Wann soll man mit Psychedelika aufhören?

Es gibt einen gewissen Zeitpunkt, an dem man aufhören sollte, Psychedelika zu konsumieren. Diesen Zeitpunkt sollte man erkennen können. 
 
Wann soll man mit Psychedelika aufhörenTimothy Leary (1920 – 1996), Alan Watts (1915 – 1973) und Aldous Huxley (1894 – 1963) waren Freunde. Alle drei hatten eindringliche Erfahrungen mit psychoaktiven Substanzen, wobei Timothy Leary und Alan Watts die Welt auf LSD „erkannten“, Aldous Huxley mit Meskalin.
 
Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass Timothy Leary einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft hat, wie sie sich heute zeigt. Er war z. B. Ideengeber der Serie „Raumschiff Enterprise“; die Produzenten und Gene Roddenberry beriefen sich auf ihn, und die Serie wurde weltweit zu einem großen Erfolg und wird bis heute als „Star Trek“ fortgeführt. Topoi/Motive sind/waren u. a. „die Förderation“, „Sternenkriege“, „Warp-Antrieb“, „Holodeck“ , „Kontakt mit verschiedenen außerirdischen Zivilisationen“, „Beamen“ und das aufklappbare Funkgerät, das wiederum Vorlage für die ersten Handys in den Neunziger Jahren war.
LSD-Freunde erklären sich diese Motive (auf tiefere Ebene) meist von alleine, sowie sich der Film „Interstellar“ vielen, die Psychedelika konsumiert haben, anders als einem normalen Kinobesucher offenbaren mag … Hier sei festgehalten, dass es zwar Popkultur ist, dennoch nicht von ungefähr kommt.
Produzent, Drehbuchautor und Regisseur George Lucas schuf lange vor Star Wars, nämlich im Jahr 1971, einen Film mit dem Titel „THX 1138“. Das Thema des Films stand im Zusammenhang mit der damals weit verbreiteten Furcht vor dem Identitätsverlust des Einzelnen in einer zunehmend technisierten und zentralistischen Gesellschaft. Als Umgebung spielt er in einer dystopisch gedachten Technokratie. Der Film wirft zudem die zeitlose Frage nach dem freien Willen eines Menschen auf … 
Die Hauptrolle spielte Robert Duvall. Dystopien gab es später viele, auch Aldous Huxley hat mit „Brave new World“, „Schöne neue Welt“ seinen Beitrag geleistet, doch die Dystopie von George Lucas aus 1971 mit dem Titel „THX 1138“ geht Psychedelikern i. d. R. anders an die Nieren, als Nicht-Psychedelikern. Ich werde später darauf zurückkommen, was dieser Umstand damit zu tun hat, wann es Zeit ist, mit Psychedelika aufzuhören.
 
Timothy Leary hat meines Wissens nach nie aufgehört, Psychedelika zu konsumieren. Alan Watts dagegen schon. Von ihm stammt der Ausspruch: „If you get the message, hang up the phone. For psychedelic drugs are simply instruments, like microscopes, telescopes, and telephones. The biologist does not sit with eye permanently glued to the microscope; he goes away and works on what he has seen.”
 
Zu deutsch: „Wenn Sie die Nachricht erhalten, legen Sie den Hörer auf. Denn Psychedelika sind einfach Instrumente wie Mikroskope, Teleskope und Telefone. Der Biologe sitzt nicht mit fest am Mikroskop festgeklebtem Auge; er geht weg und arbeitet an dem, was er gesehen hat.“
 
Aldous Huxley wiederum hatte schon alleine über seine Literatur einen großen Einfluss auf die Gesellschaft, ferner auf „The Doors“, denn es war sein Buch mit dem Titel „The Doors of Perception“, das den Bandnamen „The Doors“ prägte, deren Sänger Jim Morrison gewesen war. Auch prägte Aldous Huxley den Begriff „psychedelisch“. 
 
Terence McKenna wiederum war der Botschafter schlechthin. Es gibt m. E. keinen, der auf derart intelligente, weise, brillante und inspirierende Weise von Psychedelika berichten konnte, wie er. 
Und doch hat es Terence McKenna meines Erachtens nach verabsäumt, den „Hörer aufzulegen“, wie es Alan Watts vorgeschlagen und getan hat.
Ein ganzes Leben lang hat Terence McKenna geforscht und durchaus gelitten. Psychedelische Erfahrungen, insbesondere Erfahrungen mit Pilzen, können derart intensiv sein, dass sich danach Krisen einstellen können. Terence McKenna litt in der Mitte seines Lebens z. B. an einer großen, existentiellen Krise. Wenige Jahre vor seinem Tod hatte er eine äußerst negative Pilzerfahrung, die nicht verschwiegen werden sollte. Natürlich war darüber sein ganzes Lebenswerk infrage gestellt.
Eine über Psychedelika induzierte Krise ist weniger eine endogene oder exogene Depression, wiewohl die Unterscheidung hier heikel ist … Verkürzt kann ich es so darstellen, dass über psychoaktive Substanzen Einsichten und Wahrheiten erfahren werden können, die einen so massiven Impact auf das eigene Leben haben, dass ein Weiterleben danach wie ein „dummer Witz“ oder „ein Scherz“ ist, auf dass alles Menschliche wie ein „So-Tun-Als-Ob“ wird, während im Inneren größte Verzweiflung herrscht.
Menschen, die das erfahren, sind nicht zu den Menschen hinzuzurechnen, die eine Depression mit einem klassischen Morgentief erfahren, nicht zu denen, die Traumata erfahren haben … Eher vulnerable Menschen suchen/brauchen die Gruppe, die Peer-Group, die Familie, die Freundschaft, die Mutter oder sie brauchen und buchen stattdessen die Astrologie, Esoterik, Lebenshilfe und andere Angebote aus Selbsterfahrung usw. … Sie brauchen die anderen um irgendwann herauszufinden, wer sie selber sind, wenngleich auch das stets eine veränderliche Wahrheit ist, die mit dem Tod und einer weiteren Inkarnation neutralisiert wird …
Die Freieren pfeifen drauf, doch sie tragen aufgrund ihrer Stärke irgendwann die ganze Welt auf den Schultern, ohne, dass dies psychologisch, philosophisch oder essayistisch je thematisiert worden wäre …
Vielleicht war Jesus ein Aufschneider, der über das Wasser gegangen ist und seine Fähigkeiten der ganzen Welt gezeigt hat. Vielleicht war er wirklich das „Lamm Gottes“. Menschen, die über Psychedelika Einsichten erlangen, (er-)tragen manchmal eben dies: „Das ist mein Fleisch, das ist mein Blut …“ Sie zahlen mit ihren Erfahrungen auf ein Konto ein, das die ganze Menschheit betrifft – so gewagt es jetzt auch klingen mag. (Einige wenige wissen natürlich, wovon ich spreche.)
 
Diese Erfahrung machte Terence McKenna und möglicherweise hat es ihn zerstört und letztlich dennoch befreit, weil anzunehmen ist, dass er aus dem „Miniatur-Universum“, wie wir es kennen und post mortem erfahren haben/werden, ausgeschieden ist und er sich im „Freien Universum“ befindet.
 
Wann also ist es Zeit aufzuhören? Früher, als es Terence McKenna getan hat! Wie Alan Watts gesagt hat: „If you get the message, hang up the phone.“
 
Das heißt:
 
  1. Sollten sich auf Psychedelika – egal durch welche Substanz – mehr und mehr dystopische Inhalte einstellen, Inhalte, die weit über eine bunt-fröhliche Enterprise-Expedition hinausgehen, sollte man aufhören, bevor das Wissen unerträglich wird.
  2. Sollten sich auf Psychedelika – egal durch welche Substanz – leichte Lebens- und Sinnkrisen einstellen, sollte man (sofort) aufhören. Ich betone „leichte“, denn die Krisen werden über ein Mehr an Wahrheit nicht „leichter“, sondern noch schwerer. Und Psychedelika offenbaren stets mehr, niemals weniger.
  3. Sollte sich auf Psychedelika – egal durch welche Substanz – leichte Entfremdung einstellen, eben weil man „es“ jetzt weiß, sollte man aufhören, andernfalls wird die Entfremdung (unter Garantie!) noch größer.
Wer die viel zitierte Drogenpsychose erleidet, wer mit irgendeiner Erfahrung warum auch immer nicht umgehen kann, wer schon auf niedrigen Dosen Panikattacken oder andere Zustände erlebt, muss akzeptieren, dass diese Substanzen ihm schaden, dass dieser Weg für ihn nicht der richtige Weg ist. Er darf auf keinen Fall weitermachen oder sich mit falschem Heldenmut noch mehr zumuten.
 
Ich sage es daher nochmals mit Alan Watts: „Wenn Sie die Nachricht erhalten, legen Sie den Hörer auf. Denn Psychedelika sind einfach Instrumente wie Mikroskope, Teleskope und Telefone. Der Biologe sitzt nicht mit fest am Mikroskop festgeklebtem Auge; er geht weg und arbeitet an dem, was er gesehen hat.“
 
Wer Einsichten und tiefe Erfahrungen, die er mittels Psychedelika erlebt hat, in die Welt zu bringen vermag, sei es über Literatur, Filme oder Philosophie, tut sich selbst und der Menschheit das Beste, was es in dieser Causa gibt. So tat es Alan Watts. 
Wer hartgesotten und wagemutig ist, legt den Hörer nicht auf, sondern macht weiter. So tat es Terence McKenna und es ist wahrscheinlich, dass er gelitten hat, wie es kein Mensch je sollte. Trotzdem ist er dadurch frei geworden.

Wer dumm ist, verpasst sich eine Drogenpsychose nach der anderen. Wer dumm ist, erkennt seine Grenzen nicht. Für diese Menschen sind Psychedelika nicht geeignet.

In neuerer Rezeption stehen „The Joe Rogen Experience“, weiters „Peter Hedron“ mit „434“, „Your Mate Tom“ und „Psyched Substance“. Ansonsten kann natürlich jeder auf Albert Hofmann, Timothy Leary, Terence McKenna, Stanislav Grof zurückgreifen.

Wie oft soll man konsumieren?

Um psychische Störungen wie HPPD (Die Hallucinogen Persisting Perception Disorder (HPPD; fortbestehende Wahrnehmungsstörung nach Halluzinogengebrauch)  oder DR/DP (Derealisation und Depersonalisation) zu vermeiden, sollte generell nie öfter als 4 bis 5 Mal im Jahr konsumiert werden. Es können diese psychischen Störungen nach Drogenkonsum psychisch äußerst belastend sein, auch wenn sie sich in den meisten Fällen von selber innerhalb von 6 Wochen bis 1 Jahr zurückbilden. Trotzdem kann in dieser Zeit ein normales Leben verunmöglicht sein.
Wer öfter oder mit verschiedenen Substanzen konsumiert, kann sich ernsthaft schaden.

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Ein Gedanke zu „Wann soll man mit Psychedelika aufhören?“

  1. Großartige Artikel die du schreibst Tanja!So ehrlich, so geradeaus, so wahr!

    Das Beeindruckendste was ich dazu bisher im Internet finden durfte!

    Weiter so!

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