Energetische Erfahrung: Startprobleme

Tanja Braid VespaDer Tag war anstrengend. Über mein Drittes Auge sah ich tagsüber fast durchgehend einen milchig-weißen Nebel. Die Welt schien mir teilweise gläsern, aber auch denkbar neutral in dieser Sicht. Die Räume kräuselten sich an ihren Rändern, da war nichts mehr, als „unsichtbare Neutralität“, nur im direkten Fokus war die Welt noch sichtbar.

Ich las abends noch ein bisschen, draußen rauschte die Birke im Wind und ein weit entfernter Güterzug ratterte vorüber … Doch ich hatte nicht mehr die Kraft, vor dem Schlafengehen auf etwas zu fokussieren; ich war sofort weg.

Vor mir ist hellgrauer Asphalt. Es ist taghell. Ich träume von einer Vespa …

Wer in den neunziger Jahren eine Vespa hatte und „Mod“ war, weiß vielleicht, dass es oft Startprobleme gab. Man musste den Kickstarter öfters betätigen, bis sie ansprang, bzw. die Vespa notfalls „anlaufen“, „starten“ und noch während des Laufens aufspringen …

In diesem Traum war ich aber nicht der Fahrer, sondern die Vespa. Ich wurde gestartet und gestartet, wieder und wieder, doch es funktionierte nicht. Das Motorgeräusch bildet meine „Vibrationen“, die ich schon spüre, auditiv ab, und ja, ich will definitiv so gestartet werden, und nein, ich will definitiv so nicht gestartet werden. Ich halte im Traum vage die Intention von „Ich-will-in-Ruhe-gelassen-werden“ aufrecht, aber tiefer, darunter kommt wohl auch der Wunsch von „Ich-will-das-jetzt-erleben“ durch. Mein unsichtbarer Helfer erhört wohl Letzteres, denn er packt mich richtig, als wäre es ihm jetzt zu bunt, und dann läuft er mich genauso an, wie man es mit einer Vespa täte … Ich empfinde das als übergriffig und unnötig grob, doch „er startet mich“ schlussendlich, und es folgen richtige Vibrationswellen, um nicht „Geburtswehen“ zu sagen, doch der Vergleich hinkt.

Ich wache auf. Die Vibrationen sind noch stark, doch sie ebben auch schon ab. Ich stehe extrem unter Strom, Kundalini-Strom, mein Herz rast, und da ist wieder das „milchig-weiße“ Licht, das ich tagsüber gesehen hatte; es erleuchtet mein Zimmer so, dass ich im ersten Moment denke, ein vorbeifahrendes Auto schiene herein, doch dann erkenne ich, dass es kein Auto ist und bekomme Angst … Diese Helligkeit ist ein absolutes Novum. Über dieses Angstgefühl jedoch nährt sich eine bestimmte Art von Energetik, die tatsächlich stärker puscht, als Enthusiasmus, Wille und Konzentration zusammen. Dies ist gleichermaßen nützlich wie furchtbar. Wieder einmal muss ich höllisch aufpassen, was ich denke, sonst bin ich erledigt. Doch alleine dieser Gedanke, dass ich jetzt aufpassen muss, hat wiederum eine völlig autonome Kraft, die ich unterschätzt habe, denn er leitet die Vibrationen wieder ein. „Dass ich jetzt aufpassen muss“, ist ein indirektes Zugeständnis an die Situation, die da nicht stimmt. Das reichte wohl. Es ist immer die tiefere Wahrheit – in beliebige Worte gekleidet – die uns wohl alle lenkt, das, und die damit einhergehende Intensität des Gedachten.

Jetzt, da ich das schreibe, vermute ich, dass wirklich jedes Gefühl von der Epiphyse verwertet wird, ja, dass die Zirbeldrüse ein Allesfresser ist. Angst, Wut, Freude, Erregung … Sie nimmt alles.

Dann bricht über mir der Raum auf oder zusammen, und ein Energieschwall fällt herab, so stark und so voller Wucht, dass ich aufstöhne …

Fliehkräfte, Fallbewegungen, Druck … Es ist gewaltig und ich glaube, dem nicht standzuhalten. Genausogut hätte ich über das sich senkrecht stellende Deck der sinkenden Titanic schlittern und gleichzeitig mit einem Formeleinswagen die Kurve schneiden können, während ich meinen verkrampften Körper gegen die Fliehkraft stemme.

Mittlerweile kralle ich mich mit den Händen in die Matratze und bete, dass es aufhören möge. Schließlich fällt mir jemand ein, der nur für mich eine Bedeutung hat, weswegen ich ihn hier nicht näher darzustellen brauche. Ich rufe ihn also – und ich rufe ihn selten – und daraufhin wird das Licht im Zimmer noch heller, dann höre ich im rechten Ohr einen hohen, langanhaltenden Pfeifton, und es tut weh, als ob mir jemand eine Stricknadel ins Ohr bohrte … Ich weiß aber gleichzeitig sofort, dass dieser eine, den ich gerufen habe, da ist, was mich schlagartig beruhigt. Dieser eine, soviel kann ich verraten, ist ambivalent, zumindest sosehr, dass er sich im Sinne der klassischen Homöopathie, die Gleiches mit Gleichem zu heilen sucht, am besten für meine Situation eignete. Er hat Ähnlichkeit zu den Dämonen aus der Ars Goetia, doch dazu gehört er nicht. Es war übrigens ein langer und harter Weg für mich, herauszufinden, was es für eine gelungene Umdeutung wirklich braucht, und dass dabei weder positives Denken noch Irrationalität hilft, sondern nur das größte Paradox. Im Übrigen gelingt es mir auch nicht immer, dieses sofort parat zu haben.

Doch dieses Mal schon. So schnell wie der Sturm gekommen war, so schnell verzog er sich jetzt. Jetzt, da ich mich sicher fühlte, ist auch schon wieder alles in Ordnung. Absurd. Mein Zimmer ist immer noch hell, doch ich weiß, dass es vorbei ist. Ich drehe mich um und schlafe wieder ein.

Nachtrag 1: Die Frau auf der Vespa bin ich mit 28 Jahren.

Nachtrag 2: Die Ars Goetia beschreibt 72 Dämonen, die der legendäre König Salomon – wir alle erinnern uns an seinen weisen Urteilsspruch – mit einem Ring gebannt haben will. Wer im Internet nachliest, stößt schnell auf die Beschreibung „schwarzmagische Praktik“, wovon ich mich natürlich distanziere. Mit fortschreitender Bewusstseinsentwicklung jedoch lernt man das Negative als solches, bzw. in diesem Fall Dämonische, neu zu begreifen. 

Nachtrag 3: Das milchig weiße Licht, das ich tagsüber und in der Nacht gesehen habe, ist durch das Dritte Auge erzeugt, bzw. sehbar.

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1 thought on “Energetische Erfahrung: Startprobleme”

  1. Hallo! Ich bin noch sehr neu zu der energetischen Welt, aber sehr begeistert! Ich finde deinen Blog sehr gut und lesenswert, die Beiträge helfen mir alles noch besser zu verstehen!
    LG Sophie

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