Wut durch Fehlanpassung: Bist du ein People Pleaser?

Kennst du es?

Wut Fehlanpassung People Pleaser„Nett“ ist dein zweiter Vorname.
Aggressivität kommt in deiner Persönlichkeit (einfach) nicht vor.
Menschen mögen dich, weil du lieb und angenehm bist.
Als Kind hast du deinen Eltern so gut wie nie Probleme gemacht.
Natürlich bist du auch in der Schule nie auffällig gewesen.
Du bist hilfsbereit und hast immer ein Ohr für andere.
Die Erwartungen anderer zu enttäuschen kannst du schwer bis gar nicht verkraften.
Anzuecken kennst du nicht.
So manche Mittagspause arbeitest du durch, ohne dem Chef darüber Bescheid zu sagen.

Selbst deine dringendsten und wichtigsten (persönlichen) Anliegen verpackst du für andere in leicht konsumierbare Häppchen: „Wenn es wirklich keine Umstände macht und wenn ich darf, dann möchte ich …“
Es fällt dir äußerst schwer, direkt zu sagen, was du möchtest, auch wenn es sehr wichtig für dich ist.

Noch schwerer fällt es dir, für dich selbst einzustehen oder (gesunde) Aggression zu zeigen. Du kennst dieses Gefühl einfach nicht – oder wenn, dann nur aus intensiv-diffusen Träumen, in welchen du andere Wesen/Menschen nicht ohrfeigen kannst, auch wenn du es willst, in welchen du sie nicht beschimpfen kannst, auch wenn du es willst, in welchen du einen derart großen psychischen Gegendruck erfährst, wann auch immer du dich wehren oder behaupten möchtest. Es geht einfach nicht.

Bist du ein People Pleaser?

Wenn du dich beim Lesen des obigen Absatzes wieder erkennst, bis du wahrscheinlich ein People Pleaser, d. h. jemand, der anderen Leuten auch dann gefallen möchte, wenn er sich selbst dabei (auf-)opfert. I. d. R. schätzen dich echte und wahre Freunde, doch viele übersehen, überhören und übergehen dich.

Wie immer, wenn eine gewisse Symptomatik besteht, gibt es viele Antworten (aus Psychologie, Kultur, Soziologie etc.) darauf, warum diese entstanden sein könnte. Doch abgesehen davon, ob die Eltern ev. gleichgültig, emotional kühl oder nicht greifbar gewesen waren, ob in einer langjährigen Partnerschaft emotionaler Missbrauch stattgefunden hat, ob Introvertiertheit und Schüchternheit (soziale Angst) besteht oder ob nichts dergleichen zu detektieren ist, die Kindheit bunt und positiv war, aber ev. das Gesellschaftssystem und die Lebensanforderungen zu einer Fehlanpassung geführt haben, äußerst sich das People-Pleaser-Syndrom i. d. R. durch vage aber latent vorhandene Scham- und Schuldgefühle sowie durch verdeckte oder verdrängte Wut.

Unbewusste Wut

Die unbewusste Wut sorgt für gewöhnlich dafür, dass die Person sich irgendwie permanent unwohl, bzw. „nicht richtig fühlt“. Sie fühlt sich nicht richtig wohl, wird u. a. leicht verlegen, vieles ist ihr peinlich, auch Fremdscham taucht in der Biographie immer wieder auf … Die Hemmung, aus der Familie, dem Klassenverbund, dem Arbeitskollegium, dem Verein, der Ehe, dem Freundeskreis, dem „Normalen“, wie auch immer herauszustechen, ist immens.
Die unbewusste Wut weiß aber noch keinen Finger drauf zu legen. Der Zustand des Soseins wird mit einigem Unbehagen als gegeben und normal hingenommen.

Wenn in der zweiten Lebenshälfte jedoch eine Rückschau gelingt, zeigen sich häufig die (vielen) Fehlanpassungen, sowie das ungelebte eigene Leben. Dann erst wird klar, in welchem Ausmaß die Selbstverleugnung stattgefunden hat, vom braven Schulkind bis hin zur tadellosen Ehefrau, zum tadellosen Studenten, Familienvater usw. Die vielen Jahre, wertvolle Lebenszeit, wurden den Erwartungen der Eltern geopfert, den Erwartungen der Lehrer, den Erwartungen des Ehepartners oder der eigenen Kinder, vielleicht auch den Forderungen des Arbeitsmarktes und/oder diversen Selbstindoktrinationen von „Was ist ein guter Mensch?“, „Was ist ein erfolgreicher Mensch?“, „Was ist ein liebenswerter Mensch?“ usw. … Auch eigene (Fehl-)Überzeugungen und Denkhaltungen können das eigentliche Leben (des eigentlichen Wesens) verunmöglichen.

Wenn die Wut bewusst wird

Sowie die Wut bewusst wird, ist ein Schritt zur Heilung getan. Damit wird klar, was über einen längeren Zeitraum im Außen geschehen ist, auf dass sich ein freundlicher People Pleaser entwickeln konnte.
Die Wut auf Personen, die die Vergangenheit beeinflusst haben, kann übermächtig werden. Sei es die Wut auf die eigenen Eltern, Autoritätspersonen, auf alle Menschen und Strukturen, die Macht hatten/haben … So mache(r) gerät in unbändigen Zorn, wenn er sich an alle, die sie/ihn subtil oder direkt missbraucht und hintergangen haben, erinnert.
Manches mag auch einer gewissen „Lebensheuchelei“ geschuldet sein. Ein Leben, das mehr ein „Als-ob“ gewesen war, um den Neid der Nachbarn oder die Zustimmung der Eltern zu erhalten … Doch irgendwann haben die Nachbarn das Haus verkauft, sind die Eltern gestorben. Irgendwann fällt die Notwendigkeit eines „Als-obs“ weg …

Wenn all das bewusst wird, bildet sich zumeist Wut aus, sowie der Verlust über die vielen Jahre eines ungelebten „Ichs“ Kummer verursachen kann.
Doch in diesem Prozess, der Wochen, Monate, vielleicht auch wenige Jahre dauern kann, findet das Ich über die Wut erst spät wieder zurück zu sich selbst. D. h, dass all das, was die Person anderen Menschen vorwirft, sie sich selbst immer noch antut: Denn sie versagt sich selbst (immer noch) die gebührende Achtung vor sich selbst.

Wut als Energieschub

Wer durch die Wut hindurchgeht, entzaubert sie auch. Die Wut ist per se nicht negativ, sondern letztlich nur ein Signal an die Persönlichkeit. Sie weist darauf hin, dass wichtige Bedürfnisse zu lange verleugnet worden sind.
I. d. R. zeigt die Wut vor allem auf das Bedürfnis, sich mitzuteilen oder auszudrücken. All die Kreativität, deren Entfaltung ev. aus Angst, zurückgewiesen oder verletzt zu werden, nicht gelebt wurde, findet durch die aufkeimende Wut einen neuen Weg. Die Wut kann bei jemandem, der eher zur (Welt-)Flucht in Passivität und Hoffnungslosigkeit neigte, zu Standhaftigkeit, Willenskraft und Kampfgeist führen. Dieser Energieschub (über die Wut) ermöglicht es, das Schicksal (wieder) selbst zu gestalten.

Trotz und Widerstand

Vielleicht kann der eine oder andere völlig zu Recht behaupten, dass das eigene Leben vermutlich anders/besser gelaufen wäre, wenn andere Menschen (Eltern, Lehrer, Freunde, das soziale Umfeld etc.) anders gewesen wären oder wenn gewisse Menschen niemals auf der Bühne des eigenen Lebens erschienen wären. Und obwohl dies alles bekannt ist, vielleicht sogar Frieden damit geschlossen worden ist, Lektionen gelernt worden sind und vieles auch (innerlich) verjährt ist, bereitet es nach wie vor große Schwierigkeiten, die (gesunden) Aggressionen verbal auszudrücken. Insbesondere People Pleaser schämen sich dieser Aggressivität zutiefst.

Befreiungsschlag für People Pleaser

Sich deutlichst bewusst zu machen, dass man sich selbst genau das antut, was man anderen Menschen oder der Außenwelt vorwirft, kann ein weiterer Befreiungsschlag sein. Es mag für den einen oder anderen gewiss zutreffen, dass sich andere Menschen (wiederholt) achtlos, respektlos und rücksichtslos verhalten haben. Doch ebenso trifft es vor allem für People Pleaser zu, dass sie sich selbst achtlos, rücksichtslos oder respektlos behandelt haben. Diese Erkenntnis kann blitzartig entstehen oder langsam reifen, doch eben dann wird das eigentliche Wesen des Menschen wieder „sichtbar“ – auch für sich selbst. Von da an gilt es, sich selbst unter keinen Umständen mehr und völlig unabhängig von den Erwartungen oder Einflüssen anderer Menschen achtlos, respektlos oder rücksichtslos zu behandeln. Dann wird das Leben wieder leichter, sonniger, positiver, wohliger, heller. Dann verschwindet das Gefühl, sich „nicht richtig“ zu fühlen.

Buchverweis im Text: Maren Lammers: Mit Schuld, Scham und Methode: Ein Selbsthilfebuch – Buchlink

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