gemäß Kultur, aber auf wahres, ethisches Handeln im Leben. Das bedeutet: nicht zu verletzen, nicht zu trinken, keine Drogen zu nehmen; das bedeutet, nicht zuviel, nicht zuwenig Schlaf, die richtige Menge an Essen, klares Denken und moralisches Handeln, indem man das Richtige tut. Ich möchte jetzt nicht darauf eingehen, was richtig und falsch ist. Sie (die großen Lehrer) haben nie – soweit ich es verstehe, nachdem ich mit vielen großen Lehrern gesprochen habe – Übungen wie Gehen, Schwimmen, Zweikampf erwähnt. Aber der Schwerpunkt (ihrer Lehre) war ein wahrhaftig moralisches Leben. Und Raja-Yoga bedeutet, nach diesen Lehrern, mit denen ich gesprochen habe, dies: Die Bedeutung des Wortes Yoga ist „verbinden“. Verbinden vom Höheren mit dem Niederen, oder vom Niederen mit dem Höheren. Und modernes Yoga … Also ich weiß nicht, warum ich über diesen Unsinn spreche … (Publikum lacht) Und modernes Yoga – ich weiß nicht, warum sie es Yoga nennen – es sollte besser nur „Übung“ heißen, auch wenn es euch nicht anspricht. (Gelächter) Ihr müsst Geld ausgeben, um Yoga zu lernen, um ordentlich zu atmen und all das … Ernsthaft: Ihr könnt Yoga praktizieren, alle Übungen, auf verschiedene Weise. Ich habe einiges davon gemacht, über Jahre, wurde von den Experten unterwiesen, glücklicherweise ohne dafür etwas zu bezahlen, weil die Experten dachten, ich wäre ebenso ein Experte. (Gelächter) Entschuldigung. (Krishnamurti lacht) Ich bin kein Experte. Und so schickten sie mich bald in die Wüste. (Gelächter) Man kann sagen: Ihr könnt diese Art der Yoga Praktik für den Rest eures Lebens tun, ihr werdet eure Spiritualität nicht im Inneren erwecken, noch wird einer höhere Energie erwachen.
Wisst ihr, der Osten hat ein Wort für die sogenannte Kundalni. Aber die meisten Menschen, mit denen ich diskutiert habe, die in diese Thematik sehr tief eingestiegen sind, zitieren immer jemanden anders – zurück zu den ursprünglichen „Unglücksmachern“. (Gelächter) Entschuldigung. (Krishnamurti dreht sich lachend weg) Und keiner von ihnen, bitte glaubt mir, keiner von ihnen hat Kundalini erweckt. Sie sprechen darüber, sie fühlen eine gewisse Erfahrung, die sie dann Kundalini nennen … Ich habe mit ihnen ernsthaft diskutiert, und worüber sie sprechen, ist eine bestimmte Form von Energieerhöhung, die noch mehr „Unheil“ erzeugt. Das meine ich ernst. Sie tun es über richtiges Essen, Kontrolle, ordentliches Atmen ect., so haben sie auch mehr Energie. Und das gibt ihnen eine Art von Überlegenheit, Erleuchtung usw. … Aber das kann nur passieren, wenn das Selbst zurücktritt. Dann gibt es eine völlig andere Art der Energie. Der Geist (Verstand) bleibt frisch, jung, lebendig. Das kann nur passieren, wenn da absolut kein Selbst (Ego) mehr ist. Richtig? Weil das Selbst im permanenten Konflikt ist von Wollen, nicht wollen, die Dualität und entgegengesetzte Bedürfnisse erzeugend. Und solange dieser Konflikt dauert, wird Energie verschwendet. Hört dieser Kampf auf, dann breitet sich eine völlig neuartige Energie aus.

Die Geschichte von den zwei Steinen

Krishnamurti erzählt: Es gibt dazu eine Geschichte. Es gab einen Philosoph, der ein bekannter Lehrer war. Ein Schüler kam zu ihm und sagte: „Meister, lehre mich zu meditieren“. Also setzte sich der Schüler hin, in die richtige Position, schloss die Augen und begann sehr tief zu atmen, um die höheren Welten und Schwingungen zu erreichen. Der Meister jedoch nahm zwei Steine und begann, diese gegeneinander zu reiben. Und der Schüler öffnete die Augen und fragte „Meister, was machst du da?“
Der Meister antwortete: „Ich versuche, aus diesen Steinen einen Spiegel zu machen, sodass ich mich sehen kann.“
„Meister, das wird dir nie gelingen.“
Darauf antwortet der Meister: „Ebenso, mein Freund, kannst du auf diese Weise da sitzen, auf diese Weise atmen, für immer, aber du wirst niemals …“
(Krishnamurti bricht ab). Ihr habt es verstanden.

Zusammenfassung:

Jiddu Krishnamurti beschreibt in diesem Vortrag seine Vorbehalte gegenüber westliches Yoga. Seiner Aussage zufolge sind es lediglich „Körper-Übungen“, die weder zur Erweckung der Kundalini noch zur Erleuchtung beitragen. Seiner Meinung nach kann man dies nur über den „Königsweg“, nämlich Raja-Yoga, erlangen. Die Befreiung des Selbstes vom „Ego“, vom ewigen Gedankenkarussell, von der Dualität, transformiert seiner Meinung nach auch die Energie. Dann ist Erleuchtung möglich.
Die Parabel vom Meister und dem Schüler mit den zwei Steinen besagt, dass äußeres Tun nicht zur Erleuchtung führt. Krisnamurti will m. E. sagen, dass ledigliches Exerzieren/Üben, sei es durch Yoga-Übungen oder Meditation, nicht zur Erleuchtung und nicht zur Erweckung der Kundalini führt. Nicht, wenn ethisches Handeln und Moral außen vor bleiben.

Nachtrag zu Raja-Yoga

Raja Yoga (Sanskrit राजयोग, rājayoga, [ɽɑːʤʌjoːgʌ] m. „königlicher Yoga“) ist ein klassischer Yogaweg. Angestrebt wird die Entwicklung und Beherrschung des Geistes. Zentrale Bestandteile sind die „acht Stufen“:

  1. Yama – 5 ethischen Verhaltensregeln
  2. Niyama – 5 Regeln der Selbstdisziplin
  3. Asana – Schulung und Reinigung des Körpers mittels Yogastellungen
  4. Pranayama – Atemkontrolle
  5. Pratyahara – Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt
  6. Dharana – Konzentration auf nur einen Gedanken
  7. Dhyana – Meditation, Kontemplation
  8. Samadhi – Überbewusstsein, Einheitsbewusstsein

Die drei letzten Aspekte Dharana, Dhyana und Samadhi werden zusammengefasst als Samyama bezeichnet.

Bücher:

Von und über Jiddu Krishnamurti gibt es eine Vielzahl von Büchern, von denen ich hier nur einen Auszug stellen kann. Am wichtigsten erscheint mir für den Pragmatiker „Wahre Bildung“, für den Suchenden „Das Licht in uns – Über wahre Meditation“ und „Vollkommene Freiheit“:

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  • Jiddu Krishnamurti, Person und Leben: Wikipedia

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Geboren 1978 – Bloggerin | Beraterin zu spirituellen Themen | Kundalini | Neoterikerin | spirituelle Bohemienne | Herausgeberin von Neoterisches Bewusstsein – Moderne Spiritualität

2 thoughts on “Jiddu Krishnamurti über Kundalini u. Yoga – Teil 2”

  1. Liebe Tanja,
    danke für deine Einführung in das Wirken von Jiddu Krishnamurti anhand dieser spannenden Fragen… 🙂
    Er hat ja ziemlich viel Humor. Und gleichzeitig so bestimmt und bescheiden aufzutreten, ist beeindruckend.

    Eine schöne Geschichte, die er da erzählt. Meisterschaft bedeutet auch, solche kreativen Einfälle zu haben, die dem/der Schüler(in) seinen/ihren Irrweg verdeutlichen. Ob das nun Steine sind oder eine überlaufende Teetasse, egal, es muss nur zur Situation passen. 🙂

    Yoga (wie er im Westen meist praktiziert wird) kann sicherlich helfen, sich körperlich (auf was auch immer) vorzubereiten. Also falls was passiert, dann möglichst gewappnet sein, um auftretende Energiephänomene gut zu verkraften.
    Aber man kann noch soviel „turnen“, erzwingen lässt sich da gar nichts. Und auch wenn viele Schulen (auch im Westen) über die körperlichen Aspekte hinaus gehen wollen: auf dem geistigem Weg ist es doch ähnlich. Also einfach ganz viel zu meditieren und Mantras zu singen, wird es auch nicht bringen.
    Ethisches Handeln sehe ich eher losgelöst davon, das ist keine Aufgabe um möglichst viele „Punkte“ zu sammeln, die dann hoffentlich helfen. Es ist eine Grundvoraussetzung und auch ein Grundbedürfnis, etwas das aus Überzeugung getan werden will und nicht weil man es muss oder soll.
    Für Yogis wäre es wohl ratsam, dieses Erwachen/Erwecken-Ziel einfach mal zu vergessen. Denn wenn das quasi als Flucht aus dem jetzigen Dasein angestrebt wird, kann es nicht gelingen. Also Annehmen von dem was ist. Und dann einfach neugierig sein, mit kindlichen Augen schauen. 🙂
    Liebe Grüße,
    Heiko

    1. Lieber Heiko,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar.
      Ich würde jetzt am liebsten nur sagen: Dem ist nichts hinzuzufügen, denn das meine ich in der Tat so, aber das wäre zu wenig gewürdigt.
      Es gefällt mir sehr, wie du über Krishnamurti und den Artikel denkst/schreibst, denn ich sehe es genauso. Und ja, Jiddu Krisnamurti war wirklich bescheiden und humorvoll – und sehr weise …
      Auch sehe ich es wie du (und Krishnamurti), dass bloßes Turnen und „Meditieren“ – ohne Ziel und tiefere Absicht – nichts bringt. Und ethisches Handeln muss ebenso von Herzen kommen, und darf keine äußere Form sein.
      Ich danke dir vielmals für deinen Kommentar!
      Macht Freude! 🙂
      Liebe Grüße,
      Tanja

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