Borderline: Leben und Lieben zwischen Himmel und Hölle

Borderline Leben und Lieben zwischen Himmel und HölleDie Borderline-Persönlichkeitsstörung, kurz BPS, beschreibt eine emotional instabile Person mit starker Menschenfixierung. Symptomatisch für die Störung sind u. a. äußerst intensive, zwischenmenschliche Beziehungen, die jedoch von kurzer Dauer sind, starke Impulsivität, fehlende Impulskontrolle, Denken/Fühlen/Handeln in Extremen, Schwarz-Weiß-Denken, Angst vor dem Verlassenwerden, Nähe-und-Distanz-Schwankungen, Kindlichkeit, hohe Sensibilität/Empathie, äußerst starke Emotionen, diffuses oder fehlendes Selbstbild, Sehnsucht nach symbiotischer Verschmelzung mit einer Person, Sehnsucht nach nährender Mutter- oder Elternliebe auch im Erwachsenenalter, selbstverletzendes, riskantes oder suizidales Handeln. Das von den Medien kolportierte Bild des Ritzens in die Haut ist nur ein Symptom, das innerhalb der Störung auftreten kann, jedoch nicht auftreten muss. Auch ist es nicht als Leitsymptom zu verstehen – sondern eher als medialer „Aufhänger“.

Vorbemerkung und Hinweise

Es ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung komplex und vielschichtig, daher für Laien oder für Menschen, die in Erstkontakt mit dem Thema kommen, meist nicht sofort „logisch“ nachvollziehbar. Dass Borderline bedeutend mehr ist, als das im Fokus stehende BPS-Indiz, nämlich das Ritzen der Haut, dringt jedoch mehr und mehr ins öffentliche Bewusstsein. Auch offenbaren sich zusehends Betroffene – Menschen im Umfeld des Borderliners und berichten von ihren durchaus leidvollen Erfahrungen.
Dennoch kann das Thema in der Gesamtbreite hier nicht erschöpfend dargestellt werden, nicht zuletzt deshalb, weil die Bandbreite vom „lieben“ bis zum „gehässigen“ Borderliner groß ist und im Grunde jeder Fall individuell betrachtet werden müsste. Auch kann die Schwere der Störung variieren, von leichter Bindungsangst bis hin zu exzessiven und impulsiven Wutanfällen, Drohungen, Beschimpfungen und gewaltvollen verbalen und körperlichen Ausfällen reichen …
Vorausschicken möchte ich, dass mein persönliches Wissen über das hier Vorgestellte hinaus geht, dies als Betroffene sowie aufgrund meiner intensiven Einarbeitung in die Thematik. Ich werde am Ende des Artikels zu Büchern verlinken, die die Borderline-Symptomatik vollständiger abbilden, als dies hier der Fall ist. Fragen, die nach Lektüre des Artikels offen bleiben, können anhand der Literatur beantwortet werden.

An wen richtet sich der Artikel?

Dieser Artikel richtet sich überwiegend an Betroffene, an Partner und Partnerinnen von Borderlinern in Mann-Frau-Beziehungen, nicht jedoch an Borderliner selbst.
Beschrieben sind generelle Symptomatiken und typische Borderline-Verhaltensweisen in Beziehungen, die jedoch für den Einzelfall nicht gelten mögen. Die Borderline-Symptomatik ist, wie erwähnt, variabel/flexibel und in vielerlei Hinsicht situativ modifiziert, dennoch muss ich mich aus Platzgründen auf das Typische beschränken.
Aus Gründen der Lesbarkeit ist im Folgenden „der Borderliner“ gebraucht, selbstverständlich ist die Borderlinerin mitgemeint, was ebenso für die Partner von Borderlinern gilt – auch hier sind, wenn von „der Partner“ gesprochen wird, männliche und weibliche Partner gemeint.

Abgrenzung zur NPS, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Narzissmus aus spiritueller Sicht – Teil 1Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist neben der narzisstischen, histrionischen und antisozialen Persönlichkeitsstörung die vierte Persönlichkeitsstörung, welche als Gesamtgruppe zu den Cluster-B-Störungen gehört. Cluster-B bezeichnet die amerikanische Einteilung von Persönlichkeitsstörungen und ist gleichsam der Diagnose-Leitfaden des amerikanischen Fachverbandes für Psychologie.
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung kann auch narzisstische Züge aufweisen. Überschneidungen sind möglich, d. h. BPS steht der narzisstischen Persönlichkeitsstörung relativ nahe, unterscheidet sich jedoch in der Ausprägung z. B. in der hohen Empathie/Sensibilität des Borderliners, die dem Narzisst i. d. R. fehlt. Anders als Narzissten können Borderliner unter günstigen Umständen mittels Selbstreflexion Einsicht in ihre Störung haben, daher finden sie sich auch in Therapien wieder. Leider werden sie häufig als bipolar fehldiagnostiziert, doch auch bei richtiger Diagnose brechen sie die Therapie nicht selten frühzeitig ab, weswegen die Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung auch für routinierte Therapeuten eine Herausforderung sein kann.

Häufigkeit der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei Männern und Frauen

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung aufgrund der größeren Emotionalität (nur) bei Frauen auftritt und Männer davon kaum bis seltenst betroffen sind. Schon in den Jahren 2004 und 2005 fand eine amerikanische Untersuchung heraus, dass aus 34.653 Menschen gesamt (Männer und Frauen) 5,9 Prozent von BPS betroffen waren, davon wiederum 6,2 Prozent Frauen und 5,6 Prozent Männer. Der prozentuale Unterschied in der Häufigkeit liegt bei 0,6 und ist damit wenig signifikant, d. h. um diesen Wert sind Frauen zwar häufiger betroffen als Männer, doch die generelle und ausschließliche Zuschreibung von BPS auf Frauen ist unrichtig.

Himmel und Hölle: Beziehung mit einem Borderliner

Beziehungen zu Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung werden gemeinhin als Himmel und Hölle beschrieben, da das Beziehungserleben entweder himmlisch oder höllisch ist, doch ohne ruhenden, stabilen Mittelpunkt. Diese Beziehungen sind äußerst herausfordernd, schmerzhaft, i. d. R. destruktiv und fühlen sich für den Partner/das Umfeld wie emotionaler Extremsport an. Der Borderliner versucht aufgrund seiner Störung, insbesondere wegen seiner tiefsitzenden und häufig unbewussten Angst vor dem Verlassenwerden, die Beziehung zu kontrollieren, was er über Manipulation am und Macht über den Partner zu erreichen sucht.
Diese Angst kann irrational sein und völlig grundlos auftauchen oder schon durch ein normales Alltagsverhalten des Partners ausgelöst werden, z. B. wenn auf eine SMS nicht sofort geantwortet wird. Durch diese Angst entsteht mitunter die „chronische“ Untreue des Borderliners, die sich körperlich und/oder emotional äußern kann, denn er wird typischerweise stets mehrere Partner/Menschen „in der Pipeline“ haben. Dies deshalb, weil der Gedanke, alleine sein zu müssen, für ihn äußerst bedrohlich ist. Borderliner deklarieren/rechtfertigen sich in multiplen Parallelbeziehungen häufig so, dass sie doch nur suchen würden und nicht per se untreu wären, sie suchen doch nur den idealen Partner und müssten eben „ausprobieren“, bis sie ihn gefunden hätten. Doch wenn, dann wären sie selbstverständlich „treu“.
Dass man mit einem neuen, zum Verkauf gebotenen Wagen jedoch keine Probefahrt um die halbe Welt machen muss, um zu wissen, ob er „passt“, kommt im Mindset eines Borderliners praktisch nicht vor, wie auch Begriffe von Ethik und Moral meist oberflächlich oder gar nicht verstanden werden.
Zudem gibt es den Idealparter – ideal im Sinne des Borderliners – i. d. R. nicht, da der Idealpartner keine eigene Persönlichkeit haben dürfte. Aus diesem Grund – um im Bild zu bleiben – fahren Borderliner mit einem ganzen Fuhrpark um die Welt, wechseln wöchentlich/monatlich/jährlich das Fahrzeug, wobei nicht ausgeschlossenen ist, dass sie zum Erstfahrzeug, das sie z. B. vor über drei Jahren „getestet“ haben, irgendwann wieder zurückkommen (wollen).
Andererseits werden multiple Parallelbeziehungen geführt und über Jahre hinweg gehalten, um das (Verlust-)Risiko zu minimieren. Man kann dies durchaus wie mit dem Streuen des Risikos bei Aktien vergleichen: Wer in viele Aktien gleichzeitig investiert, hat i. d. R. einen leichten, stetigen Gewinn und wird es gut verschmerzen können, wenn eine Aktie ausfällt. Wer jedoch alles auf nur eine Aktie setzt, wird den Verlust schwer(er) verkraften können. Genauso hält es der Borderline-Mensch mit „Humankapital“. Bevor er alles auf eine einzige Person setzt, setzt er auf viele – und streut so das Risiko vor dem Verlust und dem Verlassenwerden.
Dass dieses Verhalten mit „Maneating“ (Menschenfressen), mit Menschensucht und emotionaler Gier gleichgesetzt werden kann, versteht sich von selbst. Für den Borderliner geht i. d. R. immer noch mehr, es geht immer noch besser und kann nie genug sein, weswegen eine ausschließliche, auf Monogamie und Treue begründete Beziehung mit einem Borderliner schier unmöglich ist. Ein einzelner Partner wird nie/kaum unique und besonders genug sein (können). Aus diesem Grund finden sich verhältnismäßig viele Borderliner in der Polyamorie, welche sich über gönnerhafte Liebe im Liebesbegriff selbst ad adsurdum führt, wie auch sich der Borderliner in der Liebe häufig selbst ad adsurdum führt.

Anm.: Hier ist wiederum eine typische Borderline-Tendenz beschrieben, die in einzelnen Fällen nicht gelten mag. Ein Borderliner kann für eine gewisse Zeit, mitunter auch jahrelang „treu“ sein, doch ist dies eher ein Indiz für einen verlangsamten Borderline-Zyklus, für abgeschwächte Symptomatik oder für vollständige Unterwerfung des „abhängigen“ Borderliners unter den Partner, als für echte Treue und Beständigkeit. Der „treue“ Borderliner hat i. d. R. noch keine anderen Liebesobjekte in Aussicht und wird den aktuellen Partner aufs Äußerste „bewachen“, gerade so, wie ein Wüstennomade eine zur Neige gehende Wasserquelle beschützen und bewachen würde. Die Treue ergibt sich aus der Abhängigkeit, höchst wahrscheinlich jedoch nicht auf einer Bindung, die auf Oxytocin-Basis und der daraus entstehenden Liebe beruht.
Monogamie und Treue sind für viele Borderliner aufgrund ihrer Störung nicht oder nur temporär „lebbar“, auch wenn der Borderliner sich diese Attribute anheften mag, dennoch „braucht“ er die menschliche Anbindung in jeder erdenklichen Richtung, sei es sexuell, emotional, freundschaftlich. Für ihn gilt grundsätzlich: Je mehr umso besser, denn „mehr“ bedeutet für ihn „sicherer“.

Der Kreislauf in Borderline-Beziehungen

Die Beziehung zu einem Menschen mit BPS folgt dem Muster Idealisierung (mit höchster Nähe, Symbiose und Intimität), Destabilisierung (Schaffung von Distanz), Entwertung (des Partners, der Kinder, der Eltern …) und schließlich, sofort oder erst nach Jahren, die Trennung.
Dieser Kreislauf kann, je nach Borderline-Typus, innerhalb eines Tages, weniger Wochen/Monate oder auch zeitlupenhaft in einer langjährigen „Beziehung“ auftreten.
Es kann sich der Partner trennen, doch häufiger trennt sich der Borderliner, wenn er ein besseres/idealeres „Liebesobjekt“ gefunden hat. Tatsächlich möchte ich hier von „Objekt“ sprechen, denn die Einverleibung, Subjektivierung und Inflationierung der Liebe und der Menschen seitens des Borderliners, hat mit „Be-ziehung“ im besten Sinne wenig zu tun, hat nichts mit Geben und Nehmen zu tun, vielmehr wird der aus Sicht des Borderliners vermeintlich fehlerhafte, enttäuschende Partner durch neues „Humankapital“ ersetzt.

Fehlende Identität

Fehlende Identität Borderline BPSDie fehlende oder kaum vorhandene Identität des Borderliners bringt es mit sich, dass dieser sich Identitäten von anderen Personen ausleiht – oder gar klaut. Die Fragilität des Egos ist immens, weswegen der typische Borderliner äußerst empfindlich reagiert, wenn die nicht vorhandene Identität – oder das momentan vorherrschende Persönlichkeitsgefühl – leisester Kritik ausgesetzt wird. Die Überempfindlichkeit wird manchmal mit Hochsensibilität nach Dr. Elaine N. Aron gleich gesetzt – oder verwechselt. Zu differenzieren ist, dass ein „normal“ hochsensibler Mensch verantwortungsvoll und erwachsen reagiert, was der typische Borderliner trotz Hochsensibilität in der Regel nicht kann. Warum der typische Borderliner dies nicht kann, müsste wiederum in einem eigenen Artikel/Kapitel abgehandelt werden, hier sei gesetzt, dass es so ist.

Dass grundsätzlich jeder Borderliner sich als absolut beziehungswillig und beziehungsfähig begreift, liegt wiederum in seiner Menschensucht, der Störung selbst begründet – ist jedoch im Normalverständnis von Beziehung und echter Liebe „unwahr“, denn Borderliner brauchen andere Menschen um ihrer selbst willen, sie brauchen den Bezug weniger um des gegenseitigen Liebesgefühls, nicht der Zugewandtheit wegen, sondern um die fehlende Identität mit dem Eigentum des fremden „Menschseins“ auszugleichen, sowie um die u. U. latent vorhandene Depression zu vertreiben, das tiefe, dunkle Loch zu füllen … Der Partner wird also weniger geliebt, als „ge-braucht“ (im doppelten Sinne).
Hier wird die Schieflage evident. Man kann vorsichtig behaupten, dass Borderliner sich in Beziehungen wie Säuglinge verhalten, die rundum gepflegt, geliebt, gewärmt, genährt und gehalten werden wollen. Das Liebesgefälle in einer BPS-Beziehung hat auf der einen Seite also den erwachsenen Menschen, der gesehen, verstanden, gehört und angenommen werden möchte, und auf der anderen Seite den Säugling, der auf das, was die erwachsene Person gibt, mit Zufriedenheit, Genährtheit und Wohlgefühl reagiert, jedoch die erwachsenen Liebesbedürfnisse weder sehen noch erfüllen kann.
Die Grundbedürfnisse des Partners empfindet ein Borderliner für gewöhnlich als Anspruchsdenken, als „Ego“, als unzumutbare Forderung an ihn, denn sein Partner-Idealbild beinhaltet die „alles verzeihende Mutter“, bedingungslose Liebe, die akzeptierende, nährende, wärmende Person, die für ihn 24/7 „da zu sein“ hat, wenngleich er dies in selber Weise nicht/kaum adäquat zurückgibt, weil er es nicht zurückgeben kann. Hier setze ich dies wiederum de facto, es bräuchte extra und zuviel Raum, die Gründe hierfür darzulegen.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung und die wahre Liebe

Borderline Liebe Partner BeziehungObwohl Borderliner Zeit ihres Lebens nach der (für sie) idealen Liebe suchen und obwohl sie sich selbst als äußerst menschen- und beziehungsorientiert sehen und erleben, können sie i. d. R. keine echte Liebe geben und aufgrund ihrer Nähe-Distanz-Schwankungen auch keine echte Liebe annehmen. Die „echte Liebe“ des Partners wird mehr oder minder vom Borderliner absorbiert und läuft in sein innerseelisches, tiefes Vakuum, jedoch wird sie nicht/kaum oder pervertiert (in manipulativer Weise) zurückgegeben. Hierüber entstehen u. a. die borderline-typischen Krümel-Beziehungen: Der Partner, vielleicht schon am Rande der Selbstaufgabe, hat z. B. monate- oder jahrelang gegeben, klassischerweise verziehen, wieder gegeben und wieder verziehen, wohingegen der Borderliner die Symbiose nur mehr noch eingeht, wenn er gerade „in the Mood“ ist, was typischerweise im Laufe der Beziehung aufgrund seiner Störung immer seltener vorkommt, dies insbesonders, wenn schon neue Liebesobjekte am Horizont auftauchen … So kann in der Zeit, in welcher der Partner jahrelang und ausschließlich gibt, der Borderliner einer Katze gleich einmal im Monat „nach Hause kommen“ um sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen und dazu Schnurren beisteuern. Der Partner stellt also den Kuchen, der Borderliner tut ein paar Krümel hinzu. Dies ist wiederum ein typischer Verlauf in Borderline-Beziehungen, der dennoch nicht pauschalisierbar ist.

Generell ist die Betrachtung von größeren Zeiträumen und Beziehungsabsläufen zur Beschreibung der Borderline-Symptomatik wichtig, denn ein Intermezzo mit einem Borderliner kann u. U. angenehm sein, für beide, doch die inhärente Struktur und Psychodynamik zeigt sich für beide (noch) nicht im Intermezzo, sondern erst im Laufe von Wochen, Monaten, Jahren … Auch kann ein Borderliner bei der aktuellen Favorite-Person (Lieblingsperson) sehr „handzahm“ und bei den eigenen Kindern kühl/kalt sein, andersherum bei einer bestimmten Person relativ verträglich, bei einer anderen jedoch die schlechteste Version seiner selbst sein … Die Borderline-Störung zeigt sich im Beziehungsgefüge, wobei hier darauf hingewiesen sei, dass ein Partner nicht schlecht/negativ sein muss, um beim Borderliner das Vollbild seiner Störung ans Tageslicht zu bringen, sondern, im Gegenteil, sehr gut sein kann. In welchem Umfang die Symptomatik erscheint, hat weniger mit Charakter und Eigenart des Partners, als mit der inneren Dynamik des Borderliners zu tun: Hauptsächlich ist das Syndrom dadurch bestimmt, wie sehr, wodurch und wie oft die Angst vor dem Verlassenwerden angesprochen wird und wie „nah“ es wirklich wird, sowie vom Alter des Borderliners. (Studien zeigen, dass die Symptomatik mit fortschreitendem Alter abnehmen kann.)

Die Manipulation des Borderliners

Da Borderliner äußerst empathisch und sensibel sind, manipulieren sie den Partner/die Partnerin so sanft, kunstvoll, geschickt und „voll-automatisch“, dass dieser das Gelingen oder Scheitern der Beziehung heldenhaft auf sich nimmt – sich die Schuld und Verantwortung für die Beziehung und das Wohlbefinden des kindlich-schützenswerten Borderliners mehr und mehr zuschreiben lässt, wobei das Ich/die Persönlichkeit des Partners langsam erlöschen kann.
Um es mit einem Bild zu beschreiben: Einen Borderliner wahrhaftig zu lieben, ist, als wolle man mit einer Wasserspritzpistole den Grand Canyon füllen. Nur dass der Grand Canyon einen Boden hat.
Borderliner manipulieren jedoch nicht zwingend bewusst, sondern situativ heraus mit einem sehr feinen Gefühl für das Gegenüber, mit einem äußerst feinen Gefühl für Stimmungen und für Menschen. Diese Manipulation ist sozusagen auf „Autopilot“. Die Manipulation kann bewusst sein, kostet den Borderliner jedoch seltenst Anstrengung – kennt er es doch seit frühester Kindheit nicht anders …
Im Schachspiel (mit Menschen) erleben sich eher intelligente Borderliner jedoch so, als hätten sie es ausschließlich mit „Bauern“ zu tun, die sie auf ihrem Spielbrett (manipulativ) herumschieben können.

Erotische Kompetenz und sexuelle Manipulation

Die Neigung zum Sado-Masochismus und zur Pädophilie kann bei Borderlinern gegeben sein. Wie auch immer sich dies beim Borderliner zeigt, so berichten Partner (männlich und weiblich) jedoch i. d. R. von einer großen erotischen Kompetenz des Borderliners, die für sie stimmig ist, in Fällen authentisch und in anderen Fällen jedoch auch manipulativ sein kann.

Die Manipulationstechniken

Es gibt mehrere Manipulationstechniken, doch die häufigsten sind Blameshifting (Schuldumkehr), Relativierung, Unter- oder Übertreibung, Projektion, sowie, wenn sich der Borderliner in einer für ihn aufreibenden Situation befindet – was aufgrund seiner Überempfindlichkeit „alles“ sein kann – Wut oder Androhung mit Suizid.
Ziel der Manipulation ist die unbedingte Ablenkung vom eigenen fehlenden Selbst, Bindung des Partners und Bündelung der Konzentration/Energie des Partners auf ihn, Sicherung der Beziehung (trotz paradoxem Verhalten), Sicherung der Ressource Mensch sowie die Angst vor dem Verlassenwerden zu minimieren. (Diese Angst – ich erinnere nochmals daran – kann bewusst oder unbewusst, jedoch völlig irrational sein. Es braucht keine, dem Normalverständnis nach, reale Ursache, um diese Angst auszulösen.)

Die „legendäre“ Projektion des Borderliners

Aufgrund der stets bedrohten, da fehlenden/fragilen Identität, projiziert der Borderliner alles in andere Menschen, was er tatsächlich selbst ist, jedoch nicht sehen kann und sehen möchte, da durch den Erkenntnisweg echter Selbstreflexion das fragile/vorgeschobene Ich wiederum bedroht wäre. Ließe der Borderliner „Wahrheit“ über sich selbst zu, käme er auch mit der Angst vor dem Verlassenwerden in Kontakt, denn sobald er einsieht, dass mit ihm etwas nicht stimmt, muss er nicht nur die Projektion fallen lassen, dass mit allen anderen um ihn herum etwas nicht stimmt, sondern den Gedanken zulassen, dass er deshalb verlassen werden könnte, eben weil mit ihm etwas nicht stimmt … – auch wenn diese Angst rational betrachtet von vornherein absurd ist.

Die Angst vor dem Verlassenwerden

Angst vor dem Verlassenwerden BorderlineUm hier ein besseres Verständnis, was es mit der Angst des Borderliners vor dem Verlassenwerden auf sich hat, zu bieten, möchte ich einen Vergleich bringen: Es wird ein Arachnophobiker (jemand, der Angst vor Spinnen hat) einsehen können, dass die Angst vor Spinnen im Grunde absurd ist. Doch sowie er in die Nähe einer Spinne kommt, greift die rationale Einsicht nicht, er bekommt dennoch Herzklopfen, Schweißausbrüche und möchte am liebsten davon laufen.
So ähnlich verhält es sich mit der Angst des Borderliners vor dem Verlassenwerden, wenngleich diese Angst des Borderliners, anders als beim Arachnophobiker, bewusst oder unbewusst sein kann und auf keine äußeren Ursachen zurückzuführen sein muss. Dieser Vergleich ist hier für Partner/Angehörige zum besseren Verständnis dargelegt, damit auch klar ist, dass Liebesbekundungen, Treueschwüre, offensiv vorgelebte Beständigkeit – alles, was einem normal gesunden Menschen diese Angst nehmen könnte, nicht greifen. Die Angst des Borderliners wird dennoch bleiben oder sich erst dann zersetzen, wenn er sich mit sich selbst konfrontiert, sowie sich die Angst des Arachnophobikers erst dann auflöst, wenn er mit der Spinne konfrontiert wird. (Anm.: Dies ist meines Wissens nach kein Therapiekonzept zu Borderline, sondern hier von mir lediglich ein Vergleich …)

Die Projektionen wiederum können äußerst komplex/mehrschichtig, sowie unerträglich simpel sein, doch auch dies ist ein auf Autopilot gestellter Mechanismus innerhalb der Borderline-Persönlichkeit, der i. d. R. weder vom Borderliner noch vom Partner durchschaut wird – insofern nicht Vorkenntnisse vorhanden sind.

Zack, du warst es!

Borderliner spielen das „Zack, du warst es“-Spiel mit verhältnismäßig großer Könnerschaft. Es handelt sich wiederum um Projektion, die unmittelbar und situativ an den Partner abgegeben wird. Wiederum gilt, dass alles, was der Borderliner im Moment oder grundsätzlich immer ist, aufs Präziseste auf den Partner übertragen wird.
Aus diesem Grund ist nicht er „psychisch krank“, sondern der Partner, aus diesem Grund ist nicht er „emotional instabil“, sondern der Partner, aus diesem Grund ist nicht er „verrückt“, sondern der Partner. (Dies kann sich auf Freunde/Kollegen, Kinder, Eltern und Therapeuten ausweiten.) Aus diesem Grund ist nicht er „unverantwortlich“, sondern die Welt ist es (mit ihm), aus diesem Grund liebt nicht er oberflächlich und unwahrhaftig, sondern der Partner, aus diesem Grund versteht nicht er die Welt und die Menschen darin nicht, sondern er wird nicht verstanden. (Aktiv und Passiv – im grammatikalischen Sinn – kann in den Projektionen umgekehrt auftauchen, wobei sich beim Borderliner häufig die „Leideform“ zeigt.)

Umgedreht ist somit auch die Liebesrichtung. Borderline-Menschen wähnen sich typischerweise als Herzensmenschen, als hoch empathisch und den Menschen zugewandt; Altruismus, Philanthropie, Agape – hier spielt alles Menschengute hinein, und dennoch ist dies wiederum die Projektion, denn nicht sie lieben alle Menschen, sondern sie wollen von allen geliebt/genährt werden.

Projektion geschieht also in beiden Richtungen: Das, was außerhalb des Borderliners als gut definiert ist, beansprucht er für sich, das, was innerhalb seiner Psycho-Dynamik tatsächlich negativ ist, gibt er nach außen ab. Hier ist eine Parallele zur NPS, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu verorten, jedoch geht die Borderline-Persönlichkeit nochmals anders damit um, denn offenes Selbstmitleid spielt beim Borderliner eine größere und andere Rolle, als beim Narzissten.

Übertreibungen können wie folgt geschehen:

  1. Der Borderliner weiß z. B., dass der Partner in der Jugend gelegentlich Cannabis konsumiert hat. Obwohl von einer Drogenabhängigkeit keine Rede sein kann, wird der Partner bei der leisesten Enttäuschung, bei einem vermeintlichen oder echten Fehlverhalten, „schuldig gesprochen“ und/oder beim nächsten Treffen mit Freunden als drogensüchtig dargestellt.
  2. Eine Frau erzählt dem Borderliner, sich in jüngeren Jahren sexuell ausgelebt und sich selbst erfahren zu haben. Auch wenn von Untreue, Ehebruch oder Promiskuität aktuell keine Rede sein kann, geschieht bei einer vermeintlichen oder echten Enttäuschung des Borderliners dasselbe: Die Frau ist nun eine „Hure“.
  3. Eine Frau erzählt dem Borderliner, dass sie im Leben einmal eine leichte, depressive Phase hatte, diese aber schon lange vorbei wäre. Bei einer vermeintlichen oder eingebildeten Enttäuschung wird die Frau als kategorisch und unheilbar „psychisch krank“ dargestellt.
  4. Sehr bekannt unter Partnern von Borderlinern ist der Vorwurf an sie, dass sie egoistisch wären. Auch das ist dem Grunde nach eine Übertreibung und Projektion. Sowie der Partner eigene, grundlegende, menschliche Bedürfnisse nach Respekt, nach Achtung der Grenzen, nach Vertrauen, Stabilität und echter Liebe formuliert, wird ihm Egoismus vorgeworfen. So hart, unfair und irrational dies dem liebenden Partner auch erscheinen mag, es ist wiederum die Schutzmaßnahme des Borderliners, um sich der Erwachsenen-Realität zu entziehen – und im Säuglingsmodus zu bleiben.

Das ausgeprägte Schwarz-Weiß-Denken

Borderline Schwarz Weiß Denken ExtremeDa Borderliner eine ausgeprägte Gefühlsintensität haben, sie sämtliche Gefühle wie Wut, Trauer, Liebe, Hass, Angst usw. in potenzierter Form erleben, ist auch ihr menschliches Bewertungsschema gleichermaßen simpel wie extrem. Dies zeigt sich meist nicht gleich, dafür aber umso deutlicher, wenn der Borderliner in „Bedrängnis“ ist. (Ein Borderliner kann schnell in Bedrängnis geraten, einfache Weltangelegenheiten, Alltag, kleinere Krisen/Herausforderungen, die Realität an sich können ihm schnell „zuviel“ sein.)
So sind Partner, Freunde, Kollegen, Familienmitglieder in seinem Empfinden nur weiß oder schwarz, daher Engel oder Teufel. Ehemalige gute Freunde werden aus geringstem Anlass schnell zu Schurken oder „Hexen“. Hier gilt, dass je stärker die Entwertung ist, der betreffende Mensch dem Borderliner einst umso wichtiger war oder er sich stark bedroht fühlt.
Häufig werden „Feinde“ mit anderen Menschen, die noch „Engel“ sind, auf unschöne Weise bekämpft. Denunzierung, Rufmord, Drohung – die Bandbreite ist groß. Vor allem Expartner*innen von Borderlinern haben es mit relativ schlimmen Verleumdungskampagnen, Lügen, Stalking sowie Mord- oder Selbstmorddrohungen zu tun. Ironischerweise kann ein Borderliner, obwohl er den Expartner öffentlich und aufs Dreisteste diffamiert, zu diesem wieder zurückkehren wollen, wenn es mit dem neuen Partner nicht geklappt hat. Plötzlich liebt er „die Hexe“ oder „den Schurken“ wieder oder meint, nie aufgehört zu haben, den Expartner zu lieben. Diese Paradoxien ergeben im Normalbewusstsein eines psychisch gesunden Menschen keinen Sinn, sind innerhalb der Borderline-Mentalität aber „wahr“, da Zeitwahrnehmung und Bewertung von Ereignissen anders erfahren werden, auch greifen andere und sehr tiefe Verdrängungsmechanismen. Für Expartner*innen ist es der personifizierte Wahnsinn.

Wenn die Falle zuschlägt: Warum Partner mit Borderlinern ausharren

Warum Partner an der Beziehung zu einem Borderliner festhalten, hat wiederum mit der hohen Empathie des Borderliners zu tun. Zu Beginn der Beziehung, in welcher der Borderliner in der Idealisierungsphase ist, fühlt es sich für den Partner mehr als stimmig an. Es ist symbiotisch, intim, nah, warm – wunderbar. Es ist kein siebter Himmel, es ist der Himmel. Es ist wie An- und Nachhausekommen. Es ist nicht nur besonders, es ist das Beste. Es ist Seelenpartnerschaft. Alles, was der Partner innerlich je gesucht/ersehnt hat, ist auf magische Weise plötzlich da. Große Intensität! Extreme Nähe. Große Liebe. Tiefes Verstehen. Intensive Erotik …

Hier ist wiederum der Unterschied zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung anzusiedeln, da der Narzisst in dieser Phase berechnend ist und kalte Empathie anwendet und Sexualität eher als Performance verstanden wird. Der Borderliner ist in dieser Phase jedoch wirklich nah (am Menschen dran), warm, liebevoll – und echt. Er erfühlt und erfüllt die tiefsten Sehnsüchte des Partners und kann liebevoll und einfühlsam sein. Der Partner wird tatsächlich gesehen und in seinem Wesen erkannt. Häufig sind Borderliner auch sehr verführerisch, charismatisch und anziehend und verfügen – wie erwähnt – über eine hohe erotische Kompetenz.

Doch sobald der Borderliner in die Destabilisierungsphase (Distanzierung) geht, weil die erlebte Nähe für ihn plötzlich bedrohlich wird, ist alles „aus“. Der Partner wird unvermittelt, aus einer Nichtigkeit heraus oder grundlos, mit Liebesentzug/Kälte, Treuebruch und Kontaktabbruch bestraft. Dies kann unmittelbar nach erlebter Nähe oder auch erst nach Wochen/Monaten/Jahren in der Beziehung geschehen.
Plötzlich ist Lieblosigkeit da, Distanz, vielleicht kommen auch phantastische Beschimpfungen, Anschuldigungen, haltlose Vorwürfe … Manchmal testet der Borderliner die Beziehung und den Partner in dieser Phase bewusst aus, manchmal agiert er lediglich ein Muster aus.
Die Irrationalität und Paradoxien des Borderliners kommen eruptiv zum Vorschein, wobei an diesem Verhalten aus Sicht des Borderliners (immer!) der Partner schuld ist. Blameshifting (Schuldumkehr) dient dem Borderliner, um – wiederum! – sein fragiles Ich nicht (an-)erkennen zu müssen. Je nach Typus sucht der Borderliner mit Absicht das „Haar in der Suppe“, oder er erfindet etwas, um Distanz schaffen zu können. Hier können aufgebauschte Eifersuchtsszenarien kommen, wie dass der Partner mit anderen flirtet – auch wenn es gar nicht stimmt, wie dass da schon jemand Drittes ist – auch wenn es gar nicht stimmt, oder dass der Partner schon lange fremdgeht – auch wenn es nicht stimmt. Auch kann vorgebracht werden, dass der Partner nicht hingebungsvoll genug, zuwenig Mann oder zu wenig Frau sei … Kurz: Es können absurdeste Annahmen/Behauptungen auftauchen.

Unglücklicherweise erkennen Partner dies nicht und nehmen die Anschuldigungen/Vorwürfe des Borderliners ernst, so wie sie es selbst ernst nehmen würden, wenn sie jemandem dieselben Vorwürfe angedeihen lassen würden. Es ist starker Tobak. Das heißt, sie erkennen die tieferliegende Ursache nicht, nämlich die Angst des Borderliners vor Zurückweisung oder dem Verlassenwerden. Und so reagieren sie auf das tatsächlich Gesagte und denken, es wieder gut machen zu können, die Vorwürfe nur zerstreuen oder das Vertrauen wieder instand setzen zu müssen, jedoch ist dies weder sinnvoll noch zielführend, sowie die Abwehr des Borderliners (das Schaffen von Distanz) in dieser Weise nicht ernst zu nehmen, da – leider – die ganze Beziehung in dieser Weise nicht ernst zu nehmen ist. Trotz der unglaublichen Nähe, Tiefe und Intimität ist im Grunde alles eine Farce, weil der Partner nur Instrument zur Schmerzabwehr, Ersatzidentität, Liebesressource sowie Seelen-Füllmasse ist.

Heilung und Prognose von BPS

Es kann nie oder nur unter günstigsten Umständen zu einer ausgewogenen, stabilen Beziehung, die auf Geben und Nehmen beruht, kommen. M. E. gelingt das mit einem Borderliner schwer bis gar nicht, auch wenn ein Borderliner eine Therapie anstrebt. Die Rückfallquote von „geheilten“ Borderlinern liegt nach zwei Jahren „Heilung“ bei 44 Prozent. An dieser Stelle sei vermerkt, dass Borderline eine Persönlichkeitsstörung und keine „Depression“ mit bei richtiger Diagnose guter Heilungsprognose ist. Aus neurobiologischer Sicht gibt es Unterfunktionen im Gehirn: Präfrontaler Cortex, Hippocampus (Gedächtnisfunktionen) und Amygdala (Gefühlsreaktionen) haben ein tendenziell reduziertes Volumen.
Mittels DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie) kann u. U. eine Verhaltensmodifikation angestrebt werden, doch auch, wenn diese dem Borderliner selber Einsicht und Erleichterung bringen mag, ist damit nicht zwingend eine verbesserte Paarbeziehung verknüpft – wenn auch als Begleitprodukt anvisiert. Ungünstige Borderline-Biographien (Fälle) finden sich in der forensischen Psychiatrie. Dies sollte m. E. jeder Therapeut, der die Borderline-Störung behandeln möchte, im Hinterkopf haben, andernfalls mag innerhalb des Berufsethos, politischer Korrektheit und dem unbedingten Willen zu helfen/heilen eine gewisse Naivität erblühen …

Gefühle schaffen Fakten

Der Partner versteht die Welt nicht mehr. Eben noch war er König/Königin, jetzt ist er weniger als ein Fußabtreter, Knecht und Prügelknabe – oder wie Luft. Den Vorwürfen entgegnet er mit Rechtfertigung, mit Ratio und mit der gültigen Realität entsprechender Logik, was dem Borderliner i. d. R. gleichgültig ist. Es geht nicht um die tatsächliche Realität, sondern um die gefühlte Realität des Borderliners. Seine Psychodynamik ist so, dass nicht Fakten Gefühle schaffen, sondern Gefühle Fakten. Das heißt, in ihm ist zuerst ein unerträgliches Gefühl, sei es Wut, Eifersucht, Angst vor dem Verlassenwerden etc. … Dieses Gefühl ist da, also passt der Borderliner die Außenwelt diesem Gefühl an, was mit abstrusesten Anschuldigungen an den Partner einhergehen kann. Die Verlustangst/Eifersucht des Borderliners muss dann z. B. ein Kollege des Partners „erklären“, auch wenn der Partner mit diesem lediglich zusammenarbeitet, es niemals zu einem Flirt noch zu sonstigen Anbahnungen kam.

Gefühle schaffen Fakten.

Anders kennt es der Borderliner normalerweise nicht, d. h.: der normale Entstehungsprozess von intensiven Gefühlen, die das Ergebnis von realen, äußeren Erlebnissen sind, ist ihm fremd oder nicht bewusst, weswegen ihm Vernunft und Einsichtserklärungen seitens des Partners gleichgültig sind.
Seine Wirklichkeit sieht anders aus. Zuerst ist das Gefühl da, dann wird nach äußeren „Gründen“ für das Gefühl gesucht, doch innerhalb des Erlebens des Borderliners ist dies „wahr“. Daher kann seine „Liebe“, seine Zustimmung sowie sein Interesse schlagartig erkalten, daher stammt sein paradoxes und häufig selbstsabotierendes Verhalten, daher stammen auch gewaltsame Übergriffe sowohl von männlichen als auch weiblichen Borderlinern auf ihre Partner.
Das Paradox: Obwohl der Borderline-Mensch grundsätzlich um jeden Preis vermeiden möchte, verlassen zu werden, tut er dennoch alles, um die Trennung zu provozieren.

Die Borderline-Falle

Idealisierung, Destabilisierung (Distanzierung), Entwertung des Partners, Trennung – das ist das unbewusste und sich wiederholende Programm/Muster des Borderliners, das in dieser Form täglich, wöchentlich oder monatlich wiederkehren kann – mit nur einem Partner oder mit vielen gleichzeitig.
Nach erlebter Trennung kann einige Male auch innigste Versöhnung mit viel Nähe „gefeiert“ werden, bis das Muster erneut greift, der Kreislauf erneut beginnt oder irgendwann das Band zur Gänze zerreißt …
Der Partner jedoch meint in dieser ersten Destabilisierung/Entwertungsphase, die Reiter der Apokalypse hätten ihn gerade überrannt. Er weiß nicht, was ihm geschieht noch warum es geschieht, denn es ist jenseits jeder menschlich „normalen“ Reaktion und nicht nachvollziehbar. Wenn der Borderliner nichts über seine Störung weiß und der Partner noch nie davon gehört hat, ist großes Leid, emotionaler Schmerz, vorprogrammiert. Denn um die Nähe, die Wärme, die Symbiose – das Wunderbare – wiederherzustellen, springt der Partner über seinen eigenen Schatten, gibt nach, läuft dem Borderliner u. U. hinterher, passt sich an, entschuldigt sich für Dinge, die er nicht „getan“ hat, beteuert seine ungebrochene Liebe, dementiert haltloseste Anschuldigungen, ignoriert Beleidigungen, bemüht sich um den Erhalt der Beziehung …
Borderline Eiertanz Beziehung AngehörigeDies schließt für gewöhnlich jegliche Äußerung, die weniger als Kritik ist, die der Borderliner eventuell jedoch als Kritik werten könnte, mit ein. Es folgt ein Eiertanz, der Wochen, Monate, Jahre dauern kann. Dies ist für den Borderliner, der sein eigenes Muster nicht erkennt, perfekt, da er den „akzeptierenden“ Menschen nun hat: Dieser Mensch beschützt ihn davor, sein fragiles Ich erkennen zu müssen, denn dieser (freundlich-nachgiebige) Mensch bestätigt das falsche oder defizitäre Selbst und füllt es auf. Der Preis dafür ist, dass der Partner nicht mehr er selbst sein kann, noch weniger um seiner selbst willen (je) geliebt wird, sondern dass er innerhalb einer Dressur lernt, durch brennende Reifen zu springen, während der Borderliner Zuckerbrot und Peitsche gibt.
Das ist die Borderline-Falle, in die auch selbstbewussteste und ich-stärkste Menschen tappen können, weswegen m. E. die „Codependency-Theorie“ nicht (immer) stimmt. Nicht ein Typus Mensch hat eine gewisse Prädisposition auf einen anderen Typus Mensch, sondern innerhalb der Borderline-Dynamik wird auch ein zuvor autonomer und in sich ruhender Mensch instabil. Zudem haben Eltern von Borderline-Kindern keine Prädisposition auf ein Borderline-Kind und können, anders als in der Literatur beschrieben, durchaus liebevoll sein und das Beste für das Kind trotz dieser Störung wünschen.

Die Wiederherstellung des Urzustands zu Beginn der Beziehung, die wunderbar symbiotische Keimzelle, sowie die Überschreibung der Gesamtverantwortung für das Gelingen der Beziehung, das vom Borderliner installierte Gefühl, dass der Partner auch und definitiv dafür Sorge zu tragen hat – und die Annahme dieses Gefühls … Das ist der Grund, warum Männer/Frauen – trotz der emotionalen Zersetzung – an der Beziehung zu einem Borderliner festhalten. Sie fühlen sich tatsächlich verantwortlich und sie ersehnen die Intensität der ersten Begegnung, die an sich „authentisch“ gewesen war, zurück.

Nach der Trennung: Tschernobyl und die verstrahlte Seele

Die Trennung zu einem Borderliner kann mit einem innerseelischen Kataklysmus (sehr große, alles zerstörende Katastrophe) beschrieben werden. Es ist, als wäre Tschernobyl oder ein Genozid (von Persönlichkeitsanteilen) in der eigenen Seele passiert. Es ist ein kaum zu verkraftender, kaum zu überlebender Impact. Dies nicht nur, weil der Borderline-Partner (im symbiotischen Sinn) so großartig war, der Liebeskummer so tief, sondern weil im Prozess der endgültigen Trennung das aufgestaute Schmerzvolumen an die Oberfläche kommt … Während der Beziehung, so kraftraubend, unsicher, instabil und unselig sie auch gewesen war, wurde der Schmerz bagatellisiert, beiseite geschoben, mit einem übergroßen Herzen für den „kindlichen“ Borderliner in Verständnis gewandelt, bedingungslose Liebe geübt, sowie es die Hoffnung auf Besserung gab – doch mit der endgültigen Trennung, die übrigens oft plötzlich kommt, „muss“ sich der Partner auch davon verabschieden und somit andere „Wahrheiten“ ansehen, die äußerst schmerzvoll sein können.
Auch eröffnen/ergeben sich erst häufig nach der Trennung Einblicke, die regelrechte Schockwellen in der Seele erzeugen können: Vielleicht erfährt der Partner erst jetzt von den vielen Seitensprüngen und langjährigen Nebenpartnern, Lügengebäude und falsche Realitäten werden plötzlich erkannt, vielleicht erfährt er auch von einer pädophilen oder anderen sexuellen Neigung, der seelischen und körperlichen Gewalt von Borderline-Müttern gegen die eigenen Kinder uvm. … Zum zerriebenen Selbstwert kommt nun auch noch eine Fassungslosigkeit hinzu, die ins Bodenlose reicht. Scham, Angst, die vielen Fragen … Das nicht Verstehen können, warum diese Beziehung so desaströs gelaufen ist, wer der Borderliner – gemessen am Normalverständnis der Welt – eigentlich „wirklich“ ist und was dieser denn wirklich will, wieso man diesen unmöglichen Menschen geliebt hat, wieso das alles so geschehen konnte …,  all das geht über den Schmerz eines gebrochenen Herzens weit hinaus …

Der Partner hat so viel ertragen und so viel gegeben, mehr als Alles, mehr als Zuviel … Und es war nie genug. Und nun ist es aus. Das Urvertrauen in Menschen und in „normale“ Beziehungen ist zutiefst erschüttert, die Welt steht kopf, falsch ist richtig und richtig ist falsch, nichts ist mehr wahr, nichts ist mehr gültig. Die „normale Welt“ – war einmal …
Aufgrund der Selbstaufgabe und der permanenten Manipulation (Schuldumkehr) des Borderliners weiß der Partner nach der Trennung nicht mehr, wer er eigentlich ist, was generell oder für ihn selbst richtig und gut ist. Er steht mit weniger als mit leeren Händen da. Auch können sich posttraumatische Belastungsstörungen entwickeln … Vielleicht hat der Borderliner Selbstmord angedroht, war hochdramatisch und intensiv, beteuerte wiederholt, dass er ohne den Partner nicht leben könne/wolle, dass der Partner alles ist, was er habe, dass er ihn immer lieben werde – und trotz dieser Aussagen war er plötzlich weg. Kontaktabbruch. Und ja, der „geübte“ Borderline-Partner kennt es ja. Nach dem siebten Mal nimmt er es nicht mehr ganz so ernst, und irgendwie ging es danach immer weiter, plötzlich kam ein SMS oder eine Mail, irgendetwas, aber diesmal nicht.
Weil der Borderliner jemand anderen gefunden hat.
Es ist endgültig aus.

Buchverweis:  Suzana Pavic: Am Ende bleibt der Schmerz und die Frage WARUM?: Dynamik einer Borderline-Beziehung

Heilung nach der Trennung

Die psychisch-emotionale Heilung nach einer Beziehung zu einem Borderliner kann äußerst langwierig sein, da der Borderliner – trotz rationaler Einsicht und Trennungs-Commitment des Partners  – immer noch tief im Herzen ist und selbst die größten seelischen Grausamkeiten auch posthum noch gerne „entschuldigt“ werden. Das heißt, obwohl eine gewisse Erleichterung da ist, dass dieser desaströse, von Sozialkonflikten überbordende Mensch, der Borderliner, nicht mehr emotional gefüttert, ge- und ertragen werden muss, kann zugleich eine unsägliche Trauer ob der verlorenen Intensität und Nähe da sein, sowie es kaum ertragen werden kann, dass alles umsonst gewesen war, jedes Opfer wertlos, die Zeit verschwendet, das Leben mit diesem Menschen vergeudet …

Die Einsicht, dass das verlorene Paradies jedoch von vornherein mit Maden besetzt war, kommt i. d. R. spät, wenn nicht erst Jahre nach der Trennung. Diese Einsicht ist meiner Erfahrung nach jedoch die heilsamste.

Buchverweis: Sonja Szomoru: Borderline brach Herz – Hilfe zur Trennungsverarbeitung für Borderline-Partner.

Suizid Borderline Partnerschaft HeilungSuizidale Gedanken/Handlungen danach gehören (leider) dazu. Bedauerlicherweise drehen Borderliner, sowie Narzissten, nach einer Trennung zumeist Fakten um: Neigen Narzissten dazu, den „normalen“ Ex-Partner als psychisch krank hinzustellen, als unmündig und wenig lebensfähig, so neigen Borderliner dazu, den „normalen“ Ex-Partner als Monstrum, als dunkel oder satanisch, als Hexe, als Schurke oder von Grund auf böse und egoistisch hinzustellen. (Ich erinnere daran: Für einen Borderliner ist die individuelle Persönlichkeit und der Selbstausdruck einer Person i. d. R. mit Egoismus gleichgesetzt.)
Ein weiterer Unterschied zwischen Narzissten und Borderlinern ist, dass Borderliner sehr gerne bemitleidet werden, wohingegen Narzissten für gewöhnlich gerne bewundert werden. So wie ein Borderliner den Expartner als böse, egoistisch und lieblos hinstellt, erntet er vom neuen Liebesobjekt Mitgefühl. Der Narzisst wiederum, der den Expartner als unmündig, wenig lebensfähig und psychisch krank hinstellt, erntet vom neuen Partner eher Respekt/Bewunderung, weil er es so lange mit dieser Person ausgehalten hat.
Gefällt sich der Narzisst in der Stärke, möchte der Borderliner über Selbstmitleid Zuwendung erhalten, sowie er generell mit Samthandschuhen angefasst werden möchte. Das „legendäre“ Selbstmitleid des Borderliners ist übrigens eines der Haupterkennungsmerkmale. Borderlinemenschen, die von ihrer Störung wissen, gehen damit häufig dahingehend „hausieren“, dass bitteschön alle Welt Mitgefühl haben soll, denn immerhin hat der Borderliner Borderline. Der Arme. Ich möchte nicht bestreiten, dass das innere Erleben des Borderliners schmerzhaft ist, die extremen Gefühle, die Intensität, alles hoch potenziert und zumeist depressiv unterfüttert, jedoch kann die Außenwelt nichts dafür. Geholfen ist nicht mit Mitgefühl, sondern wenn sich der Borderliner in Therapie begibt und sich selbst auf die Schliche kommt.
Egoistische Tendenzen zeigen selbstredend beide Persönlichkeits-Störungen, denn die Energie-Vektoren zeigen mit der Spitze auf den Borderliner/den Narzissten. Nur wird der Narzisst i. d. R. nicht damit „laut werden“, dass er ein Narzisst ist.

Therapie von (Ex-)Partnern: Und was ist Ihr Anteil …?

In Therapien werden Partner und Expartner von Borderlinern häufig mit der Codependency-Theorie konfrontiert, die m. E. nach stimmen kann, jedoch nicht immer stimmen muss. Wenn sie nicht stimmt, erleben Partner/Expartner Irritation. Sie erleben es ungefähr so, als hätte sie regelwidrig jemand frontal mit dem Auto gerammt, der Therapeut aber nach der Schuld des Partners am Unfall frägt.
Das heißt, wenn ein Mensch mit dem Auto fährt und sich an die gültigen Regeln des Straßenverkehrs hält und diesem Menschen plötzlich ein Geisterfahrer entgegenkommt, auf dass ein Unfall passiert, der für einen Totalschaden und einen längeren Krankenhausaufenthalt sorgt, würde ein Sachgutachter dem Geschädigten nicht die Schuld für den Unfall geben, noch irgendeine Verantwortung voraussetzen.
In Therapien geschieht (gefühlt) für den Klienten eben dies: Er hat einen (regelwidrigen) psychisch-emotionalen Totalschaden erlitten und soll nun erforschen, was seine Schuld daran ist. Doch was er sagen kann, ist vermutlich nicht mehr, als: „Es ist mir eben passiert.“ – was keine „Arbeits-Unwilligkeit“ bedeutet, sondern zunächst nur impliziert, dass es jeden treffen hätte können.
Wenn in diesem Fall überhaupt von einer „Verantwortung“ gesprochen werden kann, dann nur in dem Grad, dass ein PKW-Lenker unterwegs ist, dass er am Straßenverkehr (am Leben) teilnimmt und er unglücklicherweise auf einen anderen PKW-Lenker gestoßen ist, der die STVO (die Lebensregeln) nicht respektiert oder kennt, der vielleicht keinen Führerschein hat und/oder das Auto nicht unter Kontrolle hat …
Der Anteil des Klienten, seine „Schuld“, ist nicht mehr oder weniger als die Lebensteilnahme an sich.
Es kann daher m. E. nicht nur Ziel sein, nach einer ev. vorhandenen Selbstwertschwäche in der Biographie des Klienten zu forschen, einer ev. vorhandenen fehlenden Selbstliebe, die dem Borderliner erst Tür und Tor öffnete, noch nach Mustern zu fahnden, die in der Kindheit entstanden sind, sondern zunächst den inneren Status Quo des Klienten beschreibend nachzuvollziehen und damit zu würdigen: „Ich glaube, Sie können nichts dafür. Ich glaube, Sie kommen gut im Leben zurecht, sind aber auf jemanden getroffen, der nicht gut im Leben zurecht kommt. Ich glaube, Sie hat jemand frontal gerammt, regelrecht von der Bahn gedrängt, wobei Sie sich dreimal überschlagen, sämtliche Knochen gebrochen und viel Blut verloren haben …“
Es geht darum, der Idee Raum zu geben, dass ein derartiger Unfall grundsätzlich jeden treffen kann, der am Straßenverkehr (im Leben) teilnimmt, und dass es dafür keine Prädisposition geben muss.

Kriminalität, Therapie und Forensik

Im therapeutischen Umgang mit Borderlinern zeigte sich mir persönlich ein seltsames Bild, eine Spaltung: Scheint ein Teil der Therapeuten eine mehr oder minder berechtigte Hemmung, die Borderline-Persönlichkeitsstörung zu behandeln, zu haben, zeigt sich beim anderen Teil eine mehr oder minder große Hemmungslosigkeit, die mit Liebe, Empathie, Naivität und fehlendem Wissen oder Fehleinschätzung der eigenen Kompetenz einhergehen kann.
Fürchten die einen die Spaltung des Borderliners, die im schlimmsten Fall innerhalb der Therapie für Wutausbrüche, Beschimpfungen, Diffamierung, falsche Anschuldigungen und Entziehung der Lizenz sorgen kann, meinen die anderen aufgrund des Berufsethos, politischer Korrektheit und dem unbedingten Willen zu heilen/helfen nicht nur „tun zu dürfen“, sondern „tun zu müssen“ …
Es ist (für mich) ein seltsames Bild, wobei erster Fall verständlich ist, zweiter Fall, die Naivität der „enthemmten Therapeuten“, m. E. mitunter an Fahrlässigkeit grenzt.
Je nach Fall und Borderline-Typus kann eine Verhaltensmodifikation des Borderliners angestrebt und im günstigen Fall erhalten bleiben. Wem und wodurch auch immer die Gesundung des Borderliners gelingt, leistet wertvolle Arbeit. Aber: Borderline mit bloßer Emotionsregulationsstörung, die es alleine zu „heilen“ gilt, gleichzusetzen, ist m. E. dann fragmentarisch und zu kurz gedacht, wenn der Drang zum Bestrafenwollen nach außen gerichtet ist und dies nicht oder zu spät erkannt wird.
Die Traumatisierung, Schädigung und Belastung des Umfeldes durch den Borderliner, man denke an Kinder, Familienmitglieder und Partner, deren Leben vom Borderliner u. U. vollständig vernichtet worden ist, bleibt innerhalb des Berufsethos mancher Therapeuten außen vor oder kann nicht ermessen werden.
Empathie mit dem Borderliner – auch wenn er Menschen zerstört oder zerstört hat – mag therapeutisch essentiell sein, sorgt jedoch dann für Blindheit, wenn die Informationslage der forensischen Psychiatrie zu BPS nicht bekannt ist, bzw. das psychische Negativpotential, auch wenn es nicht ausgelebt wird, in keinster Weise bedacht wird.
Es gibt Borderliner, die offen zugeben, dass sie den Drang verspüren, den Partner in den Selbstmord zu treiben und im Falle einer zu großen Passivität gerne nachhelfen würden.
Wenn Männer (Väter, Lehrer, prominente Personen) zu Unrecht einer Vergewaltigung beschuldigt werden, kann dahinter eine Frau mit BPS stehen. (Kann!)

Es ist meine Hypothese, dass nicht immer nur die „dunkle Projektion“ auf das Gegenüber, das innerhalb der Schwarz-Weiß-Wahrnehmung gerade als äußerst bestrafungswürdig detektiert wird, ursächlich ist und zu Psychoterror, Sadismus oder anderen physischen und psychischen Gewaltakten führt, sondern dass zugleich eine große Eifersucht auf das Selbst des anderen (der anderen) besteht.
Wenn Partner ihr Selbst (aus Liebe oder Hoffnung) aufopfern, mag ein Borderliner mit Messer und Gabel darüber sitzen, wie um sich das, was ihm fehlt, einzuverleiben. Bildet sich daraus jedoch (selbst nach der zwölften zerstörten Beziehung) kein Selbst, wächst womöglich die Sehnsucht danach ins Unermessliche – und damit die Eifersucht und Wut, auf dass letztlich das Selbst des anderen nicht mehr nur „gekostet“, sondern gequält und kannibalisiert und damit ausgelöscht werden soll. (Hypothese!)

Ende und Ausblick: Boderline frühzeitig erkennen

Es ist dieser Artikel ein Abriss der Borderline-Persönlichkeitsstörung, jedoch, wie eingangs erwähnt, kein vollständiges Bild. Ich zeigte typische Verläufe, die individuell jedoch abweichen können, eine andere Färbung, Textur, Richtung oder Beschaffenheit haben können …

Im nächsten Teil der Artikelserie ist beschrieben, woran man einen Borderliner frühzeitig erkennt, dies deshalb, weil sich jeder Mensch im vollen Bewusstsein für oder gegen die Beziehung mit einem Borderliner entscheiden können sollte. Dies kann er jedoch nur, wenn er im Bilde ist, was der Borderliner für gewöhnlich selbst nicht ist. Dieser agiert i. d. R. lediglich sein Muster aus und wird, auch wenn er die Borderline-Störung für sich annimmt, dafür vom Partner Extra-Credits haben wollen, jedoch nicht/kaum (freiwillig) in die eigene Kraft kommen.

Bevor also ein psychisch gesunder Mensch in der Borderline-Falle sitzt und/oder großes, emotionales Leid sowie seelische und mitunter körperliche Gewalt erfährt, sollte er m. E. nach wissen, woran man BPS erkennt – und worauf er sich einlässt:

Weiterlesen mit:

>>  15 Zeichen, woran man einen Borderliner frühzeitig erkennt

Buchempfehlungen zum Thema:

Jerold J. Kreismann: Ich hasse dich – verlass mich nicht: Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit – Buchlink
Paul Mason: Schluss mit dem Eiertanz: Für Angehörige von Menschen mit Borderline – Buchlink
Manuela Rösel: Wenn Liebe weh tut. Ein Kommunikationsratgeber für Partner in Borderline-Beziehungen. – Buchlink 
Sonja Szomoru: Borderline brach Herz – Hilfe zur Trennungsverarbeitung für Borderline-Partner – Buchlink
Suzana Pavic: Am Ende bleibt der Schmerz und die Frage WARUM?: Dynamik einer Borderline-Beziehung – Buchlink

Quellen: Wikipedia: Borderline-Persönlichkeitsstörung: Geschlechterunterschiede, Heilungsprognose, Neurobiologie, Statistik – Link

Hilfe und Beratung:

Beratung Hilfe Mobbing Unterstützung Support Lebenshilfe Tanja Braid Neoterisches BewusstseinDir geht es aktuell nicht gut? Speziell dieser Artikel hat dich hergeführt und beschreibt dein Problem? Oder ein anderes Thema beschäftigt dich? Oder brauchst du noch mehr Informationen und möchtest in Austausch mit mir treten? Dann schreibe mich an: Beratung und Hilfe. Ich antworte in der Regel am selben Tag, in seltenen Fällen am nächsten Tag.

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55 thoughts on “Borderline: Leben und Lieben zwischen Himmel und Hölle”

  1. Interessanter Blog. Kann alles so bestätigen, weil selber erlebt. Niemandem wünsche ich diese schmerzvolle Erfahrung. Die meisten Ex-Partner enden als psychisches Wrack, ausgepresst, abgewertet und weggeschmissen von einer einst geliebten Person. Ich kann behaupten, sie immer noch zu „lieben“ bzw. dieses Gefühl der Symbiose oder halt der Sucht, das sich in meinem Kopf und (gebrochenem) Herzen eingebrannt hat.

    Was sich in der ganzen Beziehung von Anfang an durchgezogen hat, ist das Gefühl, von ihr kontrolliert zu werden, mittels Manipulation, Abwertungen, Handykontrolle, auch Liebesschwüre und Zukunftsplänen. Man befindet sich in einer Waschmaschine im Schleudergang. Das Programm macht der BL und er lässt keine Kompromisse gelten, sonst gibt’s Drama.

    Am Schluss kommt man sich vor wie eine ausgepresste Zitrone, die weggeschmissen, zertreten und nicht mal anständig entsorgt wird. Schuld hat natürlich die Zitrone, die alles provoziert hat.
    Weshalb man das mitmacht, bleibt als letzte Frage zurück. Zu Beginn wird man verzaubert, nirgends ein Hinweis auf BL oder sonstiges, hat keine Ahnung was einen erwartet und liegt am Schluss im Trümmerfeld und fragt sich nur noch eins: warum?

    1. Hallo Synyster,

      lieben Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Ja, das ist das große Leid dabei. Bevor Partner in BL-Beziehungen wissen, wie ihnen geschieht und womit sie es zu tun haben, sind sie meist schon Hals über Kopf verliebt, eben weil der Borderliner zu Beginn, in der Idealisierungsphase, sehr empathisch, zugewandt ist und – auf seine Weise – großartig sein kann.

      Doch leider hat es – für gewöhnlich – keinen Bestand. Erwachsenenliebe triff auf die symbiotische Liebe des „Säuglings“ – in dem Fall des Borderliners.

      Warum es geschehen kann? Weil der Partner, so lange er Hoffnung hat oder den zumeist kurzlebigen Liebesschwüren des Borderliners glaubt, auch an die Beziehung glaubt. Erst danach, nach oder während der Trennung, wacht der Partner endgültig auf – was äußerst leidvoll sein kann.

      Das Gute: Wenn der Partner die Beziehung einordnen/begreifen kann, weil er irgendwann auf den Begriff Borderline stößt, kann er die Seelen-Katastrophe zumindest mit diesem Wissen langsam heilen lassen. Ich glaube, viel schlimmer sind jene Menschen dran, die die ganze Beziehung nicht nachvollziehen können, die mit den vielen Fragezeichen weiterleben müssen – eben weil sie die Borderline-Symptomatik nicht kennen.

      Ich wünsche dir alles Liebe!

      Tanja

      1. Liebe Tanja

        Ich habe diesen Blog nochmals durchgelesen und ich muss wirklich sagen, dass Du den Kern und das Verhalten dieser Störung erstaunlich exakt und wahrheitsgetreu widerspiegelst. Es würde mich interessieren, woher Du dieses Wissen oder die Erfahrungen hast. Ich selber bin seit 2 Jahren fast täglich am Bücher lesen und Internet durchforsten. Viele Geschichten in Foren berichten von der Thematik, und alle scheinen nach dem gleichen Ablauf zu gehen.
        Diese Beziehung mit einer BLerin hat mich zutiefst in meinen Grundwerten erschüttert. Mein Selbstwert oder meine Selbstliebe ist von „normal“ auf „komplett zerstört“ gesunken, bin seither selber in psych. Therapie und versuche sozusagen, mich selber wieder zu finden. Es ist unglaublich, wozu Menschen fähig sind bzw. was diese Störung bewirken und zerstören kann. Der Ausdruck „Emotionaler Missbrauch“ ist nicht so daneben. Deshalb ist es wichtig aufzuklären, ohne anzuklagen. Da es immer mehr Borderliner gibt (wohl gesellschaftsbedingt) wächst auch die Zahl der Ex-Partner. Und diese werden mit den Dynamiken, dem andauernden Wechselspiel zwischen Symbiose und Abwertung bzw. Symbiose/Kritik/Abschuss konfrontiert, die jeden Nichtwissenden in den Abgrund stürzen kann. Leider fängt man erst an, sich mit all dem zu beschäftigen, wenn man selbst betroffen ist. Und dann ist es oft zu spät..

        Danke und alles Gute!

        Synyster

        1. Hallo Synyster,

          ich war relativ kurze Zeit selber mit einem männlichen Borderliner „in Beziehung“, obwohl ich das Wort Beziehung im Zusammenhang mit Borderline ungern verwende. Es dauerte ca. 6 Monate, bis ich mich endgültig von der Person trennte, doch danach ging es mir noch lange Zeit relativ schlecht und ich suchte nach Antworten …

          Weitere 6 Monate danach stieß ich auf das Thema Borderline und da erhielt ich erstmals Antworten.

          Mein Grund-Wissen stammt aus den im Artikel vorgestellten Büchern, manche Beispiele/Interpretationen habe ich selbst gewählt und ausformuliert, um es besser darstellen zu können. (Ich habe auch mal Psychologie studiert, jedoch lediglich 6 Semester lang.) Auch kann ich mich, glaube ich, relativ gut in die Borderline-Psyche einfühlen und so „logischere/nachvollziehbarere“ Schlüsse ziehen/abstrahieren.

          Weiters kommt hinzu, dass ich mich über das Thema mehr im amerikanischen Raum informiert habe, wo es viel mehr Information dazu auch und von Betroffenen gibt. Es gibt diverse amerikanische Youtube-Kanäle dazu, die m. E. viel sinnvoller und differenzierter, im Betrachten reifer/weiter sind, als dies im deutschsprachigen Raum der Fall ist.

          Es gibt zum Beispiel deutsche und EU-weite Borderline-Hilfe-Seiten, Vereine, die mir persönlich nicht fundiert und ausgereift genug sind. Die Codependency-Theorie wird auf diesen Seiten mehr als „breitgetreten“, was so für mich nicht stimmt. Auch wird manchmal die Borderliner-Störung poetisch verklärt oder als etwas „Edles“ dargestellt, was ich so für mich nicht akzeptieren kann – wiewohl Borderliner unter ihre Störung sicher sehr leiden.

          Es ist sicher nicht jeder Borderliner die ultimative Seelen-Katastrophe, je nach Ausprägung, aber ich persönlich würde sofort Reißaus nehmen, wenn ich es mit einem Borderliner im Beziehungssinn noch einmal zu tun bekäme. Das ist meine persönliche Meinung/Erfahrung.

          Lieber Gruß,

          Tanja

  2. Hallo Tanja

    Bei mir ist es bald ein Jahr her seit dem letzten Knall, nach mehr als 30x on/off. Nur diesmal bin ich nicht mehr zurückgegangen, was ihrerseits massive Hasstiraden mit Schuldzuweisungen, abwechselnd mit erneuten (allerdings sehr halbherzigen) Versuchen, die Beziehung wieder aufzunehmen zur Folge hatte. Dies ist nun bald ein Jahr her und es geht mir nicht gut, trotz neuer Beziehung. Eine Kontaktsperre möchte und kann ich auch nicht durchziehen, sonst müsste ich auch alle Geschäftsmailadressen und -Tel.-Nr. ändern.
    Sie ist über 50 Jahre alt und die Auswirkungen der Störung haben eher zu- als abgenommen. Dies hab ich auch schon von anderen BL gehört. Im Alter wird’s also nicht unbedingt besser.

    Eine dauerhafte (Liebes-)Beziehung mit einem BL ist meines Erachtens nicht möglich, jedenfalls nicht eine halbwegs gleichberechtigte. Es sei denn, der Partner ist massiv masochistisch veranlagt, braucht keine Freunde, eigene Familie, Job, ist jederzeit unbedingt verfügbar und kann mit den ewigen Auf/Abs leben. Letztlich bleibt er immer eine Marionette des BLers, bis ihn dieser endgültig wegschmeisst. Und dieser Tag wird kommen.

    1. Verstehe. 🙂

      Ja, was du beschreibst ist sehr typisch.

      Ich bin jetzt 40 Jahre alt und hatte es im Leben mit zwei Borderlinern zu tun. Einen traf ich, als ich 30 Jahre war – damals war weder das Thema im öffentlichen Bewusstsein, noch ich auch nur annähernd im Bilde, womit ich es zu tun hatte. Es ist die Unwissenheit, die mich leider zu lange „hoffen“ ließ, auch wenn ich in diesen Menschen nicht allzu sehr verliebt war – er hatte die Borderline-typischen Vorzüge, und auf die sprach ich damals (leider) an … Für etwa sechs Monate. Dann hat es mir mehr als gereicht.

      Den zweiten, männlichen Borderliner, traf ich 2018 in Social Media – und distanzierte mich relativ bald, nach ca. 2 eineinhalb Monaten, eben weil ich das „Gift“ im „Paradies“ schon spürte. Danach kamen von ihm via Social Media krudeste Diffamierungen, über die ich bis heute nur den Kopf schütteln kann.

      Dieser letzte Borderliner in Social Media war auch über 50 Jahre alt. Wenn ich davon ausgehe, dass die Störung in jungen Jahren noch schlimmer war, dann muss dieser Mann in seiner Jugend mehr als eine soziale Katastrophe gewesen sein, denn er war auch mit seinen 50 Jahren (noch) mehr als ein „Kaliber“. Jesus-Syndrom mit Heiligenschein drauf, dabei ein „Maneater“ höchsten Grades, äußerst nett und perfide zugleich – äußert manipulativ … Typisch eben.

      Kontaktsperre ist im geschäftlichen Sinn natürlich nicht so einfach, das verstehe ich. Es ist aber trotzdem von Vorteil, dass du mit dieser Frau keine Kinder hast. Das ist das Positive daran. Einzelne Nummern und E-Mail-Adresse kannst du natürlich sperren. Falls dann schriftliche Schriftstücke kommen, einfach wieder ungeöffnet an den Absender zurücksenden. Auch kannst du einen Rechtsanwalt einschalten. Rechtsanwälte helfen oft mehr, als die Polizei und Psychotherapeuten. Vielleicht kannst du dich auf geschäftsschädigendes Verhalten berufen.

      Wenn Borderliner in Therapie gehen, manipulieren sie häufig auch Therapeuten sehr geschickt. Eher unbedarftere Therapeuten neigen dann dazu, den Borderliner „Puder in den Hintern zu blasen“ – um es ganz salopp und deutlich auszudrücken. Das hilft jedoch nichts. Wenn dann auch noch die Codependency-Theorie an den Partner weitergereicht wird – dann „Prost Mahlzeit“. Ich persönlich trennte mich nach 6 Monaten – und war danach psychisch für ein ganzes Jahr lang nicht mehr die selbe, die ich vorher gewesen war. Hätte mir irgend ein Therapeut/Coach gesagt, ich wäre Co-abhängig gewesen, wenn ich mich doch immerhin nach 6 Monaten „Dauermanipulation“ erfolgreich getrennt habe, was relativ schnell ist, hätte ich mein Geld zurückverlangt oder mich bei den Kassen beschwert. (In Amerika ist man dahingehend Gott sei Dank weiter.)

      Ja, ich teile deine Ansicht vollkommen, dass ein Partner mehr als masochistisch veranlagt sein muss, um das langfristig, jahrelang!, aushalten zu können. Vermutlich wird es aber, je länger die Beziehung dauert, umso schwieriger, sich zu trennen. Eben weil die seelische Kraft immer weniger und die Zersetzung immer größer wird. Ich habe auch schon vom Stockholm-Syndrom reden gehört, was in dieser Weise nicht übertrieben ist.

      Danke für das Teilen deiner Erfahrung. 🙂

      Lieber Gruß,

      Tanja

  3. Ja, die seelische Kraft wird weniger und die Zersetzung grösser.
    Dies ist ein schleichender, grausamer Prozess, dem man sich kaum entziehen kann. Wenn ich meine Shit-Liste anschaue, meistens in melancholischen Phasen, wird mir fast schlecht, was ich alles mit mir habe machen lassen. Bis dahin hab ich mich als halbwegs normal-standfest mit gesundem Selbstvertrauen angesehen. Diese Beziehung hat einfach alles über den Haufen geworfen, was ich mit meinen über 50 Jahren Lebenserfahrung und vermeintliches Wissen zu glauben meinte. Das Schlimmste ist aber das Vertrauen, welches ich in diese Frau gesetzt habe. Dieses wurde nicht einfach gebrochen oder missbraucht, es wurde regelrecht und mit aller Gewalt zerstört. Schlimmer war dann nur noch die Schuldumkehr. Alles was sie getan und auch gesagt hat, wurde in mich projiziert und dort bis aufs Blut bekämpft. Der Schuldige für ihre Taten war somit ich. Keiner, der das nicht selber erlebt hat, kann das glauben.

  4. Ich bin grundsätzlich kein Kommentarschreiber, mache aber hier eine Ausnahme. die Veröffentlichung von Frau Tanja Braid hat meine Seele halbwegs wieder ins Lot gebracht. Dafür möchte ich mich unbekannterweise sehr, sehr bedanken. Die Beziehung zu einer Borderlinerin war eine Höllenfahrt. Habe mich zweimal verabschiedet. Einmal real, sehr schmerzhaft/ dramatisch/ nichts begreifend und zum zweitenmal fassungslos bis entsetzt, als ich nach der Lektüre hier schlagartig begriffen habe, dass ich mit einem Alien zusammen war. Liebe bleibt, aber langsam und allmählich nur noch als Erinnerung. Danke nochmals.
    Davongekommen

    1. Hallo Michael,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Es freut mich, dass dich der Artikel erreicht hat und dass du deine Erfahrungen hier teilst. 🙂

      Ich bekomme speziell zu diesem Artikel viele Mails von Partner*innen von Borderlinern, die mich unglaublich berühren und tief betroffen machen. Das Leid in Beziehungen zu Borderlinern kann groß sein und entsteht u. a. auch deshalb, weil man nicht weiß, womit man es zu tun hat. Ist man aber im Bilde, wird vieles leichter, zumindest kann man klare Entscheidungen treffen.

      Auch deine Erfahrung berührt mich. 🙂

      Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe!

      Tanja

  5. Liebe Fr. Braid, ich war selbst 5 Jahre in einer ON/OFF Beziehung mit einer diagnostizierten Borderlinerin und habe dadurch sehr viel Literatur über die Jahre zu dem Thema veschlungen. Ihr Blog fasst all diese Inhalte ungeschönt und wahr zusammen und zu jedem Ihrer aufgezählten Themen könnte ich unzählige Beispiele nennen. Bevor ich das erlebt habe, hätte ich kaum geglaubt, dass es sowas gibt und gedacht dass man das mit Liebe hinkriegt. Ein böser Irrtum! Übrig bleibt man dann als Häufchen Elend, währendessen sich die einst geliebte Frau den nächsten Retter angelt und man als Täter abgestempelt übrig bleibt. Borderliner habe die Opferrolle gepachtet, so kam sie damals auch zu mir, so geht sie weiter. Der Begriff der Polyamorie war mir neu, aber nur das Wort, denn während der ganzen Zeit wurden unzählige verfügbare neue Männer gesammelt, die sie dann als „Freunde“ deklariert hatte und die sie, wie sich im Nachhinein herausstellte, während den OFF Zeiten benutzte. Heute ist sie mit einem dieser Freunde liiert und der weiß nicht im Ansatz, was ihn noch erwartet. Noch nicht. Ich wünsche jeden der sich in solch einer Beziehung befindet, dass er da heil und wohlbehalten rauskommt und nicht versucht jemanden zu retten, der nicht zu retten ist, denn man geht selber dabei zu Grunde, langsam, grausam und sicher. Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Blog, der mich wieder ein Stückchen weiter gebracht hat. Liebe Grüße Gernot

    1. Hallo Gernot,

      lieben Dank für deinen Kommentar und das Teilen deiner Erfahrung mit einer Borderlinerin.

      Ich denke, viele, die hier ein bisschen in den Kommentaren lesen, können auch von deiner Erfahrung profitieren. 🙂 – Zumindest dahingehend, dass sie wissen, dass sie nicht alleine sind.

      Ich danke dir auch für das Feedback (zu mir) und wünsche dir alles erdenklich Liebe! 🙂

      Gruß, Tanja

  6. Liebe Tanja

    Ich bin durch Zufall über deinen Blog gestolpert und er tut einem wirklich gut.

    Ich hatte ähnlich wie du das „Glück“ nur kurzzeitig an einen Partner mit BL zu geraten. Aber da ihr „Zyklus“ relativ kurz war war das der Wahnsinn.

    Ich muss gestehen wenn ich es heute Beschrieben muss dan sage ich Freunden immer in einen BL sich zu verlieben ist wie vom LKW überfahren zu werden. Du weist nicht wie dir geschieht aber wenn du es mit kriegst ist es zu spät und im schlimmsten Fall bleiben Dauer Schäden.

    Ich hatte noch Glück, sie hat mich zwar an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht aber hat dann einen Fehler gemacht der mir die Augen geöffnet hat. Sehr schmerzhaft und belastend aber dafür dauerhaft Kurierend.

    Ich weis klingt etwas doof aber ich sage mittlerweile von einem BL muss man kuriert werden bzw sich kurieren sonst kommt man nie los.

    Aber ich Schweif ab. Ich habe das Glück meinen Traum zu leben ich liebe meinen Beruf daher über alles. Und das meine ich wirklich so. Leider ist er sehr Zeit fressend und ich bin viel unterwegs aber nicht einen Tag den ich missen wollen würde. Und da hat sie mal im Streit vor die Wahl gestellt. (Sie wusste was ich mach sie wusste das ich selten da bin usw….. ) ich oder dein Job.

    Dazu muss man wissen ich hab mich in meinem Job als Hilfsarbeiter angefangen und hab mich über die Gesellen dann Meisterebene bis in die Unternehmensführung hoch gearbeitet. Und dann der Job oder Ich . Dafür bin ich ihr heute irgendwo dankbar weil das war der Punkt der einzige der nie verhandelbar ist in meinem leben. Und so konnte ich mich trennen.

    Wir haben heute noch Kontakt weil wir Beruflich noch miteinander zutun haben.
    Und typischer Weise kamen auch wieder Annäherungsversuche .
    Die wurden aber auf gröbste weise abgeblockt damit
    Sie es auch sicher versteht. (Nett funktioniert bei BL ja leider nicht)
    Und das ist das Paradoxe sobald der BL einen nicht mehr
    Als Potenziellen Partner wahrnimmt kann man ganz normal
    mit ihnen umgehen. Was irgendwie doppelt traurig ist.
    Wobei man immer mal wieder bzw immer dann wenn der BL anfängt zu Borderlinern ihn eiskalt auflaufen lassen muss. Denn sie versuchen es ja leider immer wieder und einmal Schwäche und schon geht der Wahnsinn wieder von vorne los.

    Alles Liebe und schreib weiter so

    Montague

  7. Den Eindruck hatte ich auch bereits vor dem Lesen dieser Seite hier, dass Borderliner irgendwie auf das „Selbst“ des anderen neidisch sind.

    Ich hatte mal einen Freund, der war bezüglich so ziemlich allen in ihrer Umgebung Neid zu merken, und bei vielen habe ich mich gefragt, auf was eigentlich ist er neidisch? Da waren Leute darunter, die sind mehrfach gescheitert, andere hatten ein hartes Leben mit Studium + Job für ihren Lebensunterhalt, wieder andere waren vor nicht langer Zeit von Freund/Freundin verlassen worden, einer hat eine Körperbehinderung, usw.
    Da war bereits zu merken, dass sich der Neid darauf gerichtet hat, dass diese Leute aufgrund ihres Selbst damit einigermaßen umgehen können.
    Außerdem war er offensichtlich neidisch auf die Fähigkeit vieler anderer Leute, (äußerlich) ruhig bleiben zu können und allenfalls selten Ausraster zu kriegen. Die wollte er provozieren und ist immer wütender geworden, wenn diese standgehalten haben und keinen Ausraster bekommen.

    Den größten Schaden hat am Ende eigentlich so jemand selbst, wenn er über kurz oder lang überall raus fliegt bzw. die Leute in der Umgebung die Flucht ergreifen.

    1. Hallo WWW,

      ja, es war dies von mir eine Hypothese …

      Aber was du schilderst, habe ich exakt mit einem männlichen Borderliner ähnlich erlebt. Inwieweit dies generalisierbar ist, ist fraglich, jedoch freue ich mich über deinen Kommentar. Es zeigt, wie wenig Ich-Substanz in einem Menschen – dem Borderliner – da sein muss, wenn er auf Menschen eifersüchtig ist, die lediglich am Leben teilnehmen (können), die Schmerz und Leid erfahren und dennoch nicht am Leben zerbrechen …

      Danke dafür!

      Lieber Gruß,

      Tanja

    2. Borderliner können das Leben eines anderen nicht lassen, weil sie es zur Stabilisierung des eigenen benötigen.

      Sie sind selbstsüchtig, weil sie kein Selbst haben.

  8. Hallo,

    Ich habe selber BPS, aber ein Großteil des Beschriebenen trifft nicht auf mich zu.

    Ich kann mir wirklich sehr sehr gut vorstellen, dass ihr sehr schmerzhafte und unglaublich schwierige Beziehungen hinter sich habt. Daher kann ich auch verstehen, was du schreibst.

    Allerdings finde ich das auch problematisch für die Menschen, bei denen nicht alles zutrifft.
    Das Stigma ist dennoch so groß, dass es Selbstakzeptanz und auch von anderen akzeptiert zu werden, für viele nicht einfacher macht.

    Ich habe ganz viele sehr liebe Menschen mit BPS kennengelernt.
    Durch das Stigma war das Wort „Manipulation“ (bei vielen anderen war dies auch nicht so ausgeprägt wie im Text beschrieben! Allerdings möchte ich auch nicht abstreiten, dass das auch vorkommt und was ihr erlebt habt!) sehr negativ besetzt und wir mussten erst durch die Therapeuten lernen, dass dies auch etwas total normales ist. Jeder Mensch manipuliert, wenn auch unbewusst. Allein ein echtes Lächeln überträgt sich mit Spiegelneuronen.

    Ich möchte hier gar nicht alles erläutern.
    Ich wollte nur nochmal anmerken, wie du ja auch erwähnt hast, dass BPS wirklich seeehr individuell sein kann und darum bitten nicht alle über einen Kamm zu scheren.

    Ich verstehe, wenn Menschen, die sehr schlimme Erfahrungen gemacht haben nichts mehr damit zu tun haben wollten und dann auch mal alle Personen über einen Kamm scheren.
    Aber ich würde mir für die anderen Wünschen, dass sie dennoch jede Person als Menschen einzeln betrachten.
    Ein Mensch ist nicht seine Krankheit.
    Ein Mensch bleibt immer ein eigener, ganz individueller Mensch.

    1. Hallo Saelly,

      lieben Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Es ist dieser Artikel für Partner und Angehörige von Borderlinern verfasst worden.

      Wie ich eingangs schrieb, muss im Grunde jeder Fall individuell betrachtet werden.

      Borderliner, die in Therapie sind, haben m. E. schon einen wichtigen Schritt getan. Es gibt jedoch daneben die Zahllosen, die nicht einmal wissen, dass sie Borderliner sind … Nicht jeder Borderliner hat eine Einsicht in seinen innerseelischen Zustand und daneben gibt es noch jene, die selbst dann die Realität als unwahr deklarieren, wenn ein Therapeut/Psychiater eine Diagnose gestellt hat … In dem Fall ist dann der Therapeut aus Perspektive des Borderliners unqualifiziert, böse oder selber „krank“ …

      Dass jeder Mensch manipuliert, halte ich für eine Relativierung, die hier unsauber vermengt wird. Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch aufgrund einer Persönlichkeitstörung „manipuliert“ oder er dies als normal-gesunder Mensch tut … Das müsste auch ein Therapeut unterscheiden können. 🙂

      Selbstverständlich sind (auch diagnostizierte) Borderliner wundervolle Menschen. Normalerweise sind sie im Berufsleben freundlich und nett. Wo auch immer Borderliner im gesellschaftlichen Kontext auftreten, können sie nett und freundlich und kollegial sein, doch das sagt nichts darüber aus, wie sich der Borderliner dem Partner in einer Paarbeziehung gegenüber verhält. Eben das ist hier jedoch nachgezeichnet.

      Vielleicht magst du als Borderlinerin noch kommentieren, wie deine Beziehungen waren? Hast du deine Partner glücklich gemacht? War die Beziehung rund und stabil? Oder waren die Beziehungen unstet und brüchig?

      Ich würde mich über deine Sichtweise und Erfahrungen freuen.

      Dass Expartner sich über die Beziehungen mit Borderlinern mit anderen unterhalten und austauschen, halte ich für äußerst essentiell. Eben dies hat mir z. B. vor einigen Jahren, noch bevor ich die Literatur gelesen habe, die Augen geöffnet … In Foren tauschen sich Expartner im Grunde schon seit Jahrzehnten aus, aber es gibt auch Youtube-Kanäle wie „Richard Grannon“, „Ashley Berges“ und „Super Extreme“ und andere … Die Zuschauergeschichten, die Super Extreme zum Thema Borderline darstellt, sind wirklich übel … Aber sie haben alle das gleiche Muster, weswegen sie nicht übertrieben, relativ oder herbeifantasiert sind …

      Worauf ich hinaus will: Das Stigma entsteht nicht, weil Partner/Expartner von ihren Erfahrungen erzählen, sondern weil es Borderliner gibt, die sich äußerst desaströs verhalten haben.

      Falls du, als eher „normale“ Borderlinerin, dich angegriffen fühlst, weil Partner von ihren Beziehungen zu Borderlinern erzählen, solltest du deinen Unmut m. E. nicht auf die Partner richten, sondern auf die Borderliner, die sich destruktiv verhalten haben. 🙂 Wie erwähnt: Das Stigma entsteht nicht, weil Expartner sich böswilliger Weise zusammentun und alle mit Geschichten, die in sich inhärenterweise alle gleich sind, um die Ecke kommen, sondern weil die Geschichten wahr sind.

      Ich danke dir nochmals für deinen Kommentar und wünsche dir von Herzen alles, alles Liebe! 🙂

      Tanja

    2. Tanja schreibt ja im Text oben, dass die Bandbreite vom „lieben“ zum „gehässigen“ Borderliner groß ist, und das ist tatsächlich so.

    3. Da gebe ich dir vollkommen recht…ich hab auch Borderline aber einige Dinge sind bei mir überhaupt nicht zutreffend…so n bissel hab ich das Gefühl das Borderline im Text als Monster dargestellt werden obwohl sie ja krank sind und nicht „bewusst“ oder „absichtlich“ so sind wie sie sind…ich hab da zum Beispiel einen enormen Leidensdruck weil ich schon mit aller Macht, Kraft und Gewalt versuche „normal“ zu sein…und ich sehe das Menschen die von der Krankheit wissen und sich damit beschäftigen es durchaus schaffen das auch ein Borderliner sich gelegentlich mal „normal“ fühlen kann…denn mit dieser Krankheit fühlt man sich eigentlich immer als wäre man nicht von dieser Welt…aussätzig, anders eben als andere,…so ist es jedenfalls bei mir…und wenn dich da jemand versteht oder es zumindestens versucht kann man durchaus auch mit einem Borderliner auf Dauer glücklich werden…diese Darstellung von Beziehung im Text, das sowas nicht möglich ist bezweifle ich…meine Meinung…Natürlich nur wenn man weiß das man Borderline hat und sich selbst intensiv damit beschäftigt……..sorryy für den langen Text aber musste ich mal los werden….

      1. Niemand hier verteufelt Borderliner. Es wird lediglich beschrieben, wie eine BL-Beziehung in aller Regel abläuft und welch immenser Schaden Partner und Angehörige erleiden können. Als Mann von emotionalen Missbrauch zu sprechen mag nicht sonderlich gesellschaftsfähig sein, doch es trifft aus meiner Sicht voll zu, dies nicht nur als Ex-Partner, sondern auch aus allen andern Erfahrungen. Ich komme auch beruflich öfters mit BLern in Kontakt und die Geschichten sind halt einfach alle gleich. Die Ausrede (sorry, Sindy), das Verhalten der Krankheit zuzuschieben und sie ja nicht mit Absicht oder bewusst handeln, kann ich schon nicht mehr hören. Da passiert sehr vieles sehr bewusst, doch so gut wie nie wird auch nur ein bisschen Verantwortung übernommen.
        Dass Borderline selber auch leiden, stellt niemand in Frage, doch berechtigt Eigenleiden dazu, andern auch Leid zuzufügen ?
        Gerne würde ich nur einmal von einer glücklichen, wirklich gleichberechtigten BL-Beziehung hören oder lesen.

  9. Es geht auch anders:

    Ich habe binnen Tagesfrist gewusst, dass die Frau, die sich in mich verliebt hat, BPS hat (Juni 2017).

    Ich wich ihr viele Wochen aus, eines Abends stand sie vor meiner Tür (August 2017). Nach drei Monaten war es um mich geschehen (Dezember 2017). Mit fünf Worten hat sie mich für sich eingenommen, obwohl ich von ihrem Dachschaden wusste.

    Dann das übliche On-Off über fast 24 Monate im Rahmen der psychopathologischen Tour.

    Im Mai 2019 musste ich selbst in die psychiatrische Ambulanz. Mein bester Freund verstarb, die BPSlerin weigerte sich, meine Telefonnummer zwecks Benachrichtigung weiterzugeben. Stattdessen schrieb sie mir eine Eifersuchts-SMS am Abend, als ich per Mail vom Tod erfuhr. Sie kannte meinen besten Freund, schrieb noch mit Krokodilstränen, wie sehr es ihr leid tue, sie wisse ja von der Bedeutung des Verstorbenen. Und das, nachdem sie drei Tage zuvor die Bitte abgelehnt hatte, meine Nummer weiterzugeben.

    (Nur ein Beispiel von mindestens 30 Niederträchtigkeiten usw.)

    Im September 2019 hat sie mich angezeigt: Nachstellung, Anruf-Gefährderansprache durch LKA!

    Erzählt herum, ich würde sie stalken. Erzählt aber auch, dass sie mich vermisst.

    Ihre Tochter weigert sich bei ihr zu sein. Elternmissbrauch: Schwere Gewalt gegen die BPS-Mutter, Kind also auch schon Vollriss. Sechs Jahre altes Mädchen. Es war der Grund, weswegen ich sofort auf BPS tippte. Die Mutter der BPSlerin kam mit dem Enkelkind zur Mutter – drei Damen vom Grill. Ich saß neben der BPSlerin. Dann der Terror durch das Kind, weigerte sich massiv, auch die Großmutter erschien mir seltsam aggressiv und hilflos zugleich…

    Tja, habe mich drauf eingelassen. War nicht gut. Bin auf dem Weg zurück zu mir. Nicht lustig. Aber es wird wird …

    1. Man muss nicht narzistisch oder masochistisch sein, um sich in eine solche Beziehung zu verirren. Es waren nicht die Idealsierungen usw., die mich faszinierten, sondern ihr ganz anderer Blick auf mich. Als Wissenschaftler labe ich mich nicht an der Bestätigung, obwohl ich sie oft erlebe. Mag das aber nicht, dieses sich selbst lallen hören, auf die eigene Schulter klopfen usw. Ihre Reaktionen hingegen haben mich fasziniert, zumal sie phasenweise sogar intelligent wirkten, ohne so zu klingen.

      Beispiel: Es ging eines Abends beim Kennenlernen (I play it slow, continental drift slow) nach ca. drei Monaten im Oktober 2017 um den Begriff «Konfusion». Ich erklärt ihn durch das Chaos als unerkannte Ordnung, sie nutzte ihn vulgär, wie die Menschen ihn eben benutzen: bloßes Durcheinander. Kein Problem, für gewöhnlich kann man sich verständigen und es gibt darum keinen Streit. Im Gegenteil, meist wird es spannend. Nicht so bei ihr. Sie knallte komplett durch, wurde hysterisch, raunzte „Du als Linguist solltest…“. Das hat mir imponiert. Dann aber begann sie sich im Kreis zu drehen und ich sagte, ihre Kindergartendialektik (selber, selber, lachen alle…) langweile mich.

      Wichtig zu wissen ist: Ich habe sie zu keinem Zeitpunkt durch die Störungsbrille betrachtet, obwohl ich von Beginn an einen „Verdacht“ hatte. Da stimmt was nicht, die ist auf Überlast, die Familie ist seltsam usw…also, verzieh dich, halt die auf Abstand…habe ich ja auch…

      Im Oktober ’17 also begannen wir uns häufiger zu treffen. Ich hatte eine gute, muntere Laune, schaffte meine Arbeit, hatte Lust auf Menschen. An einem anderen Abend in der selben Bar knallte es dann los: Ich hätte auf einer Toilette in der Bar eine andere Frau gevögelt. In dieser Nacht stand endgültg fest, es mit BPS zu tun zu haben. Sie hatte einen Nervenzusammenbruch, bat mich mit in ihre Wohnung, es gehe ihr schlecht. Ich dachte an die beiden Weißweinschorlen und schob es auf den Alkohol. Bei ihr zuhause erklärte ich mit Engelsgeduld mehrfach 1-2-3-4-5. Sie konterte irrational: 0815-4711-9/11 booooom.

      Ich zog meine Schuhe an und sagte leise, das bringe ja alles nichts. Sie schreckte auf und schrie: „Schrei mich nicht an!“. Ich ging, schloß die Tür, auf dem Weg nach Hause der Gedanke: „Ohje, das ist doch…das ist doch…genau…BPS…mit ihrer Tochter und Mutter war es doch schon so fremdartig…“ Mittags stand sie in meiner Wohnung „tut mir leid, war betrunken“. Ud ich wischte alles vom Tisch (so bin ich, nachsichtig, wenn man um Entschuldigung bittet…)

      Fünf Worte in Stimmen gekleidet ließen mich also durchknallen: „den will ich behalten“ (zu einer Freundin), „du wolltest doch wissen, wie es mir geht“, „ich will doch nur dein freund sein“, „ich will dein Jerusalem sein“ und „ich wollte mit dir tanzen“ (Nachts im Regen).

      Eines Nachts, bevor wir anfingen zu daten, stand dieser Mensch aus Zucker bei Regen und Sturm vor meinem Fenster. Im Schatten des Straßenlaternenscheins zerflossen ihre klapprige Gestalt der Einsamkeit und ihre ausblutende Seele. Ich ließ sie herein, sie strippte ein paar Minuten und verschwand ganz schnell. Das hat mir gefallen. Nicht sexuell. Nein, mir gefiel, dass sie schnell wieder abgehauen ist und ich weiterschreiben konnte.

      Nachdem wir seit November 2017 die Nächte (ohne Sex) verbrachten, ging eine meiner frühsten Einlassungen so: „Ich glaube dir, dass du mich liebst, aber ich fühle mich nicht gemeint, erkenne mich nicht in dem wieder, was du da erzählst.“ Erst nach einem Jahr hat sie mir BPS offenbart, derweil ich über 10 Monate die ganze Klaviatur in sanften Tönen gespielt habe: Unbarmherzigkeit, Neid, Geiz, Gier, Missgunst, Rachsucht, mangelnde Wirklichkeitskontrolle
      u. v. m. Es wäre uferlos, alles auch nur zu skizzieren, was die sich an Ekelhaftigkeiten gegenüber anderen Mensche und mir erlaubt hat.

      Viele Monate konnte ich mich ihr also nicht sexuell annähern. Oft dachte ich an sexuellen Missbrauch als wahrscheinliche Ursache ihrer Belastungsstörung. Kann ich mit der Wahrheit leben? Will ich es wirklich wissen? Kann ich mit einem Menschen Sex haben, der womöglich…Horror. Ich pendelte DIFFUS zwischen der Frage wollen und der Ablehnung der Antwort. Ich war längst in ihrem Spiel…

      Sie lebte nach der Trennung vom Vater ihrer Tochter allein in einer verschimmelten Notlösung, die Whg. war voller Heizplatten und durchgehend im Winter weit über 28 Grad warm. Als ich ihr die Wahrheit sate, ich könne nicht bei ihr übernachten, drehte sie durch. So ging es fortwährend….

      Binnen 24 Monaten: Drei Umzüge, drei Autos, vier Gerichtsverhandlungen. Sie ist eine sehr erfolgreiche Geschäftsfrau. In der Zeit, in der sie sieben Schritte unternimmt, gelingt mir fast einer…

      Irgendwann beruhigte sich unsere Lage, ich begann Vertrauen aufzubauen und für etwa drei oder vier Monate (Oktober ’17 bis März 2018) lebte ich in einer spannenden, lebhaften usw. Beziehung. Naja, sie war schnell betrunken und machte dann nur Schwachsinn…ab April wurde es immer beknackter…

      Im März ’18 fragte sie mich, was ich von Psychotherapie halte.
      „Der Faschist Ford hat mit seinem Auto vom Fließband mehr Menschen emanzipiert als der Marxismus, die Psychopharmazie hat mehr Menschenleben geretten als Freud.“

      (Sowas hau ich den literaturwissenschaftlichen Knallköppen gerne als Polemik um die Ohren, wenn die mir zu doof mit einer nicht begriffenen Dekonstruktion um die Ecke geschissen kommen. Intelligente Wissenschaftler verstehen das. Aber das sind Physiker, Logiker, Mathematiker usw…)))))

      Es knallte sofort, erkannte erst Monate später, dass sie es mir offenbaren wollte, dass sie Schiss hatte, Stigma usw. Dabei war es für mich genau das nicht. Im Gegenteil, sei ehrlich und du hast mich auf deiner Seite. Dumm gelaufen und die Einleitung des Endes, für das ich keine Verantwortung trage. Man kann nichts richtig machen mit diesen Irrläufern. Ich nannte das jedenfalls Estherlation. Sie sagte, das werde uns immer wieder passieren. Unser Leben lang. Ich erwiderte: Ich wolle das aber nicht, ich brauchte Ruhe und Balance, Gelassenheit, nichts gegen einen Streit: Wolle Harmonie. Von nun an ging es nur noch in eine Richtung, allerdings verstrickte ich mich in ihrer Dynamik in ständiger Angst um sie. Tagelanges Wachkoma auf meine Frage nach sex. Missbrauch. Statt leidenschaftlicher Argumente, was ich sehr mag, stellte ich auf Leise. Aber so bin ich nicht. Ich bin lebendig und sag, was ich denke, und bitte um Entschuldigung, wenn ich einsehe, dass ich falsch liege. Ich lag nur noch richtig und wurde immer leiser. Und krank. Meine Koordination ließ merklich nach, ich wurde tolpatschig und diffus.

      Ich kann niemanden einen Rat geben. Die meisten geraten in solche Beziehungen aus heiterem Himmel und hinterher hat man es schon immer gewusst. Ich komme aus der Neurophysiologie, Philosophie und Logik, ich weiß viel über BPS. Theoretisch: Check’n balance zwischen Kognition-Volition-Emotion ist bei BPS defizitär bis dysfuktional. Alles ganz einfach. Sind neuroorgansiche Schäden. Schön. Die Konsequenzen in einer emotinalen Liebesbeziehungen habe ich nicht überblickt und die Konsequenzen für nicht möglich gehalten. Im Nachhinein spricht viel dafür, dass ich nicht nur Mitleid und Liebe vermischt habe, womöglich habe ich diesen ganzen Zinober wie im Reallabor betrachtet…kein Helfersyndrom, keine Co-Abhängikeit usw. Es ist auf jeden Fall nicht lustig und ich bin dabei, mich ganz langsam wieder zusammenzusetzen. Ist der Bär besoffen, so ein russisches Sprichtwort, geht er aufs Eis tanzen…

      1. Letzte Anm.: Sie stand seit Juli/August 2017, lang bevor wir im Oktober ’17 loslegten, so oft vor meiner Tür…nicht verwirren lassen…

  10. Uff, harter Tobak.
    Wobei ich inhaltlich das Meiste bestätigen kann, mit dem unterschwellig
    missbilligen Ton gegenüber Menschen mit BPS aber nicht konform gehen kann.
    Es wird hier leider ein Feuer geschürt, dass wohl die Kluft zwischen den „Normalos“ (wobei, wer ist schon normal) und den Borderlinern noch größer werden lässt.

    Ja, Borderliner sind verdammt schwierig, sie sind „Aliens“ und sie haben eine unheilbare Erkrankung. Eine Persönlichkeitsstörung.
    Sie sind anders. Aber sie sind NICHT falsch. Sie sind wie sie sind.

    Zu mir, ich habe einen Mann mit Borderline in meinem Leben.
    Jahrelange tiefe Freundschaft endete in einer jahrelangen Beziehung.
    Wir haben uns nichts geschenkt. Bei Gott nicht.
    Ich lernte diesen Mann über eine Freundin (seine EX) in seiner tiefsten Phase kennen.
    Gewalt ihr gegenüber. Gewalt die er gegen sich selbst richtete. Exzessiver Drogenmissbrauch.
    Arbeitslos und gerade von der Obdachlosigkeit zurück. Suizidal.

    Auch wenn eine ungeheure Anziehungskraft mich in seine Richtung lotste,
    war ich mir bewusst „dieser“ Herausforderung nicht gewachsen zu sein und ich blieb in seiner Nähe – als gute Freundin, nicht als Lebensgefährtin.

    Über die Jahre (ich in einer stabilen Beziehung zu einem anderen Mann, er in immer neuen Liebschaften) bauten wir eine richtig tiefe und ehrliche Freundschaft miteinander auf. Ich hatte mich viel mit der Krankheit auseinandergesetzt, wusste über seine Mechanismen Bescheid und konnte somit auch immer die richtigen Knöpfe drücken. Dieser Mann war kein Mysterium mehr für mich.

    Nach vielen Jahren der Freundschaft, wo alle Masken vielen, wurden wir dann doch ein Liebespaar.
    Ich wusste worauf ich mich einließ. Ich erkannte die Projektionen und konnte angemessen damit umgehen. Es fiel mir nicht schwer zu erkennen wann die Krankheit „vorne“ war, und wann nicht.
    Dieser Mann erfüllte mir alle Wünsche – sofern er in der Lage dazu war. Denn ich möchte nichts beschönigen, es gibt Phasen da ist man trotz Beziehung allein. Der kranke Partner ist es aber auch.
    … ich sehe es so, wenn ich mit einem Menschen im Rollstuhl eine Beziehung eingehe, dann kann ich nicht später enttäuscht sein, dass er nicht laufen kann. Ich darf ihm das auch nicht vorhalten.
    Genau so sehe ich es mit einer psychischen Erkrankung. Ich kann nicht vornherein von der „Behinderung“ wissen, um es dann im nachhinein als Unzulänglichkeit abzustempeln. (Das betrifft natürlich nur Leute, die Wissen dass sie es mit einem Borderliner zu tun haben!)

    Beziehungen sind per se schon schwierig. Beziehungen mit einem Borderliner noch tausendmal mehr. Bei uns hat es aber einfach von Charakter gepasst. Die Beziehung war Beides. Wahnsinnig schön und phasenweise wahnsinnig anstrengend. Jedoch hat er mich nie geschlagen, wurde nie handgreiflich (wie bei den Expartnern), hat mich nie eingesperrt, hat alles (für ihn) menschenmögliche getan um mir ein guter Partner zu sein. Ich wurde von ihm immer unterstützt, sei es beruflich, finanziell oder im gemeinsamen Haushalt. Die Beziehung war trotz schwerer (depressiver) Zeiten immer geprägt von liebevoller Fürsorge – von beiden Seiten.

    Nach 10 Jahren haben wir uns getrennt. Ohne Krach, ohne Drama, aber mit unheimlich vielen Tränen. Doch die Freundschaft brach nie ab. Das war vor 5 Jahren, wir sind immer noch beste Freunde und immer für einander da, auch wenn es mit der Partnerschaft (aufgrund unterschiedlicher Lebensansichten, nicht wegen der Krankheit!) in die Brüche ging. Keine Abwertung.

    Ich werde diesem Menschen immer den Rücken frei halten. Er mir auch. Trotz Borderline. Den Menschen erkennen, annehmen. Kann sehr gut funktionieren.

    Alles Liebe euch!

    Ich möchte auch allen ans Herz legen, die sich verknallt haben und mit der Idee spielen eine Beziehung mit einem Borderliner einzugehen:
    Bitte überlegt euch sehr gut, ob ihr der Typ dazu seit. Nicht nur ihr legt alle Hoffnung in die Beziehung, nein, auch der Borderliner der aufgrund seiner Lebensgeschichte chronisch auf die Schnauze fällt, hofft auf diese Verbindung. Hofft endlich „anzukommen“. Ihr wollt nicht als ein weiterer missglückter Hoffnungsträger in seiner Biografie aufgereiht werden.

    1. Hallo Philomena,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Ich erlebe vor allem hier, in den Kommentaren, dass Menschen ihre persönliche Erfahrung entweder als Partner oder Boderliner mitunter universal setzen: Das heißt, die Sprechhaltung reicht von „Borderliner sind das Niederträchtigste, was es gibt“ bis „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren.“

      Dass mein Artikel (auf dich) missbilligend wirkt, weil deine persönliche Erfahrung mit einem Borderliner letztlich positiv ist, heißt nicht, dass dies mit allen Borderlinern so ist. Auch deine Erfahrung steht nicht für alle. Wie erwähnt: Die Forensik außen vor zu lassen, halte ich für naiv, denn letztlich gibt es tote Expartner, die sich hier in den Kommentaren leider nicht mehr äußern können.

      Mich persönlich stört die Empathie-Propaganda, die von Borderlineren selbst wie von Philantropen, mitunter auch von Psychologen/Psychiatern angestrebt wird. Das Umfeld des Borderliners, die Familie, Freunde und Partner, soll(t)e empathisch mit dem Borderliner sein, auch wenn dieser die Familie sprengt, intrigiert, grenzenlos (übergriffig) gegenüber Kindern und/oder typisch „borderlinig“ im Beziehungsleben ist … Aber auch in den Medien wird m. E. nach die Empathie-Trommel geschlagen. Aber: Wer hat Empathie mit einem Expartner, mit Kindern oder mit Eltern von Borderlineren, deren Leben komplett zerstört worden ist? Wer gibt diesem Leid eine Öffentlichkeit, eine Stimme und einen Rahmen?

      Natürlich versuche ich dies hier mit meinem Artikel.

      Zu deinem Kommentar „Ihr wollt nicht als ein weiterer missglückter Hoffnungsträger in seiner Biografie aufgereiht werden.“ fällt mir ein: Weil der Borderliner so arm ist? Meistens sind Borderliner selbst am Beziehungsabbruch schuld. Wer Partner als serielle Verschleißobjekte benutzt, kann den Partnern nicht die Schuld dafür geben, wenn die Hoffnung „missglückt“. Das Problem ist der Borderliner und bringt der Borderliner in die Beziehung mit. Es ist in ihm, sekundär in der Beziehung selbst. Das Problem löst also nicht der Partner, sondern wenn überhaupt, dann der Borderliner selbst, wenn er sich in Therapie begibt. Auch trägt der Partner dafür m. E. keine Verantwortung. 🙂

      Als Gedankenexperiment möchte ich noch nachtragen, wie sinnvoll und dauerhaft eine Beziehung zwischen zwei Borderlinern ist. Ich habe schon gehört, dass dies möglich ist. Im Grunde könnten sich zwei Borderliner gegenseitig sehr gut verstehen, denn sie haben ja die gleiche psychische Anlage – um nicht Störung zu sagen. Überwiegend gehen Borderliner aber Beziehungen mit Nicht-Boderlineren ein. Ein normal gesunder Mensch ist „heiler“, als dies der Borderliner ist. Aus diesem Grund kann von einem ganzen (heilen) Menschen viel mehr genommen und gezogen werden, als von einem anderen Menschen, der gleichsam in sich unrund und „nicht ganz“ ist … Wenn Borderliner auf die gleiche emotionale Instabilität von anderen Borderlinern treffen, finden sie diese in der Regel nicht sonderlich attraktiv. Sie fühlen, dass hier eine Beziehung wenig Sinn macht. Attraktiver ist für sie der warmherzige, stabile Mensch. Der „gesunde“ Mensch sozusagen. Dieser kann ja wirklich etwas geben.
      Das heißt: Allein dieses Faktum, dass Borderliner sich zu gesunden Menschen stärker hingezogen fühlen als zu ihresgleichen, zeigt ihr eigenes Defizit – und damit die Störung an sich. Von Normalität kann also nicht gesprochen werden.

      Ein weiteres Zitat von dir: „Es wird hier leider ein Feuer geschürt, dass wohl die Kluft zwischen den „Normalos“ (wobei, wer ist schon normal) und den Borderlinern noch größer werden lässt.“

      Nein. Es ist dies die immer wieder kehrende Relativierung, die „gesund“ und „krank“ vermengt. Die Kluft ist da, nicht weil sie schlecht, sondern m. E. nach sogar richtig ist. Wenn ausnahmslos jeder (ein bisschen) borderlinig ist, würde eine Gesellschaft, in welcher der Borderline-Typus „normal“ wäre, m. E. nach nicht funktionieren: Man stelle sich vor: Borderliner als Maß, Borderliner, wohin das Auge reicht: Im Geschäft, im Berufsleben, als Chefs, als Arbeitnehmer, als Richter, Lehrer, Pädagogen, Taxifahrer usw. … Das ist keine Welt, die für mich „normal“ wäre, noch eine Welt, in der ich leben möchte. Das Gros der Menschheit ist nicht von Borderline betroffen. Das ist ein Faktum. Die Welt ist dennoch nicht perfekt, noch heil, doch sie wäre die Hölle, wenn Borderline normal wäre.

      Ich wünsche dir alles Liebe! 🙂

      Tanja

      1. Das frage ich mich auch. Lauter Borderliner auf einem Haufen, was kommt da raus? Es gibt ja übrigens auch Stationen in psychosomatischen oder psychiatrischen Kliniken, wo hauptsächlich Borderliner aufgenommen werden.

        1. Ich danke dir für die Beifügung.

          Ja, auch der Umstand, dass Borderliner in psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken aufgenommen werden, zeigt, dass Boderline eben den Borderliner betrifft und nicht den gesunden Menschen.

          Selbstverständlich kann auch ein gesunder Mensch einmal in einer Klinik aufgenommen werden, sei es wegen Burnout, Depression usw. … Doch auch hier gilt es zu unterscheiden: Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, die – wie das Wort aussagt – die PERSÖNLICHKEIT des Menschen betrifft und über Jahrzehnte hinweg, wenn nicht das ganze Leben lang, bestehen bleibt. Burnout, Depression etc. sind jedoch Erkrankungen, die nicht aus der Persönlichkeit heraus kommen, sondern exogen oder endogen entstehen und die i. d. R. temporär auftreten und gut therapiert werden können.

          1. Na ja, bezüglich dem gehe ich nicht ganz mit, ich finde eine Unterscheidung in „prinzipiell gesund“ (z.B. Mensch mit depressiver Phase) und „gestört“ (z.B. Borderliner) nicht so ganz sinnvoll.

            Wo ich aber absolut Deiner Meinung bin ist, dass eine Gesellschaft bestehend aus Borderlinern wohl eine blanke Katastrophe wäre. Insofern ist Borderline nicht nachhaltig und die Argumentation „nicht verkehrt, nur anders“ zieht hier aus diesem Grund nicht.
            Das ist bei schrulligen Leuten so, die könnten mit Leuten die ihnen ähnlich sind ein Zusammenleben in Wohlstand und sozialem Frieden gestalten, das würde funktionieren. Aber bei Borderlinern wohl nicht.

    2. Wenn mich jemand mit seinem Rollstuhl mutwillig umfährt, vor und zurück, vor und zurück, dann kann man ihn durchaus fragen, ob der noch alle Schranken in der Tasse hat.

      Zudem: BPS ist derart umfassend indviduell, dass man keine Tipps geben kann und besser sich nicht hinstellt und feiert, wie gut man damit klar kommt. Das ist albern. Es existieren keine „leichten Formen“, wie manche Gestörte es meinen, die Grenzüberschreitungen sind für halbwegs normal im Leben stehende Menschen mit echtem Reflexionsvermögen stets Konfrontationen mit dem Bösen. Diese Menschen befinden sich an Schwellen und übschreiten sie. Für nicht so Gestörte sind die Sphären undenkbar Gelände. Das Ausleben einer emotionalen Liebensbeziehung geht durch den Wahnsinn.

      Habe vor wenigen Tagen mit einer Freundin gesprochen, nur kurz erzählt, was in 24 MOnaten passiert ist. Ich wusste nicht, dass sie mit einem PBSler zusammen ist. Auf ihre Erlebnisschilderung hin dachte ich: Die ist cool, die hats drauf, so macht man das. Am nächsten Tag war sie hinüber, sie hat erst durch meine kurze Schilderung begriffen, was bei ihr REAL los ist…sie versteht ganz langsam, in was sie steckt.

      Alles Gute, ich habe nichs gegen BPSler, aber die Wahrheit sollte mn schon sagen dürfen.

      1. „Das Ausleben einer emotionalen Liebesbeziehung geht durch den Wahnsinn.“

        Diese Aussage von Altras trifft punktgenau. Wenn man nicht das „Glück“ hatte, die BL-Eigenarten wie Philomena bereits vor der (Liebes-)Beziehung zu kennen und bei deren absurdem Verhalten entsprechend zu reagieren, schlittert wohl jeder mit der Zeit in den Abgrund.

        Ich hielt mich vor meiner BL-Beziehung nie für besonders gefährdet, auf Manipulationen, Lügen und Illusionen reinzufallen, hatte ein normales Selbstwertgefühl und war nie ein übertriebener Helfertyp. Dass man in der Beziehung ausschliesslich nur Mittel zum Zweck war, die Bedürfnisse des BLers zu befriedigen und als Energiequelle zu dienen, wird einem erst nach dem Lesen von Fachbüchern und Foren klar. Dann wäre immer noch ein Absprung möglich gewesen, doch irgendwie ist man schon zu stark im Spinnennetz verwickelt.

        Entscheidend für das Ausmass der Störung bzw. das mehr oder weniger starke BL-typische Verhalten, ist wohl davon anhängig, wieviele Anteile anderer Störungen, wie Narzissmus, Paranoia oder Schizophrenie vorhanden sind. Wenn ich mir ihre Wutausbrüche (weil z.B. ein Blatt vom Baum fällt oder einer sonstigen Nichtigkeit) vor Augen halte, ihre Kontrollsucht, ihre Eifersucht und ihr Neid auf alles und jedes (Arbeit, Tochter, Freunde,Hobby etc), frage ich mich schon, weshalb ich immer wieder zurückgegangen bin, nachdem sie mich wieder als einzig wahre Liebe und ach so tollen Typen gelockt hat.

        Nachdem ich dann nach dem ca. 35x on/off einfach die Kraft nicht mehr hatte zurückzugehen, wurde mir der ultimative Hass, gepaart mit erfundenen Schuldzuweisungen und Drohungen entgegen geschleudert. Die blanke Wut. Wer es nicht erlebt hat, würd’s nicht glauben.

        Jetzt, 1,5 Jahre nach dem endgültigen Showdown, welchen ich als pure Zerstörung von allem, was mit mir zu tun hatte, empfand, bin ich nicht mehr derselbe Mensch, der ich vor der Beziehung war. Selber in Therapie, auf der Suche nach den überall verstreuten, Tausenden von Spiegelstückchen, die einst meine Seele waren.

        Sie wiederum hat einfach alles abgespalten, ist nicht mehr in Therapie und lebt weiter wie vorher.

  11. Synester, das ist grässlich. Wünsche Dir beste Genesungen. Kann es mir vorstellen, weil ich es bei mir selbst gerade noch vermeiden konnte, komplett abzuschmieren…bekam übrigens nach drei Tagen eine heitere Anzeige wegen Nachstellung, nachdem ich die Beziehung als beendet betrachtet habe…gaga…

    Ich (er-)kannte übrigens (das) BPS-Verhalten, theoretisch wie praktisch.
    Es hilft gar nichts, es vorher zu wissen, denn die vom BPSler ausgelebten Grenzverletzungen sind individuell und daher unvorhersehbar wie ein Fliegenflug. Es „quantelt“ überall, irgendwann auch in einem selbst. Erschwerend kommt auch grundsätzlich der/das „gesunde“ Gegenüber hinzu. Auch ein sehr selbstsicherer und lieber Mensch wird vollkommen nichtdeterminierte und unbestimmte Ausbrecher beim BPSler provozieren, während ein anderer sie nicht auslöst, sondern andere))). Man kann das nicht bestimmen und vorhersehen. Es existiert kein MUSTER, welche Kombination von Persönlichkeitsmerkmalen, Ticks, Macken oder auch Liebesbeweisen usw. zu diesem oder jenem Zusammenleben führen.

    Rede ist von Chaos, diffusen Identitäten (PLURAL) und Zufall, von Wirklichkeitsumbau und Irrtum, von Tendenzen der Intelligenzminderung (kein Check’n’balance zwischen KOGNITITION-EMOTION-VOLITION), inkonsistenter Rede, getrübter Sensorik (meistens olfaktorisch), Erinnerungsdefizite, weitestgehender Selbstlosigkeit (mangels eines Selbst) und das reicht bis hin zum Schwachsinn. Auch Wahnsinn kann hinzu kommen. Paranoia.

    Nein, die Wahrscheinlichkeit, dass BPSler miteinander harmonieren, ist so gering wie bei allen anderen Kombinationen, eher noch geringer, denn Ein BPSler kann dem Anderen gerade das Eigentliche nicht geben, das der Eine beim jeweils Anderen sucht – ergo beide suchen: Ein starkes Selbst, an dem der Jeweilige sich bedienen kann (identifizieren, ausbeuten usw.). Das können eher nur nicht BPSler liefern. Auch Narzissten und BPSler gehen nicht harmonisch zusammen. Harmonie und Balance schließen sich aufgrund des neuro-organischen Schaden meist aus…

    Nein, nein, wer mit Erfahrung und Wahrscheinlichkeit etwas anfangen kann, der wird leicht einsehen, dass man keine Tipps geben kann. Es kann klappen, kann lustig werden, nie langweilig (dieses Blabla lernt man in der Therapie…denen wird so mancher Mist erzählt…), wer ein ruhiges, harmonisches und beseelten Leben führen muss, sollte es lassen. Nicht jeder mag Ruhe und Frieden, im Gegenteil sind Radau, Krawall und Remmidemmi von Drogen, Alk, Promiskuität und Ausschweifung subventionierte Devisen, die gesellschaftlich, politisch und ökonomisch goutiert, medialisiert und idealisiert werden.

    Kultur ist wenn man Täter zu Opfern schminkt…

    (»Vergib Dir, vergib ihr«.
    Das war mein Motto, denn bevor ich einen Therapeuten gefunden hätte, wäre ich lieber selbst einer geworden. Nirgendwo sonst wie in der Psychologie schleichen derart viele Verbretterte rum…Jura ist ja schon schlimm, Wirtschaft auch, aber Psychologie ist der Oberknall und dementsprechend sind die Aussichten auf wirklich gute Therapeuten bescheiden…)

    1. Ich habe gerade mit Staunen die Kommentare verfolgt und kenne das bestens. Ich selbst war über 5 Jahre mit einer diagnostizierten Borderlinerin zusammen. Weit mehr OFF als ON. Es gab ca. gefühlte 12 Neustarts und viele weitere kleinere Lücken und jedes Mal hatte sie die Beziehung beendet, um dann nach weiteren gescheiterten Versuchen mit anderen (die sie während meiner Zeit gesucht hat) zurückzukommen und mir die Schuld an den jeweiligen Scheitern zu geben. Tanja nannte es Heimathafen, soweit ich mich erinnere, ich war wohl eher eine kleine Bucht von vielen. Ich habe bei jedem Start dazugelernt, habe vorher unzählige Bücher zu dem Thema gelesen und versucht so gut als möglich keine Fehler zu machen und wurde dann zumindest doch so gut, dass ich auf keinerlei Provokation oder Beschuldigung mehr bzw. kaum einstieg, das macht einem dann aber uninteressant. Das geht dann fast bis zur Selbstaufgabe, eher traurig. Einziges Ergebnis,… es gibt keine Lösung und kein Verhalten des Partners, dass diese Dynamik auflösen kann, egal wie viel Literatur man verschlingt. Egal wie viele Versuche! Fakt ist auch, umso tiefer die Bindung des Borderliners zum Partner umso stärker die Dynamik und die Gefahr. Oberflächliche Beziehungen sind für Borderliner ganz leicht handhabbar, darum funktionieren viele auch im Job und bei Freundschaften ganz gut, aber diese befriedigen sie nicht als Liebesbeziehung. Das was man verstehen muss,… eine Beziehung zu einem Borderliner ist das Drama. Ohne Drama keine Liebesbeziehung! Also wenn jemand glaubt, er kann eine glückliche stabile Beziehung führen, der irrt, denn dann ist er weg und jeder wird das schmerzlich erfahren, so oft er will und es aushält. Es mag auch leichte Formen dieser Störung geben, aber meine war es wahrscheinlich nicht. Wenn eine Beziehung keine 2-4 Wochen ohne Drama und Beendigung der Beziehung wegen NICHTS standhält, dann heißt das doch einiges….. Am meisten beeindruckt hat mich die Projektion. Was sie tat, hat sie mir angeheftet und selbst als ich ihr schwarz auf weiß zeigte, dass sie das war, war ich ihr Todfeind und habe sie ja dazu gebracht. Egal was man tut man verliert. Jeder sollte sich das merken und solange er noch selbst gesund ist die Reißleine ziehen bzw. zumindest gut auf sich aufpassen! Viel Kraft allen, die da drinnen stecken. Viele Grüße Gernot.

      1. Hallo Gernot,

        herzlichen Dank für deinen Kommentar. 🙂

        Es ist interessant für mich, wie sehr sich die Beschreibungen von Partnern/Expartnern im Erleben mit einem Borderliner ähneln. Ich zitiere dich: „Am meisten beeindruckt hat mich die Projektion. Was sie tat, hat sie mir angeheftet und selbst als ich ihr schwarz auf weiß zeigte, dass sie das war, war ich ihr Todfeind und habe sie ja dazu gebracht.“

        Haargenau so habe ich es in meiner Beziehung zu einem männlichen BL auch erleben dürfen. Ich konnte ihm FAKTEN und BEWEISE liefern, dass ER an gewissen Situationen oder Umständen in der Beziehung schuld war oder dass gewisse Projektionen von ihm falsch waren, und trotzdem behauptete er felsenfest, ICH hätte das alles getan oder ihn erst dazu gebracht. Natürlich war auch ich bald darauf der Todfeind – und dies ungelogen. Ich war in seiner Wahrnehmung DER FEIND! *lach* (Für mich bis heute noch absurd und lächerlich.)

        Natürlich hatte auch ICH schuld, dass er ständig fremdging, wiewohl ich von den zahllosen Affären erst im Nachhinein erfahren habe. *lach*

        Ich denke, viele (nicht alle!) Borderliner sind Weltmeister im Verleugnen der Realität.

        Man könnte sagen – und dies meine ich jetzt humorvoll – dass die Borderline-Mentalität den Partner pauschal und kategorisch schuldig spricht, auch wenn es weder eine „Tatzeit“, noch einen „Tatort“ noch ein „Tatmotiv“ seitens des Partners gibt. Wenn Zuhause der Teppich vor Blut trieft, die Katze tot ist, der Hund tot ist, der Nachbar nicht mehr atmet und der Borderliner blutbespritzt und mit einem Messer davor steht, hat es – natürlich! – der Partner getan! 😉 *lach* – Dies bitte ich nur als Bildnis zu verstehen, selbstverständlich sind Borderliner keine Mörder. Doch das Bild legt die Absurdität/Verrücktheit dar. D. h.: Auch wenn offenkundig ist, dass der Partner nichts getan hat und nichts getan haben kann, ist es innerhalb der Borderline-Mentalität der Partner gewesen. Und zwar immer und zu 100 Prozent. *lach* Sage noch einmal wer, es gäbe nichts, worauf man sich innerhalb einer Beziehung zu einem Borderliner verlassen kann. 😉

        Lieber Gruß,

        Tanja

    2. Ja, dieser Behauptung begegnet man immer wieder, mit einem Borderliner werde es nicht langweilig.

      Meiner Meinung nach stimmt das nicht. Denn man ist dermaßen mit Aufregerei über Kleinigkeiten beschäftigt, dass man gar nicht mehr dazu kommt, was Interessantes zu machen.

      Ständig nur am Deeskalieren wegen Bagatellen

  12. Sinngemäss irgendwo mal gelesen, aber genauso erlebt:

    BLer spalten ihr inneres Chaos ab, projizieren es auf den Partner und bekämpfen es dort: Der Partner wird dann für die Fehler des BLers durch diesen vernichtet. Für das, was der BLer dem Partner antut, wird dieser vernichtet.
    Mit BLern kann man keine Konfliktgespräche führen. Sie leben in einer Gefühlswelt, die keine Realität, aber dafür umso mehr Absurdität kennt. Deshalb sind mit rationalen Argumenten oder auch Beweisen die inszenierten Probleme, die der BLer verursacht hat, nicht lösbar. Ein Mensch, der ausschliesslich in seiner (chaotischen) Gefühlswelt lebt, kann man nur auf der Ebene der Emotionen begegnen, niemals über Logik oder gesundem Menschenverstand.

    BLer sind ausschliesslich und in der Regel auf sofortige Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet. Keine ehrliche Empathie, keine Frustrationstoleranz. Selbstreflektion gleich Null.

    1. Hallo Synyster! Das ist Kernberg! Hast du hier gelesen. https://citisite.wordpress.com/borderline-logik-und-projektion/ Man muss halt sehr aufpassen, dass man Borderliner nicht als Monster hinstellt!! Nach allem was ich erlebt habe, ist sehr vieles, (nicht alles) nicht absichtlich, sondern lediglich die Störung selbst. Man weiß das und das führt zum Helfen wollen und in die nächste Runde, weil es u.a. auch schöne Zeiten gibt. Hoffnung, dass sich etwas bessert, ist ein weiterer Antrieb und der gefährlichste von allen, denn dadurch kommt man immer weiter in den Abgrund und ein Sprichwort sagt: „Wenn man zu lange in den Abgrund blickt, blickt er irgendwann zurück“ Mir erging es so. Viele Grüße Gernot

    2. Nicht das Chaos spalten sie ab, das erleben sie als Diffusion ihres Wirklichkeitsumbaus Sekunde für Sekunde vollkommen real, sondern das erkannt Negative und Destruktive in sich spalten sie ab und übertragen es auf den »Partner«, bekämpfen ihre Destruktivität im Anderen, dem sie das Negative unterstellen usw. Deswegen hat man auch keine Chance gegen diesen Irrsinn.

      Sie leugnen nicht die Realität, sie irren sich. Sie befinden sich in einem Irrtum, weil sie die Wirklicheit umbauen mussten, um zu überleben. Daher lügen sie nicht, sie leugnen nicht, sie irren einfach die ganze Zeit. Bis auf diesen Punkt: Das ist ihre Überlebensstrategie, darin irren sie nicht. Dabei haben sie womöglich Zugriff auf ihr Unterbewusstsein (whatever the fack it is), das spätetsens in der letzten prenatalen Phase einsetzt – meist ab dem dritten Schwangerschaftsmonat. Drei Jahre nach der Geburt sollte das Unterbewusstsein abgeschlossen werden und eine Öffnung zur Selbstbildung einsetzen. Kann man bei Kleinkindern vorm Spiegel beobachten. Das ist jetzt ganz dünn, was ich schreibe, das habe ich mir zusammengedengelt. Denn ich hatte durchweg den Eindruck: „Ich rede von Dingen, die begreift ein dreijähriges Kind schon, aber dieser Erwachsene nicht?“

      Es ist eine traurige Sache. Deswegen habe ich vermutlich Mitleid mit Liebe verwechselt…

      1. Ja, ihre Wirklichkeit ist ein Konstrukt. Sie passen ihre Wirklichkeit je nach Situation an. Dies kann innert Sekunden ändern und schon gilt das eben vermittelte im nächsten Augenblick nicht mehr. Dies wird nun vehement verteidigt und sämtliche Argumente, die unsere Wirklichkeit beweisen werden ignoriert.
        Aus dieser Sicht betrachtet irren sie. Meine Ex hat aber auch sehr bewusst gelogen und dies nicht mal besonders geschickt. Es ging ihr einzig darum, zu verletzen. Dies hat sie auch so deklariert. Sie fühlt sich verletzt und muss deswegen zurück verletzen. Dazu war jedes Mittel recht. Bereut hat sie dieses bewusste Verletzen und Lügen nie, als ob es ein Zwang wäre, ferngesteuert.

        Es sind diese zwei Gesichter, das herzensgute, kindliche, verletzliche und das boshafte, teuflische, die innert kurzer Zeit wechselnd auf den Partner projiziert werden. Gut/Schlecht, Schwarz/Weiss.

        Es passiert vieles sehr bewusst, davon bin ich überzeugt. Sie übernehmen keine Verantwortung für ihr Handeln.
        Mein Mitleid hält sich daher schwer in Grenzen, zu stark die Verletzungen. Als mitschuldiges Opfer will ich mich aber auch nicht mehr sehen, weil ich nie in dieses Borderline-Wahnsinns-Drama hereingeraten wäre, hätte ich zu Beginn eine Ahnung gehabt, was mich erwartet.
        Wer sich freiwillig in den Wirbelsturm begibt, kennt seine Gefahren. Der BLer hingegen zeigt sich zu Beginn aber als wohlriechendes, zartes Lüftchen, welches einem wohlwollend direkt ins Herz weht.

    1. Hallo Altras,

      lieben Dank für deinen Kommentar.

      Ich möchte der Klarheit wegen ergänzen, dass (auch) deine Darstellung keine Generalisierung ist und sein kann. Ich weiß unter welchen Bedingungen Borderliner zu Maßnahmen greifen, wie du sie in der Kurzbeschreibung darstellst. Und ja: DAS STIMMT!

      Borderline-Frauen schreien z. B. laut „Er vergewaltigt mich!“, dabei ist der Mann zärtlich wie immer. Andere setzen Gerüchte in die Welt, zerstören z. B. das Arbeitsverhältnis des Partners, verleumden und diffamieren. Ich hörte auch von einem Fall, in welchem der Borderliner sich selbst verletzt hat, danach die Polizei verständigt und behauptet hat, er wäre geschlagen worden. Es gibt Borderliner, die es sehr genießen, das Süppchen zu würzen und zuzusehen, wie andere Menschen aufgrund ihrer Machenschaften leiden.

      Diese Bosheiten geschehen u. a. dann, wenn der Borderliner den Partner oder einst geliebte Menschen als Feind oder „dunkel“ wahrnimmt, auch wenn real und faktisch davon nichts wahr ist, dies quasi nur die Einbildung des Borderliners ist.

      Dennoch, und es ist mir wichtig es klar herauszustellen, muss dies nicht immer und alternativlos so geschehen. Wie ich in meinem Artikel schrieb, gibt es auch gemäßigtere Borderliner, sowie in den therapeutischen Einrichtungen eher weibliche Borderliner, in der Forensik jedoch eher männliche Borderliner zu finden sind.

      Lieber Gruß,

      Tanja

      1. Hallo Tanja

        Erschreckend bleibt, dass inzwischen sogar mehr Ex-Partner als BLer selber in Therapie sind. Ist weiter auch nicht verwunderlich, da es ja auch rein mathematisch mehr Ex-Partner als BLer selber geben muss. Da gleichzeitig immer mehr Menschen mit gestörter Persönlichkeit rumlaufen und zudem die nachhaltige Erfolgsquote bei den wenigen therapieeinsichtigen BLern nicht allzu gross ist, gibt auch nicht gerade ein zuversichtlicheres Zukunftsbild ab.
        Unsere Gesellschaft mutiert langsam.

      2. Liebe Tanja Braid,

        ich durchforste seit zwei Jahren das (deutsche) Internet zum Thema Borderline, weil mir irgendwann dämmerte, dass meine Beziehung so nicht normal sein und es nicht nur an mir liegen kann. Weitere Details möchte ich hier ersparen. Ich selbst bin auch seit zwei Jahren in einer Gesprächstherapie, weil ich viele Dinge aus meiner Kindheit aufarbeiten muss. Auch hierzu erspare ich mir Details. Ich möchte Ihnen einfach nur schreiben, dass ich bisher ganz wenig Vergleichbares zu Ihrem Borderline-Blog gefunden habe. Sie schreiben sehr sensibel, einfühlsam und trotzdem prägnant, eindringlich, klar und plastisch. Ich fühle mich durch Ihre Analyse sehr mitgenommen, sie hilft mir. Einen wichtigen Aspekt Ihrer Analyse finde ich, dass ich nicht nur das Opfer sein kann, das durch seine Persönlichkeitsstruktur in diese Beziehung geraten ist und daher insofern selbst Schuld bin. Sie sagen, dass jeder auch charakterfeste Mensch in so einen Strudel geraten kann, quasi wie ein „Verkehrsunfall“ (ungewöhnlicher, aber treffender sinnbildlicher Vergleiche). Ich danke Ihnen dafür!

        1. Hallo Matthias,

          lieben Dank für deinen Kommentar, der mich sehr freut. 🙂

          Es ist obiger Artikel im gewissen Sinne auch mein (persönlicher) Blick auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung, dies insbesondere, wenn ich Hypothesen oder eigene Überlegungen anstelle, die ich im Artikel aber klar als solche kennzeichnete …

          Das heißt, dass die Codependency-Theorie meiner Erfahrung nach in gewissen Fällen stimmen kann, aber nicht zwangsläufig immer stimmen muss. Ich denke, es gibt durchaus eine gewisse Persönlichkeitsstruktur, die länger bei einem Borderline-Menschen bleiben kann/will, als andere Persönlichkeitsstrukturen, doch pauschal von einer Art Destination auszugehen, ist mir zu simpel …

          In deinem Fall – und das rate ich vielen, die mich um Hilfe bitten – kannst du dich fragen, wie du in der Beziehung agiert hättest, wenn du schon von Anfang an klar gewusst und begriffen hättest, was Borderline ist und worauf du dich einlässt. Natürlich wissen viele Borderliner um ihre Störung und kommunizieren diese auch, doch viele wissen darum nicht. Auch ist ein Partner nicht (gleich) vollständig im Bilde, nur weil der Borderliner seine eigene Störung zur Sprache bringt. Wichtiger, als Eigenerklärungen des Borderlineres zu seiner Thematik, ist m. E. nach unabhängiges (objektives) Wissen, es sei denn, der BL ist wirklich objektiv-selbstreflektiert …

          Auch kannst du dich fragen, wie die Beziehung verlaufen wäre, wenn du diese mit einer normalen Partnerin, einer NICHT-Borderlinerin, verlebt hättest. WER wärest du jetzt? Wie wärest du jetzt?

          So wie ein destruktiver Partner „Schaden anrichten“ kann, kann ein stabiler, beziehungsfähiger Partner sehr viel Gutes bewirken. Kann Kraft, Liebe, Wärme spenden und Heimat bieten – somit ein Millieu, in welchem Liebe die Seele nicht vergiftet, sondern nährt und erhebt. Wenn das dein Beziehungsideal trifft, bist du m. E. kein „mitschuldiges“ Beziehungsopfer, sondern lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen – um es in aller Kürze auszudrücken. Menschen verlieben sich immer wieder in falsche Partner, dies erleben u. a. schon Teenager in der Schule, und nach dem ersten Liebeskummer wissen sie es: Er/Sie war der/die Falsche! Wer sich in einen Borderliner verliebt, erlebt natürlich mehr als nur Liebeskummer, sondern eine Art seelische Zersetzung, doch passiert ist ihm im Grunde dasselbe: Er hat sich lediglich in die falsche Person verliebt, bzw. in eine ÄUSSERST falsche Person. Ihm dafür eine „Grundschuld“ zu attestieren, ist mir, wie erwähnt, zu billig.
          Dies könnte ich noch vertiefen und mannigfaltig auffächern, aber als Kommentar hier soll es genügen.

          Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!

          Tanja

  13. Ich werde zu diesem Artikel via Mail sehr oft gebeten, darzulegen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, den Borderliner/die Borderlinerin zu verlassen.

    Dazu plane ich einen weiteren Artikel, jedoch kann ich hier in aller Kürze Folgendes empfehlen:

    Der Zeitpunkt, den Borderliner zu verlassen, ist dann gekommen, wenn

    1. Die eigenen Grenzen trotz klarem Zeigen dieser wiederholt übertreten worden sind
    2. Lügen, Untreue und Unehrlichkeit ans Tageslicht kommen, auch Verleumdung und Diffamierung
    3. Andere Nebenpartner (trotz Treueschwüre) auftauchen
    4. Emotionale Gewalt stattfindet oder stattgefunden hat
    5. Körperliche Gewalt stattfindet oder stattgefunden hat
    6. Der Partner das Gefühl hat, nicht er selbst sein zu dürfen

    Die Beziehung sollte m. E. nach sofort und KOMPROMISSLOS beendet werden, wenn ein Punkt oder mehrere dieser 6 Punkte auftauchen.

    Ob die Beziehung noch zu retten ist, auch wenn der Borderliner eine Therapie macht? Das ist eine weitere Frage, die mir immer wieder gestellt wird.

    Wenn KEINER von obigen sechs Punkten in der Beziehung stattgefunden hat, kann die Beziehung meiner Einschätzung nach „probiert“ und/oder „gewagt“ werden, insbesondere, wenn der Borderliner in eine Therapie geht.

    Sollte aber der Partner einen Punkt oder mehrere Punkte aus obigen sechs schon sehr gut kennen, ist die Beziehung im Grunde schon vorbei, da kaputt.

    Aufgrund intensiver Liebesgefühle seitens des Partners wird leider häufig nach dem letzten Hoffnungsschimmer, nach dem letzten Strohhalm gegriffen, nämlich Therapie von seiten des Borderliners. Die Idee oder Hoffnung ist häufig, dass ein Therapeut den Borderliner „beziehungsfähig“ machen soll. Und hier gilt es, inne zu halten und nachzudenken: Wird der Borderliner dadurch beziehungsfähig werden? Ja, nein, vielleicht?

    Ich denke, in erster Linie wird er lernen, mit sich selber klar zu kommen – wenn überhaupt. Doch dessen ungeachtet ist die Beziehung augenblicklich schon „kaputt“ (wenn ein Punkt oder mehrere aus der Liste gegeben sind).

    Weiters: Wie auch immer sich der Borderliner (mit oder ohne Therapie) entwickeln wird, ist ungewiss, aber warum soll er den Partner in der aktuellen Beziehung länger schädigen (können), weil diese krampfhaft aufrecht gehalten wird? Möglicherweise wird der Borderliner „besser“, möglicherweise aber auch „schlechter“. Wer weiß es? Und wie lange wird es dauern? Möglicherweise wird er andere Partner „plagen“ und/oder „quälen“ oder aber beglücken, doch hier (in der aktuellen Beziehung) ist die Suppe gelöffelt, der Käse gegessen. Nochmals: Die Beziehung ist VORBEI, der Zeitpunkt zur Trennung gekommen, sobald einer oder mehrere Punkte in obiger Liste vorfallen oder vorgefallen sind.

    Lieber Gruß,

    Tanja

    1. Liebe Tanja, dass sind sehr gute Hinweise! Ich kenne alle 6 Punkte bestens, selbst erlebt. Dennoch sind nicht die Punkte das Ende, ob es Sinn macht weiter zu machen, denn man kann verzeihen. Das tat ich auch immer, trug ihr nichts nach. Reboot, schwer, aber machbar. Vielmehr bleibt die Thematik, dass sich trotz Therapie kaum was ändert. Meine geliebte Freundin war jahrelang in Therapie, schon vor meiner Zeit sogar. Therapeuten haben das Ziel ihren Schützling über den Berg zu bringen (Suizidialität,…) und Identifikation mit dem Klienten ist dann erstes Gebot, gepaart von der Welt der Realität des Borderliners. Ohne den Partner in der Therapie, ohne Dritten, ist es unmöglich einen Borderliner zu heilen, wenn überhaupt, denn was ist real? Das kann man nur mit Referenzpunkten ergründen. Gilt natürlich nur für meine Erfahrung. Beste Grüße Gernot

      1. Hallo Gernot,

        danke für deine Sichtweise. 🙂 Es freut mich sehr, zu erfahren, wie du das erlebt hast.

        In einem Punkt möchte ich aber widersprechen. Es ist KEIN Partner notwendig, um einen Borderlier zu „heilen“, der in Therapie ist, denn es begeben sich ja auch Borderliner in Therapien, die keinen Partner haben, und auch diese können OHNE Partner Fortschritte erzielen.

        Auch ist „Verzeihen“ für mich hier eine unnötige Prolongation und weitere (Selbst-)Quälerei des Unausweichlichen: Nämlich die Trennung, die auch seitens des Borderlineres eingeleitet werden kann, wenn er einen anderen (für ihn besseren) Partner findet. Wie erwähnt, es gibt mildere Fälle, in welchen die Beziehung gelingen kann. Borderliner, die mehr in Richtung (nur) Emotions-Regulationsstörung gehen und bei Krisen (nur) zur Selbstverletzung neigen, müssen ihre Partner nicht zwangsläufig ruinieren oder schädigen. Solange sie nicht fremdgehen und/oder die Grenzen des Partners permanent übertreten, kann es m. E. gelingen, doch das Gelingen kann nur ohne obige sechs Punkte stattfinden. Eine Beziehung lebt nicht von Mildtätigkeit und wiederholtem Verzeihen, sondern von Respekt, Loyalität und liebevolle Wärme, die beidseitig (und auf stabile, zuverlässige Weise) in die Beziehung eingebracht wird.

        Ich selbst würde übrigens eine Beziehung auch mit einem NICHT-Borderliner beenden, wenn nur ein einziger Punkt, nehmen wir „Das Auftauchen von Nebenpartnern trotz Treueschwüre“, auftauchen würde. (Macht ja keinen Sinn!) 😉

        Trotzdem Danke für deinen Erfahrungswert. 🙂

        Herzlichst,

        Tanja

      2. Hallo Gernot, ich habe auch die Befürchtung, dass eine Therapie ohne den Partner vergebens ist. Meine langjährige Freundin, aller Wahrscheinlichkeit nach BL, ist seit kurzem in Therapie und dort wird wohl nur an der Oberfläche gekratzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihre Therapeutin alles aufgetischt bekommt. Und wie kann die Therapeutin BL diagnostizieren, wenn sie möglicherweise nicht einmal von den Suizid-Drohungen mir und anderen gegenüber weiß?
        Ich bin zwar kein Psychologe und habe vielleicht auch deshalb so lange gebraucht, die Dynamik meiner Beziehung zu verstehen, die mir manchmal geradezu surreal erscheint. Aber dennoch, auch ein Psychologe, respektive Therapeut, ohne BL-Erfahrungen, glaubt eventuell einen wirklich bedauernswerten Fall, dem das Leben über zugespielt hat, vor sich zu haben. Deshalb mache ich mir leider nicht allzu viel Hoffnung, dass diese Therapie in irgendeiner Form meiner Freundin und letztlich unserer Beziehung helfen wird. Wahrscheinlich muss erst beim BL Betroffenen der Groschen von allein fallen, zumal sie ja auch nicht gerade freundlich auf so eine Diagnose reagieren und vielleicht auch gar nicht wegen ihrer Störung reagieren können. Es ist schon verzwickt! An dieser Stelle, möchte ich mich noch recht herzlich bei dir, liebe Tanja, bedanken. Auch mir hat dein Artikel die Augen geöffnet, denn er ist kurz und prägnant! Viele anderen Bücher oder Artikel sind mit zu vielen Informationen überladen, in denen man sich verlieren kann und oft bleibt man dann mit dem Gefühl zurück, dass der potentielle Bl-er dann wohl doch kein Bl hat, da ja nicht alle aufgeführten Punkt zutreffen und man dann die Schuld wieder bei sich sucht. Schöne Grüße, Alexander

        1. Hallo Alexander,

          lieben Dank für deinen Kommentar und dein Feedback zu dem Artikel. 🙂

          Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!

          Lieber Gruß, Tanja

  14. Liebe Tanja, ja da hast du sicher recht. Nur die volle Tragweite der Störung kommt erst in einer Liebesbeziehung zum Vorschein. D.h. wenn kein Partner da ist, dann auch eine verminderte Symptomatik in der Therapie und wie erfolgreich die dann ist…Ich denke mir nur, wenn einer der sechs Punkte passiert ist und dann es keinen Sinn mehr macht weiterzumachen. Dann endet es nach dem ersten Durchgang, keine zweite Chance, denn das passiert mit Sicherheit. Vielen Dank für deine Antwort! Viele Grüße Gernot

    1. Ja. 🙂

      Wenn ich dich richtig verstehe, dann endet es nach dem ersten Duchgang, und das finde ich gut und richtig – wenn einer oder mehrere Punkte aus genannten sechs stattfinden.

      Du selbst hast kommentiert, dass du alle sechs Punkte erfahren hast: Emotionale Gewalt, körperliche Gewalt, Diffamierung, Unehrlichkeit, Lügen, Respektlosigkeit, Fremdgehen (Auftauchen von Nebenpartnern), Überschreiten der eigenen Grenzen und du selbst hast du auch nicht sein können.

      Ich weiß, dass Liebe/Verliebtheit häufig zu einer Art blinden Solidarität führt, die vieles oder alles entschuldigen und verzeihen möchte, doch der Maßstab ist hier in dem Artikel/Thema nicht der Borderliner, sondern der Partner. Aus diesem Grund, zum Wohle des Partners, plädiere ich entschieden dafür, dass die Beziehung beendet wird, sobald einer von obigen sechs Punkten auftritt.

      Ich habe auch großes Mitgefühl mit dir, dass du das alles SÄMTLICH mit dir machen hast lassen, ohne Adieu zu sagen oder ein dezidiertes Nein dazu auszusprechen. Manchmal ist ein klares NEIN zu jemanden nichts weiter als ein klares JA zu sich selbst. Ich weiß, die Hoffnung stirbt zuletzt und immer wieder wird propagiert, dass Liebe alles heilen kann, aber das ist unrichtig. Je länger eine Beziehung zu einem (destruktiven) Borderliner dauert, umso größer sind die Schädigungen danach und umso schwerer wird es, die Beziehung zu beenden.

      Auch braucht es für eine gesunde Beziehung zwei „ganze Menschen“ und nicht „einen halben“ und „einen ganzen“. Wenn zwei Eimer ungleich viel mit Wasser befüllt sind und zusammen fließen, wird ein Eimer mehr und der andere weniger. Wenn zwei Eimer mit gleich viel Wasser befüllt sind und zusammen fließen, wird dadurch niemand weniger! (Darum geht es.)

      Herzlichst,

      Tanja

      1. Einige dieser 6 Punkte wird man auch in normalen Beziehungen erfahren. Unehrlichkeit, manchmal respektloseres Verhalten, Lügen, das gibt es auch da und wir alle haben Fehler. Ich denke nicht, dass etwas keine zweite Chance verdient, denke sogar, dass ist der Schlüssel zu einer langen intakten Beziehung. Verzeihen ist eine Tugend, wenn auch nicht eine der größten. In meinem Fall war es bestimmt keine Verliebtheit mehr, dazu war die Zeit zu lange, es kann auch sein, dass intermittierende Verstärkung eine Art Abhängigkeit geschaffen hat, ja alles oft gelesen, tausendmal hinterfragt und am Ende weiß man nichts so genau. Ich denke es ist ein Fehler einen Borderliner zu verteufeln, man muss halt wissen, dass es ein Löwenkäfig ist, das weiß man leider vorher nicht und man muss dann selber entscheiden, ob man ihn ein zweites Mal betritt. Ich habe sehr wohl Grenzen aufgezeigt, sonst hätte sie mich ja nicht verlassen, nur irgendwann nach den vielen Versuchen mit sämtlichen Varianten bin ich nicht mehr zurück, wäre ja sinnlos gewesen. Liebe kann nicht alles heilen, dass ist die richtige Konsequenz, war aber auch nicht mein Antrieb sie zu heilen, eigentlich nur zu begleiten als Partner. Aber ich hätte mir nie verziehen, ohne alles zu versuchen, sie im Stich zu lassen. Letztendlich liebte ich sie. Der Mensch hinter dieser Störung ist sehr liebenswert und ich wünsche ihr das Allerbeste, denn ihre Qualen würde von uns keiner haben wollen, das sollte man immer im Hinterkopf haben. Aber es stimmt, in den meisten Fällen ist es hoffnungslos und man sollte auf sich selbst aufpassen, das ist die Quintessenz! Entscheiden, mit dem Wissen dieses Blogs muss es letztendlich jeder selber. Hier steht ja überall, dass es ein Löwenkäfig ist! Vielen Dank für dein Mitgefühl! Viele Grüße Gernot

  15. Ein Beitrag, der mir die Augen geöffnet hat. Ich weiß nun, dass sie nicht anders kann, ebenfalls nach Liebe sucht, diese aber dauerhaft nicht zuzulassen in der Lage ist und zusätzlich in einer komplett anderen Gefühlswelt lebt. Danke dafür!
    Zu wissen, dass es nie funktioniert hätte, ist tröstlich gerade.

    Vor mehr als zwei Jahren lernte ich eine Borderlinerin kennen und vieles von dem, was hier beschrieben wurde, erlebte ich ebenfalls.
    Die harmonischen Zeiten waren immer nur sehr kurz. Und damit auch die jeweilige Beziehungsdauer. Was u.a. daran lag, dass ich mir vieles einfach nicht gefallen ließ und dann immer wieder die Beziehung beendete.

    Nur konnte ich mich nicht auf eine neue Partnerin einlassen, nach kurzer Zeit des Verknalltseins, war die BL in zurück in meinem Kopf, die unendlicher Sehnsucht nach ihr wurde täglich stärker. Und dann kamen wir wieder zusammen. Immer wieder..

    Was leider auch bedeutet, dass ich bei den anderen Partnerinnen viel verbrannte Erde hinterließ.
    Vor einem Monat hab ich dann erneut einen Schlussstrich gezogen, um nun durch einen extremen Trennungsschmerz zu gehen. Ohne mich aber gleich der Nächsten zuzuwenden.
    Ein wenig fühlt es sich an, als ob ich hier eine Abhängigkeit, eine Sucht bekämpfe.
    Die Sehnsucht nach ihr ist extrem. Ich hoffe, das zu überstehen und nicht wieder rückfällig zu werden.
    Glücklicherweise hat sie sich diesmal komplett von mir abgewandt. Sie hat mein Schlussmachen als starke Kränkung empfunden und lehnt nun jeden Kontakt ab. Möge das so bleiben, bis ich stabil genug bin, ihr nicht wieder die Tür zu öffnen..

  16. Hallo zusammen, ich bin fassungslos und mir werden das 1. Mal die Augen geöffnet, dass ich (jetzt46) wohl mit einer BLerin (jetzt47) zusammen war.

    Wir sind seit knapp 10 Monaten getrennt. Ich habe bei Ihr gewohnt, sie wollte dies auch ziemlich schnell (sie ist wohlhabend) und die ersten Monate waren das Beste was ich jemals erleben durfte.

    Sie hat mich auch nach der Trennung von meiner Ex Frau (2 Kinder bereits) total und umfänglich unterstützt. Sie war für mich Die Liebe meines Lebens und wir kannten uns schon aus der Arbeit, hier fand ich sie aber sonst immer zum k…..!
    Das habe ich Ihr dann auch mitgeteilt in der „Idealisierungsphase“ Sie hat das alles verstanden etc. Wir haben sehr viel gemeinsam unternommen, guten Sex gehabt, sie war mein „Lieblingsmensch“, dies hat sie erfunden für mich dieses Wort.
    Nach knapp 1 Jahr ging es aber los, als ich mehr oder weniger bei Ihr gewohnt habe. Diese Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz war unfassbar. Wenn ich mal nicht „Sofort“ geschrieben habe, war sie gereizt und hat sich dann wieder nicht (auch nur stundenweise) gemeldet. Sie wollte stets wissen wo ich bin. So ging es weiter.
    Bitte verlasse mich nicht hat sie oft gesagt. Wir haben Nie gestritten, aber ich konnte Ihren Gesprächen manchmal nicht mehr folgen, da ich nicht wusste, was sie eigentlich von mir will. Und eines Tages plötzlich von jetzt auf dann, letztes Jahr im April: Die 1. grössere Diskussion: Abbruch, ich wurde Überall geblockt (Whats App, soziale Medien etc.), meine Dinge aus dem Haus zu meinem besten Freund gebracht. Das Türschloss umgehend ausgewechselt, weil es Ihr nicht schnell genug ging.

    Unsere gemeinsamen Dinge welche wir finanziell angeschafft haben darüber wurde nicht geredet . Das meist gehörte Zitat ist/war: Ich Muss mit Dir nicht reden……Es gibt nichts mehr zu bereden.

    Mein Kleines Kind hat sie aber weiterhin kontaktiert (diese hat auch temporär bei uns gewohnt). Muss erwähnen , dass sie auch keine Kinder bekommen konnte, hat dies aber mit meiner Tochter sehr gut gemacht.
    Auf der Arbeit (sie ist in einer höheren Position als Ich )geht sie mir aus dem Weg, schaut weg , grüßt nicht etc. und später im Oktober hat sie mir eine haltlose Beschwerde um die Ohren gehauen, welche ich natürlich „entkräften“ konnte.
    Dies beschäftigt mich aber immer noch. Ich bin selbst in einer Führungsposition und bin extremer Sportler (früher auch professionell ). Ich habe immer noch Schlafprobleme, verstehe die Welt nicht etc. Trennung kann ja passieren, aber sooo geht man doch nicht miteinander um, oder???
    So geht es immer noch weiter. Man will nicht reden. Sie ist sooo etwas von kalt und kühl. Ihr Freunde (2 Stück sonst nicht mehr), die sogenannten „Engel“ haben mich auch sofort überall geblockt und gehen mir ebenfalls auf der Arbeit aus dem Weg. Ich weiss gar nicht was hier los ist.
    Ich habe denen Nichts getan und wir haben uns (dachte ich) stets gut verstanden beruflich und dann, durch sie später privat. Ich laufe seit Monaten von einem Psychologen zum andern, privater Mentalcoach, soziale Beratung, Mediationstherapie, Hypnose, privater Coach und letztendlich seit 2 Wochen einen Psychotherapeuten, welcher mir das 1. mal die Augen geöffnet hat, dass ich mit einer BLerin zusammen war und mich in diese verliebt habe. Somit bin ich auch auf diese Seiten gestossen und bin darüber sehr dankbar. Gerne Tausch ich mich weiterhin aus. Vielen Dank für Eure Rückmeldungen und weitern infos.

  17. Hallo an alle,
    vor etwas über einem Jahr habe ich meine seit kurzem Freundin kennen gelernt. Sie schrieb mich an ,als ich auf der Suche nach einer neuen Partnerin war. Am Anfang war alles toll und super, bis Sie wieder in die Klinik musste….Ziemlich schnell schrieb Sie mir das Sie mich liebt,was ich auch tat, vielmehr war ich verschossen in Sie. Als Sie in der Klinik war kam es immer öfters zu Streitereien zwischen Ihr und mir. Das wurde dann so schlimm das Sie eines Tages den Kontakt abbrach , da sie ja eine andere gefunden hatte mit der sie nun zusammen war. Bis dato waren wir kein Paar sondern sehr interessiert aneinander und wollten uns nach der Klinik erst treffen um dann über eine Beziehung nachzudenken. Das sich von mir als normale Freundin trennen praktisch ganz aus Ihrem Leben zu streichen, gingt bei Ihr relativ schnell. Wie gesagt Sie hatte ja da eine andere kennen gelernt,die aber nicht aus der Klinik kam. 5 Wochen waren seit Ihrer Abfuhr mir gegenüber vergangen, ich hatte eigentlich im großen und ganze den Absprung geschafft, da schrieb sie mich eines Abends an ,mit den Worten ob ich da wäre und ob sie mir schreiben darf.Ich antwortete ihr natürlich mit, klar kannst Du mir schreiben,und freute mich insgeheim wieder von Ihr zu hören…..
    Sie klagte mir dann Ihr leid wie schlimm doch die andere gewesen wäre und und und…..natürlich tat Sie mir dann Leid,und ich hörte Ihr ab diesem Tag wieder geduldig zu. Irgendwann kam auch das Verliebt sein von meiner Seite aus zurück. Sie sagte Sie brauche Zeit und könne mir nicht sagen wie lange. Das war auch kein Thema für mich ich wollte Sie ja zu nichts drängen. Ich wartete also geduldig…. in der Zeit es waren noch 9 Monat bis zu dem Zeitpunkt wo sie mir verkündete das Sie mich Liebe und eine Beziehung mit mir haben wolle, kam auf einmal die frage ob ich Ihr Geld könne. Klar konnte ich das. Schließlich war ich verknallt und wollte Ihr helfen. Das ging dann soweit, das ich ihr jeden Monat Geld gab……nur das Sie überleben konnte nach ihren angaben. mittlerweile hatten wir uns dann auch real gesehen und dar Tag war sehr schön. Klar war ich diejenige die alles bezahlt hat. Sie kaufte dann in so einem Modeschmuck Geschäft 2 Armbänder mit dem Unendlichkeitszeichen,mit der Aussage ich soll ihr noch ein wenig Zeit geben, aber Sie wüsste nun das sie keine andere mehr außer mich haben wolle. Glücklich fuhr ich von dannen. 3 Wochen später beichtete Sie mir dann das sich die Ex gemeldet hatte und zu ihr zu Besuch kommen wolle. Ich sollte das so hin nehmen. Musste ich da wir ja kein Paar waren. Ich lernte dann die Ex kennen ,die nach einer Woche wieder gegangen war….. danach wurde die Beziehung zu mir noch intensiever. Wir telefonierten sehr oft und wer denkt das man das nicht steigern kann, der irrt. zum Schluss waren wir bis zu 14 Stunden am dauer chatten…..Sie fragte mittlerweile ungehemmt jeden Monat nach Geld obwohl Sie weis das ich sehr wenig habe. Aber ich gab Ihr Geld um Ihr zu Helfen. Am 13.2 2020 Kam ein Päckchen das Sie mit
    Freude schon angekündigt hatte bei mir an. In Diesem Befand Sich ein Plüsch Herz mit den Worten Ich liebe Dich eine kleine Schachtel mit Herzchen schokolade und eine Herz Schneekugel mit einem Bild von uns. Dazu ein sehr kurz gehaltener Brief mit den Worten der Dankbarkeit das ich so lange auf sie gewartet habe und sie nun mit mir zusammen sein wolle. Und …….Das sie mich Liebt. Mittlerweile ist der 9.3.2020 Morgens um 2:53 und ich sitze aleine hier ,weil wir auch nicht unbedingt nahe beieinander Wohnen . Sie in Köln ich in der Nähe von Leipzig. Ich würde Sie gerne öfters besuchen aber Sie hat ja unter der Woche Termine da kann ich natürlich nicht kommen.Und in die Nähe Ziehen geht auch nicht …Ihre Worte das würde sie erdrücken…….mittlerweile weis ich nicht mehr wo mir der Kopf steht, und nachdem ich diesen Block gelesen habe,musste ich mit erschrecken feststellen, das alles genauso ist wie beschrieben. Es Spielen Sich die gleichen Szenen ab. ……Aber wie schaffe ich den Absprung…..
    Ich freue mich Sehr über Tipps und wenn Ihr mir sagen würdet was Ihr davon haltet. Ach so ich vergas. Seit vorgestern Schreibt Sie wieder mit einer ihrer Ex Beziehungen…..
    Liebe Grüße
    Birgit

  18. Liebe Tanja,

    ich danke Dir für diesen deutlichen und schonungslosen Artikel!
    Ich habe vor ca. 2 Wochen mit Entsetzen und kurz danach großer Erleichterung festgestellt, dass ich über 4 Jahre lang wohl in eine „klassischen“ Borderline-Beziehung verstrickt war.

    Das Entsetzen rührte einerseits daher, dass ich durch meinen Beruf eigentlich ein recht fundiertes Wissen über BPS habe, besonders aber daher, dass meine Ex-Partnerin, durch eine Selbstcharakterisierung hinsichtlich ihres Beziehungsverhaltens, vor fast 5 Jahren bereits das angekündigt hatte, was mich in einer Beziehung mit ihr erwarten würde…. Dumerweise hat das in mir keinen Fluchtreflex, sondern ein Retter-Syndrom aktiviert. Entscheidend dafür war wohl einerseits meine eigene Prägung, aber auch ihre Aussage, dass sie nach ihrer „Offenbarung“ riesige Angst habe, dass ich mich nun von ihr abwenden würde.

    Die folgende Symbiose/Idealisierungsphase zum Beginn der Beziehung hat mich dann wohl jeglichen Blick auf die Realität verlieren lassen und irgendwann habe ich quasi alles hingenommen, inklusive fast der ganzen „Schuld“ am Scheitern der Beziehung.

    Die Erleichterung war dann, dass ich endlich konkrete und verblüffend einfache Antworten auf meine Fragen, „warum sie so ist, wie sie ist“ gefunden habe. Dein Artikel hat da jetzt noch einige Komponenten hinzugefügt, die das Bild runder und den Haufen Steine, die von meiner Seele gefallen sind, größer gemacht hat.

    Zurück bleibt das Gefühl, mehrere Jahre mit einem Wesen verbracht zu haben, das ich gar nicht wirklich gekannt habe, dem ich erschreckend viel von mir preisgegeben habe und dem ich mittlerweile überhaupt nicht mehr vetraue, auch nur halbwegs verantwortungsvoll damit umzugehen. Ich fühle mich „missbraucht“, „hinters Licht geführt“ und augewrungen…. Wissend, dass ich selber sehr viel dazu beigetragen habe, dass das mit mir passieren konnte…

    Liebe Grüße
    Klaus

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