15 Zeichen, woran man einen Borderliner erkennt

Zeichen Merkmale Borderliner erkennen Hinweis Liebe Beziehung BPSDie Borderline-Persönlichkeitsstörung, kurz BPS, kann im Personenumfeld eben so viel Leid erzeugen, wie die Narzisstische Persönlichkeitsstörung. Beziehungsdynamiken, typische Charakteristika der BPS, Häufigkeit, Heilungsprognosen sowie eigentümliche Beziehungsverläufe zeigte ich im vorangegangen Artikel „Borderline: Leben und Lieben zwischen Himmel und Hölle“ – siehe Artikellink.

Da es für etwaige und potentielle Partner*innen von Borderliner*innen im Sinne der Selbstverantwortung wichtig sein kann, rechtzeitig zu wissen, womit sie es zu tun haben, sind im Folgenden 15 Zeichen dargelegt, woran man einen Borderliner schon in der Kennenlern- oder Beziehungsfrühphase erkennen kann.

Aus Gründen der Lesbarkeit ist von „der Borderliner“ und „der Partner“ die Rede, wobei in beiden Fällen „die Borderlinerin“ und „die Partnerin“ mitgemeint sind. Betrachtet sind hier Zeichen, die sich in beginnenden Mann-Frau-Beziehungen zeigen, nicht aber BPS-typische Muster im Beziehungsgefüge von z. B. Eltern zu Kindern und vice versa oder von Freunden, Kollegen, Verwandten, der Familie.

15 Zeichen, woran man einen Borderliner frühzeitig erkennt

1. Selbstmitleid

Das Selbstmitleid der Borderliner ist legendär. Es ist eines der Hauptmerkmale, an welchem man Borderliner relativ rasch erkennen kann. Die Welt ist (immer!) böse zu ihnen, sehr, sehr böse, wohingegen sie doch lichtvoll, friedlich und ein Segen für die Welt sind. Er ist (immer!) der Arme, der nie etwas dafür kann …
Der Aszendent steht nicht gut? – Böser Aszendent! Der Baum trägt nicht mehr soviel Obst? – Böser Baum. Der Partner hat nicht schnell genug auf eine SMS geantwortet? – Böser Partner. Der Therapeut hat wahr gesprochen? – Böser Therapeut. Die Katze hat neben das Klo gepinkelt? – Böse Katze. Bestimmt tut sie es mit Absicht!
Doch abseits dieser plastisch-exemplarischen Beispiele kommt das Selbstmitleid auch äußerst subtil auf vielfach komplexeren Lebensebenen zum Vorschein, wobei das Schema gleich, die Ausgestaltung jedoch mehr als kunstvoll sein kann. Borderliner können das Bemitleidet-werden-wollen sehr geschickt verpackt an den Partner adressieren, sodass dieser in einer Mischung aus Bezauberung (Frau) und Beschützenwollen (Mann) sich des so armen, vom Leben besonders hart getroffenen Borderliners annimmt, seine Lebensprobleme schultert, seine Finanzen regelt, ihn beschützt wo und wie auch immer er nur kann …
Bis dass der Partner realisiert, dass weder Aszendent, noch Baum, noch Katze wirklich böse sind, sondern dies nur die gefühlte Realität des Borderliners ist, können Wochen/Monate ins Land ziehen.
Borderliner lenken mit dem Selbstmitleid häufig von eigenen Fehlern oder Fehlverhalten ab. Als grobe Faustregel kann gelten, je größer das Selbstmitleid, umso größer das Versagen/Fehlverhalten des Borderliners in eben jener Sache, in welcher er sich gerade bemitleiden lässt.
Das heißt, bezogen auf obige Beispiele, dass der Borderliner z. B. jemanden die Vorfahrt genommen, dieser jemand sich echauffiert hat und der Borderliner seinem Aszendenten die Schuld dafür gibt, dass er den Baum ev. nicht richtig zurückgeschnitten/gepflegt hat, und der Baum deswegen kein Obst mehr trägt, dass der Therapeut vielleicht offen und frei eine Beleidigung zurückgeweisen hat, was den Borderliner ganz arg verletzt und getroffen hat, die Katze deswegen neben das Klo gepinkelt hat, weil der Borderliner die Katzentoilette nicht ordentlich gereinigt hat usw. … Die Welt ist umso böser/schlechter, je mehr der Borderliner an ihr versagt. Das ist i. d. R. die – durchaus komplizierte – Dynamik dahinter, die ebenso gilt, wenn sich das Selbstmitleid in subtilere Bereiche erstreckt.

2. Der Expartner war ein Teufel! Die Expartnerin war eine Hexe!

Eng verknüpft mit dem exzessiv zur Schau getragenem Selbstmitleid ist die Art und Weise, wie Borderliner von Expartnern sprechen. I. d. R. gibt es kaum ein oder kein gutes Wort über diese, sondern nur, wie sehr der Borderliner geliebt und sich in die Beziehung eingebracht, sich aufgeopfert hat, wie viel er gegeben hat, wohingegen der Expartner in höchstem Grade egoistisch, teuflisch, bösartig war, ja, so dämonisch und monströs, dass sich der Borderliner gar das Leben nehmen hätte wollen.
Schock. Der arme Borderliner! Höchstes Mitgefühl für ihn.
Dabei hat er (männlicher Borderliner) z. B. die Kinder pädophil bedrängt, hat sie (weibliche Borderlinerin) die Kinder geschlagen, dabei hat der Borderliner (männlich und weiblich) die Kinder und/oder den Expartner emotional missbraucht, wiederholt mit Suizid gedroht, für die Kinder kaum bis gar nicht adäquat gesorgt, den Expartner mit Stalking und Verleumdung in den Wahnsinn getrieben usw. … (Es handelt sich hier um mögliche Beispiele. Nicht jeder männlicher Borderliner hat eine pädophile Neigung, nicht jede Borderline-Mutter schlägt ihre Kinder.)
Ein weiteres Paradox: Häufig wohnen Borderliner (noch) in der Nähe des Expartners und würden diesen, obwohl sie ihn unverholen verleumden und diffamieren, liebend gerne zurück haben.

3. Symbiose, Magie, Liebe – und der besondere Zauber

Die hohe Empathie des Borderliners kann soweit gehen, dass er in teils übersinnliche Bereiche hinfühlen, hin-kommen kann. Die psychologische Fachliteratur mag oder kann dies unter Dissoziation subsumieren, da sie paranormale und übersinnliche Phänomene gemeinhin nicht kennt/diagnostiziert.
Da jedoch die Feinfühligkeit, die hohe Empathie, die permanente Geste zur Romantik beim Borderline-Mensch mehr als ausgeprägt ist, erleben Partner zu Beginn, in der Idealisierungsphase der Beziehung eine seelische Intensität, die sie so noch nicht erlebt haben. Es ist der Himmel auf Erden. Die Intensität ist zutiefst bereichernd, kippt im positiven Sinne auch ins Übernatürliche, streift Liebe und Magie, reicht hinauf bis zu den hellsten Sternen, generiert Entzücken und den höchsten Zauber … Bis der Partner plötzlich aus dem Elfenbeinturm hinausgefegt wird, gerade so, als müsse eine Spinne vor die Tür gesetzt werden.
Wenn es zu schön ist, um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht wahr.

Die Liebe des Borderliners ist typischerweise bedürftig und kindlich. Die Symbiose entsteht aus Verschmelzung, so wie ein Säugling mit der Mutter verbunden ist. Das ist eigentümlicherweise das niedrige, jedoch intensive Liebesniveau des Borderliners, hat jedoch mit reifer Liebe zwischen zwei erwachsenen Individuen wenig bis kaum etwas zu tun – nichts desto trotz kann es im Liebes-Empfinden eben dadurch – durch die Symbiose – überbordend, stark und tief sein.

Zur besonders hohen Empathie sei noch angemerkt, dass diese wenig reif/erwachsen ist. Ein Borderliner kann äußerstes Mitgefühl für Menschen empfinden, Weltschmerz, kann in Tränen ausbrechen, wenn er Tier- oder Menschenleid sieht, sowie er zu Beginn der Beziehung, in der Idealisierungsphase, das eigentliche Wesen des Partners durchaus erkennt und sich mit diesem symbiotisch verbinden kann/will. Auf dieser Ebene ist die Empathie situativ und temporär sehr hoch.
Dennoch hat er für den eigenen Partner und den Schmerz, den er ihm z. B. durch Respektlosigkeit, wiederholte Treubrüche, durch Entwertung, seelische Grausamkeit usw. zufügt, keine Empathie. Dies hat mit Blameshifting, Manipulation, Abwehr, Projektion sowie mit einer häufig vorhandenen depressiven Neigung zu tun. Aus Sicht des Borderliners hat für das Gelingen einer Beziehung i. d. R. der Partner zu sorgen, und wenn dies nicht gelingt, ist nicht der Borderliner „beziehungs-unfähig“, sondern der Partner sehr, sehr „böse“ – und der Borderliner wieder der Arme. Es gibt keine Empathie in dieser normal-menschlichen Hinsicht.

4. Diskrepanz zwischen Sagen und Tun

Im Kennenlernprozess fühlt es sich seltsam an. Gemischte Gefühle treten auf. Der Kontakt ist faszinierend, großartig, zu schön um wahr zu sein, aber auch seltsam. Dieser Mensch ist so liebenswürdig, so reizend, naiv und harmlos. So zugewandt, so bewusst und überaus intelligent. Der Borderliner spricht z. B. permanent und auf höchstem Niveau von Nähe, Liebe, Vertrauen und Beziehung, aber er ist dennoch darin nicht wirklich präsent, scheinbar nicht erfahren und häufig distanziert. Das, worüber er spricht/philosophiert, kennt er im eigentlichen Begriff nicht/kaum, andernfalls hätte er darin ein Kontinuum – und kein Vakuum. Es gibt also eher Phantasie, Luftschlösser, den besonders erlesenen Traum von der extraordinären Beziehung – als gelebte Realität.

5. Übereilte und intensive Intimität

Gleich nach dem ersten Date kann es zu körperlichen Intimitäten kommen, die völlig übereilt, jedoch emotional und physisch sehr intensiv sein können. Der Borderliner spricht von Seelenpartnerschaft, größter Liebe, unendlicher Verbundenheit, dennoch kann er trotz – und wegen – der intensiven Nähe schon wenige Tage danach wie vom Erdboden verschwunden sein. Hier kann sich das Nähe-Distanz-Problem, das fehlende Vertrauen offenbaren.

Es gibt auch Borderliner, die sich soweit kennen, um zu kommunizieren, dass sie in der Liebe zu Distanz und Nähe fähig sind. Typischerweise erachtet der Borderliner dies als Fähigkeit. Dennoch ist es ein Unvermögen, denn wozu er grundsätzlich nicht fähig ist, ist Stabilität und Kontinuität.

6. Gefühlschaos

Nach wenigen Wochen/Monaten im Kontakt mit dem Borderliner fällt auf, dass die Beziehung stagniert, einbricht, wieder aufflammt, einen weiten Satz nach vorne tut – und wieder stagniert. Es gibt keinen Fahrplan.
Die Liebesgefühle sind hoch dramatisch, intensiv, bald darauf wie nie gewesen, es geht rauf und runter, hin und her … Der Partner weiß nicht, wo ihm Kopf und Herz und Eros stehen, kann nicht einordnen, ob diese Beziehung ernst, tief, gehaltvoll oder doch nur leicht, vorübergehend und/oder abenteuerlich ist.
Es gibt keinen Fahrplan und keine Sicherheit.
Mal ist es, als würde man sich schon ewig kennen, bald darauf ist es, als würde man sich gerade wieder und neu kennenlernen (müssen) und schließlich ist es, als hätte man sich nie gekannt.
Im Schlagertext von Christian Anders heißt es: „Es fährt ein Zug nach nirgendwo, den es gestern noch gar nicht gab.“ In dieser Weise spielt sich „Be-ziehung“ mit einem Borderliner ab. Die Beziehung scheint nie angefangen zu haben, nie gewesen zu sein, dennoch immer zu passieren, ohne Sinn und Ziel.

7. Ist es aus? Oder wie?

Plötzlich ist der Borderliner emotional und/oder physisch weit weg, sowie digital (SMS, What’s App, Social Media …) und analog (Telefon, Treffen …) nicht zu erreichen. Er hat nicht definitiv Schluss gemacht, kein Trennungswort gesprochen, aber es fühlt sich wie Trennung an. Fragen an ihn zum „Status Quo“ werden z. B. mit Schweigen oder Gehässigkeit quittiert, dennoch nicht mit dezidiertem Schlussmachen.
Wiederum höchstes Chaos, der Partner weiß nicht, was los ist und der Borderliner deklariert sich nicht.
Plötzlich, nach Tagen/Wochen, ist er wieder da, und zwar mehr als da: Liebe, Erotik, Nähe – das Gefühlsfeuerwerk wird erneut abgefackelt, wobei der Borderliner über sein gerade noch distanziertes Verhalten nichts zu sagen weiß und jedes Gespräch darüber verweigert.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Borderliner in dieser Zeit zu einem oder zu mehreren Nebenpartnern gegangen ist, bis (auch) bei diesen wieder ein kleines Zerwürfnis, eine leichte Unstimmigkeit aufgetreten ist oder etwas anderes nicht gepasst hat. Die Verletz- und Kränkbarkeit bei Borderlinen ist immens. (Über die ideale Liebe aus Sicht des Borderliners so wie die permanente Suche danach ist im Artikel „Borderline: Leben und Lieben zwischen Himmel und Hölle“ mehr gesagt – siehe Artikellink.)
Aus diesem Grund kommt er plötzlich mit Schwung wieder zurück und „tröstet“ sich über die echte oder vermeintliche Enttäuschung mit anderen Liebesobjekten wieder auf und mit dem Heimatschiff.

8. Idealisierung und Entwertung

Für weibliche Borderliner ist der Partner zu Beginn der Beziehung mehr als ein strahlender Ritter, als ein Retter und Prinz, als Fels in der Brandung, als Seelenpartner und Non Plus Ultra.
Für männliche Borderliner ist die Partnerin zu Beginn die Seelenpartnerin, die Eine, nach der er schon sein ganzes Leben lang gesucht hat, die Frau, bei der er sich endlich einlassen kann und möchte. Die engelgleiche, ätherische, er- und aufregende Frau mit allen Vorzügen und Superlativen des Weiblichen.
Doch bald darauf, Tage, Wochen, Monate später, ist der Ritter ein egoistischer, manipulativer Schurke, der die Borderlinerin nur ausnutzt – auch wenn sie mit seiner Kreditkarte immer noch einkaufen geht.
Für den männlichen Borderliner ist die engelsgleiche Frau plötzlich eine Hexe, die ihn verführt hat und nur seine lichtvolle Seele zerstören wollte, wenngleich er ihre Nummer und ihre Kontaktdaten – für etwaige emotionale Krisen- und Dürrezeiten – immer noch gespeichert hat.

Die große Entwertung, das unbedingte Nein zum Partner, kann aus geringsten Anlässen heraus passieren, hat jedoch seltenst einen, dem Normalverständnis nach, realen Hintergrund. Zumeist geschieht die Entwertung, weil der Borderliner Distanz schaffen möchte, er ein besseres – für ihn idealeres – Liebesobjekt gefunden hat, oder weil er, aufgrund seiner Überempfindlichkeit, mit der realen Person, die er zu Beginn so idealisiert hat, nicht umgehen kann. Er ist von Banalitäten, der individuellen Persönlichkeit und der Realität relativ schnell enttäuscht/abgestoßen.

9. Unerreichbarer Verführer

In Social Media betreiben Borderliner gerne Humankapital-Akquise. Das Kennenlernen kann sich ewig hinziehen, trotz Liebesbekundungen, trotz intensiver Nähe im Schrifttum kommt es zu keinem realen Treffen, alles ist verlangsamt, surreal und doch hoch intensiv und hoch potenziert … Sämtliche Beziehungsphänomene werden schriftlich ausgelebt und durchexerziert: Nähe, Streit, Konflikt, Sexualität, Liebe, Sehnsucht … Dramen. Absurd, wenn dies nicht/nie real geschieht, doch eben dies ist emotionales Kraftfutter für den Borderliner, der in dieser Weise (und unter Garantie) mit vielen Nebenpartnern gleichzeitig zu Gange ist, wobei er jedem grundsätzlich Alles und gleichzeitig Nichts verspricht. Feinheiten und Raffinessen im Wortsinn sowie in der Liebes-, Monogamie- und Treudefinition inklusive.

10. Seltsame Liebesdefinitionen

Über Borderline und Polyamorie (Vielliebe) schrieb ich im Artikel Das Scheinglück in der Polyamorie. Viele Borderliner haben eine starke Affinität zur Polyamorie und der gönnerhaften Liebe. Man könnte sagen, das Konzept der Polyamorie entspricht ihrem Liebes-PH-Wert.
Aufgrund der Nähe-Distanz-Problematik äußern sie „krude“ Liebesdefinitionen, bzw. Liebesansprüche, die dem Normalverständnis nach lächerlich, so wie kaum bis gar nicht erfüllbar sind.
Zuvor genossene Sexualität kann plötzlich ungesund/schmutzig sein, dem Partner stünde fromme Keuschheit doch besser. Eben war das Liebesideal noch „aufregend und sexy“, jetzt ist keusch und asexuell en vogue. Und überhaupt reiche es doch, wenn man sich zweimal im Jahr sähe und begegnen würde, wahre Liebe hält das aus. Immer diese emotional bedürftigen Menschen, also bitte! Wer mit zweimal im Jahr nicht zufrieden ist, ist doch wirklich nicht beziehungsfähig. (Anm.: Ein Borderliner meint das ernst. Zudem ist primär er selbst zutiefst emotional bedürftig, was natürlich verdrängt/projiziert wird. Auch ist er es, der im erwachsenen Sinne definitiv nicht beziehungsfähig ist, wenn auch stets beziehungswillig. Dass prinzipiell jeder Borderliner sich selbst als äußerst beziehungs- und liebesfähig erlebt/bezeichnet, ergibt sich aus ihrer Selbstwahrnehmung, ist jedoch dem Normalverständnis nach „unwahr“. Dies ist die Ursache für generelle Missverständnisse, die zu großem Leid auf Seiten des Partners führen kann, denn wenn der Borderliner von Liebe spricht, meint er die symbiotische Verschmelzung gleich der eines Säuglings mit der Mutter, nicht jedoch jene Liebe, die ein erwachsener Mensch zu fühlen imstande ist. Der Partner wiederum kann nicht verstehen, warum der Borderliner stets (und reichlich) von Liebe spricht und er in seinen eigenen Liebesbedürfnissen nicht gesehen wird, darin permanent Zurückweisung und Missachtung erfährt. Beide benutzen dasselbe Wort, meinen aber etwas anderes.)
Seelenpartnerschaft und bedingungslose Liebe ist für den Borderliner das Mindeste, auch in der Polyamorie. (Dass dies mit Ausschließlichkeit nicht vereinbar ist, macht für den Borderliner solange nichts, solange alle Nebenpartner für ihn stehen wie die Eichen.)

11. Fast Forward: Beziehung im Zeitraffer

Je nach Borderline-Typ kann sich zu Beginn alles zögerlich und langsam, gleichsam mit angezogener Handbremse entwickeln – insofern der Borderliner Angst vor zu großer Nähe oder genügend Nebenpartner hat, oder, im Gegenteil, kann alles im Zeitraffer geschehen: Treffen, Essen, Sex, Schwangerschaft, Heirat – am besten innerhalb eines Tages.
Die Borderlinerin ist dann ein biologisches Wunder, wenn ihre Schwangerschaft nur sieben Monate dauert, dies insbesondere, wenn sie das Kind eines anderen Mannes in die neue Beziehung trägt, dies dem aktuellen Partner aber verschweigt.
Grund für den Zeitraffer ist die unbedingte und schnelle Sicherung der Beziehung, des neuen Partners, Sicherung der Ressource Mensch, Besetzung der Quelle. Wenn es ein Borderliner derart eilig hat, sitzt er meist emotional (schon länger) auf dem Trockenen und hat so ganz und gar niemanden, mit dem er sich verbinden kann – der ihn nährt und liebt und schützt.

12. Androhung von Suizid

Droht der Borderliner warum auch immer mit Suizid, hat es ihn im Liebessinn – gemäß seiner Definition – meist schwer erwischt. Von echter Liebe im erwachsenen Sinn kann kaum bis gar nicht gesprochen werden. Droht er mit oder denkt er an Suizid, ist der aktuelle Partner meist „The Favorite Person“, die Lieblingsperson. Diese Person bedeutet dem Borderliner alles, nämlich soviel, dass er sie über Selbstmorddrohungen zu manipulieren versucht. Ja. Die Ironie ist hier bewusst gesetzt. Er würde nichts Wesentliches für die Person tun um sie zu halten, wird sie weniger um ihrer selbst willen beglücken wollen, aber sie hat jenen Schwellenwert in seinem Herzen erreicht, der ihn in höchste Bedrängnis bringt. Es ist die „kritische Masse“ an Liebesfähigkeit, die die innerseelische Bombe sozusagen zum Platzen bringt.
Daher, weil diese Person ihm – auf diese, seine Weise – soviel bedeutet, muss er sie umso stärker kontrollieren – weil er die Beziehung an sich kontrollieren muss. Also droht er mit Selbstmord, damit die aktuelle Lieblingsperson alles tut, was er möchte – und niemals weggeht. Es geht tendenziell mehr um die Drohung als um die tatsächliche Tat, wenngleich ein Tun letztlich nicht ausgeschlossen ist. (Dass er die Person lediglich sehen und in ihren Bedürfnissen respektieren müsste, sowie ihre grundlegendsten Beziehungsbedürfnisse wie z. B. Sicherheit, Vertrauen, echte Intimität usw. befriedigen müsste, um sie auf eine stabile und gesunde Weise zu binden, kommt in seinem Mindset praktisch nicht vor.)

13. Engel und Teufel, Schwarz und Weiß

Spricht ein Borderliner im ersten Kennenlernen von fernen oder nahen Bekannten/Freunden überwiegend in Extremen, nämlich so, dass der Dating-Partner den Eindruck bekommt, der Borderliner wäre ausschließlich von Freunden oder Feinden, von Engeln oder Teufeln umgeben, ist dies m. E. nach grundsätzlich schon bedenklich, auch wenn es sich um keinen! Borderliner handelt. Doch wahrscheinlich ist es einer. Dies umso mehr, wenn magische Praktiken, Voodoo und Verschwörungstheorien mit aufs Tapet gepackt werden, wobei der Borderliner innerhalb dunkler Machenschaften mehr als einmal verflucht worden ist – und er deshalb die Nächte nicht mehr durchschlafen kann, weil er Panikattacken und Albträume vom Expartner, der schwarzmagischer als schwarzmagisch ist, hat. Überhaupt wäre er im Visier dunkler, dämonischer Mächte, die nur nach seiner lichtvollen Seele gieren, und diesen extremen Kampf fechte er schon sein ganzes Leben lang aus.

14. Wüsteste Beschimpfungen

Nicht alle aber viele Borderliner neigen zu „Verbalfäkalien“, die ihresgleichen suchen. Ein Borderliner kann aus geringstem oder auch eingebildetem Anlass heraus von lieb und harmlos in „pures Gift“ switchen. Die Vulgärsprache sowie die benutzten Schimpfwörter können, je nach Situation, äußerst verletzend oder so übertrieben und haltlos sein, dass außer einem Kopfschütteln mit mehr oder minder großem Amüsement nichts darauf erwidert werden kann. Geschieht eine mit Vulgärsprache geführte Verbalattake seitens des Borderliners, fühlt er sich entweder bedroht, angegriffen, beleidigt, abgelehnt – oder in seiner Psychodynamik verschieben sich die Persönlichkeitsflächen gerade wie Kontinente in der Plattentektonik. Es muss dafür keinen nachvollziehbaren Grund geben, es kann aus heiterem Himmel geschehen.

15. Narben und Schnittwunden auf der Haut

Nicht unterschlagen werden soll, dass Schnittwunden und Narbengewebe auf der Haut ein Indiz für BPS sein kann – aber nicht muss. Selbstverletzendes Verhalten entsteht nicht nur, weil jemand Borderliner ist, es gibt auch andere Gründe, warum Menschen sich selbst verletzen. Dennoch soll es der Vollständigkeit halber angeführt sein. Und: Auch wenn keine Verletzungen sichtbar sind, kann es dennoch ein Borderliner sein.

Nachtrag

Es müssen diese 15 Zeichen nicht im Konglomerat und nicht gleichzeitig auftreten, vermutlich werden drei bis vier Anzeichen im ersten Kennenlernen sichtbar werden. Da die Borderline-Persönlichkeitsstörung äußerst komplex ist und in ihrer Ausprägung variieren kann, reichen die 15 Punkte nicht, um das Gesamtbild zu beschreiben. Ein tieferes Bild ist im Artikel „Borderline: Leben und Lieben zwischen Himmel und Hölle“ gegeben – Artikellink. Die hier beschriebenen Zeichen zeigen typische Verhaltensweisen, die im Einzelfall jedoch nicht gelten mögen.

Der zu errettende Mensch

Wer in einen Borderliner heillos verliebt ist, was aufgrund der ersten Intensität/Begegnung relativ schnell und häufig geschieht, neigt dazu, die Beziehung retten zu wollen, indem er den Borderliner retten möchte. Borderliner drängen den Partner gerne in die Position des Gebenden, desjenigen, der mittels bedingungsloser Liebe die Beziehung am Leben halten soll, wohingegen der Borderliner passiv-schwach darin irgendwie vorkommt, sich zumeist nähren und beschenken lässt. Kommen dazu noch Nähe-und-Distanz-Schwankungen, Manipulationen, Projektionen, krude Liebesdefinitionen und Ansprüche, wie oben erwähnt, hinzu, wird es mehr als problematisch, in der Regel für einen wahrhaftig, auf erwachsener Ebene liebenden Partner äußerst schmerzhaft und leidvoll. Seelische Grausamkeit, körperliche Gewalt oder plötzliche Trennung  trotz intensiver Liebesschwüre – bei einem Borderliner ist alles und nichts möglich, denn Sicherheit gibt es nur auf eines: Unsicherheit.

Die Beziehung erhalten?

Es stellt sich die Frage, wie aussichtsreich die Beziehung (noch) ist, und dies muss jeder für sich selbst beantworten, jedoch kann ein Borderliner nicht vor der Welt und noch weniger vor sich selbst gerettet werden, nicht dahingehend, dass er bei genügend Liebe, Akzeptanz und Wohlwollen ein Partner wird, der eines Tages im erwachsen Sinn lieben und geben kann.

So wie ein Partner – was häufig vorkommt – in die Fehlanpassung und Selbstverleugnung geht, solange er den Borderliner mit immer noch mehr Zuwendung zu heilen sucht, ihm alle Freiheit gibt, ihm jedes Fehlverhalten verzeiht, wird er weder die Beziehung noch den Borderliner „retten“ können. Es ist m. E. weiser, die „Beziehung“ notfalls rasch aufzukündigen und die Verantwortung an den Borderliner zurückzugeben, auf dass dieser – eines Tages und hoffentlich – seine „Menschensucht“ als das erkennt, was sie ist: als eine Sucht.

Wer das falsche Selbst eines Borderliners durch Aufopferung und Liebe permanent bestätigt, rettet den Borderliner m. E. nicht – aber er verliert sich selbst. Und er macht für niemanden etwas besser: Weder für sich selbst noch für den Borderliner.

Verwandte Artikel:

Narzissmus aus spiritueller Sicht – Teil 1
Narzissmus aus spiritueller Sicht – Teil 2
Borderline: Leben und Lieben zwischen Himmel und Hölle
Der Herz-Jesu-Casanova und die wahre Liebe
Woran erkennt man wahre Liebe?
Göttlicher Sex
Das Scheinglück in der Polyamorie

Buchempfehlungen zum Thema:

Jerold J. Kreismann: Ich hasse dich – verlass mich nicht: Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit – Buchlink
Paul Mason: Schluss mit dem Eiertanz: Für Angehörige von Menschen mit Borderline – Buchlink

Hilfe und Beratung:

Beratung Hilfe Mobbing Unterstützung Support Lebenshilfe Tanja Braid Neoterisches BewusstseinDir geht es aktuell nicht gut? Speziell dieser Artikel hat dich hergeführt und beschreibt dein Problem? Oder ein anderes Thema beschäftigt dich? Oder brauchst du noch mehr Informationen und möchtest in Austausch mit mir treten? Dann schreibe mich an: Beratung und Hilfe. Ich antworte in der Regel am selben Tag, in seltenen Fällen am nächsten Tag.

Wenn du der Meinung bist, dass dieser Text auch anderen helfen kann, dann teile ihn in Social Media. Teilen-Buttons untenstehend. 🙂
Hat dir der Artikel gefallen? Dann abonniere doch den Blog! Siehe „Artikel per Mail“, rechte Seitenleiste, oder klick hier, und erfahre, welche Vorteile dir das Abo bringt. 🙂

Teile den Beitrag mit deinen Freunden:

1 thought on “15 Zeichen, woran man einen Borderliner erkennt”

  1. Hi. Toller Blog. Bin selbst seit Jahren in einer Beziehung mit einer „Borderlinerin“.
    Es ist sehr schwer damit umzugehen und frisst einen innerlich auf. Das Einzige was hilft ist, sich so gut es geht schlau zu machen um mit den Symptomen besser umzugehen. Ich drücke jedem hierbei die Daumen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.