Fahrenheit 11/9 ist ein im Jahr 2018 entstandener Dokumentarfilm des amerikanischen Produzenten und Oscar-Preisträgers Michael Moore. Es handelt sich um eine Film-Reportage, die u. a. die Hintergründe der Präsidentschaftswahlen der USA 2016 sowie Donald Trumps Wahlkampfsieg beleuchtet.

Michael Moore, u. a. bekannt für Bowling for Columbine, nimmt in Fahrenheit 11/9 nur marginal Bezug auf die 2004 entstandene Filmreportage Fahrenheit 9/11 – man beachte den Zahlendreh. Bezog sich Fahrenheit 9/11 (aus 2004) auf die Terroranschläge des 11. Septembers 2001, so bezieht sich Fahrenheit 11/9 (aus 2018) auf den 9. November 2016, auf jenen Tag, an dem Donald Trump die Präsidentschaftswahl gewann.
Beide Dokumentarfilme nehmen Bezug auf den bekannten Roman von Ray Bradbury mit dem Titel Fahrenheit 451, erschienen 1953, verfilmt 1966 mit Oskar Werner in der Hauptrolle.

Entstehung des Filmtitels und Bezug zum Roman

Der Buchtitel Fahrenheit 451 bezieht sich auf die Temperatur, bei der Papier zu brennen beginnt. Bradburys Dystopie zeigt eine Gesellschaft, in welcher Bücher systematisch verbrannt werden, da es als Verbrechen gilt, Bücher zu lesen und zu besitzen. Eigenständiges Denken soll unterbunden werden; die Bürger werden bewusst vom politischen System abhängig gemacht und somit unmündig gehalten. Michael Moore hat den Buchtitel deshalb übernommen, weil Fahrenheit 9/11 zwar nicht jene Temperatur sei, bei der Bücher zu brennen beginnen, aber „die Temperatur, bei der die Freiheit brennt“.

Fahrenheit 11/9: Filminhalt

Als Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, gab es in der Öffentlichkeit mehr oder minder viel Empörung und/oder Unbehagen. Michael Moore, der den Ausgang der Wahl vorausgesehen hatte, stellt in Fahrenheit 11/9 nicht nur die Hintergründe und Dynamiken, die zur Machtergreifung Donald Trumps geführt haben, dar, sondern zeigt einen erschütternden Ist-Zustand eines Amerikas, das einerseits am Rande einer Wirtschaftsdiktatur steht, anderseits aber aktivistisch nach Veränderung drängt.

Hierzu gibt er tiefe Einblicke in das desolate System der USA. Verelendung, Armut und Resignation machen tief betroffen. Ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung sieht sich von der Politik verraten und im Stich gelassen, ein anderer Teil wehrt sich gegen Korruption und gegen das menschenverachtende Verhalten der Politik, gegen Republikaner und Demokraten.

Die Wasserkrise von Flint

Erschütternd sind die Hintergründe über die Wasserkrise von Flint, einer im US-Bundesstaat Michigan gelegenen Stadt. Richard D. Snyder (geb. 1958), Gouverneur des Bundesstaates Michigan und US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei, löste die „Wasserkrise von Flint“ nicht nur aus, sondern wollte diese vertuschen. Die ansässige Bevölkerung wurde mit bleihaltigem Wasser „vergiftet“, viele Menschen starben, weil für die Demokraten und Republikaner die Interessen der Investoren wichtiger waren als die Gesundheit der Bevölkerung.

Schülerstreiks geben neue Hoffnung

Nach dem Schulmassaker von Parkland am 14. Februar 2018 schlossen sich landesweit Schüler*innen über Social Media zu Demonstrationen zusammen. Massenhaft gingen junge Menschen den „March for Our Lives“. Dies setzte ein belebendes Signal der Hoffnung, auf dass ein Wechsel des politischen Stils zugunsten der Mehrheit angedacht/angestrebt werden könne.

Donald Trump und Adolf Hitler

Timothy Snyder, US-amerikanischer Historiker und Professor an der Yale University, wird zu dem aktuell in den USA vorherrschenden despotischen, sich dem Kapitalismus verschriebenen Regime interviewt. Dabei werden Reden von Donald Trump mit Szenen von Adolf Hitler unterlegt, was dem europäischen Zuseher etwas überzeichnet erscheinen könnte, nichts desto trotz die Drastik/Dringlichkeit zur Veränderung vor Augen führt.

Wie scheinheilig ist die amerikanische Demokratie?

Für Michael Moore steht Donald Trump als personifizierte Fehlleistung des Systems an der Spitze des kaputten Systems; die Demokratie ist ausgehöhlt, ein Phantom ihrer selbst.
Zitat Michael Moore: „Ich will das Amerika retten, das wir nie hatten.“ Damit spielt er darauf an, dass es eine echte Demokratie nie gegeben habe. Weiters meint er, dass Amerika nicht durch die Verfassung, nicht durch Wahlen und Sonderermittler gerettet werden könne, sondern nur durch ein Umdenken und durch Aktivismus seitens der Bevölkerung.

Für wen ist der Film geeignet?

Wer Filme von Michael Moore kennt, wird auch Fahrenheit 11/9 nicht missen wollen. Gemeinsamkeiten zur deutschen und französischen Politik der letzten 15 bis 20 Jahre tun sich durchaus auf, wenn man an Sozialabbau, Verarmung, den Aufstand der französischen Gelbwesten (Gilets jaunes) denkt oder sich die Unterhöhlung der Demokratie und den sog. Tiefen Staat vor Augen führt.
Wer sich mehr Zeit nehmen möchte, kann im Anschluss den spannenden und sehr zu empfehlenden Spielfilm Die Erfindung der Wahrheit sehen, um tiefer in die für Amerika typische Problematik und die spezifischen Zusammenhänge der Waffenlobby, der Medien und der Politik einzusteigen. Die Erfindung der Wahrheit ist sozusagen wie ein Add-On zu Michael Moores Fahrenheit 11/9. (Auch dieser Film wurde von mir rezensiert, siehe/klick obigen Link.)

Mein Fazit zu Fahrenheit 11/9

Wiederum ein gelungener, tief betroffen machender Dokumentarfilm von Michael Moore, den anzusehen sich lohnt. Da mir der Vergleich zum Aufstieg Adolf Hitlers mit dem Aufstieg Donald Trumps jedoch etwas zu überzogen scheint, gebe ich 4 von 5 Sternen.

Der Film kann mit Klick auf das Cover bezogen werden. Verlinkt ist auf die DVD-Version, selbstverständlich kann auch gestreamt werden:

Regisseur: Michael Moore
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DD Stereo), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Erscheinungstermin: 26. April 2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 123 Minuten

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