Was ist Erleuchtung? Teil 3

DErleuchtungie Erleuchtungserfahrung als solche wurde in Artikel 1 dieser Serie schon kurz umrissen. Wie beschrieben kam Siddharta Gautama lt. Überlieferung im 5. Jh. zur Erleuchtung und erkannte daher die Welt u. a. als Abfolge von Traumbildern, er erkannte sich in allem was existiert und existierte, sowie den Kreislauf der Wiedergeburten …
Was hier eher nüchtern dargestellt ist, lässt sich natürlich rational fassen und nachvollziehen, doch is
t die Erleuchtungserfahrung nicht nur wie ein „Kopf-aus-dem- Wasser-heben-und-sich-umsehen“, sondern ebenso emotional. Sie ist prosaisch, lyrisch, ein „lyrisches Ich“ zwischen den Zeilen einer hermetischen Poesie, denn sie umfasst alles, was einen Menschen denken und fühlen lässt. So ist die Barriere von Erlebnis, Erlebtem und Erleber vollständig aufgehoben, der Geist wird als Raum-Offenheit erfahren und verstanden, und innerhalb dieser Erfahrung macht sich ein Gefühl der Geborgenheit, des Friedens, der Schönheit und der Freude breit, da die Dualität nicht mehr existiert.
Diese Erfahrung ist in der Regel stark und sehr „wahr“. Jedoch, so wundervoll sie ist, ist sie nicht dauerhaft. Sie kann Minuten oder Stunden dauern, sie kann sogar tagelang „nachrauschen“, doch sie ist trotzdem nur ein „Gipfelerlebnis“, das irgendwann wieder auf den Boden dieser Erde, dieser Realität und dieses Seins hinunter führt.
Natürlich kann sie wiederholt werden, zufällig noch einmal passieren oder bewusst angestrebt werden, doch auch die nächste Erfahrung wird in der Regel nicht dauerhaft sein.

Der Zustand danach

So ist der Zustand danach oft mit Wehmut behaftet. Man hatte „es“ und „es“ hatte einen. Es war da. Es wirkte befreiend, erweiternd, wie ein Segeltörn auf den Wellen des Seins, das einen nicht mehr tangierte … Es war ein Fließen, ein Gleiten und Erkennen, es war wunderbar, und nun sitzt man im Büro und der Chef sagt „Das Angebot brauche ich noch vor Mittag“.
Ja, es darf gelacht werden. Doch so ist es. Daher ist jeder kritisch zu betrachten, der sich als erleuchtet deklariert und – wie in Artikel 1 erwähnt – etwas verkaufen will. Natürlich darf jeder, der ein Erleuchtungserlebnis hatte, darüber schreiben, es erzählen und publik machen und dafür einen Preis festsetzen, doch falls sich jemand als 24/7-Erleuchteter darstellt und überdies mit einem dauerhaft penetranten Tausend-Yard-Blick durch die Gegend läuft, dann denke man eher an Verkaufsstrategie. Oder Drogen.
Erleuchtung ist daher, um die Frage in Artikel 1 zu beantworten, tatsächlich kein Zustand, kein Status Quo, sondern ein Prozess, der in Wellenbewegungen stattfindet, daher ein Auf und Ab. Sie entführt einen nur kurz aus diesem Leben, aus diesem Alltag, ansonsten ist man immer noch dieselbe Person. Erleuchtung transformiert das Bewusstsein und führt mitunter zu einem Sinneswandel, doch sowie sich jemand nur aufgrund dieses Erlebnisses für besser oder wertvoller hält, wird sich seine Erleuchtungserfahrung zwar nicht auflösen, doch könnte der Weg zur Erlösung – und darum geht es im nächsten Absatz – nicht verbauter sein.

Erleuchtung als Bestandteil der Erlösung

Wie in Artikel 2 dargestellt braucht es für eine Erleuchtungserfahrung lt. Definition keine besondere Voraussetzung, noch einen ethischen Lebensstil.
Fasst man den Begriff jedoch weiter, so ist für die „Erlösung“ durch Erleuchtung natürlich ein ethischer Lebensstil unabdingbar. Erlösung bedeutet nun nichts anderes, als aus dem Rad der Wiedergeburt auszusteigen. Wir hören/lesen das zwar sehr oft, nehmen es zur Kenntnis und vergessen es meist wieder so schnell wie das eilige „Hallo“ vom Nachbarn, der gerade in sein Auto steigt. Daher muss/möchte ich nun umso deutlicher sein: Achtung! Wir können öfter wiedergeboren werden, als der Rasen auf dem Sportplatz Halme zählt, wenn wir uns nicht um „Erlösung“ bemühen. Und das Rad, in dem das geschieht, ist nicht nur ein buntes, buddhistisches Bild, „Samsara“, das wir uns wichtigtuerisch über die Wohnzimmercouch hängen, nein, es ist ein perfides, ausgeklügeltes System, dem keiner so schnell entkommt, der zu diesem Spiel einmal ja gesagt hat. Wer sich also nicht um seine Befreiung kümmert, wird unzählige Male auf dieser Erde „ausgesetzt“ wie ein Haustier, das sich von jetzt an alleine durchschlagen muss. Das bedeutet, tausendmal und öfter wieder geboren zu werden, tausend mal und öfter aufzuwachsen, krank zu werden und zu sterben, und zwar jedes Mal mit all dem Vergessen, dem Leiden und dem Irren. Na bravo. Das kann je nach Karma Krankheit, Krieg, Elend, Armut oder nur Schrebergarten mit Gartenzwerg bedeuten, sowie es weiters auch einmal Glamour, Schönheit und Freude bedeuten kann. Doch wie auch immer es aussieht, ein jeder ist inhaftiert. Und darum geht es. Wer nicht weiß, dass er ein „Häftling“ ist, der immer wieder „einsitzt“, und zwar – je nach Karma – in Dunkelhaft, Einzelhaft, mit Fußfesseln oder unter gelockerten Haftbedingen, wird die Kraft zur Befreiung nicht aufbringen. Also sage ich es jetzt so, dass es jeder versteht: Du bist ein Häftling. Auch wenn dein Partner toll und deine Kinder vernünftig sind, du bist ein Häftling. Du hast absolut keinen Begriff davon, wie umfassend du hier gefangen bist, wie tief du gefallen bist, wie glücklich du einmal warst. Ohne diesen Körper. Du hast keine Ahnung, wo dein wirkliches Zuhause ist, weil du keine Ahnung hast, woher du kommst. Du hast keinen Begriff von jener Seligkeit, die dich einmal unablässig durchdrang, von Ganzheit, aus der du herausgefallen bist, hinein in dieses unsägliche Spiel, dass dich immer wieder vergessen macht. Und ob es nun eine schwere Eisenkette ist, die dich an dieses Spiel bindet, oder nur ein seidenes Band – ob es nun furchtbar oder eher tolerabel ist – macht keinen Unterschied. Du bist gefangen. Das also als Add-On zum schnellen „Hallo“ des Nachbarn.
So ist die Erleuchtungserfahrung zunächst mit „Erkennen“ und „Erwachen“ konnotiert. Wer aber „erwacht“ und etwas „erkennt“, ist noch lange nicht befreit. Was folgen muss, ist die unbedingte ethische Ausrichtung sowie ein umfängliches Verstehen der astralen und spirituellen Dimensionen … Und selbst dann ist noch lange nicht alles getan.
So gibt es mehrere Stufen zur Erlösung, in welcher die Erleuchtung zentraler, jedoch wiederum nur temporärer und singulärer Bestandteil ist. Nicht weniger wichtig ist theoretisches Wissen, das heißt Studium der spirituellen Schriften, damit sich zunächst eine Ahnung davon ausformt, was „da abgeht“, wie groß, wie überdimensional und umfänglich es wirklich ist und was es für jeden einzelnen bedeutet. Spirituelles Wissen zu studieren heißt nicht, sich auf ewig mit etwas herumzuschlagen, was im Endeffekt sowieso niemand versteht. Weit gefehlt. Es wird umso sensationeller, je mehr man begreift. Woher kamst du? Wo warst du, bevor du einen Körper hattest? Was kommt danach? Warum ist es so und was bedeutet es? Im Fernsehen wird einem niemand davon erzählen und der Religionslehrer? Hier darf jeder selbst zurückdenken, ob der Religionslehrer zufriedenstellende Antworten hatte …
Zur Erlösung führt daher nicht nur ein Weg, sondern mehrere Wege, die sich bedingen und die zu beschreiben Bände füllen würden, jedoch möchte ich die vier wichtigsten Aspekte hierzu nennen: Ethischer Lebensstil, spirituelle Praxis, Aneignung von spirituellem Wissen, die Erleuchtungserfahrung als solche.

Als Erstversorgung für all jene, die sich nun über Spiritualität informieren möchten, kann ich das folgende Buch mit bestem Gewissen empfehlen:  „Ruth Huber, Rückerinnerung – Bewusstsein gewinnt, wer sich erinnert“. Obwohl ich nicht punktgenau in allem mit Ruth Huber konform bin, so gehe ich weitgehend mit ihr dacor. Es ist eines der aufgeklärtesten Werke derzeit, ein Buch, das einen tiefen und klaren Blick in die tatsächlichen spiritiuellen Verhältnisse tut und daher wirklich richtungsweisend und spirituell „befördernd“ ist. 

Buchempfehlung: Bewusstsein gewinnt, wer sich erinnert

Information: Samsara

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Copyright: © Tanja Braid, www.neoterisches-bewusstsein.com

4 thoughts on “Was ist Erleuchtung? Teil 3”

  1. Liebe Tanja
    wie ich verstehe siedelst du dein Erlösungszeremonial in einer übersinnlichen Parallel- oder Astralwelt an. Man kann sich relevante Gedanken dazu machen und sich in Spiritualität üben, aber was soll ich mir Sorgen machen um eine so ferne „Welt“zu errreichen! Was verspricht es mir dort? und wieso sind diese unterschiedlichen Transformationsebenen in auf- und absteigenden Strukturen geordnet?

    1. Lieber Stedi,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Leider kann ich dich nicht vollends nachvollziehen, da ich ja von der Erleuchtungserfahrung und einem ethischen Lebensstil sprach, der zur Erlösung führt, weswegen die Antwort, was dir „die ferne“ Welt „verspräche“ schon gegeben ist.
      Liebe Grüße,
      Tanja

  2. Wie kann man gleichzeitig erleuchtet sein und an das Urheberrecht glauben?

    Eigentum

    Diese Assoziation ist ebenfalls reine Software. Der Begriff bedeutet: „Schau her, diese von mir abgeteilt vom Rest gedachte Menge Substanz soll meinem Willen unterliegen. Will ein Anderer sie formen, so werde ich gegen ihn kämpfen.“ Der Eigentumsbegriff ist ein Mittel, das im Konkurrenzkampf der Formen auf der Ebene der Software eingesetzt wird. Der Begriff ist ein Begriff des Kampfes.

    Ja, alle Heiden will ich erschüttern. Da sollen dann kommen aller Völker Kostbarkeiten, und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, spricht der Herr Zebaoth. Denn mein ist das Silber und mein ist das Gold, spricht der Herr Zebaoth. [Haggai 2]

    „Geistiges Eigentum“ bedeutet, dass eine Verhaltensweise gefunden worden ist, von der geglaubt wird, dass ihre Wiederholung in Zukunft zur Erlangung der eigenen Ziele immer wieder dienlich sein kann. Einer anderen Form, die zur Erlangung ähnlicher Ziele die Verhaltensweise kopieren könnte, wird durch den Begriff signalisiert, dass sie bekämpft werden wird, sollte sie die Verhaltensweise tatsächlich selbst anwenden. Die andere Form wird sogar dann bekämpft, wenn sie unabhängig von der einen Form auf dieselbe Idee gekommen ist. Damit ist klar, dass nicht der Kopiervorgang bekämpft werden soll, sondern dass es vielmehr im Kern darum geht, der eigenen Form einen Vorteil zu verschaffen und dies auf Kosten der anderen, denen zu diesem Zweck gleich erfolgreiches Verhalten – kopiert oder nicht kopiert – verboten sein soll.

    1. Lieber Harald,

      geistiges Eigentum ist eine Diktion: „Als geistiges Eigentum wird im Unterschied zum Eigentum an körperlichen Gegenständen (Sachen im Sinne des § 90 BGB) ein ausschließliches Recht an einem immateriellen Gut, etwa einem Kunstwerk oder einer technischen Erfindung, bezeichnet.“

      Ich verstehe daher deinen Einwand nicht, noch den Zusammenhang, was geistiges Eigentum mit „Erleuchtung“ zu hat. Es handelt sich hier um zwei völlig getrennte Bereiche, nämlich das Rechtswesen und Spiritualtität. Es würde ja auch ein Anwalt nicht die „Fachsprache“ – die es gar nicht gibt – der Spiritualitätt verwenden, und vor Gericht von „Erleuchtung“ sprechen.

      Liebe Grüße,
      Tanja

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