Ein Inkubus packt aus

„Warum treffen wir uns nicht?“
Seit Tagen schon schrieb er mir mich immer wieder an. Nennen wir ihn Stefan. 24 Jahre alt, unauffälliger Typ.
„Was machst du so? Wir könnten uns doch mal zu einem Kaffee treffen. Nur zum Plaudern. Nur freundschaftlich.“
Stefan konnte es nicht wissen, aber „rein freundschaftlich“ wollte sich so gut wie jede Woche jemand mit mir treffen. Und jemand ist immer „männlich“.
„Freundschaftlich?“, schrieb ich zurück. „Ich treffe mich nicht mit Männern, die mich nur freundschaftlich treffen wollen. Ich will nur Sex.“ Das war nach einer langen Reihe an zeitraubenden Chats und reichlich Erfahrung meine Standardantwort auf „rein freundschaftlich“. Natürlich wollte ich keinen Sex haben, es war nur ein Test …
„Ach so? *grins* Das ist doch wunderbar. Dafür bin ich doch offen.“
Alles klar. „Dann ist es auch nicht freundschaftlich.“ Und damit drückte ich ihn weg, noch während ich einen energetischen Imprint von „etwas springt mir paarungswillig ans Bein“ erhaschte.

Stefan schrieb jeden Tag – das Übliche. Was machst du? Ich bin gerade … Bei dem Wetter tue ich … Offenbar war er einer jener, die eine Frau mit Belanglosigkeiten zuschütteten. Wie spannend. Ich wiederum verstand nicht, was an meinem Verhalten nicht klar war? Begriff er denn gar nichts? Um Antwort bemüht streckte ich ein weiteres Mal meine energetischen Fühler aus und wünschte sofort, ich hätte es nicht getan, denn der Eindruck von „paarungswilliger Hund“, der sich vor Vorfreude kaum einkriegte, überschwemmte mich regelrecht.
Jesus!, dachte ich abgestoßen. Offensichtlich hatte der „Ich-will-nur-Sex-Test“ mehr als hundert schlafende Teufel geweckt, weil er mitnichten verstand, dass es ein Test gewesen war, den er überdies nicht bestanden hatte. Er nahm mich wörtlich.
Ich beschloss, Stefan zu ignorieren. Doch die Tagesbotschaften wurden bald forscher.
„Ich kann dich auch astral besuchen. Stehst du auf Astralsex?“ Dieses Ansinnen erreichte mich, als ich gerade für einen  Artikel recherchierte.
„Ich steh auf Liebe“, ließ ich mich zu einer Antwort verleiten, nicht zuletzt deshalb, um es klarzustellen.
„Aber du weißt schon, dass es möglich ist und dass es toll ist.“
„Mag sein. Aber du bist nicht mein Typ.“
„Interessiert dich das gar nicht? Ich kann mich auch in deinen Dreamlover verwandeln. Musst mir nur sagen, was du willst.“
Fiel das jetzt unter Betteln oder Überreden? Ich schüttelte den Kopf, wollte die Unterhaltung schon stumm schalten, als ich es mir anders überlegte. Stefan schien etwas zu wissen. Und darauf war ich neugierig …
„Erzähl doch mal, wie du das machst. Bist du schon oft der Dreamlover gewesen?“ (Zwinker-Smiley)
„Wenn du wüsstest …“ (Zwinker-Smiley)
Meine Finger lagen einsatzbereit auf der Tastatur, aber ich beschloss, zu warten.
„Ich bin in einer Loge. Wir haben uns auf sexuelle Besuche bei Frauen festgelegt.“
„In einer Loge? Wirklich?“
„Nein, keine echte Loge. Wir haben keinen Namen. Aber ich bin einer Gruppe von Astralreisenden, die sich außerkörperlich gemeinsam treffen.“
„Toll. Und dann habt ihr wilde Sexpartys bei irgendwelchen Frauen, die nichts davon mitbekommen?“
„Ja, genau! Woher weißt du das?“
Weil ich Mann-thropologin bin? „War nicht schwer zu erraten.“
„Und? Bist du jetzt schockiert?“
Total. „Keineswegs.“ (Zwinker-Smiley) „Erzähl doch, wie das so abläuft bei euch.“
Stefan hielt sich zurück. Ich fühlte zu ihm hin und spürte einen leichten Konflikt. Einerseits brannte er darauf, die wildesten Geschichten auszuplaudern, andererseits gab es offenbar Grenzen, einen Kodex innerhalb seiner Gruppe, den es zu bewahren galt.
„Schon mal was von einem Inkubus gehört?“, schrieb er schließlich.
„Natürlich.“
„Das sind wir. Es gibt viele Möglichkeiten, eine Frau astral zu nehmen. Sie darf nur nichts davon mitbekommen. Ich hatte als Jugendlicher mal einen Mopedunfall. Da verließ ich das erste Mal meinen Körper und seither geschah es immer wieder. Es ging immer leichter und ich konnte es steuern. Ich spionierte Mädchen aus, die mir gefielen. Ich besuchte sie, sah ihnen beim Ausziehen zu, beobachtete sie unter der Dusche …“
Unbehagen stieg in mir hoch. Was er erzählte, nahm mehr und mehr Kurs auf eine schlammbespritzte Abfahrt, die er bald – so ahnte ich – mit säuischem Genuss hinunterrutschen würde … Und dahinter pinkelte der paarungswillige Hund vor Ungeduld herum, so mein geistiger Eindruck.
„Damals hatte ich noch keine Ahnung, wie man mit einer Frau astral verkehrt. Jahre später lernte ich aber jemanden kennen, der auch Astralreisen konnte. Er zeigte es mir. So taten wir uns zusammen und ich zeigte es wieder anderen. Mittlerweile sind wir vier Männer.“
„Wow. Und ihr vier trefft euch immer in der Nacht?“
„Manchmal auch am Tag. Nicht immer sind wir zu viert. Manchmal treffen wir uns auch nur zu zweit bei einer Frau, die wir im Alltag ausgesucht haben. Sie muss uns natürlich gefallen, klar.“
„Klar.“ (Zwinker-Smiley). Wie glücklich jene Frau, die nicht gefällt, musste sie sich des Nachts doch nicht mit halbgaren Idioten herumschlagen, die es im realen Leben offenbar nicht schafften, eine Frau zu erobern …
„Eigentlich fällt doch alles Normale weg, nicht?“, schrieb ich. „Das Kennenlernen, eine Frau zu einem Date bitten, eine Frau ausführen, sie einzuladen … All das kannst du überspringen. Spart Geld und Zeit. Clever.“ (Zwinker-Smiley).
Stefan schickte eine Reihe Lach-Smileys. „Ja, genau!“
Was war er doch nur für ein Oberchecker. Und wie blöd all die normalen Männer, die nach den Regeln spielten.
„Dich habe ich auch schon besucht“, kam es unvermittelt und nicht ganz ohne Stolz.
Großer Gott! Das machte mir Angst. Dieser nichtssagende Typ mit seinem teigigen Gesicht …? „Ach, du warst das neulich? Ich bin fast vierzig, so taufrisch bin ich nicht mehr … Aber danke, dass ich noch ins Beuteschema passe.“
„Und wie. Du bist richtig … Lecker.“ (Zungen-Smiley.)
Jetzt wurde mir schlecht. „Danke.“
„Obwohl du schon eine harte Nuss bist. Ich habe mich in alle möglichen Dreamlover verwandelt, aber dein Schema treffe ich einfach nicht. Und eine Frau, die das nicht will, mit der kann keiner von uns was anfangen. Da heißt es dann dranbleiben und hartnäckig sein. Am schönsten ist es, wenn die Frau aus ihrem Körper heraus ist, weil Astralsex geht nur, wenn beide in der gleichen Schwingung sind. Eine andere Möglichkeit ist, die Frau im Dämmerschlaf zu bespielen. Da hat sie dieselbe Frequenz. Auch das ist richtig geil.“
Und da rutschte das Schwein genüsslich hinunter und der Schlamm spritzte in hohem Bogen …
„Und die Frau merkt das nie?“, fragte ich.
„Nein, am nächsten Tag hat sie alles vergessen oder glaubt, es ist ein Traum gewesen.“ Wieder schickte Stefan ein Lach-Smiley. Und noch eines.
„Krass“, schrieb ich.
„Was soll’s? Sie merkt ja sowieso nichts. Ist immer lustig, wenn man der Frau im wirklichen Leben mal begegnet. Sie hat keinen blassen Schimmer.“
Genug gehört. „Ich kann mich an dich erinnern.“
„Sicher nicht.“
„Doch. Es war letzte Woche um 05:30 Uhr in der Früh.“ Zu dieser Zeit wachte ich tatsächlich mit einem sehr seltsamen Gefühl auf. Zwar pokerte ich jetzt, denn mit Sicherheit wusste ich gar nichts, aber es stand auch nichts auf dem Spiel. Zudem konnte es zeitlich passen, denn seine Eröffnung, er wäre auch schon mal bei mir gewesen und ich wäre eine harte Nuss, klang als Erinnerung bei ihm frisch. Zumindest nicht älter als eine Woche.
„Nein, da war ich nicht bei dir.“
Ich fühlte zu Stefan hin. Und ob er es war. Jetzt nur war ihm das Eis zu dünn …, und ich so wütend, dass ich die Giftspritze bis zum Anschlag aufzog: „Doch, du warst es. Und der Sex war ziemlich durchwachsen, um nicht schlecht zu sagen. Sorry. Bringst du überhaupt eine Frau zum Orgasmus?“
Schweigen. Das hat gesessen.
„Jedesmal.“
„Kann ich mir nicht vorstellen. Ich sag dir jetzt was: Dein Astralsex ist so aufregend wie ein labbriges Stück Toastbrot. Und was du mit deinen Kumpels abziehst, ist nichts anderes, wie wenn in der Realität jemand eine Frau mit K.O.-Tropfen betäubt, um sich nach Lust und Laune mit ihr zu vergnügen. Das ist pervers und armselig. Und ein Sexualdelikt. Eine jede Frau aber hat das Recht, sich ihre Sexualpartner selbst zu wählen und nicht hinterrücks bequatscht oder getäuscht zu werden. Vielleicht solltest du dein Äußeres mal auf Vordermann bringen, denn wer mit 24 aussieht wie ein Faschingskrapfen …“
In dem Moment bekam ich geistig rein, dass er meine Worte nicht aufnahm, ihm fehlte einfach die geistige Kapazität, da er immer noch im „Hunde-Modus“ war und meine Zeilen nur danach durchforstete, wie er sein astrales Erscheinungsbild angleichen konnte, dass ich leichter „rumzukriegen“ wäre … Er forschte nur nach meinen Vorlieben und hat auch das Gespräch mit mir nur deshalb gesucht, um etwas in Erfahrung zu bringen, was er bei seinen nächtlichen Besuchen nutzen konnte …
„ … denn wer mit 24 aussieht wie ein Faschingskrapfen, sollte noch weiter an seinem süßen Aussehen arbeiten. Der Bärchentyp ist momentan sehr gefragt und auch ich steh‘ total darauf. Und auf Hobbits, aber du kannst dich ja in der Realität nicht kleiner machen. Versteh ich schon. Ist nur so eine Vorliebe von mir. Je kleiner und süßer der Mann, so ein 50-kg-schwerer Jockey, ah, da habe ich schon viele schöne Stunden mit verbracht.“
Wenn ein energetisches System hören kann, dann spitzte ich jetzt die Ohren.
Darauf wär ich nie gekommen, kam plötzlich rein.
Yep. Und damit schaltete ich die Unterhaltung endgültig auf stumm.

Mehr über Inkubi:

Im nachfolgenden ein Artikel, was hinter Inkubi (Plural von Inkubus) steckt und wie man sie sich vom Leib hält – Link.

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Geboren 1978 – Bloggerin | Beraterin zu spirituellen Themen | Kundalini | Neoterikerin | Herausgeberin von Neoterisches Bewusstsein – Moderne Spiritualität | Mehr zu mir | Kontakt | FB-Profil Tanja Braid | FB-Seite Neoterisches Bewusstsein | Gruppe Astral SpaceSpenden |

9 thoughts on “Ein Inkubus packt aus”

  1. …boah, so ein armseliger Pisser!!! Irgendwie kann ich immer noch nicht nachvollziehen, wie Leute mit so einer niederen Schwingung ohne weiteres astral reisen dürfen!

    LG
    Ronny

  2. Oh man… Echt traurig, dass das Astralreisen für das Ausleben solcher niederen Triebe genutzt wird. Da muss wohl einiges kompensiert werden. Schade. Aber super wie du reagiert hast, genau richtig.

    Liebe Grüße

  3. Herzlichen Dank für diesen Artikel Tanja. Irgendwie nicht überraschend und doch habe ich mich mit dem Thema nicht befasst, bisher. Wenn Astral Reisen für solche Zwecke missbraucht werden können, dann ist es doch naheliegend, dass auch sonst Menschen im Schlaf besucht werden und sie somit auch psychisch beinflusst, oder? Ich denke da an viele die unter Depressionen leiden und nicht recht wissen warum.

    1. Hallo Christof,

      danke für deinen Kommentar. 🙂

      Nicht jeder, der an Depressionen leidet, wird „nachts“ besucht. Bis auf den Fall Carla Moran ist es auch noch nicht bekannt geworden, dass Astralbesucher/Entitäten jemanden vergewaltigen (können). Der Film Entity zeigt es jedoch sehr anschaulich, was da passiert ist und beruht auf wahren Begebenheiten. Grundsätzlich ist es möglich, jedoch selten.

      Dennoch ist es zu weit gegriffen, ein jedes körperliches/seelisches Unwohlsein auf nächtliche Sex-Raubritter zurückzuführen. Und wie Stefan erzählt, muss eine Frau im astralen Zustand getäuscht werden, Gewaltanwendung ist nicht möglich und sie darf sich nicht wehren. So stimmt es meiner Erfahrung nach auch, siehe Artikel Der Inkubus und die Mimiks.

      Liebe Grüße,

      Tanja

  4. Danke, liebe Tanja,
    das war sehr aufschlussreich – auch deine Antwort hier drüber.
    Ich denke, dass das irgendwie auch Männer sind, die sich im „realen“ Leben eher machtlos und eisnam (haha, netter Rechtschreibfehler – „eingefroren“ würde auch passen) fühlen. Du hattest ja auch deutlich das mitschwingende Gefühl, dass da einer sehr bedürftig/bettelnd ist. Könnte mir auch vorstellen, dass es nicht 4 Männer sind, mit denen er „unterwegs“ ist, sondern er allein …
    Im Prinzip gibt sich da jemand mit einer ziemlich oberflächlichen und „halben“ Erfahrung zufrieden. Das ist vom emotionalen Bewusstseinsstand einfach low. Wie so oft inzwischen, scheint mir auch hier wichtig, dass die Leute sich selbst wieder richtig wahrnehmen, kennen, akzeptieren lernen.

    LG
    Giga

    1. Liebe Giga,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar! 🙂

      Freut mich, dass du deine Gedanken dazu teilst, und ja, es ist gut möglich, dass „Stefan“ – übrigens namentlich verfläscht – einsam ist. Obwohl ich persönlich nicht so entschuldigend wäre … Viele Menschen sind einsam. 🙂

      Liebe Grüße,

      Tanja

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