Die Dunkle Nacht der Seele überwinden

Die Dunkle Nacht der Seele überwindenÜber die sog. Dunkle Nacht der Seele, was sie ist und woran man sie erkennt, habe ich im vorangegangenen Artikel „Fünf Zeichen der Dunklen Nacht der Seele“ berichtet. Der Begriff geht auf Johannes vom Kreuz zurück und bezeichnet eine oftmals langwierige, schwierige, von inneren Kämpfen und starker Depression begleiteten Phase …

In diesem Artikel beleuchte ich, wie man die Dunkle Nacht der Seele am besten überwindet:

Neun Punkte, wie man die Dunkle Nacht der Seele überwinden kann 

1. Verstehen, was in der Dunklen Nacht der Seele geschieht

Eines der wichtigsten Dinge ist, zu verstehen, was geschieht. Und warum es geschieht. Denn so kann darin Sinn erfahren werden. Die dunkle Nacht der Seele ist etwas sehr Schwieriges. Sie ist eine Läuterung, eine Prüfung, ein dunkles Tal, eine Lähmung … Sie ist eine bedrängende, erdrückende Kraft, die Leid, Kummer, Trauer, Verzweiflung erzeugt … Doch warum geschieht sie? Mehr Bewusstsein braucht in der Regel auch mehr Platz. So sterben viele Aspekte des gewohnten Selbstes ab, um Raum für etwas anderes zu schaffen. Es handelt sich um eine spirituelle Detoxifikation. Gleich Menschen im Fastenprozess, die während der Ausleitung körperliche Symptome haben, hat auch der spirituelle Mensch innerhalb der Dunklen Nacht der Seele Symptome. Alles, was die Seele spirituell verunreinigt hat, wird nun fortgespült. Wer sich dessen bewusst ist, kann den Prozess leichter annehmen.

2. Aus der Dunklen Nacht der Seele nicht fliehen

Der erste Impuls im Laufe der Dunklen Nacht der Seele ist, zu fliehen. Der Schmerz ist so groß, dass Flucht wie ein Reflex erscheint. Der „normale“ Mensch würde zu Zigaretten, Alkohol, Drogen ect. greifen. Doch der spirituelle Mensch greift in genau dieser Situation zu Meditation, Yoga, dem Gebet … Er meint, mit ihm würde etwas nicht stimmen, er meint, er müsse den verlorenen Status Quo, nämlich die Verbindung zu Höherem, wieder herstellen, weil er glaubt, eben diese Verbindung nicht mehr zu haben. Doch das ist ein Irrtum und gelingt nur bedingt, was den Schmerz nur vergrößert. Wer jetzt spirituelle Praktiken ausübt, um vor der Dunklen Nacht der Seele zu fliehen, versteht das übergeordnete Ziel nicht.
Man könnte es wie folgt vergleichen: Gott selbst – bzw. das höhere Selbst – hat die spirituelle Entgiftung eingeleitet. Mit aller Macht wälzen sich Kräfte durch die Seele, groß und ewig wie eine sich durch den Weltraum bewegende Galaxie. Und diese in Bewegung gekommen Galaxie soll nun wieder stillstehen und Ruhe geben, weil das Ich so sehr fleht und dabei stagnierend in die Vergangenheit blickt, wo doch mal alles so nett gewesen ist … Glück, Verbundenheit, Freude, Himmel, Halleluja.
Doch Gott, bzw. das höhere Selbst, wird diesem Bitten nicht nachgeben. Ziel ist die Detoxifikation, nicht Stillstand und Regression. (Ich bitte, dieses Beispiel als Metapher zu verstehen.)
Um nicht falsch verstanden zu werden: Wer meditiert, um davon zu laufen, wird in der Regel den Schmerz vergrößern. Wer meditiert, um den Prozess zu verstehen, um ihn annehmen zu können, wird den Schmerz womöglich nicht verringern, doch er wird dem Prozess auch nicht im Wege stehen und ihn unnötig verlängern.

3. Nicht kämpfen

So wie Flucht noch mehr Schmerz erzeugt, erzeugt auch Kampf gegen die Situation in der Regel Schmerz. Doch wie sieht Kampf aus? Mit der Faust gegen die Wand zu schlagen, bedeutet Wut. Kampf gegen die Dunkle Nacht der Seele sieht anders aus. Es bedeutet, den Zustand nicht wahrhaben zu wollen, nicht einsehen zu wollen, dass es genau jetzt so ist, wie es ist. Eben war doch noch alles in Ordnung. Und jetzt? Oftmals kommt das Tief nach einem Hoch. Gestern noch spirituelles Hoch, Licht und Liebe, heute Dunkle Nacht der Seele. So denkt man erst recht, dass das jetzt nicht sein kann und sein darf. So verweigert man. Symptome werden geleugnet oder ignoriert. Starke Gefühle wie Angst, Traurigkeit, Verzweiflung ect. werden in dem Moment missachtet oder bagatellisiert, in dem sie hochkommen …
Doch auch dieser Widerstand sorgt für noch mehr Schmerz und zieht den Prozess in die Länge. Daher ist es wichtig, alles anzunehmen, was hochkommt. Niemand muss aufsteigende Angst, Verzweiflung, Traurigkeit, Wut mögen, niemand muss darüber in Jubel ausbrechen, doch jeder kann diese Gefühle erlauben. Die Tränen fließen, der Körper zittert, die Stimme bricht. All das kann man sich in dem Moment erlauben, in dem es hochkommt. Zulassen, entspannen, annehmen, atmen. Egal was ist.

4. Niemand ist alleine

Meistens wird das Umfeld nicht verstehen, was gerade los ist. Daher kann man auch den verständnisvollsten Freunden oft nicht erklären, was man gerade durchleidet, bzw. wird man, wenn, dann oft nur ein temporär intellektuelles Verstehen ernten, das den Schmerz aber nicht wirklich heilt.
Doch ich kann jeden, der das jetzt liest, dahingehend beruhigen, dass es sehr vielen Menschen genau jetzt, in diesem Moment, genauso geht. Ich habe sehr viele kennengelernt, die diesen Prozess durchlebt haben. Was ich sagen will: Es geht darum zu verstehen und zu erfahren, dass man nicht alleine ist. Es gibt viele, denen es genauso ging und genauso geht. Wer sich austauschen will, kann auch mal in meine FB-Gruppe schauen.
Hinweis: Die Dunkle Nacht der Seele – spirituell verstanden – ist keine klassische Depression, die exogen oder endogen, durch ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn, ausgelöst ist, sondern sie kennzeichnet die spirituelle Krise, ist mit zahlreichen spirituell-energetischen Prozessen verknüpft und in der Regel durch diese erst verursacht. Sie kann von heute auf morgen kommen, scheinbar grundlos und plötzlich, ohne äußerlichen Anlass. Menschen, die häufig betroffen sind, sind spirituell Erwachende, Suchende, Kundalini-Erweckte, Meditierende, Heiler, Yogis usw. Zur Differenzierung eignet sich folgendes Buch: Spiritualität und spirituelle Krisen: Handbuch zu Theorie, Forschung und Praxis.

5. Natur

Auch wenn es schwerfällt, sich aufzuraffen, so sollte man doch in die Natur raus gehen. Einen Spaziergang machen. Danach muss nicht alles sofort weg sein, aber es kann leichter sein. Oftmals wirken Naturplätze, Wald, Berge, Wiesen, Flüsse, reinigend.

6. Ruhe und Rückzug

Schon mal chillig gefühlt? Ja, am Sonntagnachmittag schon. Nichts tun zu müssen, ahh, welche Freude. In der Dunklen Nacht der Seele ist das allerdings anders. Man kann nämlich gar nichts tun. Jedes Ziel, alles Wollen, jeglicher Lebenssinn liegt wie eine ferne Erinnerung in der Vergangenheit. Im Jetzt ist Handeln/Tun wie eine Zumutung. Körper und Seele wissen das sehr genau. Wie kann man jetzt nur den Staubsauger in die Hand nehmen? Ein Buch lesen? Überhaupt noch etwas Wollen? Hilfe!
Der Körper will schlafen. Die Seele will Abstand zur äußeren Welt. Zum Profanen, zum ewig Gleichen, zum Weltlichen. Jedes äußere Tun ist wie Verschwendung. Daher: Chillen ist angesagt. Schlafen ist erlaubt. Ruhe, Rückzug, Abstand, all das ist erlaubt und wichtig. Dann bleibt der Teppich eben mal ungesaugt und der Geschirrspüler nicht ausgeräumt. Natürlich sollte daraus kein „Lotterzustand“ werden, doch je mehr man den Impulsen der Seele, die da Abstand und Ruhe will, ohne ein schlechtes Gewissen nachgeben kann, umso besser ist es.

7. In die eigene Kraft kommen

Wichtiger, als sich zu bemitleiden und mit Gott und der Welt zu hadern, ist es, die eigene Kraft nicht ganz zu vergessen. Egal, wie matt man ist, wie schlecht es einem geht und wie nutzlos man sich fühlt, man kann immer etwas Gutes tun. Wer sich zu einem Spaziergang aufrafft, kann Futter für die Schwäne im Park mitnehmen oder den Gedanken weiterspinnen und gleich in ein Tierheim gehen, um dort einen Hund auszuführen oder ihm Gesellschaft leisten. Auch kann er seinen Kleiderschrank ausmisten und die Kleidung spenden oder einfach, falls sich gerade im Moment nichts anbietet, für andere beten. Ebenso gut kann er etwas Nettes für andere tun, und sei es auch nur, dem ersten Passanten, den er trifft, einen wunderschönen Tag zu wünschen.
Hilfreich ist es auch, den Keller oder Dachboden zu entrümpeln, Möbel zu spenden oder einfach nur das Gefühl zu genießen, dass da oben und da unten bald wieder Ordnung herrscht – oben und unten hier synonym für Bewusstsein und Unterbewusstsein.

8.Tagebuch führen

Wer mag, kann auch ein Tagebuch führen, in dem er bitte nicht en detail und minutiös seinen Negativ-Zustand beschreibt, sondern en detail und minutiös beschreibt, was positiv ist. Am bestens schreibt man abends, kurz vor dem Schlafengehen, auf, wofür man dankbar ist, was man an diesem Tag glaubt, gelernt zu haben und was es heute Positives gab. Am nächsten Tag fokussiert man darauf, das Positive zu sehen, damit man abends was zu schreiben weiß. Nichts zu schreiben gilt nicht. 😉 Wem absolut nichts Positives tagsüber passiert ist, kann einen Bekannten anrufen und ihn z. B. bitten, kurz zu beschreiben, was ihm schon immer an ihm gefallen hat. Wenn das nicht geht, googelt man im Netz einen richtig lustigen Witz.

9. Die Wende, bzw. das Ende der Dunklen Nacht der Seele

Wann hört es denn endlich auf? – Das fragen sich die meisten, die den Prozess durchmachen. Ich kann darauf keine Antwort geben. Die Dunkle Nacht der Seele kann nur ein paar Wochen, Monate, vielleicht aber auch einige Jahre dauern. Doch in der Regel hört sie prompt und völlig unerwartet auf, von einem Tag auf dem anderen, wie mit einem Fingerschnipsen. Irgendwann ist es vorbei. Und danach, nachdem alles umgestaltet worden ist, ist ein neues Vertrauen entstanden, ein Vertrauen in sich selbst, das gänzlich ohne andere auskommt, ohne Eltern, Lehre, Freunde. Man braucht keine Leitplanken mehr, weder andere Menschen noch die Normen der Gesellschaft, denn man ist selber zur Leitplanke geworden. Und das einzige, woran man sich noch orientiert, ist die tiefste, innere Weisheit.
In diesem Zusammenhang gefällt mir der – wenn auch oft zitierte – Entstehungsprozess des Diamanten sehr gut. Der Diamant ist das härteste, natürlich vorkommende Mineral. Diese Eigenschaft hat der Diamant aber nicht einfach so, sondern er bildet sie über lange Zeiträume hinweg im Erdmantel unter hohen Drücken und Temperaturen. Mit anderen Worten: Bevor ein Diamant zum Diamanten wird, wurde er in die tiefsten, finstersten Winkel des Erdreichs gedrückt, dort wieder und wieder erhitzt und belastet, bis sich die kristallinen Strukturen endlich bildeten und er gereinigt zum Edelstein wurde, zum Diamant, so klar und so hart, dass er andere Metalle und Stoffe von nun an schneiden oder schleifen kann.
Ich denke, mit dieser Analogie im Hinterkopf kann man stets zielfokussiert bleiben. Nichts, was geschieht, ist je so sinnlos, wie wir meinen.

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Weiterführende Literatur zur Dunklen Nacht der Seele, Hilfe und Information:

Für Therapeuten, Heiler und Suchende kann ich folgendes Buch wirklich empfehlen: Spiritualität und spirituelle Krisen: Handbuch zu Theorie, Forschung und Praxis.
Für Betroffene, als erste Hilfemaßnahme, empfehle ich gerne den „Spirituellen Notfallkoffer„.
Mehr zur Bergriffsgeschichte der Dunklen Nacht der Seele und Johannes vom Kreuz – Begriffsentwicklung/Poesie.

Alle Bücher können mit Klick auf das Cover oder auf den Link bestellt werden.

Anmerkung: All diese Empfehlungen gebe ich von Herzen und sie sollen als Wegweiser, Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden. Dennoch ist jeder in seiner Selbstverantwortung und wenn professionelle Hilfe und Begleitung unentbehrlich ist, so ersetzen diese Empfehlungen keine ärztliche Behandlung, bzw. Psychotherapie.

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Geboren 1978 – Bloggerin | Beraterin zu spirituellen Themen | Kundalini | Neoterikerin | Herausgeberin von Neoterisches Bewusstsein – Moderne Spiritualität

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