Wie man sich vor Fehlprägungen schützt: Wem kann man glauben?

Die Frage, wem man etwas glauben kann, wem man vertrauen kann und welche Quellen man bemüht, drängt sich Menschen, die aus gewissen Prägungen/Meinungen/Paradigmen etc. erwachen mehr und mehr auf. Hierzu werde ich von Lesern häufig befragt: „Wem kann man denn noch überhaupt etwas glauben?“ Nachfolgend meine Antwort:

Blick in die Geschichte

In der ganzen Menschheitsgeschichte wurde wiederholt Leid ausgelöst, wenn ein Weltbild ein anderes abgelöst hat. Als Darwin mit seiner Evolutionstheorie das Denken der Welt okkupierte, waren alle Menschen, die bisher „glaubten“, dass die Menschen von Adam und Eva abstammten, in ihrem Weltbild verunsichert.

Wie man sich vor Fehlprägungen schützt Wem kann man glaubenMan stelle sich vor, man selber glaubt ein ganzes Leben lang, von der Kindheit bis ins hohe Alter, dass die eigene Existenz von Adam und Eva abhängt und durch diese geschaffen wird. Man glaubt das fest. Das ganze Leben fußt darauf, vielleicht ergießt sich daraus auch ein Verhaltensschema, ein Werteschema und vieles mehr … Vielleicht ist man auch sehr gläubig und feiert es im Herzen insgeheim, dass es Menschen gibt, weil es Adam und Eva gegeben hat. Vielleicht ist man vor dieser „Tatsache“ demütig. Und dann heißt es plötzlich, dass es Unfug ist, weil der Mensch vom Affen abstamme usw. … Der Schock, die Verunsicherung etc. kann groß sein und ich denke, viele Menschen waren ob Darwins Evolutionstheorie entsetzt. Und das eigene Leben wird rückblickend als entwertet betrachtet, als verschenkt an eine „kindische“ Idee, die jetzt durch die Evolutionstheorie ersetzt worden ist … Bis ins hohe Alter wurde ein Fehlglaube gehegt, gepflegt und gelebt. Diesen abzulegen und ein neues Weltbild anzunehmen ist nicht immer nicht leicht.

Aus dem selben Grund vergiftete Magda Goebbels ihre vielen Kinder im Jahr 1945, als sowjetische Truppen in Berlin einmarschierten … Sie vergiftete ihre Kinder just in dem Moment, als sie erkannte, dass es weder ein Tausendjähriges Reich noch einen Nationalsozialismus in irgendeiner Form mehr geben werde. Im Führerbunker nahmen sich dann auch Hitler und Eva Braun mittels Zyankalikapseln das Leben. Natürlich zogen sie sich damit auch aus der Verantwortung oder entgingen einem noch schlimmeren Tod durch Erhängen, Erschießen oder Guillotine, aber zugleich kollabierte die gesamte Ideologie in just diesem Moment: Der Fehlglaube hätte als Fehlglaube anerkannt werden müssen, das war für diese Menschen unmöglich. Magda Goebbels Kinder wären aller Wahrscheinlichkeit nicht von einem Gericht schuldig gesprochen und/oder gerichtet worden, sie hätten leben können, aber sie entschied, dass ihre Kinder lieber tot sein mögen als in einer Welt ohne Nationalsozialismus aufzuwachsen. Deswegen mussten die Kinder sterben.

Margot Honecker, ehemals Frau von Erich Honecker, floh in den 90er-Jahren nach Chile. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2016 lobte sie den Kommunismus und die DDR in höchsten Tönen und ignorierte, was über Stasi und in den „Jugendwerkhöfen“ (= politisch-ideologische  Arbeitserziehung von Jugendliche durch militärischen Drill / Umerziehungslager) mit Menschen geschehen ist. Margot Honecker wusste das und darf als gebildet/scharfsinnig betrachtet werden – zumindest, was Sozialismus ihrer Meinung nach war. Aber sogar ein Gesinnungswandel in Freiheit und lange, nach dem die Mauer gefallen war, wäre zu schmerzhaft gewesen: Von Kindheit an wurde sie KPD-geprägt, ihr ganzer Werdegang war KPD, sie selbst war KPD, bzw. später, als KPD und SPD natürlich SED … Diese Prägung loszulassen, bedeutet, ein ganzes Leben als „unrichtig“ betrachten zu müssen, die eigenen Eltern, den eigenen Ehemann, das gesamte Umfeld als irrgeleitet betrachten zu müssen …

Es gibt in der gesamten Geschichte dutzende Beispiele dieser Art.

Als ich ein Kind war, hatte ich große Angst, mein ganzes Herz an etwas zu hängen, was sich irgendwann als falsch herausstellen könnte. Anstoß dazu hat in der Volksschule ein Religionslehrer gegeben. Jemand fragte ihn, wie es im Himmel aussähe und er sagte, das wisse er nicht, weil niemand das wisse. Ich dachte mir darauf hin vier Sachen: 1. Vielleicht weiß es ja nur der Religionslehrer nicht, wie es im Himmel aussieht, aber andere Menschen wissen es schon. 2. Der Religionslehrer dürfte nicht Religionslehrer sein, wenn er darauf keine Antwort hat. 3. Wie kann er behaupten, dass niemand das wisse, wenn nur er es nicht weiß? 4. Ihm ist nicht zu trauen.

Da jeder von uns in seinen Schuljahren nicht nur Rechnen, Schreiben und Lesen gelernt hat sondern unbewusst übernommen hat, dass derjenige, der da vor der Tafel steht und lehrt es schon „wissen“ möge, sind die meisten Menschen auch so geprägt: Sie glauben, was andere sagen/meinen/denken. Wenn diese anderen akademische Würden haben, wird noch mehr geglaubt … Es gibt jedoch nicht nur Verblendung innerhalb Scientology und diversen Sekten und in indischen Ashrams, auch nicht nur bei Magda Goebbels und Margot Honecker, es gibt dieselbe Verblendung im ganz normalen System, in den Wissenschaften, in der Forschung, in der Universität und im alltäglichen Leben.

Wem kann man glauben? Wem kann man trauen? Was ist wahr?

1. Wer jetzt einen innerlichen oder unmittelbaren Blick auf seine Bücherwand, auf seine Vorbilder, Lehrer oder Youtube-Favoriten tut, kann jeden Autor, Lehrer, Influencer etc. daraufhin scannen, ob diese vor der inneren Instanz bestehen können. 

2. Theorie oder Praxis? Überlegung: Zu wem möchte man lieber ins Auto steigen? Zu einem Menschen, der alles über Automobilgeschichte weiß, aber keinen Führerschein hat, oder zu jemanden, der nichts über Automobilgeschichte weiß, aber einen Führerschein hat? – Das heißt: Wem vertraut man? Vertraut man Menschen, die zur Theoriebildung beitragen oder Menschen, die Praxis und Erfahrung haben?

Wer seine Bücher oder Youtube-Liste/Bücher/Vorbilder vor dem inneren Auge hat, kann sich fragen, woher dieser Mensch, der da mit welchem Medium auch immer in die Welt sendet, seine Informationen hat und worauf er sich bezieht.

  1. Trägt dieser Mensch nur zur Theorienbildung bei oder hat er eigene Erfahrung?
  2. In welchem „Club“ steht dieser Mensch oder ist ihm verpflichtet? – Das heißt: Wie parteilos und unbefangen ist jemand wirklich?
  3. Muss er sich in gewissen Denk-Bahnen bewegen, weil er sonst kein Geld mehr bekäme oder seine Arbeitgeber pikierte? Oder will er Fans, Adepten und Gönner nicht vergraulen?
  4. Forscht dieser Mensch wirklich frei und detektivisch oder bestätigt er sich über seine Forschung selbst oder lediglich seine Auftraggeber?
  5. Ist dieser Mensch „valide“, skandalfrei und/oder ethisch?
  6. Tragen seine Inhalte dazu bei, die Welt besser zu machen oder geht es nur um akademisches Imponiergehabe mit Fußnoten, die sich auf Fußnoten beziehen?
  7. Sind Primärquellen benutzt worden?

Damit dürfte ein gewisser Schutz vor blind verschenkter Liebe, Hoffnung und Begeisterung gewährleistet sein.

Und zum Schluss: Mein Religionslehrer sagte uns Kindern mit fester Stimme, dass niemand wisse, wie es im Himmel aussieht. Das sagte er in den 80er Jahren. Er hatte unrecht.

Emanuel Swedenborg war Wissenschaftler, Mystiker und Theosoph. Er lebte in Schweden von 1688 bis 1772 und er schrieb eines der großartigsten Bücher, die je zum Thema „Wie sieht es im Himmel aus“ geschrieben worden waren, nämlich: „Himmel und Hölle“. Durch eigene Astralreisen und Visionen „sah“ er es, wie es im Himmel aussah und er beschrieb es mit Bravour.
Das heißt: Hätte unser Religionslehrer wissen können, wie es im Himmel aussieht? Natürlich! Emanuel Swedenborg lebte lange vor seiner Zeit und hat eben darüber geschrieben. Dass der Religionslehrer es nicht wusste und sich dennoch Religionslehrer nannte, ist bedauernswert.  Noch bedauernswerter ist, wer ihm geglaubt hat. Diese „Glaubens-Kette“ wäre aber sofort unterbunden, wenn der Religionslehrer nicht auch einfach nur geglaubt hätte, was man ihm gesagt hat.

In diesem Sinne: Es lohnt sich, achtzugeben, wem man Zeit, Geld und Aufmerksamkeit schenkt. Wer nicht überprüft, was ihm gelehrt worden ist, dem kann in einem Fall nur ein Weg versperrt sein, im anderen Fall kann er schmerzlich erwachen und muss erkennen, dass er jahrelang im falschen Club, im falschen Mindset, im falschen Denken, im falschen Glauben war. Das kann weh tun.

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