Traumtagebuch: Dreamsharing mit Konrad

Traumtagebuch ist eine Reihe, in welcher ich von denkwürdigen Trüb- oder Klarträumen berichte. Um diese Aufzeichnungen verstehen zu können, wäre Grundlagenwissen im Klarträumen und Astralreisen vorteilhaft, jedoch kann man auch mit einer unvoreingenommenen Lesart an die Texte herangehen:

DreamsharingIn Trübträumen taucht er manchmal auf. Nennen wir ihn Konrad. Lange Haare, freundliche Art, immer etwas laid-back …
Glaubt man Jonathan Dilas, Autor von Luzides Träumen, Astralreisen und die Zirbeldrüse: Wege der Bewusstseinserweiterungso gibt es die Möglichkeit des Dreamsharings, das heißt, dass zwei Menschen den gleichen Traum teilen und sich in diesem auch tatsächlich begegnen.
Was Konrad anbelangt, so war ich bis jetzt der Meinung, dass ich ihn lediglich in meinen Träumen imaginiere, so wie man auch den Cousin, Freunde oder andere real existierende Menschen im Traum imaginiert. Erst beim Durchlesen des Traumtagebuchs fiel mir etwas auf: Alle Träume, in denen Konrad auftrat, so instabil und nicht-kontinuierlich sie auch waren (wie es normale Trübträume eben sind), wiesen ein gemeinsames Merkmal auf, denn das Tun darin ist immer gleich: Zumeist gehe ich hinter ihm her, er zeigt mir etwas oder es gilt, etwas gemeinsam zu meistern/zu bestehen – und das völlig egal, wie metamorph der Traum auch ist, wie unstet und schwankend. Dieses Motiv ist immer gleich.
Für diese Stringenz in einer überschaubaren Anzahl an Trübträumen gibt es nur zwei Erklärungen. Entweder imaginiere ich Konrad als eine Art Lehrer, der er im wahren Leben auch ist, weswegen er einfach nur die Blaupause/Schablone dafür in meinen Trübträumen ist, oder ich suche ihn tatsächlich in Träumen auf. Oder er mich. Obwohl ich an Dreamsharing glaube, auch Filme wie Körper und Seele oder 8 Sekunden, ein Augenblick Unendlichkeit behandeln dieses Thema, ist es jedoch eigenartig, dass mir dies wenn, dann ausgerechnet mit Konrad passiert, denn der oft zitierte „gute Draht“, den Menschen zueinander haben, fehlt bei uns. Nicht nur kenne ich ihn nicht gut, sondern gab es Missverständnisse, nichts wirklich Dramatisches, aber auch nichts, was einen für den anderen einnimmt. Geht man davon aus, dass sich zwei oder mehrere Menschen nur dann im Traum treffen, wenn sie eine gute Verbindung zueinander haben, muss Konrad in nachfolgender Schilderung als imaginiert betrachtet werden. Nimmt man aber das immer gleiche Tun im Traum, wofür ich mehrere Träume/Sequenzen heranziehen kann, könnte die Stringenz darin ein Indiz für Dreamsharing sein …

Dieses Mal bin ich in einem Möbelhaus, das Ähnlichkeit zu IKEA hat. Es könnte aber einfach nur ein großes Gebäude sein. Ich stehe im Treppenhaus, in welchem jenes gelbliche Licht herrscht, das entsteht, wenn draußen, im Freien alles nebelgrau und trüb ist. Gerade steigt eine Gruppe von Menschen, etwa zwanzig an der Zahl, in einen Aufzug, der die Größe eines Zimmers hat.
Ich weiß von meinen „Aufzug-Träumen“, dass ein Aufzug für gewöhnlich nie nur einfach rauf und runter fährt, sondern es zu großen Turbulenzen kommen kann, da der Aufzug plötzlich hält, um horizontal nach links oder rechts auszuscheren, er sich im Kreis dreht oder durch die Gegend schlingert, was mit starken Fliehkräften einhergehen kann … Es ist wirklich gefährlich.
So bin ich etwas nervös, als ich die Leute einsteigen sehe, denn sie wissen offenbar nicht, worauf sie sich da einlassen. Aus dieser Sorge heraus steige ich ebenfalls ein, denn ich kenne das alles schon und weiß, wie ich mich verhalten muss, bzw. möchte ich die Leute beschützen.
Hinter mir ist plötzlich Konrad. Die Menschen stehen noch verstreut und plaudernd herum, als sich der Aufzug in Bewegung setzt, weswegen ein ehemaliger Arbeitskollege von mir, der ebenfalls anwesend ist – ein junger Mann, den ich sehr gut leiden kann -, plötzlich nach außen gesogen wird, gerade so, als risse in einem Flugzeug die Außenwand auf, sodass alles Inwendige ruckartig nach außen gezogen wird …
Es geht rasch. Mein Arbeitskollege weiß nicht, wie ihm geschieht, sein Gesichtsausdruck ist gleichermaßen panisch wie überrascht. Und fort ist er.
Ich habe es gesehen. Der Schock darüber ist groß, aber um alle anderen zu schützen, lasse ich mir nichts anmerken. Sie müssen jetzt unverzüglich in die Mitte des „Aufzugs“, bzw. dieses Raumes, denn wenn alle im Schwerpunkt stünden, mathematisch betrachtet (d. h. im Schwerpunkt des Raumes, nicht im Schwerpunkt des eigenen Körpers), wäre die Gefahr gebannt, da die Kräfte im Gleichgewicht wären.
„Bitte geht zusammen“, sage ich mit einer Ruhe, die ich nicht empfinde. Doch zu meiner Erleichterung sehe ich, wie Konrad auf der anderen Seite die Menschen ebenfalls in die Mitte drängt, was in mir ein Bild entstehen lässt, als wären wir Hütehunde, die daran arbeiteten, eine Schafherde zusammen zu halten …
Es gelingt. Obwohl sich der Aufzug wild durch den Orbit bewegt, kommt niemand zu Schaden, und dann hält der Aufzug plötzlich an, eine Plane geht hoch oder eine Außenwand wird transparent, ich kann es nicht genau sagen, und Konrad steht an der Kante und obwohl ich mich nicht erinnern kann, dass er „Spring!“ gerufen hätte, weiß ich, dass wir jetzt springen müssen …
So springt er und landet an etwas mir Undefinierbarem – es ist auch egal, was es ist, er landet jedenfalls, wohingegen sich mir eine lamellenartige Struktur entgegenbäumt, etwas Organisches, an dem ich mich nicht festhalten kann …
Vermutlich rutschte ich ab.
Szenenwechsel.
Wir sind in einem Tanzlokal oder einer Kellerbar. Menschen tanzen und ich sehe Konrad alleine an einem Tisch sitzen. Ich gehe auf ihn zu. Eigenartigerweise sehe ich aus, wie ich mit 28 Jahren ausgesehen habe und ich fühle mich auch so.
Ich beuge mich zu seinem Ohr: „Sag mal, hast du gesehen, was mit meinem Arbeitskollegen passiert ist?“ Ich flüstere es ihm zu, weil ich das Gefühl habe, dass die mich umgebenden Leute eben jene sind, die ich im Aufzug zu beschützen suchte, und ich will sie – auch nachträglich – nicht beunruhigen.
„Oh ja, das habe ich auch gesehen“, antwortet er leicht überrascht, so als wäre ihm nicht klar, dass auch ich es gesehen habe.
„Es war furchtbar“, sage ich, immer noch bestürzt, aber Konrad nippt nur an einem Getränk.
Für mich ein Zeichen, dass ich gehen sollte. „Okay. Danke, dass du mir geholfen hast.“
Draußen stehe ich erneut an einer Kante/Klippe, unter mir ein weitläufiges Tal, eine tiefe Ebene, die es offenbar zu überfliegen gilt. Konrad ist – obwohl eben erst zurückgelassen – plötzlich wieder an meiner Seite. Er blickt nach unten und offenbar sieht die untere Welt für ihn anders aus, als für mich, denn er scheint beunruhigt. Nichtsdestotrotz lässt er mich unverblümt mittels Telepathie wissen, dass ich jetzt gut achtgeben müsse, dass es schwierig (für mich) wäre, das Tal zu überfliegen, dass ich mich nah an ihm halten solle, da ich ohne ihn nicht zurückkäme …
Ich sehe kurz zu ihm hinüber, und dann ist das vage Misstrauen ihm gegenüber wieder da, das ich auch in der Realität habe, nicht, weil er ein schlechter Mensch ist, aber weil ich fühle – und das nicht nur bei ihm -, dass ihm die volle Tiefe/Höhe/Länge/Breite des Moments entgeht, jene subtileren Bedeutungsebenen, die in jeder Form des persönlichen und nicht-persönlichen Daseinsspektrum vorhanden sind. Es mag für den Nicht-Empathen, für den „normalen“ Menschen, die Welt in ihrer vollen Bedeutung stets reduziert sein, was in Ordnung, da gemeinhin „normal“ ist, doch die Informationstiefe ist bei Hochsensiblen Personen – siehe Dr. Elaine Aron – nicht nur größer, sondern präsenter, bzw. wird sie schneller erlangt. Was der „normale Mensch“ durch Lebenslektionen, schwere Krisen lernt, schöpft sich der mentale Empath innerhalb weniger Sekunden von zwei oder drei Personen/Situationen ab, deren Themen er in sich selbst hin- und herspiegelt. Um es abzukürzen: Ich misstraue den Menschen etwa so, wie man jemandem misstrauen würde, der seine Familie erst dann vorm Erdbeben in Sicherheit zu bringen meint, wenn das Haus gerade einbricht. Und so ist auch Konrads Seismograph, wenn er denn einen hat, defekt.  
„Ich komme auch ohne dich zurück“, lasse ich Konrad wissen, worauf er mich milde lächelnd und nicht ganz ohne Arroganz anblickt. In dem Moment ahne ich, dass da vielleicht schon öfter eine vergleichbare Situation war, ein Big Fail meinerseits im Fliegen und Springen … Hätte er jedoch einen „Seismographen“, die volle Informationstiefe, dann sähe ich jetzt nicht in exakt dieses Gesicht. Dann wüsste er es einfach.
Ich hefte meinen Blick auf den Horizont, wo jetzt etwas aufblitzt. Es ist sehr klein, doch das genügt. Ich weiß zwar nicht, wie ich es mache, denn entweder habe ich einen Teil von mir dort zurückgelassen oder soeben mittels Empathie dort hingeschickt, einfach durch ein korrektes Einfühlen in das „Dort“, doch ich weiß, dass ich mich nur an den Teil von mir dort erinnern oder an ihn denken muss, gleichsam so, als wäre es ein Spiegel, und es ist tatsächlich ein schnelles Hin- und Herwerfen von Situation A zu Situation B, jene Empathie, die auch im realen Leben blitzschnell ist, und diese transportiert mich jetzt, von mir selbst zu mir selbst, und weg bin ich.

Nachtrag: Wenn ein Trübtraum mehr bedeutet

Ich habe seit Kurzem die Vermutung, dass Trübträume unter Umständen mehr bedeuten, als man gemeinhin denkt. Manchmal, so empfinde ich es, scheine ich innerhalb eines Trübtraums einen größeren Anschluss an meine Energie, mein Wissen und damit eine größere „Erlebnistiefe“ oder einen größeren/holistischeren Traum- und Möglichkeitenradius zu haben, als wenn ich persönlich dabei bin und das Steuer in der Hand habe.
Natürlich bin ich – ist jeder – in einem Trübtraum nur das Treibgut, das in den Traumwelten herumgeworfen wird, und natürlich ist das oft „nix“, doch manchmal ist selbst in diesem Zustand etwas auf Autopilot gestellt und dies deshalb, weil es irgendwer/irgendwas so möchte. Ich denke: Es gibt, so konfus und sinnlos ein Traum auch scheinen mag, manchmal eine Absicht/Steuerung. Dass es so ist, merke ich daran, dass ich beim Aufwachen das Gefühl habe, dass ich weit weg gewesen, vieles erlebt und mit vielen gesprochen habe … Aus diesem Grund freue ich mich über einen bruchstückhaft erinnerten Trübtraum, der diesen Gefühlseindruck beim Aufwachen nach sich zieht, mehr, als wenn ich einen langen Klartraum ohne diesen Gefühlseindruck habe. Für Trauminteressierte heißt das, dass auch Trübträume untersuchenswert sind, insbesondere, wenn man die Frage nach dem Autopiloten stellt.

Weitere Informationen zum Thema Luzides Träumen – Begriffsgeschichte und Überblickswissen von den Anfängen bis zur Moderne, Literatur- und Filmempfehlungen – klick auf Klarträumen.

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