Filmrezension Serie: Taboo – Staffel 1

TabooJames Keziah Delaney (Tom Hardy) kehrt nach einem zwölfjährigen Aufenthalt in Afrika zurück ins London des Jahres 1814. Dort will er das Erbe seines mittlerweile verstorbenen Vaters antreten, was mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist, denn James Delaney wird – aufgrund seines zwölfjährigen Ausbleibens – allseits für tot gehalten. Ebenso macht er sich die britische Ostindia Company – eine mächtige Vereinigung von Kaufleuten, die vor allem den Seehandel kontrolliert – zu einem starken Feind, indem er das Erbe seines Vaters nicht an die Company verkauft, sondern sein eigenes Handelsunternehmen gründet …

Taboo, produziert von Steven Knight und Tom Hardy, ist eine Serie von beeindruckender Optik. In jeder Szene wird der Zuseher mitgenommen in ein dreckiges, lautes London von 1814, was eine „historische Tiefenschärfe“ erreicht, wie ich sie so noch nie erlebt/gesehen habe … Sowie der Protagonist Delaney durch die Straßen Londons schreitet, an den Docks steht, ein Haus betritt, sich mit den Dirnen unterhält, hat man das Gefühl, selber dort zu sein … Auch die Soundkulisse überrascht mit nie da gewesenen Akzenten auf jede noch so kleine Handlung und Szene.

Tom Hardy, bekannt aus „Startrek Nemesis“, „Legend“ und „The Revenant“, zeigt uns hier einen Bad Guy mit goldenem Herz. Als düsterer Schamane und Vodoo-Priester kämpft er gegen seine Feinde bis zum Schluss. Hier erinnerte er mich an den ruhigen Held aus „Rollerball“ von 1975: James Caan legte Jonathan E. so ruhig und überlegt an, dass man ihn selbst als Zuseher unterschätzte, bis er schließlich das Endspiel gewinnt, was ein großer dramaturgischer Clou war. Diese Darstellung eines gemessenen, jedoch überaus starken Protagonisten, hat nichts mehr mit der heute üblichen Darstellung gemein, in welcher der Actionheld flapsige Sprüche reißt und jede noch so prekäre Situation ins Lächerliche zieht.

Nein. So ist auch James Delaney still und voller Untiefen. Ein maskulines Tier, das sich vibrierend vor magischer Energie, die er jederzeit und mit unglaublicher Rücksichtslosigkeit anwendet, durch London bewegt. Aus diesem Grund heißt die Serie Taboo, denn Themen wie Vodoo, Halluzination, Inzest, Nigromantie werden hier umrissen, was in der Darstellung jedoch – und das sei hier erwähnt –  nie an die Vielschichtigkeit von Game of Thrones heranreicht, in welcher Verrat und Sadismus an der Tagesordnung sind.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende Emotionalität, die paradoxerweise sehr wohl durch die eine oder andere Träne auf Delaneys Wange angedeutet wird. Der Tod eines Mädchens lässt seltsam unberührt, sowie im weiteren Verlauf der Serie vieles an sich Dramatisches passiert, was einen trotzdem nicht näher interessiert, nicht zuletzt deshalb, da ja ständig neue Pläne, Verwicklungen, Verschwörungen im Gange sind, auf die der Zuschauer gezwungen ist, sich zu konzentrieren.

Diese Verschwörungen jedoch sind intelligent ineinander verwoben. Sowie man denkt, die Ostinida Company zöge nun die Schlinge um Delaneys Hals endgültig zu, überrascht Delaney mit einem weiteren Winkelzug, der mich einfach „nicht schlecht“ oder „sehr gut“ denken ließ. Die Serie bietet also, trotz meiner Kritikpunkte, Unterhaltung auf höchsten Niveau.

Vom Genre lässt sie sich nicht eindeutig zuordnen, denn hier werden Crime und Suspense mit Horror und Historie verknüpft, was in der Mixtur daher salzig, deftig, kühl und spannend ist.

Cirme-Liebhaber kommen allemal auf ihre Kosten, sowie Leute, die historisch interessiert sind und sich ein London des 19. Jahrhunderts ansehen wollen. Ich habe die Optik sehr genossen, sowie Tom Hardys Spiel, der Delaney diese raue, urtümliche und vibrierende Energie verleiht, die in ihrer Unmittelbarkeit so stark ist, dass es keiner Worte mehr bedarf.

Als Rezension habe ich die Serie in den Blog genommen, weil die magischen Praktikten, die Delaney anwendet, hier durchaus nachvollziehbar sind – wenn auch nicht nachahmenswert! Ein strukturiertes Vorgehen erwartet man vergeblich, kein magisches, tägliches Praktizieren um Punkt 20:00 Uhr z. B im stillen Kämmerlein. Nein. Magie ist immer da, Delaney strahlt sie aus und wendet sie an, wann und wo er will.

Kleiner Hinweis: Franka Potente spielt in der Serie ebenfalls mit.

Mein Fazit: Fünf von fünf Sternen. Sehr empfehlenswert.

Screenshots:

Taboo

Taboo, Tom Hardy

Produzent/Regisseur: Steven Knight, Tom Hardy; Jahr: 2017; Episoden: 8 Staffeln; Land: England; Mit: Tom Hardy, Franka Potente; Genre: Drama

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