Fragen und Antworten: Warum lieben Frauen keine netten Männer?

Warum lieben Frauen keine netten MännerFrage: „Ich bin treu, zuverlässig, ehrlich und nett und sehne mich nach einer festen Partnerschaft. Trotzdem habe ich bei den Frauen kein Glück. Die meisten sagen mir, dass sie mich als guten Freund haben möchten, aber nicht als Partner. Ich bin jetzt 35 und habe das Thema schon energetisch und spirituell bearbeitet. Blockaden wurden gelöst. Auch war ich bei Familienaufstellungen. Ich glaube, es liegt nicht an meinem Äußeren, bin sicherlich nicht unattraktiv … Aber was soll ich noch tun?“ – fragt Martin.

Antwort: Grundsätzlich mögen Frauen nette, aufmerksame Männer sehr gerne. Es gibt aber einen bestimmten Typus des netten oder „viel zu netten Mannes“, der für Frauen als Partner i. d. R. nicht infrage kommt.
Zunächst: Wenn eine Frau sagt, dass sie einen Mann nur als Freund in ihrem Leben akzeptiert, er aber nicht als Mann – Ehemann/Geliebter/Partner – infrage kommt, dann meint sie es für gewöhnlich so. Darauf zu hoffen, dass sich das ändert, völlig egal, wie viele Bilder er in ihrer Wohnung aufmacht, ob er die Reifen ihres Autos wechselt, Möbel aufbaut oder technischen Support bietet, ist etwas blauäugig.
Vielleicht hat sie für den „Traumprinzen“ eine Stelle in ihrem Leben ausgeschrieben und weiß nicht, dass sie auch eine Stelle in ihrem Leben für „den besten männlichen Freund“ ausgeschrieben hat, zumindest solange nicht, bis eben dieser ante portas steht. Zumeist bietet sich der „viel zu nette Mann“ nämlich genau dafür an. Obendrein zeigt er gerne, dass er besser ist als die Playboys, die Eintagsfliegen und die Möchtegerns. Er ist zuverlässig. So hütet er die Kinder, führt den Hund aus, kocht auch mal Abendessen … Alles im Rahmen einer Mensch-zu-Mensch-Beziehung, in welcher er die Frau natürlich nicht drängt oder bedrängt, er ihr alle Zeit der Welt gibt, sich freundschaftlich-sorgend an ihre Seite stellt, sich ihren Problemen widmet …, auch dann noch, wenn die Frau ihn schon längst als „besten männlichen Freund“ besetzt hat, er dies schon lange weiß oder es nie offen zur Sprache kam … Irrtümlicherweise hält der viel zu nette Mann diese Mensch-zu-Mensch-Beziehung  für „Werbung“, bzw. ist er sogar häufig davon überzeugt, dass er ganz gut im Rennen liegt. Dies deshalb, weil er den Erfolg daran misst, wie oft ihn die Frau ruft, um Hilfe bittet oder ihm vertrauensvoll ihre Lebensängste erzählt. Tatsächlich aber – und so leid es mir tut – ist er nie im Rennen gewesen, denn die Frau verhält sich ihm gegenüber nicht anders, als sie es einer besten Freundin gegenüber täte.
Was in dieser Konstellation oft nicht bewusst ist, und zwar weder Mann noch Frau, ist die Erwartungshaltung seitens des Mannes. Sehr oft spielt er auf Zeit und meint, wenn er sich genügend bewiesen hätte und die Frau zum wiederholten Male vom Schmalzlockenromeo der Disco, der Arbeit, des Internets enttäuscht worden ist, dann würde sie sich seiner schon besinnen, würde begreifen, wie anders und um wie viel besser er ist, spätestens dann, wenn sie heulend in seinen Armen liegt …
Aber das ist ein Trugschluss, der nicht selten zu einem bösen Erwachen führt, denn eher wird eine Frau hundert Mal um den Falschen weinen, als sich plötzlich in den „besten Freund“ verlieben, der so solide und freundlich ist.
Das hat damit zu tun, dass sie unbewusst spürt, dass dieser Typus Mann – der devot-freundliche Mann – nicht auf jenem Spielfeld spielt, auf dem er in der Werbungsphase spielen sollte. Anstatt sich selbst und seine Absichten authentisch darzustellen, ist er – bildlich gesprochen – geduckt durch die Hintertür gekommen, vorsichtig lächelnd, und mit exakt diesem Verhalten hat er, ob er es will oder nicht, die „Friendzone“ betreten. Anstatt dynamisch, bei sich und aktiv zu sein, weiß er vielleicht nicht, was er tun soll, übersieht Signale, will alles richtig machen und hemmt sich selbst, ist unsicher usw., doch da er „zu den Guten gehört“, spielt er zumindest diesen Trumpf vollumfänglich aus und meint, was auch immer er falsch oder richtig macht, in jedem Fall wird er vom Negativbeispiel anderer Männer profitieren. Er ist ja „nett“. Er plustert sich nicht auf. Er ist lieb. Und er ist ehrlich und zuverlässig.
Natürlich ist es richtig, höflich und charmant zu sein, natürlich ist es richtig, freundlich zu sein, doch beim hier beschriebenen Typus rutschen diese Eigenschaften in eine Art vorauseilenden Gehorsam, in eine devot-freundliche Haltung ab, die nicht immer nur selbstlos ist. Hinzu kommt, dass demonstrativ zur Schau gestellte Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Treue etc. zu Beginn der Werbungsphase für die Frau nichts anderes bedeutet, als „Das Auto kann fahren, bremsen und blinken. Und?“. Sie geht davon aus, dass Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Treue usw. nicht schon zu Beginn in der Werbungs- oder Kennenlernphase bei jeder Gelegenheit offeriert werden müssen, sondern dass sich diese Eigenschaften als Nebenprodukt einer stabilen Partnerschaft von ganz alleine einstellen. Deswegen ist es für sie nichts Besonderes, wenn natürlich auch wichtig, jedoch nicht das Non-plus-ultra-Argument, das ihre Liebe und Leidenschaft weckt. So gesehen ist der Einsatz des „zu netten Mannes“ nicht hoch, auch wenn er wiederum meint, diese ganze „Nummer“ wäre schon unfair genug und die weibliche Psycho-Biologie nur ein Verschwörungskonstrukt gegen Männer wie ihn. Seiner Ansicht nach kriegen ja nur die „Mistkerle“ die Frauen, wohingegen er, der so brav und nett ist, ständig zu kurz kommt. Tja.
Tatsächlich sucht er die erotische Begegnung nicht weniger intensiv als der Player und es ist im Grunde „unfair“ von ihm, sich diese seitwärts „erschleichen“ zu wollen, bzw. darauf zu hoffen, dass sich die Frau erbarmt oder aus Vernunftgründen auf ihn zurückkommt oder endlich – eben weil er schon so lange so nett zu ihr ist – die Schulden mit den Naturalien des Körpers begleichen wird … Aus diesem Grund ist der „viel zu nette Mann“ nicht selbstlos. (Im Übrigen sollte er sich klar sein, dass er für eine Frau, die dieses Manöver durchschaut, noch schlimmer ist, als der Pick-up-Typ von „irgendwann“, der keinen Hehl aus seinen Eroberungen macht. Der war vielleicht „mies“, aber ehrlich, wohingegen der vermeintlich „nette Mann“ – sobald er durchschaut ist – zum Giftmüll in der Seele der Frau mutiert, der auf lange Zeit gesondert gelagert werden muss.)
Das heißt, dass der zu nette Mann des hier beschriebenen Typus aus einem Manko heraus „operiert“, wofür er im Außen die Schuld sucht. Nicht die tiefliegende Überzeugung, dass er es vielleicht nicht schafft, eine Frau nur aufgrund seines Soseins für sich gewinnen zu können, ist schuld, sondern es sind die „doofen Frauen, die nur auf Mistkerle stehen“ sowie die Welt, die das so angeordnet hat. Dass er unter diesen Umständen dann notgedrungen in die Trickkiste greift, ist seiner Meinung nach nur gerecht. Doch eben dies, die fehlende Authentizität, die fehlende Aufrichtigkeit, führt ihn letztlich immer wieder an dieselbe Stelle, bzw. zu denselben Worten: „Ich will keine Beziehung mit dir, aber wir können gerne Freunde sein.“ So schließt sich der Teufelskreis.
Vermutlich hat der nette Mann diese Worte oft genug gehört, doch auf einer tieferen seelischen Ebene bedeutet es dies: „Du hast den Traumprinz-Score nicht erreicht. Du wirbst nicht wirklich. Du überzeugst nicht. Du siehst mich nicht als Mensch, sondern vorrangig deine eigenen Bedürfnisse. Du sprichst mich nicht in meiner Ganzheit als Frau an. Und deswegen kann ich dich nicht in der ausgeschriebenen Stelle als Beziehungspartner besetzen.“
Sobald also ein Mann die Worte „Wir können gerne Freunde sein.“ von einer Frau vernimmt, ist das Spiel vorbei und er sollte klug genug sein, das zu erkennen. Leider passiert, wie oben dargestellt, genau an diesem Punkt das Gegenteil, weil der nette Mann im Grunde – und häufig unbewusst – eben diese Stelle von vornherein anpeilt, ohne es zu merken. Wenn er verliebt ist, denkt er vielleicht, besser „Freund“ als ihr gar nicht nahe zu sein, und auch wenn er innerlich auf mehr hofft, so ist dies für die Frau mehr als sekundär, denn für sie ist alles klar: Er ist der beste Freund, der wie „die beste Freundin“ ist, die zusätzlich noch Möbel verrücken, den Abfluss reparieren, den Computer virenfrei machen kann usw. Wie schön, dass sie so jemanden hat.

Ob Energetik oder Familienaufstellung dieses Thema auflösen können, kann ich nicht beurteilen, bzw. bezweifle ich es. Aus energetischer Sicht mag zu viel Yin-Energie vorhanden sein, aus innerseelischer Sicht trägt der zu nette Mann eine gewisse Unehrlichkeit sich selbst und den Frauen gegenüber in sich. Diese Unehrlichkeit resultiert aus dem fehlenden Selbstwert. Und da sollte der Finger drauf gelegt werden, denn der Selbstwert kommt nicht „durch die Frau“, die das Manko auffüllen wird, sondern die Frau kommt, wenn das Manko behoben ist. Aus spiritueller Sicht, bzw. so wie ich Spiritualität verstehe, ist das logisch, denn aus spiritueller Sicht kann sich eine Seele nur dann an eine andere Seele binden, wenn sich beide dadurch vermehren. Bildlich gesprochen heißt das, ein voller Eimer wird sich nicht mit einem halben Eimer „verbinden“, denn wenn er es täte, müsste er sein Wasser hinüberfüllen, sodass beide Eimer dann zu zwei Dritteln voll wären. Spirituell gesehen verwirklicht ein Bund, der den einen mehrt und den anderen mindert, keine Liebe. Es ist unmöglich. Es wäre eine Win-Loose-Situation. Beide müssen durch die Verbindung „mehr“ werden, und das kann nur gelingen, wenn beide Eimer „gleich voll“ sind. Nennen wir es „Homöostat der Liebe“ oder – plakativer – Win-Win-Situation. So sehe ich es.
Es ist hier also relevant, das zu erkennen, weswegen ich es für sinnvoller halte, sich der Dynamiken – wie oben beschrieben – bewusst zu sein, als sich Reiki geben zu lassen oder zu schauen, wie z. B. der Urgroßvater da hineinspielt …
Wer also als Frau einen besten männlichen Freund hat, von dem sie ganz genau spürt, dass hinter seiner Nettigkeit eine Absicht steckt, kann ihm vielleicht einmal ehrlich sagen, was schon zu Beginn passiert ist, jenes Ereignis, jene unterlassene oder getätigte Handlung, nach welcher es für sie klar war: Dieser Mann kann nicht mehr sein als ein Freund.
Wer sich als Mann in diesem Schema erkennt, sollte sich bewusst sein, dass es nicht reicht, lediglich „nett“ zu sein. Vor allem dann nicht, wenn Nettigkeit als mehr oder minder bewusste Strategie eingesetzt wird, um von der Frau etwas zu bekommen. Die meisten Frauen spüren es sehr rasch, dass da „etwas faul ist“. Das heißt für den netten Mann nun nicht, dass es sinnvoll ist, ins andere Extrem zu fallen. Playboys gibt’s wie Sand am Meer – und in allen möglichen Ausführungen, vom jugendlichen Sunnyboy bis zum Gentleman-Grand-Seigneur. Und die wenigsten Frauen werden alt, ohne nicht einmal im Leben auf einen reinzufallen …
Dem Negativbeispiel nachzueifern, wäre falsch, insofern eine ernsthafte Beziehung angestrebt wird. Daher sollte sich der nette Mann bewusst sein, dass er nur dann als potentieller Partner wahrgenommen wird, wenn er auf dem Spielfeld der Männer ist und in der Werbungsphase nicht „lasch danebensteht“ und zusieht, wie der Ball von einem Tor ins andere geschossen wird, sondern er selbst danach trachtet, den Ball zu kicken. Dazu braucht es die volle männliche Präsenz und Authentizität. Das heißt nun nicht, wie John Wayne durch die Gegend zu laufen, bzw. wie John Wayne zu sein, sondern es heißt – und es ist der beste Tipp, den ich geben kann – mit sich selbst okay zu sein, völlig egal, wie die Frau dazu steht. Bsp.: Wenn es für einen Mann okay ist, eine Frau im Supermarkt anzusprechen, dann sollte er es tun. Reagiert die Frau ablehnend, dann sollte er das zwar respektieren, jedoch nicht zurückweichen wie folgt: „Ähm, ja, eigentlich hast du recht, also, im Supermarkt Frauen anzusprechen … Das gehört sich nicht. Ich entschuldige mich vielmals.“  Dasselbe gilt für die erste Berührung, den ersten Kuss. Wenn er meint, er möchte sie beim ersten Date küssen, dann sollte er es sich nicht dreimal oder öfters überlegen, um es letztlich zu „versuchen“. Besser ist es, damit okay zu sein, selbst wenn er eine ablehnende Reaktion riskiert. Diese gilt es – wiederum – in jedem Fall zu akzeptieren, jedoch ohne sich dafür zu entschuldigen. Es geht also nicht darum, dominant zu sein und die Frau in ihrem Willen oder in ihren Bedürfnissen zu missachten, sondern darum, dass die Frau spürt, dass er weiß, was er will. Wenn er dabei noch entspannt und gelassen bleibt und Ruhe bewahrt, zeigt er jene Art von Stärke, die auf viele Frauen äußerst anziehend wirkt. Und wenn dann noch Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Treue hinzukommen – et voila! Mehr kann sich eine Frau wohl nicht wünschen. Traumprinz-Score erreicht.

Nachtrag: Dieser Artikel informiert zum Generellen des Beziehungsthemas das zu netten Mannes. Ausnahmen bestätigen die Regel. Selbstredend können unter gewissen Umständen Mann und Frau sehr gut befreundet sein. Hier ist das Thema jedoch, dass der Mann Partner und nicht der „beste Freund“ sein will.

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Nina Deißler: Was Frauen wirklich wollen

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