7 Irrtümer über Meditation

7 Irrtümer über MeditationIrrtümer über Meditation halten sich seit Bekannt- und Beliebtwerden der Meditationspraxis im Westen relativ stark. So umhüllen Trugschlüsse und Falschannahmen das Thema wie einen mysteriösen Nebel, in welchem Vorstellungen von Ultra-Entspanntsein, Erleuchtung, Wellness, und Wohlfühl-Spiritualität sich wechselweise die Hand reichen.
Im Folgenden kläre ich über Vorurteile und populäre Fehlannahmen auf und zeige, was Meditation nicht ist.

Sieben Irrtümer über Meditation

Irrtum Nr. 1: Nur in der Meditation gibt es völlige Gedankenfreiheit

Viele Meditationsanleitungen lehren, dass zur Meditation Gedankenfreiheit gehört. Man könnte auch von Gedankenabstinenz oder Nichtdenken sprechen. Tatsächlich denkt aber jeder Mensch, der sich den Auftrag „nicht zu denken“ erteilt, eben dies: Er denkt daran, dass er im Moment nicht denken soll. Also denkt er.
Unbewusste und ungezwungene Gedankenleere entsteht z. B. zwischen zwei Musikstücken, zwischen zwei Schluck Wasser, zwischen einem Blickwechsel von A nach B, zwischen zwei Atemzügen … Vielleicht auch im unbewussten oder selbstvergessenen Betrachten einer schönen Landschaft, eines Sonnenaufgangs …
Da der Mensch aber kognitiv ist, mehr noch als Tiere, kann er nicht einfach nicht denken. Vielmehr beobachtet der Meditierende in der Meditation die eigenen Gedanken, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Ebenso erlaubt er sich die Gedanken, doch kehrt er immer wieder zum Meditationsgegenstand zurück. Auch Erfahrene, die langjährig meditieren, haben i. d. R. in der Meditation noch Gedanken. Sie kommen zufällig. Der Geübte jedoch hat mitunter nicht mehr so viele Gedanken oder kann die Zeitspannen zwischen den Gedanken ausdehnen.
Die Vorstellung, sich in den Lotussitz zu begeben und sofort in absolute Gedankenfreiheit zu kommen und zu bleiben, ist letztlich falsch.

Irrtum Nr. 2: Meditation ist völlige Entspannung

Nein. Völlige Entspannung wird z. B. im Autogenen Training gesucht und erlangt. Meditation ist ein äußerlich stiller Zustand mit innerer Wachsamkeit, Achtsamkeit und Konzentration, nicht aber ein Zustand der Entspannung, wenngleich der Geist, auch wenn er meditativ-konzentriert ist, mitunter die Seele entspannt.

Irrtum Nr. 3: In der Meditation wird nicht bewertet und beurteilt

Das Nichtbewerten und Nichtbeurteilen von Menschen, Gegebenheiten, Situationen in der Welt ist eine Anspruchshaltung vieler Spiritueller, Energetiker und Esoteriker, die auch im Alltag zu leben versucht wird. Dies ist grundsätzlich nicht falsch, wenn nicht eben dadurch, durch oberflächliches Verstehen und Ausleben dieser Absicht, seltsame Pervertierungen entstünden, die z. B. spontane Lebensäußerungen verhindern. Ein Kind, das sich z. B. über einen Hund freut, freut sich, und ein Elternteil, der sich über das Pipi von dem Hund auf dem Wohnzimmerteppich ärgert, ärgert sich. Dies ist normaler Alltag, normale Wirklichkeit.
Der Gefühlsausdruck soll und möchte spontan gelebt werden, ohne, dass der spirituelle Mensch mit erhobenem Zeigefinger dies mit „Du sollst nicht bewerten“ kommentiert – beurteilt er doch just in diesem Moment selbst, denn er beurteilt, dass andere nicht „beurteilen“ sollen.
Das Nichtbewerten und Nichtbeurteilen ist grundsätzlich unmöglich. Jede Kaufentscheidung, jede Vorliebe oder Abneigung, jede Sympathie oder Antipathie, alles ist mit einer Entscheidung verbunden, mit Für und Wider, mit Abwägen und Einschätzen …
In der Meditation dient das Nichtbewerten von Gefühlen und Gedanken und Äußerlichkeiten einem anderen Zweck, denn es geht darum, Emotionen und Gedanken als vom Ich getrennt zu erleben, schlichtweg zu erfahren, dass man nicht ist, was man denkt und fühlt.
Auch Emotionen können grundsätzlich nicht losgelassen werden. Aber in der Meditation kann auch ein negatives Gefühl benannt und wahrgenommen und als nicht zum wahren Ich gehörig erkannt werden. Somit verlieren negative Gedanken und Gefühle die Macht.

Irrtum Nr. 4: Jeder Meditierende sitzt im Lotussitz, andernfalls meditiert er nicht

Yogis sitzen im ganzen oder einfachen Lotussitz. Manche sitzen auf einem Meditationskissen oder einem kleinen Schemel. Zumeist wird das Chin-Mudra (Daumen berührt Zeigefinger) dabei gehalten. Doch abgesehen davon kann man auch ganz entspannt im Schneidersitz oder auf einem Sessel meditieren, idealerweise in einem Raum, der dafür eigens eingerichtet worden ist. Dass zwingend jeder Meditierende im Lotussitz sitzt und Hindu-Gott Shiva gleich das Chin-Mudra hält, ist falsch.
Andersherum: Nur weil ein Yogi im Lotussitz sitzt, heißt es nicht, dass er gleichzeitig meditiert – wenngleich es grundsätzlich anzunehmen ist. Auch wenn jemand aufrecht auf einem Stuhl sitzt, kann er meditieren. Nicht die äußere Haltung führt in die Meditation, sondern die innere, wenngleich die äußere Haltung die Meditationstiefe begünstigen kann.

Irrtum Nr. 5: Ich meditiere weil … Vom Zwang, etwas erreichen zu wollen

Meditation an sich hat eine Wirkung. Regelmäßig praktiziert fördert sie Gelassenheit, Glück und Ruhe. Grundsätzlich reicht die Meditation, das Ziel ist die Meditation. Wer ekstatische oder übersinnliche Erlebnisse erleben möchte, kann dies z. B. über Holotropes Atmen nach Stanislav Grof sowie über psychotrope, mehr oder minder legale Substanzen erreichen.
Auch dient Meditation nicht der Weltflucht, der schnellen Erleuchtung oder um im Außen etwas zu erreichen. Meditation ermöglicht im Idealfall die Erfahrung, dass alles, was man je in der Welt zu erlangen suchte, sei es Glück, Erfolg, Angenehmes, Sicherheit, schon längst in einem selbst verwirklicht ist – dies alles im eigenen Selbst angelegt ist und innerhalb der Meditation erfahren werden kann. In der tiefen Meditation wird absolute Wirklichkeit erfahren und in diesem Zustand erübrigt es sich, das Wirkliche außerhalb zu suchen.
Es gilt also in der Meditation nichts zu erreichen, sondern nur zu sein.

Irrtum Nr. 6: Meditation muss diszipliniert und ausdauernd geübt werden

Meditation sollte im besten Fall Freude bereiten und keine Pflichtübung sein. Es gibt verschiedene Meditationsarten, die einem mehr oder weniger entsprechen können. Hierzu zählen passive Meditationstechniken wie TM (Transzendentale Meditation), Mantra-Meditation, Vipassana-Meditation oder aktive Meditationstechniken wie Zen-, Geh- oder Tanz-Meditation usw. … Doch letztlich gibt es innerhalb der passiven Techniken nur drei Arten der Meditation:

  1. Man konzentriert sich auf etwas. Z. B. auf ein Bild, eine Gottheit, ein Mantra, den Atem, eine Pflanze, eine Kerze … Weichen die Gedanken ab, kommt man immer wieder auf den Meditations-Gegenstand zurück.
  2. Man kontempliert auf etwas. Kontemplation bedeutet, sich geistig zu versenken. Es kann z. B. ein erhebender Text, ein Mantra, eine Gottheit oder ein Bild sein, das man in sich wirken lässt, was man tief in sich aufnimmt.
  3. Man wird sich über den momentanen Fokus, die Aufmerksamkeit gewahr, da Energie der Aufmerksamkeit folgt. Dies kann zu einer ungerichteten Aufmerksamkeit führen, mit einem weiten Fokus, in welchem alles wahrgenommen wird, Gefühle, Gedanken, der Körper und alles Physische, ohne, dass sich der Geist jedoch damit verhaftet. Dies führt zur Desidentifikation, bzw. der Bewusstwerdung, dass man weder Emotion, Gedanken noch Körper ist.

Egal, welche Meditationsart favorisiert wird, sie sollte zunächst einfach nur erprobt werden und letztendlich entsprechen und gefallen, beinahe so, wie ein Kleidungsstück, das man sich kauft. Drill, Disziplin, stures Absitzen der Meditationszeit und ein sich Zwingenmüssen sind nicht förderlich, wenngleich Regelmäßigkeit und Gewohnheit hilfreich sind. Im Idealfall schafft der Nutzen irgendwann die Freude und die Freude den Erfolg und der Erfolg wiederum die Freude und die Freude wieder den Nutzen und so weiter …

Wer sich also auf die Meditation freut oder diese mit einem bejahenden Gedanken einleitet, hat i. d. R. das Wesen der Meditation erkannt.

Irrtum Nr. 7: Fantasiereisen sind schöne Meditationen

Da der Begriff Meditation belegt, bzw. verzerrt ist, rangieren auch Fantasiereisen mitunter unter „Meditation“. Es gibt zum Beispiel und überwiegend im esoterischen Segment oder im New-Age geführte Reisen zum höheren Selbst, zum inneren Christusbewusstsein, zum inneren Heiler/Kind usw. … All das kann mit dem Wort Meditation verknüpft sein, doch Fantasiereisen oder schöne Imaginationen während einer Entspannung haben mit der Klarheit, Präsenz und Wachsamkeit der eigentlichen Meditation nichts zu tun. Auch hat Meditation mit Tiefenentspannung nichts zu tun.

Diese sieben Irrtümer über Meditation sind sehr häufig. Ich hoffe, hier das Eigentliche der Meditation dargestellt zu haben.

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2 thoughts on “7 Irrtümer über Meditation”

  1. Hallo Tanja,

    ich selbst brauche „Meditation“ in den verschiedensten Formen wie die „Luft zum atmen“… sie ist für mich die Möglichkeit die engen Grenzen meines menschlichen Verstandes zu überschreiten, und mich mit anderem seelisch zu verbinden… durchlässig zu werden für die verschiedensten Aspekte des Lebens – um mich rum und in mir drin… wobei auch dieser künstliche Trennung zwischen Innen und Außen, zwischen mir und der Welt irgendwann verschwimmt und beides gleichermaßen gültig zu sein scheint.
    Es wirkt belebend… ist beängstigend… und gleichzeitig wie Nahrung!

    Ich habe mir auch früher mal ein paar wenige Bücher dazu gekauft, aber sie bald wieder weggelegt. Die „Techniken“ die man dort liest sprechen mich nicht an, sie sind sehr oft reine „Klischees“, kopiert von wo anders… hundertfach gelesen… keine Kraft, keine Substanz.
    Stattdessen habe ich einfach begonnen meine Aufmerksamkeit bzw. mein Bewusstsein zu steuern, zu bündeln, loszulassen, es in Dinge „hineinzuschicken“, mich selbst von anderem durchdringen zu lassen… und diese Übungen immer weiter zu führen, den Bewegungsraum den ich erreichen kann immer weiter zu auszudehnen… in völlig verschiedene Regionen hinein.

    Ich sitze dazu fast nie auf einem Kissen, denn ich praktiziere dieses Spiel bei jeder Gelegenheit bei der ich alleine bin und nichts meine Aufmerksamkeit fordert… am liebsten draußen in der Natur, unter freiem Himmel. Geschlossene Räume in (von Menschen gemachten) Gebäuden mag ich nicht so… aber für manche Formen der Meditation (z.B. Gedankenstille) sind sie auch hilfreich.

    Wenn man einmal damit begonnen hat, und das macht wozu einem von innen her die Kraft und die Möglichkeiten gegeben werden, kommt man – wie von selbst – vorwärts… und erlebt, dass es einen seelisch belebt! Disziplin ist natürlich hilfreich, aber sie darf nicht von „oben“ (d.h. aus der Vernunft) verordnet sein, sondern muss aus einem inneren Wunsch heraus kommen sich zu üben und zu vervollkommenen. Der Drang dazu entsteht irgendwann von selbst.
    Vor allem muss man aber immer wieder bereit sein neue Wege zu probieren, und darauf zu lauschen, was das Leben von einem will… in welche Richtung man gehen soll… denn das Leben geht keine graden Wege in nur eine Richtung, sondern es will dich „rund“ machen – und dafür muss man in jede Richtung bereit sein zu gehen! 🙂

    Für jede Definition irgendeines Begriffs ist Einschränkung und Abgrenzung absolut wichtig… aber im Leben selbst bin ich dafür genau diesen einen(!) Begriff – Meditation – so weit wie möglich zu fassen, und alles als gültig zu akzeptieren, was irgendwie auch nur ansatzweise mit der bewussten Steuerung des eigenen Bewusstseins zu tun hat… denn alles was hilft den Bewegungsspielraum unseres eigenen Bewusstseins zu erweitern, hilft uns diese engen Fesseln zu überwinden, und – Schritt für Schritt – ein Stück freier zu werden! Genau diese spielerisch offene Einstellung hilft uns seelisches Neuland zu entdecken oder – wie immer man das empfindet – zu einer altbekannten Heimat wieder zurückzufinden.. deswegen muss man für alle Wege offen sein!

    Lieben Gruß, Marcel

  2. Es gibt Meditationstechniken, die gefährlich sind. Traumyoga ist sinnvoller als Meditation. Man sollte sich morgens unmittelbar nach dem Aufwachen auf einen Wunsch konzentrieren und sich (nochmal) in den Schlaf sinken lassen. So kann man, wenn man eine bestimmte Reife hat, Träume steuern. So kann man zu mystischen Erfahrungen gelangen. Luzides Träumen ist u. U. gefährlich.

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