Das Spiel – ein Klartraum

Das Spiel - ein KlartraumTraumtagebuch ist eine Reihe, in welcher ich von denkwürdigen Trüb- oder Klarträumen berichte. Um diese Aufzeichnungen verstehen zu können, wäre Grundlagenwissen im Klarträumen und Astralreisen vorteilhaft, jedoch kann man auch mit einer unvoreingenommenen Lesart an die Texte herangehen:

Es gibt Klarträume, die sind wunderschön. Wie ein einziges Spiel mit seinem Unterbewusstsein. Landschaften, Szenerien verändern sich, eine schöner als die nächste …
Dieser Klartraum ist anders.

„Verdammt, jetzt bin ich schon wieder hier“, ist der erste Gedanke, der mir in den Kopf schießt, als ich klar werde. Ich sitze in einem langen, dunklen Gebäude ganz weit hinten, wie am hintersten Ende eines schwarzen Schlauches, wie im finstersten Winkel eines Kinosaals.
Das „Kittchen“.
Ich weiß, ich habe verschiedene Stationen hinter mir, und zwar der Reihe nach „den Stall“, „die Scheune“, „die Bar“, „das Bad“ und „den Dämon“. Wie ich es diesmal geschafft habe, den Dämon abzuschütteln, weiß ich nicht. Jetzt sitze ich wieder hier, wo man mich ganz tief zurückgestellt hat, weil ich irgendeinem bestimmten Sachverhalt, einem bestimmten Wissen zu nahe gekommen bin. Und das darf nicht sein.

Doch zurück zum Anfang.
Mit einem klassischen Herren-Gehstock bin ich unterwegs. Ich fühle mich halb als Pilger, halb als Forscher. In meinem Kopf gibt es eine bestimmte Route, einen bestimmten Weg, ein ganz klares Ziel, an dessen Ende etwas sehr Großes/Unbenennbares ist. Etwas sehr Wichtiges. Ich weiß ganz genau, wie ich dahin komme, doch immer wieder werde ich abgelenkt, fortgejagt, treffe auf Feinde oder muss mich verstecken …
Ich gehe aus dem Kuhstall in die Scheune, draußen sind Widersacher. Ich verstecke mich in einem alten Oldtimer, der voller Staub und Stroh ist … Maschinengewehre werden abgefeuert. Ich weiß, sie werden die Scheune bald anzünden. 
Sofort weg hier. Ich starte das alte Auto und fahre einfach aus der Scheune, gegen das Scheunentor, begleitet von Salven. Ich entkomme. Bald schon fahre ich durch die Wüste, die von zwei gigantischen Gebirgsmassiven eingerahmt wird. Ich komme an die Bar, wo ich eine gewisse „Traumsprache“ spreche, die nur im Traum und innerhalb des Traumgefüges Sinn ergibt. Als ich wieder weiterziehen will, mich ganz klar meines Weges und meines Zieles entsinne, werde ich abgedrängt, und bin nun in einem beengten Bad, wo der Dämon auf mich wartet …
All das ist ein Spiel. Nicht anders als beim „DKT“, „Das kaufmännische Talent“, drehe ich immer dieselben Runden. Nur der Zufall entscheidet, auf welche Felder/Stationen ich „hingewürfelt“ werde. Das Spiel ist immer gleich, die Runden sind immer gleich, doch in mir gibt es eine Art Überbewusstsein, das einen anderen Weg kennt und diesen auch gehen will. Beim DKT gibt es zwei besondere Felder: Erstens: Gehe über Start und ziehe 200 Euro ein. Zweitens: Gehe ins Kittchen und setze eine Runde aus. Erstens: Belohnung. Zweitens: Bestrafung.
Der dunkle Saal, in welchem mich „irgendwas“ oder „irgendwer“ – ich weiß nie wie und wodurch es geschieht – strafversetzt, ist für mich „das Kittchen“. Hier werde ich oft ruhig- bzw. abgestellt. Abgestellt wie ein alter Computer. Weil ich „etwas“ oder „jemand“ zu genau erkannt habe. Vermutlich bin ich dem Ziel zu nahe gekommen. 

„Verdammt, jetzt bin ich schon wieder hier.“
So oft schon, unzählige Male, wurde ich hierher verfrachtet. Stets mit einem völligen Filmriss, einem Blackout und dem Wissen, hier lange geschlafen zu haben. Der Zeitverlust schmerzt mich. Ich weiß doch, wohin es geht und wohin ich will. Ich habe ein Ziel. Und jetzt, da ich luzide bin, werde ich es auch erreichen. Ich bin der festen Meinung, genau deshalb überhaupt klar geworden zu sein.
Also stehe ich auf. Schon entfaltet sich in meinem Kopf wieder eine Art Wissen und die Karte – die Route. Ich weiß ganz genau, wohin ich gehen muss. Gehen ist hier, im Traum, jedoch ein viel zu kleiner Begriff, denn ich komme im Traum nicht weiter, indem ich einfach „gehe“, sondern indem ich das Richtige tue und das Falsche unterlasse. Es geht um klare Gedanken, klare Absichten, richtiges Erkennen, Differenzieren und um noch mehr Erkennen. So funktioniert es. Nicht anders.
Also raffe ich mich auf. Ich rechne mit der nächsten Station „Wüste“ und „Bar“, rechne damit, wieder die höchst kuriose Traumsprache zu sprechen, doch schon bin ich wieder im Bad. Es ist ein beengter Raum mit weißen Fliesen. Wasser läuft in die Badewanne.
„Komm schon“, sage ich, wissend, dass der Dämon gleich käme.
Sofort stülpt sich von hinten eine schwarze Masse über mich. Es geht blitzschnell. Wie eine Druckwelle unter Wasser werde ich davon erfasst, energetisch überschwemmt. Erst will er mich aus meinem Körper „drücken“, dann, als er es nicht schafft, setzt er sich in mich und füllt mich richtig aus. Es ist sehr eklig und beklemmend. Und er würgt mich. Ich bekomme keine Luft mehr.
Ich weiß, dass dieses Szenario schon alle erdenklichen Verläufe genommen hat. Ich habe den Dämon durch einen Spruch gebannt, habe ihn durch Luftanhalten wieder von innen nach außen gedrückt, habe ihn abgeschüttelt, habe dies und jenes getan … Und immer hat er dazu gelernt. Jetzt allerdings war ich klar. Jetzt, beschloss ich, würde er nie wieder etwas lernen …
Das Wasser lief in die Badewanne. Er spürte meinen Entschluss, ahnte, was ich vorhatte, denn er drückte mir noch stärker die Luft ab, so sehr, dass ich hässliche Würgelaute von mir gab. Er hatte Angst. Er wollte nicht, dass ich nach dem Föhn griff …
Doch ich griff danach, stellte mich in die Badewanne, steckte den Stecker in die Dose, schaltete den Föhn ein und lies ihn in die Badewanne fallen …

Als ob es eine gewaltige Explosion gegeben hätte, stehe ich jetzt vor einem abgebrannten, zerstörten Haus. Das Haus. Darin war „das Bad“ und der nunmehr zerstörte Dämon. Ich wusste, dass ich es geschafft hatte.
Neben mir steht ein Mann. Er trägt Hut und einen klassischen Anzug mit übergeworfenem Trench. Sehr schick. Etwas dreißiger-Jahre-Look.
Er lächelt und greift sich an den Hals. „Ich nenne ihn immer den Würger.“
„Wie treffend“, antworte ich sarkastisch.
Der Mann ist groß. Der Anzug steht ihm vortrefflich. Elegant. Aber warum dieser Dreißiger-Jahre-Stil? Ich umkreise ihn und will, dass er den Trench auszieht, was auch prompt – so wie es sich für eine freundliche Traumfigur gehört – geschieht. Die Jacke auch, wünsche ich. Also zieht er sich die Jacke aus. Breite Schultern stecken in einem weißen Hemd. Manschetten. Das Gilet, hinten aus glänzendem Futterstoff, zeigt vorne dezente Nadelstreifen. Soviel Eleganz …
Ich fasse in das Revers. Der Stoff fühlt sich gut an. Wenn ich ihn jetzt küssen will, denke ich … Müsste es geschehen und er müsste mir entgegenkommen.
Doch er rührt sich nicht.
Stutzig weiche ich zurück. Ich wende meinen „Bezaubernde-Jeannie-Trick“ an, der bei mir etwas anders aussieht – aber genauso wirkt. Ich blinzle nicht, sondern hebe die rechte Hand, knicke den Daumen ein und mache eine unmerkliche Winkbewegung. Sieht etwas kapriziös aus.
Mit diesem Trick verändere ich immer Traumfiguren oder Traumlandschaften, sowie es mir gefällt. Jetzt habe ich die Intention, dass mir der elegante Mann „zu Diensten“ sein soll, mir zumindest entgegenkommen soll …
Statt dessen bricht er in Lachen aus. „Was soll denn das?“ Er äfft meine Handbewegung nach.
Ich wende meine ganze Konzentration auf, um nicht nur ihn, sondern die ganze Szene zu verändern. Ohne Handgeste, purer Wille. Doch auch das gelingt nicht. Da dämmert es mir …
„Das ist dein Traum, nicht? Bist du klar?“, frage ich.
Plötzlich habe ich den Herrenstock wieder in der Hand, der, wie ich jetzt weiß, eigentlich ihm gehört. „Hier.“
Er nimmt ihn an.
„Und das ist dein Spiel. Runde um Runde um Runde. Ist dir das klar?“
Er wirkt betreten. „Ich muss bald gehen. Ich habe einen Film, willst du ihn sehen?“ Er fischt eine alte Kamera aus dem Trench, die er prompt öffnet …
„Fotos?“, fahre ich dazwischen. „Wenn du Licht auf den Film lässt, sind die Fotos futsch.“
Er aber zieht an der schwarzen Folie und drückt sie mir in die Hand. „Da muss Licht drauf“, betont er, was ich sofort verstehe. Normale Sprache mit tieferer Bedeutung. Traumsprache.
Also rolle ich den Film aus. Ich sehe gar nichts. Doch ich sage: „Wenn du hier rauskommen willst, musst du den sechsten Gang einlegen.“ Traumsprache, die mir in Sinn kommt.
„Ich habe keinen sechsten Gang.“
Ich sehe ihn an. Jetzt tut er mir unglaublich leid. Er hatte diesen sechsten Gang. Er wusste es nur nicht. Also nehme ich seine Hand und gehe mit ihm die ganzen Schaltbewegungen durch. „Erster Gang. Du startest das Spiel. Zweiter Gang. Dritter Gang. Vierter Gang. Fünfter Gang. Und da ist der sechste Gang.“ Ich mache die „Sechste-Gang-Bewegung“ mit ihm drei mal. Rechts angelegt nach rückwärts ziehen. 
Irritiert sieht er mich an. „Manche Autos haben ihn. Manche nicht.“
„Geht es denn um Autos?“
Nein, denkt er. Es geht auch nicht um Gänge. Und ich spüre, was er denkt. Sowie ich spüre, dass er sich wundert, weswegen wir den Traum solange aufrecht halten können. Hätte ich nicht schon längst weg sein sollen? Sowie ich es sonst immer war?
„Scheint wohl, weil wir beide es wollen“, antworte ich. „Wo wohnst du?“
„Cincinnati.“
„Und wie heißt du?“
„Das weißt du doch“, antwortet er.
Ach ja? Ja. Sein Name war Karl. Geboren 1905. In Denver. Gestorben in …
„Du bist tot“, erkenne ich jetzt. „Du bist schon lange tot. Das weißt du auch nicht, nicht?“
Offenbar war die Erkenntnis etwas zu kaltschnäuzig vorgetragen worden, denn der elegante Karl, respektive, amerikanisch „Carl“, erschrak, was eine emotionale Instabilität hervorbrachte, die den Traum ins Wanken brachte … Am Horizont begann es zu vibrieren; Carl zog sich die Jacke an und warf sich hastig den Trench über … „Ich muss gehen. Bitte, hol‘ mich hier raus. Wenn du kannst.“
„Ich habe wohl keine Wahl, nicht? Wie oft habe ich dein Spiel schon gespielt! Wie viele Nächte schon! Das alles bist du. Das bin gar nicht ich.“ Ich echauffiere mich. Seit wann rettete ich „amerikanische Gangster“? Denn das war er auch.
„Wie eine Thompson funktioniert weißt du, aber wo der sechste Gang ist …?“, rufe ich ihm nach.
Carl dreht sich noch einmal um. „Du kennst den Weg.“
„Du kannst mich mal!“ Soll er doch selbst Nacht für Nacht gegen den Dämon kämpfen, gegen den Würger! Der Würger. Ach ja. Auch er war ein Gangster, der ihn umbringen wollte. Der ihn umgebracht hatte. Und den ich gefühlt hundert Mal im Bad erledigt hatte. Der wusste auch noch nicht, dass er tot war.
Ich lache hysterisch.
Dann wache ich auf.

Nachtrag: In diesem Traum vereinen sich mehrere Ebenen und viele Interpretationsmöglichkeiten, bis hin zum Dreamsharing oder Retrieving. Ich weiß nicht, ob hier eine Überlagerung gewisser Erfahrungsdimensionen/Realitäten stattgefunden hat oder ob der Traum doch nur eine von meinem Unterbewusstsein vollständig installierte Welt gewesen ist. Tendenziell wäre auch eine Reinkarnationserinnerung denkbar …
Was ich jedoch ausschließe, ist eine „Zeitschleife“. Zwar spielte ich immer wieder das gleiche Spiel, doch es hat mit „Schicksalswürfen“ und nicht mit Zeit zu tun. Es ist etwas anderes.

Weitere Informationen zum Thema Luzides Träumen – Begriffsgeschichte und Überblickswissen von den Anfängen bis zur Moderne, Literatur- und Filmempfehlungen – klick auf Klarträumen.

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