Traumtagebuch: Die andere Mutter

Traumtagebuch ist eine Reihe, in welcher ich von denkwürdigen Trüb- oder Klarträumen berichte. Um diese Aufzeichnungen verstehen zu können, wäre Grundlagenwissen im Klarträumen und Astralreisen vorteilhaft, jedoch kann man auch mit einer unvoreingenommenen Lesart an die Texte herangehen:

„Wir müssen hier weg. Da stimmt etwas nicht.“
Ich sitze mit „meiner Mutter“ im Vorhaus unseres alten Hauses. Es ist stockdunkel, ich sehe das Zimmer und die Gegenstände darin nur schemenhaft. Eben noch haben wir uns wundervoll unterhalten, wie es Menschen tun, die sich gerade kennenlernen und sich auf Anhieb prächtig verstehen. Jetzt scheint von außen etwas Bedrohliches zu kommen …
Sie ist jedoch nicht „meine Mutter“, nicht jene, die ich in der Realität habe, und doch ist sie meine Mutter in diesem Traum.
Sie dreht den Kopf und deutet auf die Haustür. „Wir müssen weg.“
Ich fühle eine große Vertrauenswelle in mir aufsteigen, eine Verbundenheit zu dieser Person, denn sie erkennt die Gefahr. Sie weiß, was los ist, und weil sie es früher tut, als ich, entspannt es mich. Sie gibt mir Sicherheit.
Jetzt steht sie auf und ich folge ihr. „Wir brauchen Licht, ich kann nichts sehen“, sage ich.
„Die Lichtschalter funktionieren nicht, das weißt du“, antwortet sie.
„Woher soll ich denn das wissen?“
Weil du dein Bewusstsein ausgesandt hast und du den materiell-realen Lichtschalter nicht bedienen kannst, kommt als Gedanken-Wissen in meinen Kopf, auch wenn sich alles wie ein luzid flackernder Trübtraum anfühlt und ich meinen Körper, der im Bett liegt, ganz genau fühle.
Ich glaube ihr nicht und drücke auf den Lichtschalter im Wohnzimmer, doch es wird tatsächlich nicht hell.
Da stimmt doch etwas nicht. Und ich liege doch im Bett. In meiner Wohnung. Wie kann ich dann gleichzeitig in unserem alten Haus sein, das zehn Kilometer weit entfernt liegt?
Als ich mich umdrehe, ist „meine Mutter“ fort. Ich suche sie, doch sowie ich mit dieser Intention durch das Haus gehe, blind in der Dunkelheit herumtastend, verspüre ich massiven energetischen Druck und Widerstand. Dieser Druck ist sehr stark und fühlt sich schwer an, als läge man unter drei bis fünf Kubikmeter Erde begraben oder bewege sich gegen einen Strom. Doch sowie ich die Intention, das heißt die Suche nach ihr, aufgebe, ist der Druck weg. (Offenbar soll ich sie nicht suchen.)
Es war also schon hier. Das, wovor sie gewarnt hatte, war schon gekommen. Es hatte mich von ihr abgetrennt. Sie hat es kommen sehen …
„Wo bist du?“
Ist das ein Alptraum? Ich spüre meinen Körper und meine, mich vom Rücken auf die Seite drehen zu müssen, dann wäre der Alptraum – wie immer – vorbei, doch ich liege ja in der bevorzugten Position: auf dem Bauch.
Energisch drehe ich mich um und fauche in die Dunkelheit, was zweifach geschah, einmal im Haus und einmal im Traum in meiner Wohnung. Das Fauchen hat es aufgeschreckt: da, auf der Couch, da ist etwas … Es hält sich still in der Dunkelheit, es ist die Dunkelheit, und auch diese ist zweifach da, in meiner Wohnung im Traum sowie in unserem alten Haus. Sowie in der Realität.
Plötzlich weiß ich, dass „meine Mutter“ im Schlafzimmer ist.
Ein Zug fährt vorbei. Ich höre sein weit entferntes, melancholisches Rattern mit meinen physischen Ohren. Er fährt tatsächlich vorbei und ich nehme sein Rattern, um mich im Traum/im Haus mental abzuschirmen. Es ist eine Tarnkappe, damit ich weiter nach meiner Mutter suchen konnte, ohne auf den Widerstand zu stoßen, denn wenn die Energie nicht wusste, was ich vorhatte, konnte sie mich auch nicht aufhalten – so mein Gedanke.
Tatsächlich – und zu meinem Erstaunen – funktioniert es. Mit dem Rattern im Kopf wird meine Absicht für die Energie wohl undeutlich und ich erreiche das Schlafzimmer. Meine Mutter steht vor dem Schlafzimmerschrank. Dort ist sie auf seltsame Weise gebunden, wie in einer Starre, und ich kann ihre Präsenz dort nur fühlen, denn alles ist dunkel. Ich weiß, dass ich nur ihre Hände erreichen müsste, dann wäre die Trennung aufgehoben. Doch wenn ich meine Hände ausstreckte, konnte es passieren, dass ich aus meinem Körper gezogen werde, ich habe es schon ein paar Mal in dieser Weise erlebt, ich wollte es nicht … (Mein Trüb-Traum-Ich hat gelernt, die Hände bei sich zu halten …)
„Komm zu mir“, sagt sie, doch ihre Worte klingen schwach und verzerrt, als spräche jemand unter Wasser.
„Du brauchst die Tarnkappe“, schlage ich als Alternative zum „Händereichen“ vor.
„Welche Tarnkappe?“
„Den Zug.“
„Aber den höre ich nicht.“
In diesem Moment tritt die Energie wieder zwischen uns, meine Mutter wird unsichtbar und ich habe wieder gegen den Widerstand zu kämpfen, bzw. gegen das Gefühl, abgetrennt zu sein.
Ich wache auf.

Der Zug fährt immer noch. Mir ist sehr heiß, meine Haut glüht und im Zimmer sind sehr feine Energielinien. Sie fallen leicht schräg ein, haarfeine Parallelen von goldgelber Farbe auf dem nachtschwarzen Grund.
Ob „es“ noch da ist?
Ich sende meine eigene Energie mit voller Wucht aus, um den Störenfried aus dem Zimmer zu katapultieren, bzw. zu schieben, so wie er es mit mir getan hat. Soll er sich doch gegen grellweißen, hochelektrischen und surrenden Kundalini-Strom zur Wehr setzen und zu einem Röstprodukt in der astralen Welt zerfallen …

Nachtrag: Dieser Traum ging mir natürlich nahe, doch darüber hinaus weiß ich nicht, ob eine Gleichzeitigkeit und Bewusstseinspaltung stattfinden kann: Man ist mit einem Teil seines Bewusstseins dort und mit einem anderen Teil seines Bewusstseins da. Dass ich den Lichtschalter nicht bestätigen konnte, kann – genaugenommen – auch geträumt sein. (Dann ging das Licht im Traum eben nicht an.) Tatsächlich gibt es das Traumsymbol „Lichtschalter“, doch andererseits war das Gedankenwissen sehr klar: Du hast dein Bewusstsein ausgesandt, weswegen du den materiell-realen Lichtschalter nicht bedienen kannst. Auch war unser altes Haus als „Setting“ sehr stabil, es veränderte sich nicht, wie es das in Träumen sonst tut. Beispiel: Man ist an einem vertrauten Ort, in einem Zimmer, biegt um die Ecke und der Raum verändert sich oder man steht vielleicht gleich inmitten eines Marktplatzes …
Ich denke, man kann sich verschiedener Realitäten/Bewusstseinsebenen simultan bewusst sein, doch was ich bisher noch nicht in der Literatur fand, ist, ob in beiden – oder mehreren – Realitäten auch gleichzeitig etwas geschehen kann, was durch eben jene Realitäten/Ebenen wirkt, wie z. B. mein „Fauchen“ im Traum, im Zimmer und zugleich im alten Haus meiner Eltern, oder die Negativ-Energie, die im Zimmer, im Traum und zugleich im Haus meiner Eltern wirkte … Und der Zug, der in der Alltagsrealität ja tatsächlich vorbei fuhr, war dann meine bewusst erzeugte, mentale Tarnkappe zehn Kilometer weiter weg … Von außen an mein Traum-Ich gelangende Geräusche integriere ich sonst immer als ein „Irgendetwas“, was dann im momentanen Traumerleben Sinn oder weniger Sinn macht, wie z. B. das Blätterrauschen der sich im Wind wiegenden Birke. Dieses ist dann „Meeresrauschen“ oder auch „Klospülung“ – um kreativ zu sein, es muss aber nicht zwingend im Traum genau das sein, was es auch in der Realität ist.
In diesem Traum aber war der vorbeifahrende Zug kein verfremdetes Geräusch gekoppelt an irgendein Traumobjekt oder Traumsymbol, z. B. könnte ein Zug nicht nur auditiv wahrgenommen, sondern im Traumerleben als Tunnel, Luftzug oder sonst wie assoziativ verwirklicht sein … Nein, ich hörte den Zug, während ich träumte und ich wusste, es war der „wirkliche“ Zug, der in just diesem Moment vorüberfuhr, sowie ich auch um die momentane Lage meines Körpers im Traum wusste.

Weitere Informationen zum Thema Luzides Träumen – Begriffsgeschichte und Überblickswissen von den Anfängen bis zur Moderne, Literatur- und Filmempfehlungen – klick auf Klarträumen.

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