Kundalini und das Nervensystem

Fragen und Antworten – Kundalini und das Nervensystem

M. schreibt am 11.11.2017:

Ich muss dich nochmal mit was anderem nerven (Du bist meine einzige Ansprechpartnerin bei dem Thema) 🙂 Kannst du lokalisieren, wo sich deine Kundalini gerade aufhält? Ich dachte zuerst, bei mir wäre es schon am Dritten Auge, weil es immer wieder stark gekribbelt hat. Als ich mich aber auf Kundalini konzentrierte, hat es mir quasi gefühlt den Rücken versengt, als würde meine Haut brennen und letztendlich war ein enormer Druck an meinem Schulterbereich zu spüren.

Ich antwortete:

Hallo M. Was du erlebst, ist normal. Keine Sorge. Du fühlst die Energie über den ganzen Rücken bis hoch zu den Schultern. Das ist nicht ungewöhnlich. Klassischerweise steigt Kundalini beim ersten Erwachen vom Steißbein hoch bis ins Gehirn. Sie verwendet dabei die Nervenstränge in der Wirbelsäule. Druck und Hitze sind da normal. Das kann auch schmerzhaft sein. Aber egal, in welcher Phase du dich im Kundaliniprozess befindest, immer gilt: Wenn du dich darauf konzentrierst, wird es noch intensiver. Das erklärt sich daraus, weil du die Energie mental fütterst. (Gedanken = Energie). Bekannter ist der Ausspruch: Energie folgt der Aufmerksamkeit. Über diesen Satz sollte man unbedingt einmal länger meditieren oder sich kontemplativ damit befassen, denn er ist meiner Meinung nach ein energetisch-spirituelles Gesetz, das in jedem Bewusstseinszustand (Alltag, Traum …) gilt. Jetzt, da ich das schreibe, nicken vielleicht viele. Ja, stimmt, denkt sich vielleicht mancher, klickt weiter und vergisst es. Doch ich halte es für wichtig, diesen Satz auf dieselbe Weise zu verinnerlichen, wie ein Naturgesetz. Der Apfel fällt vom Baum. Es wirkt die Gravitation. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Es wirkt das Bewusstsein. (Und dieses ist das Ordnungsprinzip von Energie.)

In der Literatur heißt es, dass Kundalini die Wirbelsäule hochsteigt und sich dabei kühlend anfühlen soll, ansonsten stimmt etwas nicht. Ebenso heißt es, dass Kundalini in einem jahrelangen Prozess aufsteigt und irgendwann wieder absteigt.
Ich kann das – empirisch – nicht bestätigen, möchte es aber nicht kategorisch ausschließen.
Dr. Joachim Reinelt, Autor von „Das große Kundalinibuch“, beschreibt auf Seite neun sein erstes Erwachen wie folgt:

„Nach einigen Minuten der immer tiefer werdenden Meditation hatte ich plötzlich das Gefühl, als ob mir ein langer, glühend heißer Stab von oben in den Hinterkopf und langsam weiter nach unten durch die Wirbelsäule gestoßen würde. Ein unvorstellbarer Schmerz erfüllte mich, so dass ich aufschreien musste. Dieser Stab, den ich seltsamerweise nicht als Fremdkörper, sondern als zu mir gehörig beziehungsweise mir vertraut empfand, war jedoch nicht nur heiß, sondern auch unerträglich hell. Wie flüssiges Feuer strömte seine feinstoffliche Substanz von oben nach unten.“

Joachim Reinelt widerlegt mit seiner Erfahrung also die tradierte Vorstellung, dass Kundalini beim ersten Erwachen immer und zwangsläufig von unten nach oben fließen muss. Bei ihm kehrte sich die Flussrichtung um. Die Energie drang in seinen Hinterkopf (Kleinhirn, Cerebellum) ein und floss langsam „wie ein glühend heißer Stab“ die Wirbelsäule hinunter.

Kundalini und das Nervensystem

Kundalini fließt primär im Nervensystem, ferner auch in den Meridianen (Nadis). Ich habe im Artikel „Was ist Kundalini“ ein Bild verlinkt, das die sog. Cauda Equina zeigt, ein Nervenbündel unter dem Steißbein, das die Energie für gewöhnlich beim ersten Aufstieg nutzt.
Das Nervensystem hängt direkt mit dem Gehirn zusammen. An der Brücke (lat. Pons, ein Teil des Gehirns), schließt sich das verlängerte Mark und dann das Rückenmark an. Vom Gehirn werden über das Nervensystem Impulse in den Körper gesandt, damit wir atmen, das Herz regelmäßig klopft, damit die Organe funktionieren, damit wir sprechen, reden, uns bewegen können … Parasympathikus und Sympathikus sind hier zu nennen. 
Ich denke, es ist für jeden Kundalini-Erweckten sinnvoll, sich einmal ein Bild vom Nervensystem und der Funktionsweise zu machen, damit man sich nicht immer fragen muss: Häh, warum spür ich jetzt da was …? In meinem Hintern? In den Zehen? Geschlechtsorganen? Und ist es richtig so?
Kundalini ist in der indischen Literatur oft mythisch dargestellt, eingekleidet in Weisheit und Göttlichkeit. Das ist sehr schön, aber es beantwortet keine Detailfragen. Doch wer sich einmal das Nervensystem genauer angesehen hat, wird sich nie wieder fragen müssen, warum die Energie jetzt gerade da fließt, wo sie fließt. Es ist einfach: Überall, wo Nerven sind, kann Kundalini fließen. Jederzeit. (Auch auf den Nadis = feinstoffliche Energieleitbahnen.)

Kundalini Nervensytem Nerven

Bild: Männliches Nervensystem, Rückansicht.
Bildlizenz: Istockfoto.com, Stock-Fotografie-ID:451819137

Ich selbst spüre sie sehr oft von den Füßen aufwärts, auch rückseitig unter den Schulterblättern, ebenso links und rechts neben der Wirbelsäule, auch an den Fingerspitzen, im Gesäß, am Hals … Bei mir steigt sie auch bauchseitig hoch, was sich sehr angenehm anfühlt. Sehr oft ist auch nur die linke oder rechte Körperhälfte beteiligt, linker Kopf, linker Bauchraum, linkes Auge … Oder rechter Fuß, rechte Hüfte, rechtes Ohr …
Ob und wann Kundalini das Gehirn erreicht und dort zur Entfaltung kommt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Das kann gleich, später oder immer wieder einmal passieren. Doch niemand ist sofort ein besserer Mensch, gar ein Heiliger, nur weil Kundalini krachend und sprühend über das Kronenchakra hinausschießt. Es kann eine ekstatische, sehr starke Einheitserfahrung sein, die wunderbar ist, und von diesem Hoch kann man lange zehren, doch irgendwann flaut auch das wieder ab … Und Ungeduld ist sinnlos. Wir haben Kundalini. Es ist eine zusätzliche, kosmische Energie, die uns Schlaf und Essen ersetzen kann und uns langsam transformiert. Der Lichtnahrungsprozess, wie im großartigen und investigativen Film „Am Anfang war das Licht“, könnte ebenfalls dahingehend betrachtet und mit Kundalini in Verbindung gebracht werden …
Wir haben das Glück, uns darum – um „Erleuchtung“ – nicht bemühen zu müssen. Nichts dafür tun zu müssen. Alles geschieht von alleine. Daher: Wer wie ein Pferd mit dem Huf scharrt, nach dem Motto „Warum geschieht denn jetzt nichts Besonderes? Wann bin ich denn mal erleuchtet? Und bedeutet es jetzt mal was Tolles, dass ich da was spüre …?“ wird nicht schneller vorwärtskommen, als lehnte er sich zurück und genösse das Leben.
Am besten ist es, der Energie nicht im Weg zu stehen. Sie tut ohnehin was sie will und wann sie will, und nicht weil man will. Die Energie kann man natürlich durch Kundalini-Yoga und Meditation anfachen und verstärken. Das ist jederzeit möglich. Doch egal, was man praktiziert und warum man übt, letztlich ist es für jeden Menschen, mit oder ohne Kundalini, mit oder ohne Siddhis (= Paranormale Kräfte), am wichtigsten, ein ethisches Leben zu führen. Alles andere ist m. E. zweitrangig.

Ein Gesamtinhaltsverzeichnis aller Artikel, viele Erfahrungsberichte, Interviews, Forschung, Hilfe, Wissenswertes, Aktuelles sowie Literaturempfehlungen findest du hier.

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Copyright: © Tanja Braid | www.neoterisches-bewusstsein.com

Geboren 1978 – Bloggerin | Beraterin zu spirituellen Themen | Kundalini | Neoterikerin | Herausgeberin von Neoterisches Bewusstsein – Moderne Spiritualität

6 thoughts on “Kundalini und das Nervensystem”

  1. Liebe Tanja,
    es zeichnet ein ganz tollen Text aus deinen Fingerkuppen die Natürlichkeit des Seins und es lädt mich geniesserisch dazu ein, in Meditation zu verfallen. Wie des öfteren schon bei deinen Texten!
    Auf dem Weg meines „Projektes“ geht es gut voran, notabene es auch meine Partnerin Ancilla betrifft und dies zu gutem Teil. Habe Ordnung und Orientierung gekriegt zuhauf von dir und deinem Blog und zusammen mit meinem Wissen konnte ich ein kleines Detail für mich regeln und Vertrauen dazu tanken.
    Mit dem gewonnenen Verständnis, die vorher als lächerlichen bis traurigen Vorkommnissen wahrgenommenen Situationen in der neu erhaltenen Sichtweise, durchaus auch seine logische Ordnung fand. So ausgestattet kann ich korrigierend steuern um dann meinen Wünschen, Bedürfnissen und Pflichten den gewissen Schweregrad zu gewähren um wahrgenommen zu werden bei Ancilla. Ebenso, mit ihrem Einverständnis und weil ich auch nicht umhin komm arbeiten wir an ihrem niederen Empathievermögen in der Absicht es empfindlicher zu machen.
    Genau etwa in diesem Stadium einer Entwicklung schlägt sie dann jeweils zu die „Kraft“ die mir so bis anhin bekannt war und in kultivierten Kreisen der Zivilisation sich u.a. Kundalini nennt.
    Nach ersten emotionalen Höhenflüge ob der Erhellung, den sich daraus ergebenden Bestätigungen und Befriedigung meiner Geduld meldet sich die Müdigkeit, die Hitze und die ersten Schmerzen herbei. Allgemein ähnlich der Grippeanzeichen aber doch anders -mehr fluktuierend und nicht fieberig. Nun im Wissen um kundalinische Kräfte richtete ich in freudiger Vorahnung auf das was folgend kam. Nicht ganz unerwartet betraf es meinen Solar Plexus da in vielen vorangehenden Anläufe sich die Kundalinikraft bisher vergeblich daran abmühte. Mehrmals hatte sie sich schon aus dem Bauch vernehmen lassen in der Vergangenheit, jedoch von mir aus fehlender Kenntnis falsch eingesetzt und so mir Schmerzen bereitet. Zudem sind die Gedanken entscheidend, wie du im Artikel auch schön erwähnst die die Energie an die richtige Stelle führt und sie wirken lässt so ich sie auch aufbauend einsetzen kann. Richte ich meine Aufmerksamkeit statt auf traditionelle Grippebehandlung mehr auf den Bereich unterhalb des Solar Plexus erfühlt sich plötzlich eine Ordnung dieser bis daher unstrukturierter Kraft. Als Metapher eignet sich die Schlange gut! In bewegenden, tanzenden und schwingenden schlangenhaften Bewegungen meines SP versuch ich nun seit zwei/drei Tagen herauszufinden was denn meine Kundalini fördert um sich da durch den SP zu schaffen. Schlängelnde Fliessbewegungen sind eh Sache der Natur und auch Kundalini reagiert sehr gut auf solche Bewegungen. Um ihr die Arbeit zu erleichtern überlasse ich den Bauch, resp.das dazugehörende Chakra der Kundalini zu freifliessender Bewegung um ihr zu ermöglichen einen natürlich gegebenen Weg zu gehen, sich durch den SP zu schaffen und einmal dann, meine einigermassen akzeptable Pole oben und unten zu verbinden.
    Dazu, und das ist keine Überraschung, geht es mir vor allem körperlich so Scheisse, nun schon eine Woche lang, die Schlange faucht mir aus dem Rachen und Ancilla beklagt auch „Grippe“- mit Aufwachtendenz. Gesellt sich Arbeit in Form von Weihnachtskeksen einige hundert Kilos dazu, ist alles wiederum mal passend um „Spass“ zu haben.
    Entscheidend ist jedoch die Freude daran zu finden es voranzubringen um laufend auch wieder das Energielevel aufzufüllen -nicht das die Aufmerksamkeit auszutrocknen droht.

    Liebe Grüsse -Stedi

    ** Wen es dir hilft und Verwendung findest, um zwischen den geplanten Buchdeckel Inhalt zu werden, so schenke ich dir den Text dazu**

    1. Lieber Stedi,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Sehr viel Information! 😉 Ich wünsche dir und Ancilla das Allerbeste und hoffe, dass ihr beide in eure Mitte kommt und genesen werdet.

      Für mein Buchprojekt plane ich, Kundalini-Erfahrungen zu veröffentlichen. Unklar ist, ob du noch eine Erfahrung einsenden willst oder ob du den Kommentar als Erfahrung verstehst. In beiden Fällen bräuchte ich jedoch noch – per Mail bitte – dein Alter und wann bei dir Kundalini erwacht ist. 🙂 Deinen Beruf kenne ich ja mittlerweile. 🙂

      Mit lieben Grüßen,

      Tanja Braid

  2. Liebe Tanja,
    du hast sehr gute Erklärungen und Ausführungen zu diesem Thema gebracht. Danke! Dein Projekt, Erfahrungen zu veröffentlichen.
    Die Aktivierung der Kundalini kann unter den Umständen, dass die Bahnen nicht frei sind, unangenehme bis gefährliche Effekte haben. Ich konnte das selbst bei mir erleben, wo einfach Schmerzen im ganzen Beckenbereich auftauchten. Aber auch den freien Fluss konnte ich schon erleben und das ist eine fantastische Wahrnehmung. (-;
    Alles Liebe!

    1. Lieber Andreas,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Ja, Kundalini kann Schmerzen verursachen. Das stimmt.

      Ich danke dir für das Mitteilen deiner Erfahrung.

      Mit lieben Grüßen,

      Tanja Braid

  3. Wie immer sehr klar und auch für den Laien verständlich geschrieben. Ich glaube, so, wie man hier im Westen Kundalini erlebt, kann man ohnehin kaum von Erfahrungen aus Indien, etc. zehren. Jedenfalls nicht, wenn man nicht deren Lebensweise in seine eigene integriert. Ich habe weder jemals Yoga praktiziert, noch stark meditiert. Vielleicht hätten mir diese beiden Dinge in manchen Bereichen geholfen, Kundalini besser zu verstehen. Aber stattdessen bin ich auf deinen Blog gestossen vor einiger Zeit und das Verständnis für den Kundalini-Prozess hat sich mitunter vorrangig durch deine Artikel zu prägen begonnen. Ich verstehe es immer noch nicht gänzlich. Aber um ein Vielfaches mehr als zuvor, dank dir, liebe Tanja. Weshalb dieser Blog auch mein nicht-verklärtes Nachschlagewerk in Sachen Kundalini geworden ist.

    1. Liebe Mexi,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Ja, Kundalini ist natürlich auch immer mysteriös, ganz egal, wie viel Mühe ich mir gebe – und es vor mir schon viele anderen taten.

      Mit lieben Grüßen,

      Tanja

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